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Filmkritik: Untraceable

abgelegt unter: Film von Enk am 22.05.2008

“Schade dass der Typ kein Pfadfinder ist - er könnte im Morsecode blinzeln und uns sagen wo er ist”

Auf der Seite killwithme.com kann man dabei zusehen, wie live getötet wird. Je mehr Zuschauer die Seite erhält, desto schneller wird das Opfer umgebracht. Zunächst sind es nur Kätzchen, die vor laufender Kamera ihr Leben lassen müssen, bald geht es aber um Menschenleben. Der Server ist mit herkömmlichen Mitteln nicht auffindbar - untraceable eben. Ein schwieriger Fall für die Federal Cyber Crimes Task Force, die es ansonsten eher mit Phishing-Attacken oder Kinderporno-Tauschringen zu tun hat. Agentin Jennifer Marsh (Diane Lane) macht sich auf die Suche nach dem Betreiber der Seite, der scheinbar wahllos seine Opfer sucht, um per Livestream deren Hinrichtung zu zeigen.

Der Technobabble und die Visualisierung von Internet- und Computertechnologie sind für Hollywood-Verhältnisse geradezu realistisch, zumindest im Vergleich mit manch anderen Hollywood-Fantasien zum Thema Internet & Co. Auch wenn die Verbrecherjagd im Netz tatsächlich wohl ein wenig komplexer ist als hier dargestellt: Cybercrime-Bekämpfung wird beim Film-FBI zum Computerspiel: Auf dubiosen Seiten rumtreiben um Hacker anzulocken. Den Hackern neben den vermeintlichen Kreditkartendaten mal eben einen Trojaner unterschieben, dann bei einem aufgebohrten Google Earth die Adresse des Cyberkriminellen ermitteln - den Rest besorgt quasi per Mausklick das Einsatzkommando vor Ort.

Die der Story zugrundeliegende sozialkritische Botschaft wird wenig subtil rübergebracht: Untraceable prangert die Sensationslust der Menschen an, die bei Autounfällen gaffen und damit die Rettungsarbeiten behindern, oder einem Menschen beim Sterben zusehen, obwohl sie damit erst den Tod herbeiführen. Und damit das auch jeder versteht, wird das ganze nochmal unmißverständlich per Dialogzeile eingehämmert: “Jeder Amerikaner, der diese Seite anklickt, ist des Mordes mitschuldig”. Das Problem dabei ist die fehlende bzw. nur sehr notdürftig erzwungene Mechanik dahinter: Die Website killwithme.com “wirbt” zwar damit, dass die Opfer umso schneller sterben, je mehr sensationsgeile Leute zuschauen. Aber das ist eben nur eine beliebig definierte Regel des dahinterstehenden Killers. Die vermeintliche Alternative, dass die Opfer überleben, sobald niemand mehr zuschaut, besteht natürlich nicht wirklich, da sie so oder so in der Hand des Mörders sind, der sie nicht wieder laufen lassen wird.

Abgesehen vom Internet-Setting bewegt sich Untraceable in sehr konventionellen Bahnen. Auch wenn er die Klasse der großen Genre-Vorbilder wie Das Schweigen der Lämmer oder Sieben dabei nie erreicht, hat der Film alle klassische Elemente eines Serienkiller-Thrillers: Perverse Mordfantasien eines hochintelligenten Psychopaten, der nach einem bestimmten Schema mordet. Eine ehrgeizige Polizistin auf seiner Spur, die im Laufe der Ermittlungen selbst ins Fadenkreuz gerät. Immer mehr Puzzlestücke, die die Lösung des Rätsels nahelegen. Und natürlich der unvermeidliche Showdown, bei dem es nochmal gegen den Countdown um Leben und Tod geht. Auch der Dreh, das Internet als moderne Kulisse für einen Thriller zu nutzen, ist nicht wirklich neu. Aber wenn man sich nicht wie der Batzman zu sehr über die unverhohlenen “Raubkopierer sind Verbrecher”-Anspielungen im Film aufregt, bleibt zumindest ein handwerklich gut gemachter Thriller, der über weite Strecken unterhält und mit einer schlüssigen Erklärung für die Motivation des Killers aufwartet. Das hat man auch schon mal schlechter gesehen.

Untraceable, USA 2008 - deutscher Kinostart: 03.04.2008
5 Punkte


Zyb - Adressen synchronisieren mit dem Handy - bald nur noch für Vodafone?

abgelegt unter: Internet von Enk am 16.05.2008

Zyb war bislang ein prima Dienst, um seine Adressen und Telefonnummern zentral zu speichern und dann mit allen möglichen Clients, vor allem aber mit SyncML-fähigen Handys, zu synchronisieren. Der Vorteil: man kommt von überall, wo es Internet gibt, an seine Adressdaten, und kann auch gleichzeitig alle mobilen Geräte mit den aktuellen Telefonnummern füttern. Der Service hat alles, was man von einem vernünftigen Web 2.0-Dienst erwartet: Einfach zu bedienen, keine Softwareinstallation erforderlich, problemlose Funktion, alle Basisdienste kostenlos. Und weil das alles so prima und nützlich ist, hat man mit Eplus und Simyo sogar einige Mobilfunkprovider als Partner gewonnen, die Zyb für ihre Kunden direkt integrieren - was nicht wirklich erforderlich ist, man kann Zyb auch mit jedem anderen Netzanbieter nutzen, nur das Handy muss SyncML-fähig sein.

Leider hat man es nicht bei dem keep-it-simple Ansatz belassen. Neben Adressen können jetzt auch Kalenderdaten, Texte und Bilder vom Handy synchronisiert werden (so weit so sinnvoll), inkl. Synchronisation mit dem Google Kalender. Schließlich wollte man aber auch auf den Social Networks Zug aufspringen. So ist mittlerweile die reine Online-Adressverwaltung hinter einem “Xing meets Wer-kennt-Wen” Netzwerk versteckt, bei dem man seine Freunde und Bekannten online vernetzen kann. Das mag für einige Anwendungsfälle durchaus Sinn machen, weil die Freunde dann selber ihre Adressdaten aktuell halten können, und diese dann automatisch im eigenen Handy aktualisiert werden. Aber wer schon in Xing & Co. aktiv ist, wird nicht noch ein drittes oder viertes Netzwerk nutzen, um auch dort noch seine Kontakte online zu pflegen und den Bekanntenkreis zum Anmelden zu bewegen.

Macht eigentlich nichts, denn die neuen Funktionen sind nur optional. Wer will, kann weiter nur seine Telefonnummern über Zyb verwalten, auch wenn die Kernfunktionen mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt sind. Was mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Zyb gerade von Vodafone gekauft worden ist. D.h. es wird wohl nicht lange dauern, bis man Zyb nur noch kostenpflichtig, über Vodafone-Verträge oder nur bei gleichzeitigem Abschluß eines Jamba-Sparabos nutzen kann. Vodafone wird kaum Interesse haben, einen hochwertigen Dienst außerhalb der eigenen Kundschaft kostenlos anzubieten. Andererseits: Nichts ist im Web 2.0 von Dauer. Dank offener Standards ist es nicht allzu schwierig, seine Daten einfach zum nächsten Anbieter (z.B. Mobical) zu transferien, falls Zybs neuer Besitzer die Konditionen ändert.


Filmkritik: Hitman (Hitman - Jeder stirbt alleine)

abgelegt unter: Film von Enk am 08.05.2008

(C) 20th Century Fox

“You don’t wanna fuck me and you don’t wanna kill me - I’ve never felt so much indifference in my entire life”

Verfilmungen von Videospielen sind ja in der Regel nicht gerade vielversprechend. Wenn es sich nicht gerade um Uwe Boll Trash oder Totalflops wie Wing Commander handelt, kommt bestenfalls mittelmäßige Hollywood Massenware a la Tomb Raider heraus. Hitman macht gleich zu Beginn deutlich, dass wir es zumindest nicht mit der Trash-Variante zu tun haben. Der Film eröffnet mit einer sehr stilvollen Einstimmung, unterlegt mit elegischem Ave Maria Sound, die im Hochglanz-Zeitraffer zeigt, wie in einem Erziehungslager aus Kindern brutale Söldner gemacht werden.

Die Story liest sich wie eine dreiste Kopie der Bourne Identity: “Agent 47″ (Timothy Olyphant) ist eine programmierte Killermaschine. Von seinen Auftraggebern im Stich gelassen und gejagt, macht er sich auf die Suche nach seinen Erschaffern und wird selbst zum Jäger. Ihm auf den Fersen ist der Interpol-Agent Mike Whittier (Dougray Scott), der die Organisation hinter Agent 47 aufdecken will. Und natürlich gibts auch noch einen hübsche weiblichen Sidekick (Franka Potente Olga Kurylenko), der Agent 47 auf der Flucht und Jagd begleitet.

Nicht nur die Story, sondern auch die Umsetzung, Dramaturgie und Optik wirken wie zusammengeklaut aus allem, was, das moderne Actionkino in den letzten Jahren zu bieten hatte: Ultra-Slow Motion, brutale Action, stilisierte Schwertkämpfe, High-Tech Spielereien, das alles kennt man aus Matrix, Léon, Die Hard, Kill Bill, vor allem aber der Bourne Trilogie. Aber besser gut geklaut als schlecht selbst zusammengereimt.

Hitman verkauft das Actionpaket sehr stylish, ohne Angst vor Klischees oder Schwarzweiß-Zeichnung. Die Stimmung ist düster, actionlastig und gewalttätig, ohne durch die oft üblichen coolen One-Liner eines Bruce Willis oder Will Smith aufgelockert zu werden - auch hier eine starke Parallele zum wenig humorigen Bourne Franchise.

Die beeindruckende Optik zitiert immer wieder die Computerspiel-Vorlage - seien es die über den Laptop empfangenen Mission Briefings, rasante Kamerazooms oder der Blick durchs Zielfernrohr - man kann sich die Umsetzung als Spiel direkt vorstellen, ohne das der Film dadurch billig wirkt.

Wie so oft bei Action-Spektakeln darf man nicht zu sehr hinter die Fassade der Explosionen und Schießereien schauen, weil sich dahinter nur notdürftig riesige Story-Löcher verbergen. Aber das gehört zum Genre und ist auch bei Stirb Langsam 4.0 nicht anders, und solange das Ganze zumindest auf den ersten Blick halbwegs nachvollziehbar bleibt, kann man ja schon zufrieden sein. Timothy Olyphant als wortkarger glatzköpfiger Killer ist schauspielerisch in dieser klischeehaften Rolle ein wenig unterfordert, macht seine Sache aber durchaus souverän. Übrigens immer wieder erstaunlich, wie wandlungsfähig Olyphant ist: Ob in der unsäglichen Western-Saga Deadwood, in Rom Coms wie Catch and Release oder in Action-Reißern wie Stirb Langsam oder Hitman, ich brauche jedesmal ein paar Minuten, um Olyphant in seiner Rolle wiederzuerkennen. Mag vielleicht auch einfach daran liegen, dass er von Haus aus ein nicht ganz so markanter Typ ist.

Hitman ist sicher nicht die Neuerfindung des Actionfilms und fühlt sich an vielen Stellen allzu glatt und konstruiert an. Aber diese Perfektion des Bekannten hat auch ihren Reiz. Und trotz oder vielleicht gerade wegen der sterilen gradlinigen Inszenierung schafft es Hitman, seine düstere Atmosphäre rüberzubringen. Hitman erreicht nicht die Klasse und Originalität des großen Vorbildes der Bourne Trilogie, ist aber als stylishe Kopie nicht die schlechteste Wahl für einen Popcorn-Kino-Männerabend.

Hitman (Hitman - Jeder stirbt allein), Frankreich, USA 2007 - deutscher Kinostart: 13.12.2007
7 Punkte


Filmkritik: Savage Grace (Wilde Unschuld)

abgelegt unter: Film von Enk am 05.05.2008
savage grace
(C) IFC Films

“I don’t think I’ve ever met a family like yours - all this excitement, all this history”

Savage Grace ist die Verfilmung der Lebensgeschichte von Barbara Daly Baekeland, einer Society-Lady, die 1972 von ihrem eigenen Sohn Anthony ermordet worden ist (jaja, gespoilert, aber bei einem Biopic ist das erlaubt). Barbara (Julianne Moore) verbindet von Beginn an eine intensive und ungewöhnlich intime Beziehung zu ihrem Sohn (Eddie Redmayne). An ihren Mann Brooks (Stephen Dillane) hingegen schätzt sie vor allem, dass er ihr die Tür in die feine Gesellschaft geöffnet hat. Man verkehrt in besten Kreisen, da Großvater Leo das erste synthetische Plastik erfunden hatte und die Familie damit reich gemacht hat.

Die mondäne Famile lebt gut vom ererbten Geld und führt ein jet-settiges Leben in den Metropolen dieser Welt. Man zieht von New York in den 40ern, nach Paris in den 50ern, Spanien in den 60ern und wieder zurück nach Paris und dann London. Die verschiedenen Schauplätze und Epochen sind sehr detailreich in Szene gesetzt, ohne in übertriebenen Ausstattungsorgien zu ersticken.

Julianne Moore, die ihren guten Ruf in letzter Zeit ein wenig durch lustlose Massenware wie Next gefährdet hat, ist hier einmal wieder in einer echten Paraderolle zu sehen. Die schillernde Barbara Baekeland ist eine eigenwillige und exzentrische Frau, die auf gesellschaftliches Ansehen höchsten Wert legt, aber auch gerne mal abrupt ausfällig wird und Leuten vor den Kopf stößt. Die mit ihrem Mann spielt und ihren Sohn vergöttert. Moore kann hier zwischen Exaltiertheit, Depressionen, Lust und Perversion alles zeigen - und macht das Ganze ohne over-acting oder nervige Aufgesetztheit.

Die Story allerdings ist recht wirr und mäandert vor sich hin. Die Konstellationen wechseln in diesem Ensemble wild hin und her zwischen Vater, Mutter, Hausfreund, Freundin, Kindern, Männern, Frauen: Der Vater spannt dem homosexuellen Sohn die Freundin aus, Mutter und Sohn teilen sich einen Liebhaber und vor Inzest schreckt man auch nicht zurück. Alles ziemlich shocking, sicherlich, aber leider ohne wirklichen Spannungsbogen erzählt, zumindest ohne einen, den ich verstanden hätte. Handwerklich ist der Film sehr solide gemacht: Kameraführung, Beleuchtung, Ausstattung und schauspielerische Leistung sind auf hohem Niveau. Leider reicht das nicht, um eine fesselnde Geschichte zu ersetzen. Für Julianne Moore Fans dennoch sehenswert, seit langem hat man sie schon nicht mehr in einer so starken Rolle gesehen.

Savage Grace (Wilde Unschuld), USA, Spanien 2007 - deutscher Kinostart: 08.05.2008
4 Punkte


Filmkritik: Love and other Disasters

abgelegt unter: Film von Enk am 21.04.2008

“Wenn das hier ein Film wäre, wärst du blond”

Belanglose romantic comedy, die aus Versatzstücken von Sex and the City, Der Teufel trägt Prada und 30 über Nacht zusammengeklaut worden ist. Brittany Murphy spielt Emily, eine Assistentin bei der britischen Vogue. Ihr Mitbewohner Peter (Matthew Rhys) ist natürlich schwul, und sie macht es sich zur Aufgabe, ihn zu verkuppeln. Zum Glück taucht da der gutaussehende südamerikanische Fotoassistent Paolo (Santiago Cabrera) auf, der der ideale Partner für Peter zu sein scheint. Dumm nur, dass Paolo gar nicht schwul, sondern eigentlich in Emily verschossen ist.

Die Geschichte wimmelt von Klischee-Typen: überkandidelte schwule Fotografen, exaltierte Modedesigner, toughe Chefredakteurinnen, etc. etc. Um das klischeeüberladene Setting und die überraschungsarme Story quasi zu entschuldigen, hat Regisseur Alek Keshishian aber einen ganz netten Trick auf Lager: Der Film macht sich über seine eigene Klischeehaftigkeit und das ganze Genre lustig: So schauen die Protagonisten zwischendurch mal Notting Hill, um festzustellen, dass das Ende ja eh feststehe, schließlich sei das eine romantic comedy. Oder die Hauptdarsteller philosophieren darüber, ob ihre eigene Geschichte kinoreif sei, was aber schon daran scheitere, dass Emily als weibliche Hauptrolle nicht blond sei. Das Spiel mit dem eigenen Genre endet in einem wirklich gut gemachten Gastauftritt von Orlando Bloom und Gwyneth Paltrow, die ein zuckersüßes Happy End der Geschichte vorspielen.

Leider wirken die ironischen Anspielungen auf das eigene Genre ein wenig zu aufgesetzt und täuschen auch nur notdürftig darüber hinweg, dass die zugrundeliegende Story tatsächlich aus Standardbauteilen zusammengesetzt ist, die zu keinem Zeitpunkt Raum für Überraschungen lassen. Das tatsächliche Ende ist dann zwar ganz bewußt etwas weniger hollywood-esk, wirkt aber in seiner expliziten Abkehr vom Klischee-Ende auch wieder arg bemüht.

Love and other Disasters, Frankreich, Großbritannien 2006 - deutscher Kinostart: 13.03.2008
4 Punkte


Die Welt twittert…

abgelegt unter: Internet von Enk am 16.04.2008
So ganz geheuer ist mir der Hype um Twitter nicht. Das Tool, mit dem man die Welt in 140 Zeichen rund um die Uhr darüber auf dem laufenden halten kann, was man grad so tut, gibts ja nun schon eine ganze Weile. Aber seit ein paar Wochen grassiert das Twitter-Fieber egal wo man hinschaut - und hat natürlich auch schon die unvermeidliche Gegenbewegung auf den Plan gerufen.

Ich persönlich hab nicht das Bedürfnis, jeden online davon zu unterrichten, dass ich gerade ne Tasse Kaffee trinke oder wo ich heut abend hingehe. Aber mal ab und zu reinschauen, was andere so von sich zu erzählen haben, ist in der Tat ganz lustig. Nichts weltbewegendes, nur eins von vielen Modulen auf der eigenen iGoogle Seite, aber warum nicht. Den derzeitigen Hype genauso wie die verbissenen Anti-Twitterer kann ich nicht verstehen, wozu die Aufregung?

Neben dem ganzen “bin grad Kaffeetrinken” Privatgelaber auf Twitter setzt jetzt übrigens die zweite Welle der Twitterer ein: kommerzielle Inhalteanbieter entdecken die Plattform für sich: Von CNN gibts die Breaking News als Twitter-Stream, die Computerwoche twittert über die neuesten IT-Nachrichten. Und nun kann man auch bei der Welt den Redakteuren via Twitter beim Recherchieren zuschauen. Die Welt ist ja spätestens seit dem Online-Glückskeks eh ganz weit vorne im Web 2.0.

Ob man das alles braucht, oder ob Twitter in einem Jahr so tot ist wie Second Life… man weiß es nicht. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Websites, Blogs, rss-Feeds usw. wird Twitter nicht ablösen, aber die eine oder andere Nische, die mit dem 140-Zeichen-Konzept genau gefüllt werden kann, wird Twitter wohl finden.

update
Jetzt rettet Twitter sogar vor dem Knast


The B-52s - Funplex

abgelegt unter: Musik von Enk am 15.04.2008

“Faster Pussycat! Thrill! Thrill!”

Wie schon beim aktuellen R.E.M Album hört sich auch die neue Platte der B-52s an, als wäre sie direkt aus den frühen 90ern heraus veröffentlicht. Als wäre in den letzten zwei Jahrzehnten nichts passiert, spielt das Quartett so beschwingt auf wie früher. Vielleicht liegts ja daran, dass auch die B-52s wie R.E.M aus Athens, Georgia kommen, wo man vom Weltgeschehen im allgemeinen und der Entwicklung der Musikindustrie im speziellen abgeschnitten ist. Allerdings liegt bei den B-52s das letzte Studioalbum auch schon 16 Jahre zurück.

Die Arrangements zwischen Schrammelgitarre und einfachen Elektro-Beats sind gewohnt minimalistisch, Kate Pierson und Cindy Wilson singen sich unbekümmert karaoke-mäßig die Seele aus dem Leib, und Fred Schneider schreit immer mal wieder ein paar Satzfetzen ins Mikro - alles wie gehabt.

Leider ist auch das wie früher: die aufgeweckte Spiel- und Singfreude, mit der die B-52s zur Tat schreiten, ist anfangs noch beeindruckend, beginnt aber nach 2-3 Songs ein wenig zu nerven. Das scheinen die B-52s mittlerweile auch selber gemerkt zu haben, und so kommt mit Song Nr. 4 Juliet Of Spirits ein untypisch glattgebügelter Popsong, der so direkt in die Airplay-Charts der Radiostationen gehen könnte, sehr ungewöhnlich und fast ein Fremdkörper auf dem Album, aber gar nicht schlecht. Dafür folgt dann mit dem Titelsong Funplex wieder ein echter B-52-Mitsing-Klassiker im Stil von Roam oder Love Shack. Die fröhliche Mitsing-Musik sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die B-52s textlich durchaus Relevantes zu sagen haben - selten war Konsumkritik so spaßig verpackt.

In ganz ähnlichem Stil, wenn auch nicht ganz so eingängig wie der Titelsong sind Keep This Party Going und Too Much To Think About, dazwischen noch ein paar glattere Popnummern wie Deviant Ingredient und Dancing Now. Zwischendurch kommt z.B. bei Eyes wide open etwas mehr Elektronik ins Spiel - die wummernden Synthies und Filtereffekte sind vermutlich dem Einfluß von Produzent Steve Osborne geschuldet, der schon für New Order gearbeitet hat. Alles in allem ein sehr hörenswertes Comeback-Album.

Anspieltipps:
Funplex: ein echter B-52 Hit im Stil von Roam & Co.
Juliet Of Spirits: sehr untypisch-gefällige Popnummer


Filmkritik: P.S. I Love You (P.S. Ich liebe dich)

abgelegt unter: Film von Enk am 11.04.2008

“What do women want?” - “We have no idea what we want. “

Rührstück nach dem gleichnamigen Roman von Cecelia Ahern (deren Vater Bertie übrigens gerade aufgrund einer Korruptionsaffäre seinen Rücktritt als irischer Ministerpräsident angekündigt hat, aber das ist eine andere Geschichte).

Schon die Ausgangssituation ist an Melodramatik kaum zu überbieten: Holly (Hilary Swank) und ihr Mann Gerry (Gerard “SPARTA!” Butler) haben große Pläne für die Zukunft. Doch plötzlich stirbt Gerry an einem Gehirntumor. Um seiner Frau den Abschied vom ihm zu erleichtern, schreibt er ihr Briefe, die sie erst Stück für Stück nach seinem Tod zugestellt bekommt. In diesen Briefen gibt er ihr Anweisungen, wie sie nach der Trauer um ihn wieder ins Leben zurückfinden kann.

So ganz taufrisch ist die Idee nicht, schließlich war Patrick Swayze schon 1990 sehr erfolgreich als toter Ehemann, der seiner Frau nach dem eigenen Ableben noch Trost spendet (auch wenn das story device damals etwas esoterischer angelegt war).

Regisseur und Drehbuchautor Richard LaGravenese hat ein Händchen für gefühlsbetonte Stoffe, schon für Schmonzetten wie Der Pferdeflüsterer oder König der Fischer schrieb er das Drehbuch. Die Dialoge wirken streckenweise allerdings so konstruiert und unnatürlich wie aus einem … tja… schlechten Roman (wobei ich die Buchvorlage nicht kenne). Alles wirkt wie genau auf das Zielpublikum zugeschnitten. Speaking of Zielpublikum: Hätte mir zu denken geben müssen, dass ich der einzige Mann im Kino war. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass die Dialoge direkt aus der Markforschung kamen nach dem Motto: “Was sollte der Mann ihrer Träume an dieser Stelle sagen”.

Auf der Habenseite: Hilary Swank als zwischen Trauer, Verzweiflung und neuem Lebensmut schwankende Witwe spielt sehr überzeugend und macht aus dem klischeeüberladenen Script das beste. Auch die übrigen Darsteller (u.a. Jeffrey Dean Morgan, der Denny Duquette aus Grey’s Anatomy… soviel zum Thema weibliche Zielgruppe) spielen sich souverän durch den überraschungsarmen Plot. Und LaGravenese schafft es trotz aller Tränenrührigkeit, über die gut zwei Stunden durchaus zu unterhalten. Schließlich steuert zwar alles vorhersehbar auf ein Happy End zu, LaGravenese erspart uns aber zumindest die ganz platte Version und hört auf, bevor es allzu zuckersüß wird.

Ansonsten: viel Irland-Klischee mit grüner Landschaft, gitarrespielenden Guinness-trinkenden echten Kerlen und Pogues-Soundtrack. Um das amerikanische Publikum aber nicht mit zuviel europäischer Exotik zu verschrecken, wurde die Haupthandlung aus der Vorlage mal eben von Irland nach New York verlegt.

P.S. I Love You (P.S. Ich liebe dich), USA 2007 - deutscher Kinostart: 17.01.2008
5 Punkte


I hear you calling HP Baxxter

abgelegt unter: Musik von Enk am 10.04.2008

Ach du Scheiße, Scooter covern Sisters of Mercy. Und dann auch noch “Marian”. Zugegebenermaßen halten sich HP Baxxter & Co. hier sogar halbweg zurück und machen aus der Gothic-Ballade keinen Kirmestechno-Partyhit. Aber besser macht es das auch nicht…

Zum Vergleich:
Scooter - Marian
Sisters of Mercy - Marian

via Argh!


Filmkritik: Little Miss Sunshine

abgelegt unter: Film von Enk am 07.04.2008

“Tut alle so, als wärt Ihr ganz normal, in Ordnung?”

Warmherziger Road Movie über eine skurille Familie, die in einem alten VW-Bus auf dem Weg nach Kalifornien ist, damit die kleine Tochter am “Little Miss Sunshine” Schönheitswettbewerb teilnehmen kann. Der Vater ist ein erfolgloser Motivationstrainer, der Opa ist drogensüchtig, der Onkel lebensmüde, und der Sohn macht eine zornige Pubertätsphase durch. Einzig die Mutter und die etwas pummelige kleine Olive, deren größter Traum die Teilnahme am Miss-Wettbewerb ist, wirken in diesem Ensemble halbwegs normal.

Einige Skurrilitäten wirken ein wenig zu bemüht, z.B. das Schweigegelübte des rebellischen Sohnes, der sich nur noch mit Hilfe von Block und Kugelschreiber unterhalten will, und auch die Story ist an ein paar Stellen etwas arg konstruiert, um die für die Dramaturgie notwendige Konstellation zu erzwingen. Hat man sich mit dem Setting aber erst einmal arrangiert, macht es viel Spaß, dem bunten Haufen auf den Weg nach Kalifornien zuzuschauen.

Der Film zieht viel Witz aus der Gegenüberstellung von amerikanischer “Du kannst es schaffen”-Philosophie, die der Vater gewinnbringend verkaufen will, und dem realen Alltag, der sich leider nicht immer mit ein paar platten Motivationssprüchen (”Jeder kann ein Gewinner sein”) zurechtbiegen läßt. Das ist nicht sehr originell, aber trotzdem sehr unterhaltsam. Die ganze Szenerie des Films ist dabei erfrischend “normal”: Man wohnt nicht in den üblichen schicken Vorstadt-Häuschen und fährt einen großen Geländewagen, sondern bewegt sich mit einem abgewrackten Bus durch die amerikanische Highway-Tristesse, übernachtet in unglamourösen Motels am Straßenrand und das Ziel der Reise, die große “Miss Sunshine”-Wahl, findet in einem drittklassigen Hotel an der Autobahn statt.

Greg Kinnear als Möchtegern-Positiv-Denken-Guru, der sein eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommt, Toni Collette als halbwegs normale Mutter, aber auch Steve Carell als suizidgefährdeter Onkel sind großartig besetzt.

Die zugrundeliegende Botschaft von Little Miss Sunshine (”Sei du selbst, “Familie ist das wichtigste”) ist auch nicht viel origineller als die durch den Kakao gezogenen “Du kannst es Schaffen”-Philosphie, und auch die Kritik am oberflächlichen Schönheitsideal von Miss-Wahlen ist nicht gerade revolutionär. Aber der Film versteht es, diese Themen mit einem sehr symphatischen Erzählton und viel Witz rüberzubringen.

Little Miss Sunshine, USA 2006 - deutscher Kinostart: 30.11.2006
7 Punkte


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