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Die besten Filme 2009

abgelegt unter: Film von Enk am 04.01.2010

Das Kinojahr aus Sicht von Mental Savage. Hier gab es ja schon einmal einen Zwischenstand, am Spitzenplatz hat sich dabei nichts geändert:

(500) Days of Summer ist der Film des Jahres 2009. Das intelligente rom-com Drama erreichte als einziger Film die Höchstwertung von 10 Punkten. Es folgen mit jeweils 9 Punkten zwei Arthouse-Filme, ein Eastwood-Meisterwerk und ein veritabler Blockbuster: The Reader, Rachel Getting Married, Gran Torino und Star Trek. Fünf Filme haben 8 Punkte erreicht, so schlecht kann das Kinojahr also nicht gewesen sein: Revolutionary Road, Valkyrie, Slumdog Millionaire, Doubt und The Hangover.

Tiefpunkte gab es leider auch reichlich. Auch wenn die 1 Punkte-Wertung zum Glück kein mal vergeben werden musste (2008 hat das noch der unsägliche 1 1/2 Ritter geschafft), kamen immerhin drei Filme auf traurige 2 Punkte: der unlustige Mario Barth Streifen Männersache, der Nicolas Cage Sci-Fi Nonsens Knowing und schließlich das verunglückte Bio-Pic Che: Part One, der so schlecht war, dass ich mir Teil 2 gleich gespart habe.

Das ganze ist natürlich nicht wirklich repräsentativ, berücksichtigt sind nur Filme, die im letzten Jahr erschienen sind und die ich auch gesehen habe. Gespannt bin ich u.a. noch auf Avatar, State Of Play, District 9 und Michael Moores Capitalism, deren Sichtung noch aussteht.


Filmkritik: Verblendung

abgelegt unter: Film von Enk am 22.12.2009

“Ich kenn dich überhaupt nicht” - “Ist besser so”

Stieg Larsson scheint so etwas wie der schwedische Dan Brown zu sein, nur dass Larsson bereits tot ist ist und den Welterfolg seiner Bücher nicht mehr miterlebt hat. Der Protagonist seiner “Millennium”-Romane ist Robert Langdon Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), ein investigativer Journalist, der auch schwierige, von der Polizei aufgegebene Mordfälle lösen kann. Aufgrund seines Rufs verpflichtet ihn der Großindustrielle Henrik Vanger, das Schicksal seiner vor vierzig Jahren verschwundenen Nichte Harriet aufzuklären. Blomkvist zur Seite steht die verschlossene Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die für ihn die kniffligen Rätsel mit Hilfe von Laptop und Internet löst. Das Erzähltempo ist anfangs sehr ruhig und geradezu behäbig. Wären da nicht die gewaltätig-sexuellen Erlebnisse von Lisbeth, die sehr explizit in Szene gesetzt werden, könnte man sich auch in einem Sonntags-Tatort wähnen. Mit der Zeit weitet sich die einfache Kriminalgeschichte um einen vierzig Jahre alten Todesfall dann aber zu einer komplexeren Story um Familienränke, Nazi-Verstrickungen, Serienmörder und biblische Rituale, statt Tatort erinnert das Ganze dann eher an Se7en oder Schweigen der Lämmer.

Bei Literaturverfilmungen ist es manchmal durchaus von Vorteil, die Vorlage nicht zu kennen, um sich nicht über Details aufzuregen, die im Buch ganz anders waren. So steht dem Helden im Film etwa sofort ein DSL-Anschluß zur Verfügung, auf den er im Buch erst seitenweise warten musste. Was storymäßig jetzt nicht so den Unterschied macht, aber zu erbosten Reaktionen bei Larsson-Lesern führen kann. Ein wenig erboster kann man aber auch als Nicht-Leser über die eher schlichte Charakterzeichnung sein: Die freakige Lisbeth hatte eine harte Kindheit, traut seitdem niemandem mehr, raucht Kette und läuft in Gothic-Vollausstattung rum. Und könnte damit auch dem Handbuch für Hausfrauenpsychologie entnommen sein. Blomkvist hingegen ist der schweigsame Held, der einsam und unerbittlich seine Spur aufnimmt, auch diese Figur schillert nicht gerade in den differenziertesten Farben. Blomkvists erste Handlung ist die eines jeden guten Kino-Ermittlers: Er beginnt erstmal an der Wand eine große Collage aus Zeitungsausschnitten, Fotos von Opfern und Verdächtigen und Verbindungspfeilen zwischen den Handelnden, um auch für den Zuschauer die Zusammenhänge nochmal etwas verständlicher zu machen.

Sehr bemerkenswert hingegen, dass die Hacker-Künste von Lisbeth nicht wie so oft in Filmen eher im fantastischen Bereich angesiedelt sind, sondern - abgesehen von wohl fürs Kino notwendiger visueller Aufpeppung - erstaunlich realistisch dargestellt werden. Wobei man sich fragen kann, ob echte Hacker tatsächlich schicke Macbooks benutzen, um dann auf Kommandozeilenebene in fremde Systeme einzubrechen.

Ein absolutes Plus der Verfilmung sind die wunderschönen Bilder der schwedischen Landschaft, die perfekt ausgeleuchteten Szenen vor malerischen Seen oder in kuscheligen Holzhütten, alles wirkt streckenweise wie eine Werbung des schwedischen Tourismusverbandes. Verbunden mit den eher scherenschnittartigen Charakteren und der gerade zum Ende hin etwas dick aufgetragenen Dramaturgie, die alle losen Enden noch einmal zusammenführen will und tränenrührig Konflikte auflöst, erinnert das allerdings auch ein wenig an Rosamunde Pilcher Verfilmungen, nur dass hier kein Adelsclan im malerischen Cornwall, sondern eine Industriellendynastie im schönen Schweden Mittelpunkt steht.

Trotz der erwähnten Defizite und trotz zweieinhalb Stunden Überlänge langweilt die Geschichte erstaunlicherweise nicht. Die nächsten Teile der Millennium-Trilogie, “Verdammnis” und “Vergebung”, sind schon produziert und kommen 2010 ins Kino, vielleicht gelingt es ja, den Protagonisten in der Fortsetzung etwas mehr Tiefe mitzugeben.

Verblendung, Schweden, Dänemark, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 01.10.2009
6 Punkte


Es tobt der Hamster…

abgelegt unter: Internet von Enk am 17.12.2009

Das Mem von den falsch verstandenen Liedtexten ist ja nu nicht mehr so ganz neu, aber Spiegel Online schafft es tatsächlich, daraus eine großartige Klickstrecke zu bauen. Das funktioniert deshalb so gut, weil man zur Originalmusik einfach synchron den falschen Text einblendet. So singen dann A-ha über Almigurt , oder bei Ich und Ich tobt der Hamster . Und auch der Klassiker der Cutting Crew, die gerne besoffen bestellen, fehlt natürlich nicht. Großer Blödsinn, aber lustig.


Im Konzert: Pet Shop Boys und Bad Lieutenant

abgelegt unter: Musik von Enk am 12.12.2009

Der Kontrast zwischen Vor- und Hauptband könnte kaum größer sein, obwohl beide aus einem sehr ähnlichen Genre kommen: Die Pet Shop Boys hatten für ihr zweites Berlin-Konzert in diesem Jahr spontan die nach der Trennung von Peter Hook als “Bad Lieutenant” firmierenden Restmitglieder von New Order verpflichtet. Bernard Sumner & Co, eigentlich auch dem Synthie-Genre verpflichtet, traten mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug als echte Rockband auf, ganz ohne schmückendes Beiwerk vor schlicht schwarzem Vorhang. Der gut aufgelegte Sumner ließ es sich trotz neuem Bandnamen nicht nehmen, ein paar New Order Hits wie Crystal oder Temptation in die Setlist zu nehmen. Zum Abschluß gabs dann noch “in memory of Robert Enke” den Joy Division Megahit “Love will tear us apart”.

Bei den Pet Shop Boys als Hauptact war musikalisch auf der Bühne vergleichsweise wenig los: Neben Frontmann Neil Tennant stand Chris Lowe regungslos baseball-bekappt und sonnen-bebrillt hinter seinem Elektronik-Tisch mit Laptop und Keyboards, und verzog traditionell keine Miene. Zum Ausgleich gabs um die beiden herum eine fantastische Bühnenshow mit Videos, Licht, Lametta und ständig wechselnden Kostümen. Aus den eigentlich sehr simplen Zutaten von vier Tänzern und einer großen Anzahl weißer Würfel, auf denen passend zum jeweiligen Song Clips projeziert wurden, wurden immer wieder überraschende Bühnenbilder gezaubert. Die komplette Show war pet-shop-boys typisch bis ins Detail durchgestylt, selbst die Roadies auf der Bühne trugen passend zur Deko weiße Kittel.

Im Mittelpunkt stand weniger das neue Album “Yes”, aus dem nur eine Handvoll Lieder auf der Setlist waren, sondern vielmehr die großen Hits der letzten zwei Jahrzehnte, von West End Girls über Suburbia bis zu New York City Boy. Dazwischen auch einige Perlen wie Kings Cross, die keine großen Chartabräumer waren. Man hatte den Eindruck, dass Tennant und Lowe möglichst viel aus ihrer zurückliegenden Schaffensperiode in die zwei Stunden Konzerzeit hineinpressen wollten, viele Lieder wurden nur kurz angespielt, um dann in einen ganz anderen Song überzugehen, oder in einem Medley verbraten.

Tennants Live-Stimme ist hervorragend, und er neigt als Frontmann auch gerne zur großen Geste. Das Publikum in der riesigen aber nicht ausverkauften O2-World verfolgte das bunte Treiben auf der Bühne allerdings ein wenig verhalten. Dennoch beeindruckend, dass die Pet Shop Boys dieses Jahr schon zum zweiten Mal eine große Halle in Berlin gefüllt haben. Und Tennant/Lowe liessen es sich dann auch nicht nehmen, eine zweite Zugabe mit dem den Weihnachtssong “It doesn’t often snow at Christmas” zu geben, der pünktlich zum Fest noch als Single auf dem Markt kommt: komplett mit Kunstschnee aus dem Hallenhimmel und vier tanzenden Weihnachtsbäumen auf der Bühne - ganz großes Kino.

Pet Shop Boys - Pandemonium Tour, O2-World Berlin, 5.12.2009


Filmkritik: Zweiohrküken

abgelegt unter: Film von Enk am 08.12.2009

“Boahh, bist du ein schlechter Schauspieler!” Anna über Ludo, vermutlich Till Schweiger meinend.

Nach dem Überraschungserfolg von Keinohrhasen, der in Deutschland über sechs Millionen Zuschauer fand, war klar, dass Till Schweiger diese Kuh noch ein wenig weiter melken würde, vor allem weil seine darauffolgenden Machwerke deutlich weniger Anklang fanden. Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, hat Schweiger an den Zutaten für Zweiohrküken kaum etwas geändert: gleicher Cast, dieselbe Story um Beziehungsproblemchen und Männer- und Frauenklischees, ein paar niedliche Filmkinder aus eigener Produktion, diverse Cameos (Kerner, Klitschko, Paul Van Dyk), das ganze angereichert mit viel anzüglichem Humor.

Doch was beim ersten Mal erstaunlich gut funktioniert hat, wirkt in Teil Zwei nur noch wie ein seelenloser Abklatsch, der zudem handwerklich erstaunliche Mängel hat: Story, Dramaturgie und Timing sind grottig - die erste Hälfte besteht aus weitgehend lose aneinandergeklebten Szenen ohne Spannungsbogen oder stimmige Struktur. In der zweiten Hälfte gewinnt die Szenensammlung etwas mehr Zusammenhalt, leider vor allem durch den verstärkten Einsatz klebrig-süßer Kitsch-Romantik. Was bei Keinohrhasen noch ganz charmant wirkte erstarrt hier zu einer Ansammlung weichgespülter Romantik-Klischees, gipfelnd in einem dahingeschluderten Ende, in dem Til Schweiger seiner Liebsten noch einmal - völlig ironiefrei - einen Liebesbrief vor melancholisch-einsamer Strandkulisse schreiben darf, dessen Text geradewegs aus einem Groschenroman zu stammen scheint (oder, meine Vermutung, auf Basis intensiver Marktforschung entstanden ist bei der 100 Frauen nach ihren Lieblingssätzen für einen Liebesbrief befragt wurden). Recht ungeniert spielt Schweiger auch diesmal wieder die Niedlichkeitskarte, wenn er seine eigenen (zugegebenermaßen sehr süßen) Töchter vor der Kamera agieren läßt. Aber auch das kommt im Vergleich zu Teil eins dieses Mal sehr kalkuliert und ein wenig zu penetrant rüber.

Der “Witz” dieser Komödie wird über weite Strecken geprägt von sprichwörtlichem Fäkalhumor, altbackener Charleys-Tante-Travestie und abgestandenen Männer/Frauen Klischees, die Mario Barth schon hundertmal durchgekaut hat. Überraschenderweise gelingt zwischen dieser Ansammlung von schwitzigem Pennäler-Humor und niveaulosen Anzüglichkeiten dann doch immer mal wieder eine zündende Szene oder ein spritzig-authentischer Dialog, so dass das Ganze trotz Überlänge zumindest halbwegs erträglich bleibt und - ja - tatsächlich auch das eine oder andere mal mal zum herzhaften Lachen animiert.

Ausleuchtung, Kamera, Ausstattung sind wie schon in Teil eins auf für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hohem Niveau. Noch auffälliger als im ersten Teil drängt sich allerdings der (von der Songauswahl eigentlich wieder sehr gefällige) Soundtrack in den Vordergrund. Jede zweite Szene wird mit Musik überflutet, und das in einer Lautstärke, dass es teilweise schwierig wird, dem Dialog noch zu folgen. Da fehlte eigentlich nur noch die Einblendung “Diesen Song jetzt bei iTunes kaufen” auf der Leinwand.

Schauspielerisch ist die Leistung durchwachsen. Die eigentlich großartige Nora Tschirner darf wie schon in Teil eins kaum aus ihrem graumäusigen Rollenkorsett mit Hornbrille und Öko-Klamotten ausbrechen. Till Schweiger spielt mal wieder Till Schweiger, das kann er zumindest ganz gut. Geradezu ärgerlich schlecht ist Ken Duken als Ludos Nebenbuhler Ralf, dessen schauspielerisches Potential eher bei Rosamunde Pilcher Verfilmungen zu liegen scheint. Einziger Lichtblick ist Matthias Schweighöfer, der den sympathisch-erfolglosen Kumpel Moritz gibt und dabei eine schöne Balance aus comedy-overacting und Authentizität rüberbringt. Überraschend sympathisch auch Heiner Lauterbach, der mit erstaunlichem Mut zur Häßlichkeit und Selbstironie einen Gastauftritt hat.

Auch beim zweiten Teil läßt einen der Abspann wieder ein wenig ratlos zurück, wenn der in Deutschland für deutsches Publikum gedrehte Film wieder mit komplett englischsprachigen Credits endet (”a Till Schweiger Film”). Ist das irgendein ironischer Seitenhieb von Schweiger, den ich nicht verstehe, oder einfach nur dümmliche “ich bin ein internationaler Star” Attitüde? Ich tippe auf letzeres.

Zweiohrküken, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 03.12.2009
4 Punkte


Another Last Christmas

abgelegt unter: Musik von Enk am 07.12.2009

Der zweite Advent ist durch, und die Kollegen von last-christmas.com haben sich schon wieder warmgespielt: Bislang hat man dort fast 400 Coverversionen des Wham! Weihnachtshits aufgespürt, und auch im mittlerweile vierten Jahr werden wieder eine Reihe neuer Interpreten dazukommen. Zum Beispiel die Death Metal Version einer niedersächsischen Band mit dem freundlichen Namen Amen am Arsch (nicht einlullen lassen, richtig los geht es ab der 2. Minute):

Dieses Jahr gibt es auf Last-Christmas.com auch einen Podcast mit den besten Beiträgen.


Im Konzert: Wayne Hussey

abgelegt unter: Musik von Enk am 02.12.2009

Wayne Hussey war mal eine der einflußreichsten Figuren des Gothic Rock (auch wenn er das Label für sich immer abgelehnt hat): Zunächst als Gitarrist und Songschreiber der stilprägenden Sisters of Mercy, später dann mit eigener Band The Mission, bei der es eine Zeit lang so aussah, als könne sie auf den Spuren von U2 oder New Model Army den ganz großen Durchbruch schaffen, mit Major-Plattenvertrag, fanatischer Fanbase und einigen Charterfolgen. Daraus ist dann doch nichts geworden. The Mission haben sich 2008 endgültig aufgelöst, Hussey verkauft (mäßig erfolgreich) seine Gitarren bei Ebay und tourt mit den alten Hits als Solokünstler durch kleine Clubs.

Es hat immer etwas tragisches, einen einst gefeierten Star ein Jahrzehnt später angegraut auf der Bühne stehen zu sehen. Hatte Wayne Hussey vor fünf Jahren auf dem Mera Luna Festival noch eine popstargerecht rotgefärbte Haarpracht, sieht er mit grauen Haaren mittlerweile eher aus wie Hussey seine Oma, trinkt zwischen den Songs Rotwein aus der Flasche und wirkt auch ansonsten so, als wenn er die beste Zeit hinter sich gehabt hat. Was ihn aber nicht davon abhält, ein grandioses Konzert zu geben: Die alten Mission-Songs bringt er auch als Ein-Mann-Akkustik-Version sehr überzeugend rüber, die Gitarre beherrscht Hussey nach wie vor virtuos, und auch der Gesang hat kaum etwas vom Glanz früherer Jahre verloren.

Das Programm läuft zum großen Teil als Wunschkonzert: Hussey spielt auf Zuruf am E-Piano oder an der Gitarre die alten Hits wie Like A Hurricane, Wasteland und Butterfly on a Wheel, oder auf Wunsch auch weniger prominente Nummern wie Kingdom Come. Ganz textsicher ist er bei den alten Songs nicht mehr und blättert zur Vorsicht immer erst die passenden Lyrics auf, aber musikalisch hat er es eindeutig noch drauf. Das ganze angereichert mit ein paar Coverversionen (Bowies Ashes to Ashes oder Never let me down again von Depeche Mode), und sogar ein paar neuen Songs hat er im Gepäck, vollständig auf den Lorbeeren vergangener Tage ausruhen will er sich also nicht. Musikalisch sehr beeindruckend, wie Hussey nur mit seiner Stimme und einem Instrument die Lieder zum Leben erweckt, die eigentlich für deutlich komplexere Arrangements geschrieben wurden, ohne dass das ganze durch die Akkustikgitarre in Lagerfeuerromantik ausartet oder eintönig wird.

Das Publikum ist zwar genauso wenig textsicher wie Hussey selber und schafft es nur bei Butterfly on a Wheel oder Deliverance den Refrain etwas lautstärker mitzusingen, was allerdings auch an der überschaubaren Zuschauerzahl im kleinen Nachtleben liegt. Dem Applaus nach zu urteilen war das Auditorium von Waynes Retro-Stunde schwer begeistert, und Hussey bedankte sich als Zugabe mit einer besonderen Version von “Tower of Strength”, bei der er von Vorband Miles Hunt und Erica Nockalls mit Geige und Zweitgitarre begleitet wurde. Für die wenigen verblieben Fans ein sehr gelungener Abend.

Wayne Hussey, Nachtleben Frankfurt, 30.11.2009


Filmkritik: Up (Oben)

abgelegt unter: Film von Enk am 26.11.2009

(C) Walt Disney Pictures

“South America. It’s like America, but south!”

Nachdem die Computeranimation schon seit einigen Jahren einen Perfektionsgrad erreicht hat, der rein technisch kaum noch steigerungsfähig ist, geht es mittlerweile nicht mehr darum, möglichst perfekt die Realität zu imitieren, sondern die technischen Mittel zu nutzen, um Bildwelten mit einer ganz eigenen Charakteristik zu erschaffen.
War es bei Ratatouille das in stimmungsvolles Licht getauchte Paris aus Sicht einer Ratte, das als virtuelle Kulisse diente, wirken die Bilder von “Up” streckenweise wie aus der Augsburger Puppenkiste: Die Figuren sind eher comichaft gezeichnet, dabei aber technisch so perfekt dargestellt, dass man den Stoff des Tweed-Sakkos von Hauptdarsteller Mr. Fredricksen geradezu spüren kann. Die Visualität ist in ihrer Mischung aus technischer Perfektion und comichafter Überzeichnung sehr beeindruckend und wirkt oft so, als bewegten sich “echte” Puppen über ein Comic-Set.

Die Story ist sicher nicht das Highlight von Up: Wohlwollend könnte man sie als phantasievoll oder fantastisch, weniger wohlwollend auch als hanebüchen oder absurd bezeichnen. Dabei ist die Dramaturgie für einen Kinderfilm (ja, das sind Pixars Filme in erster Linie nach wie vor) bemerkenswert und zeigt erstaunlichen Mut zur Tragik: Gleich in den ersten zehn Minuten erfahren wir die komplette Lebensgeschichte des Protagonisten Carl Fredricksen: Wie er als Kind seine große Liebe Elli kennenlernt. Wie die beiden heiraten, ein Haus einrichten, eine Fehlgeburt haben, sich wieder aufrappeln und glücklich zusammen alt werden, und Elli stirbt, bevor die beiden den großen Traum, eine Abenteuerexpedition nach Südamerika, verwirklichen können.

In dieser kurzen Abfolge hat “Up!” schon mehr große Emotionen, Dramatik und Tragik abgespult als andere Filme über die gesamte Laufzeit - aber der eigentliche Film beginnt hier erst: Der einsame Mr. Fredricksen soll ins Altersheim, weil sein Häuschen abgerissen werden soll. Aber er findet sich nicht mit seinem Schicksal ab: Mit Hilfe von vielen mit Gas gefüllten Luftballons steigt er mitsamt seinem Haus in die Lüfte und bricht auf in Richtung Südamerika. Mit von der Partie ist der pummelige Pfadfinder Russell, der noch dringend eine “Helping the Elderly” Plakette benötigt und daher zufällig bei Herrn Fredricksen auf der Matte stand, bevor das Haus abhebt. Die beiden schaffen es tatsächlich in ihrem fliegenden Haus bis nach Südamerika, aber ab hier kippt die Story dann vom Fantastischen ins Abstruse: Es gesellen sich komisch-bunte Riesenvögel dazu, sprechende Hunde, oder ein verschollener Abenteurer mit Sci-Fi-Zeppelin. Alles ein wenig zu over-the-top, um dem charmanten Beginn gerecht zu werden. Die Dramaturgie verliert an Fokus und das ganze wirkt nicht mehr wie aus einem Guss, sondern wie eine Aneinanderreihung von absurden Einfällen und hektischen Verfolgungsjagden.

Trotz der wirren und unfokussierten Geschichte schafft es Up dennoch, den Zuschauer bis zum Schluß in seinen Bann zu ziehen. Wie bei Pixar üblich strotzten die Szenen vor intelligenten Anspielungen, liebevollen Details und Ideen, die sich wohl erst nach dem zweiten oder dritten Anschauen alle erschließen. Wenn man das Niveau der ersten Viertelstunde hätte halten können, wäre Up sicher Pixars neues Meisterwerk geworden, so bleibt nur ein unterhaltsamer Film auf hohem Niveau, der viel Potential zugunsten vermeintlich turbulenter Action verschenkt.

Up (Open), USA 2009 - deutscher Kinostart: 17.09.2009
7 Punkte


Im Konzert: Mesh

abgelegt unter: Musik von Enk am 24.11.2009

Mesh sind wie die deutschen Kollegen von De/Vision mittlerweile schon seit über zehn Jahren im Wave/Synthie-Pop Geschäft, ohne dass der ganz große Durchbruch gelungen ist. Eigentlich verwunderlich, wenn man die immer wieder ausverkauften Depeche Mode Station-Tourneen betrachtet, ein Markt für das Genre ist zweifellos da. Zumindest haben die Briten eine kleine aber treue Fanbase erspielt, und zur aktuellen A Perfect Solution Tour war die Frankfurter Batschkapp zwar nicht ganz ausverkauft, aber sehr gut gefüllt.

Als erster Support betrat zunächst die Ein-Mann-Elektro-Freakshow Janosch Moldau die Bühne. Moldau, diesmal mit schwarzer Federboa geschmückt, durfte auch schon bei De/Vision vor einem halben Jahr am selben Ort nerven, beschränkte sich aber dankenswerterweise auf eine halbe Stunde Spielzeit. Mit der kalifornischen Elektroformation Informatik (ausgesprochen “informäddick”) kam dann ein erstes Highlight auf die Bühne. Genre-mäßig sehr ähnlich wie Mesh zwischen gefälligem Synthie-Pop und härterem Electro-Sound angesiedelt, lieferten die drei Amerikaner trotz einiger technischer Pannen eine gute Show ab. Nur an den Guitar-Hero-artigen Posen müsste Gitarrist Tyler noch ein wenig feilen, das wirkt wie bei Bon Jovi aus den 80ern abgeschaut. Detail am Rande: Sänger David Din ist (neben Elton John und Buddy Holly) einer der ganz wenigen Frontmänner, der mit Brille auf der Bühne steht (wenn man mal vom üblichen Sonnenbrillen-Gepose im Grufti-Lager absieht). Informatik hatten auf jeden Fall schon einmal für ausreichend Stimmung gesorgt, um den Top-Act des Abends zu begrüssen.

Mesh hatten vor allem die Songs ihres neuen Albums A Perfect Solution im Programm. Das neue Material ist Mesh-typisch sehr gefällig und zeigt deutlich mehr Bandbreite als reinen Synthie-Pop. Highlight ist neben der poppigen Vorab-Single “Only Better” das eingängige Duett “Who says” mit Chandeen-Sängerin Julia Beyer. Auf der Bühne musste die Frauenstimme vom Keyboarder übernommen werden, was aber erstaunlich ok war. Neben den neuen Songs waren in den rund zwei Stunden Programm auch noch genug Zeit für bekannten Hits wie “Crash” oder “From this Height”.

Bei Synthie-Bands ist die Live-Performance immer ein wenig schwierig, zwei Typen hinter Keyboards und Laptop sind auf der Bühne nun mal nicht ganz so fesselnd wie ein Haufen Gitarristen oder Bläser. Zumindest gibts bei Mesh ein echtes Schlagzeug, und Sänger Mark Hockings greift ab und zu auch mal selber zur Gitarre. Hockings hat hat eine überragende Live-Stimme, die so präzise und druckvoll rüberkommt wie auf der CD. Allerdings ist er nicht gerade eine Rampensau, die durch ausgefallenen Tanzstil oder charismatische Publikumsanimation auffällt. Hockings steht eher distanziert-kühl auf der Bühne, läuft von links nach rechts und wieder zurück, und spult mit typischer Wollmütze maskiert seine Songs runter. Da Mesh in den Jahren aber ähnlich wie die großen Vorbilder Depeche Mode eine textsichere Fanbasis versammelt haben, ging das Publikum trotzdem gut mit und feierte auch ohne Anheizer auf der Bühne. Was die Briten sichtlich beeindruckt hat und nach der zweiten Zugabe “Friends like These” (zu der vor dem Eingang aufgenommene Fotos der Konzertbesucher eingeblendet wurden) nochmal zu aufrichtigen Dankesbekundungen veranlasste.

Wie jede andere Band hat natürlich auch Mesh ihr Everything Counts: in diesem Fall ist es “It scares me”, bei dem das Publikum den Refrain auch ohne Band noch ein paar Runden weitersingt.

Mesh - A Perfect Solution Tour, Batschkapp Frankfurt, 22.11.2009


Der nervigste Film 2009

abgelegt unter: Film von Enk am 18.11.2009

Warum bis Silvester warten, wenn man doch auch schon Mitte November mit den Jahresrückblicken beginnen kann. Dachte sich auch Moviepilot, und ruft zur Wahl des nervigsten und des besten Films 2009 auf. Zur Auswahl stehen nicht alle dieses Jahr erschienenen Filme, sondern nur die 30 mit den meisten Bewertungen auf Moviepilot. Das macht die Entscheidung deutlich einfacher, vor allem, weil ich von den Filmen auf der Liste nur knapp die Hälfte gesehen habe:

Bester Film:
Da (500) Days of Summer nicht auf der Liste ist, wirds ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Gran Torino und Der Vorleser, für beide gabs hier 9 Punkte. Eastwood bekommt den Coolness-Bonuspunkt und gewinnt knapp.

Nervigster Film:
Männersache ist leider/zum Glück nicht nominiert, auch Che Part 1 nicht, was den letzten Platz für Knowing, den hanebüchenen Sci-Fi Nonsens mit Nicolas Cage freimacht. Wenn ich Transformers oder Die Päpstin gesehen hätte, wärs vielleicht noch anders ausgegangen.


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