Filmkritik: Untraceable
Auf der Seite killwithme.com kann man dabei zusehen, wie live getötet wird. Je mehr Zuschauer die Seite erhält, desto schneller wird das Opfer umgebracht. Zunächst sind es nur Kätzchen, die vor laufender Kamera ihr Leben lassen müssen, bald geht es aber um Menschenleben. Der Server ist mit herkömmlichen Mitteln nicht auffindbar - untraceable eben. Ein schwieriger Fall für die Federal Cyber Crimes Task Force, die es ansonsten eher mit Phishing-Attacken oder Kinderporno-Tauschringen zu tun hat. Agentin Jennifer Marsh (Diane Lane) macht sich auf die Suche nach dem Betreiber der Seite, der scheinbar wahllos seine Opfer sucht, um per Livestream deren Hinrichtung zu zeigen.
Der Technobabble und die Visualisierung von Internet- und Computertechnologie sind für Hollywood-Verhältnisse geradezu realistisch, zumindest im Vergleich mit manch anderen Hollywood-Fantasien zum Thema Internet & Co. Auch wenn die Verbrecherjagd im Netz tatsächlich wohl ein wenig komplexer ist als hier dargestellt: Cybercrime-Bekämpfung wird beim Film-FBI zum Computerspiel: Auf dubiosen Seiten rumtreiben um Hacker anzulocken. Den Hackern neben den vermeintlichen Kreditkartendaten mal eben einen Trojaner unterschieben, dann bei einem aufgebohrten Google Earth die Adresse des Cyberkriminellen ermitteln - den Rest besorgt quasi per Mausklick das Einsatzkommando vor Ort.
Die der Story zugrundeliegende sozialkritische Botschaft wird wenig subtil rübergebracht: Untraceable prangert die Sensationslust der Menschen an, die bei Autounfällen gaffen und damit die Rettungsarbeiten behindern, oder einem Menschen beim Sterben zusehen, obwohl sie damit erst den Tod herbeiführen. Und damit das auch jeder versteht, wird das ganze nochmal unmißverständlich per Dialogzeile eingehämmert: “Jeder Amerikaner, der diese Seite anklickt, ist des Mordes mitschuldig”. Das Problem dabei ist die fehlende bzw. nur sehr notdürftig erzwungene Mechanik dahinter: Die Website killwithme.com “wirbt” zwar damit, dass die Opfer umso schneller sterben, je mehr sensationsgeile Leute zuschauen. Aber das ist eben nur eine beliebig definierte Regel des dahinterstehenden Killers. Die vermeintliche Alternative, dass die Opfer überleben, sobald niemand mehr zuschaut, besteht natürlich nicht wirklich, da sie so oder so in der Hand des Mörders sind, der sie nicht wieder laufen lassen wird.
Abgesehen vom Internet-Setting bewegt sich Untraceable in sehr konventionellen Bahnen. Auch wenn er die Klasse der großen Genre-Vorbilder wie Das Schweigen der Lämmer oder Sieben dabei nie erreicht, hat der Film alle klassische Elemente eines Serienkiller-Thrillers: Perverse Mordfantasien eines hochintelligenten Psychopaten, der nach einem bestimmten Schema mordet. Eine ehrgeizige Polizistin auf seiner Spur, die im Laufe der Ermittlungen selbst ins Fadenkreuz gerät. Immer mehr Puzzlestücke, die die Lösung des Rätsels nahelegen. Und natürlich der unvermeidliche Showdown, bei dem es nochmal gegen den Countdown um Leben und Tod geht. Auch der Dreh, das Internet als moderne Kulisse für einen Thriller zu nutzen, ist nicht wirklich neu. Aber wenn man sich nicht wie der Batzman zu sehr über die unverhohlenen “Raubkopierer sind Verbrecher”-Anspielungen im Film aufregt, bleibt zumindest ein handwerklich gut gemachter Thriller, der über weite Strecken unterhält und mit einer schlüssigen Erklärung für die Motivation des Killers aufwartet. Das hat man auch schon mal schlechter gesehen.
Untraceable, USA 2008 - deutscher Kinostart: 03.04.2008


















