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Hier im Dschihadrevier

abgelegt unter: TV von Enk am 30.01.2010

Man muss Oliver Welke nicht mögen, aber was er mit der heute show im ZDF auf die Beine stellt, ist für deutsche Comedy erstaunlich lustig. Natürlich ist Welke nicht Jon Stewart, und in der Show gibts eine Menge Peinlichkeiten, vor allem die bei Switch eigentlich sehr gute Martina Hill macht hier eine eher unlustige Figur. Aber für deutsche Verhältnisse ist die Show überraschend professionell gemacht, und es gelingen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder gute und bissige Pointen - wie z.b. gestern der Trailer für die neue Vorabendserie “Dschihadrevier“:

update: Auf Youtube ist das Video mittlerweile nicht mehr verfügbar, bei der ZDF Mediathek gibts aber die ganze Sendung. Das Dschihadrevier beginnt ab 20:18.

Wer das Original nicht kennt, klickt hier.


Also doch: Sonneborn bei Zimmer Frei

abgelegt unter: TV von Enk am 21.10.2009

Na, war doch eine Spitzensendung. Martin Sonneborn, Ex-Titanic-Chefredakteur und Vorsitzender der Spaßpartei “Die PARTEI” war zu Gast beim WDR-Klassiker “Zimmer Frei” mit Götz Alsmann und Christine Westermann. Aber kurz vor der Ausstrahlung entschloss sich der WDR, die Sendung nicht auszustrahlen, weil sie angeblich nicht lustig genug sei. Die Sendung zunächst in den Giftschrank zu packen, und erst nach massivem Zuschauerprozess wieder ins (Nacht-)programm zu nehmen ist erstaunlich unsouverän für die eigentlich immer sehr subversiv-selbstbewusste Zimmer-Frei Redaktion. Und wenn man sich die Folge anschaut, versteht man die Entscheidung umso weniger.

Dass Christine Westermann von Beginn an mit Sonneborn und seinem trockenen Humor nichts anfangen konnte, ist sehr deutlich zu sehen, und sie wird von Minute zu Minute genervter (”das war wieder Ironie, und ich habs nicht verstanden”). Götz Alsmann lässt sich natürlich kaum aus der Ruhe bringen und hält gut mit, Sonneborn und Alsmann schenken sich nichts. Die krampfhaften Versuche von Westermann aber, den Menschen Sonneborn hinter der Comedy-Figur des PARTEI-Vorsitzenden hervorzukramen, wirken immer verzweifelter, weil Sonneborn sich über die penetrant menschelnden Fragen natürlich souverän hinwegsetzt. Der Offenbarungseid von Westermann ist schließlich die resignierend-beleidigende Ausruf “Wenn ich Sie im Fernsehen sehen würde, würde ich Sie ausschalten”, mit dem sie dann das Interview vorerst abbricht. Warum sie immer wieder versucht, Sonneborn aus seiner Rolle zu bringen, bleibt ein Rätsel, das Publikum zumindest war von Sonneborns Performance keineswegs genervt. Das ganze war zwar nicht unbedingt eine Sternstunde des Fernsehens, aber deutlich amüsanter als viele Durchschnitts-Gäste bei Zimmer Frei, gerade weil diesmal das sonst vorherrschende Harmoniebedürfnis zwischen Gast und Moderatoren sichtbar gestört war.

Auf jeden Fall ist das Argument, die Sendung könne nicht ausgestrahlt werden, weil sie nicht den Qualitätsansprüchen genüge, ganz eindeutig vorgeschoben gewesen, was man nicht zuletzt an den gut gelaunten Reaktionen des Studiopublikums sehen kann. Das lag dann wohl doch eher an den GEZ-feindlichen Äußerungen von Sonneborn (die alte Titanic-Aktion: 50 EUR für jede GEZ-Abmeldung mit der Begründung “Johannes B. Kerner ist überbezahlt”).

Wer’s verpasst hat, der WDR hat die Sendung komplett ins Internet gestellt. Und wer die Gelegenheit hat, Martin Sonneborn auf seiner aktuellen Lesetour einmal live zu sehen, sollte das unbedingt tun: der Mann ist live noch deutlich besser als im Fernsehen.

Zimmer Frei! WDR, 20. Oktober 2009. Die Folge ist auch im Internet abrufbar


Warsaw - a great place to invade

abgelegt unter: TV von Enk am 17.03.2009
familiy guy

Die Juden haben Jesus gekreuzigt, alle Engländer sind schwul, und Polen können keine Zeitmaschinen reparieren…

… politisch inkorrekter gehts nicht, aber auch kaum lustiger: Family Guy - Road to Germany.

“We’re being pursued by two objects - looks like one’s another U-Boat, the other appears to be Terence Trent D’Arby”


Kaltes klares Wasser im Dschungelcamp

abgelegt unter: TV von Enk am 24.01.2009

Stefan hatte vorgestern schon ausführlich darauf hingewiesen, dass RTL sich mit der Musikuntermalung beim Dschungelcamp “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” erstaunlich viel Mühe gibt. Statt der üblichen Rockpop-Sauce anderer Dokusoaps spielt man hier gerne mal Morrissey, Smashing Pumpkins oder Bloc Party. Und siehe da, auch heute abend konnte man sich wieder davon überzeugen: Während Camp-Insassin Ingrid van Bergen in das Dschungelbächlein reiherte (don’t ask), läuft im Hintergrund Kaltes Klares Wasser von Malaria.


The Biggest Loser: Der CurryKing bestellt ein McMenü

abgelegt unter: TV von Enk am 09.01.2009

Gestern ging also das neue Doku/Casting Format “The Biggest Loser” bei ProSieben los: 14 übergewichtige Kandidaten hungern um die Wette, werden von Personal Trainern durch die Gegend gescheucht, und wer am Ende übrigbleibt, gewinnt 100.000 Euro.

Das Format bietet wenig überraschendes, die üblichen Casting-Elemente, diesmal halt rund ums Abnehmen, hat ein wenig was von Popstars meets Bauer sucht Frau. “Moderatorin” Katharina Witt scheint ein wenig überfordert mit ihrer Rolle, weswegen man die Szenen mit ihr auch auf ein Minimum begrenzt hat und lieber den Off-Sprecher bemüht.

Spannender war da die Werbepause: Gesponsert wird das ganze wenig überraschend von einer Diätklinik-Kette, und in der Werbepause ist der erste Spot dann erwartungsgemäß von den Weight Watchers. Gleich danach aber, perfide zielgruppenaffin, schlägt Meicas CurryKing zu, weil Abnehmen ja vor allem hungrig macht. Und im Anschluß rät McDonalds, doch nicht nen einzelnen Burger, sondern gleich ein nahrhaftes McMenü mit Pommes und Cola zu bestellen. Und weil man mit zuviel McDonalds und Currywurst vermutlich Probleme bei der Partnersuche hat, bietet Parship vorausschauend den Moppeln vor dem Bildschirm seine Dienste an.

Beim Spot für Westernhagens best of Album hat dann aber wenigstens auf Marius Hymne “Dicke” verzichtet.

The Biggest Loser läuft seit 8. Januar jeden Donnerstag abend bei Pro Sieben.


Californication - Sex and the City für Männer

abgelegt unter: TV von Enk am 06.10.2008

Wenn die Amerikaner auch kein Bier brauen können, Fernsehserien machen können sie. Der Überraschungserfolg der letzten Serien-Saison in den USA war Californication, seit letzter Woche läuft die Serie auch bei uns (montags auf RTL2).

Das Setting von Californication ist ziemlich dreist von der 80er Jahre Komödie Skin Deep geklaut (der Film mit dem Kampf der Leuchtkondome): ein erfolgreicher Schriftsteller mit Schreibblockade und Alkoholproblem stürzt sich von Affäre zu Affäre, ist aber eigentlich immer noch in seine Ex-Frau verliebt, die aber mittlerweile mit einem langweiligen neuen Mann zusammen ist.

Waren es in Sex and the City vier Großstadtmädels, die sich unverblümt über Sexualpraktiken, Intimpiercings u. ä. unterhielten, steht bei Californication die männliche Perspektive im Vordergrund: die männlichen Hauptdarsteller tauschen sich über das Auffinden der Klitoris, die richtige weibliche Intimfrisur oder Sex mit Nonnen aus. Wie Sex and the City läuft Californication in den USA zunächst im Pay-TV, braucht sich daher über Altersfreigabe keine Gedanken zu machen, trotz eindeutiger Themen und recht freizügiger Sexszenen. Vordergründig wird die Story von viel Humor und Dialogwitz getragen. Hinter dem Humor und der expliziten Thematik steckt bei Californication aber eine differenziertere Geschichte, die Story nimmt ihre Figuren sehr ernst und füllt sie mit Leben aus. Hauptdarsteller Hank ist bei all seinen smarten One-Linern eine beeindruckend tragische Figur.

Ex Akte-X Star David Duchovny ist die perfekte Besetzung für den zwischen Zynismus, Selbstzerstörung und Sehnsucht nach seiner Familie schwankenden Hank, Natascha McElhone (u.a. neben George Clooney in Solaris zu sehen) harmoniert perfekt als reservierte Ex-Frau Karen. Auch Becca (Madeleine Martin), die “aufgeweckte” junge Tochter von Hank und Karen nervt für ein Filmkind erstaunlich wenig. Um das Sex & the City Publikum zu ködern hat man als zweite männliche Hauptrolle Evan Handler besetzt, der in SATC den Mann von Charlotte gespielt hat, und hier den Agenten von Hank gibt, der zwischen seiner Frau und seiner blutjungen blonden Sekretärin hin und hergerissen ist.

Die erste Staffel hat einen stimmigen, in sich geschlossenen Handlungsbogen, vermutlich hat man nicht an den eigenen Erfolg geglaubt und daher keinen Cliffhanger am Season-Ende eingebaut. Umso spannender, wohin die zweite Staffel, die gerade in den USA angelaufen ist, die Figuren hinführen wird. Und ähnlich spannend, ob RTL2 die Serie im Programm behält, die Quoten der ersten Folge waren nur mäßig. Mag an der deutschen Synchronisation liegen, oder auch schlicht daran, dass gute Serien sich in Deutschland oft erst bei der Zweitausstrahlung durchsetzen

Californication läuft seit 29. September Montag abends auf RTL2


Ich bin ein Star, holt mich hier raus

abgelegt unter: TV von Enk am 13.01.2008

Angeblich guckts ja keiner, aber es ist erfolgreicher denn je: das Dschungel-Camp von RTL, in dem eine Gruppe Nicht-mehr-ganz- bzw. Noch-nie-wirklich-Prominenter zum fröhlichen Kakerlakenessen versammelt wird. Und was soll ich sagen: ich gucks. Man muss gar nicht so weit gehen, das Dschungelcamp als “gut gemachten Sadismus” zu loben, es ist aber in jedem Fall professionell gemachte Unterhaltung, die vom Produktionsniveau her um einiges höher angesiedelt ist als der meiste Billig-Trash, der ansonsten bei RTL & Co. versendet wird. Alleine die Tatsache, dass ein großer Teil der Sendung live ist, ist fürs Privatfernsehen, wo selbst große TV-Shows wie “Wer wird Millionär” vom Band kommen, bemerkenswert.

Die Faszination der Sendung geht dabei gar nicht davon aus, Leuten beim Kakerlaken-Essen oder Mit-Krokodilen-Tauchen zuzuschauen. Viel interessanter ist es, ein paar C-Promis, die man ansonsten nur perfekt gestylt vor den Kameras sieht, einmal im wahrsten Sinne des Wortes ungeschminkt zu sehen und zu erleben, wie sie sich abseits abgesprochener Interviewdialoge oder Yellow-Press Berichterstattung verhalten. Dazu noch die Spannung was passiert, wenn man so unterschiedliche Typen wie Vollproll DJ Tomekk, Schlager-Opa Bata Illic oder Ex-Pornostar Michaela Schaffrath in eine Zelle sperrt und die Kamera laufen läßt. Da gibts dann abseits der ganzen Ekelprüfungen überraschende Dialoge zwischen Illic und Tomekk, die sich im wirklichen Leben vermutlich nie begegnen würden, darüber, was der jeweils andere eigentlich macht (”Du bist also Disk Jockey?”) und wie schwer es ist, die deutsche Sprache zu lernen. Solche Szenen sind ganz großes Kino.

Für die C-Promis ist das ganze gar nicht mal so uninteressant. Natürlich ist der Ruf die meisten seriösen Projekte ruiniert und es haftet der “Die-war-sich-sogar-fürs-Dschungelcamp-nicht-zu-schade”-Ruf an. Aber seriöse Angebote bekommen viele der Teilnehmer eh nicht mehr, und hier bekommt man nochmal eine Medienpräsenz und Einschaltquoten, auf die auch mancher A-Promi neidisch wäre. Michaela Schaffrath wird in einer Folge Dschungelcamp mehr Wortbeiträge haben als in all ihren Filmen zusammen. Und die Teilnehmer vergangener Staffeln scheinen durchaus den einen oder anderen lukrativen Folgeauftrag bekommen zu haben.

Dazu kommt: Wenn die Kamera big-brother-mäßig draufhält, gewinnen erstaunlich viele Promis, die man ansonsten nur aus nervigen Vorabendserien oder Explosiv-Filmchen kannte, an Sympathie, denn viele sind tatsächlich “auch nur Menschen”, um mal in die Platitüden-Kiste zu greifen. Z.B. “Ich heirate Eine Familie”-Nervensäge Julia Biedermann, bei der ich immer zwanghaft umschalten musste, wenn die eine ZDF-Vorabendserie bevölkerte, scheint “privat” erstaunlich unzickig zu sein. Oder Michaela Schaffrath, die im Dschungel nicht als Porno-Queen, sondern eher als harmlos-nettes “girl next door” daherkommt. Bei anderen wie “DJ” Tomekk ist zumindest an den ersten beiden Tagen noch zu merken, dass hier jemand sehr gezielt an seinem Proll- und Macho-Image zu feilen versucht. Aber mit jedem weiteren Tag unter Vollzeit-Kameraüberwachung wird es vermutlich schwieriger, die erwünschte Fassade aufrecht zu erhalten.

Das Promi-Big-Brother mit verschärften Bedingungen könnte also ganz nette TV-Unterhaltung sein, wären da nicht die berüchtigten “Dschungel-Prüfungen”. Die sind nicht nur überflüssig, sie sorgen auch dafür, dass das ganze Szenario von einem nett-beschaulichen Reality-Format zu menschen- und tierverachtendem Ekel-TV wird, bei dem einem schon vom Zuschauen schlecht wird. Man merkt es auch den Moderatoren Zietlow und Bach an: Während sie ansonsten permanent derbe Sprüche über ihre Dschungel-Promis bringen, sind sie selbst ein fast peinlich berührt, wenn sie ihre Promi-Kollegen (die eine Zeitlang ja bekanntheitsmäßig durchaus auf Augenhöhe waren) dann tatsächlich zum Kakerlakenessen bitten müssen. Und bleiben fast regungslos daneben stehen, wenn Popsternchen Lisa Bund wirklich eine Handvoll Mehlwürmer in den Mund nimmt. Schließlich ist eine Sonja Zietlow karrieremäßig auch nicht so meilenweit davon entfernt, als dass sie nicht in ein paar Jahren selber mal im Dschungelcamp landen könnte.

Natürlich sind genau diese Szenen so publicityträchtig und sorgen dafür, das BILD, Spiegel Online & Co die Sendung mit einem medialen Dauerfeuer begleiten und das Dschungelcamp zum gesellschaftlichen Aufreger wird. Aber das Format hätte auch ohne dieses Ekel-Element eine Chance, und würde vermutlich für deutlich weniger schlechtes Gewissen beim Zuschauen sorgen. Nicht zuletzt würde man mit Verzicht auf die ganz derben Nummern wohl auch ein paar attraktivere Promis bekommen - bei einigen der der aktuell angetretenen “Prominenten” kannte ich vorher noch nicht mal den Namen.


Bohlen bei Kerner

abgelegt unter: TV von Enk am 05.11.2007

Man mag ja vom ZDF halten was man will, aber die ZDF Mediathek ist ganz große Klasse. Alle Sendungen der letzten Tage online abrufbar, in guter Qualität und ungekürzt. So kann man dann auch ein Highlight nochmal schauen, das ohne den Hinweis von Henryk M. Broder aufgrund akuter Kerner-Allergie an mir vorbeigerauscht wäre:

Bohlen bei Kerner

Der große Alltagsphilosoph Dieter Bohlen erklärt die Welt:

  • Über überflüssigen Luxus, und warum man keine teuren Yachten und Autos kaufen sollte: “Mieten ist super”, “Ferrari, immer kaputt, fährt doch nie”
  • Über die wahren Bedürfnisse des Menschen: “Man kann teuren Kaviar kaufen, oder eine Kartoffel zerschneiden und Bratkartoffeln machen. Mal ehrlich, was schmeckt besser”
  • Über den Vorteil von kleinen Wohnungen gegenüber großen Villen: “Hast du schon mal ne Schnecke mit Eimer gesehen? Eben.”
  • Über unsinnige Kriminalisierung von Filesharern: “Wir haben doch früher alle vorm Radio gesessen und die Hitparaden aufgenommen”
  • Über den Langzeiterfolg seiner Werke: “Ich glaub im Jahr 2300 ist Cherry Cherry Lady ein Volkslied wie Hänschen Klein”

Sehenswert. Da erträgt man sogar Kerner.

Und während Kerner mit den üblichen billigen Tricks versucht, Bohlen zu peinlichen Aussagen zu drängen, (”kannst du dich an den Moment erinnern, als du gemerkt hast, das ist genial, was ich mache?”), kontert Bohlen sehr souverän: “Ich wußte dass du da wieder drauf einsteigst, wie ein Fisch - hoho jetzt schmeiß ich mal das Wort “genial” in den Teich, und Johannes wieder *schwupp*”.

Das ganze in voller Länge hier.


Schmidt und Pocher - das war nix

abgelegt unter: TV von Enk am 26.10.2007
schmidt&pocher

Das soll also das große TV-Event gewesen sein? Andererseits, einen richtigen Knaller hatte wohl niemand erwartet. Harald Schmidt war spätestens seit seinem Wechsel zur ARD lustlos und unmotiviert, und Oliver Pochers Talent als Unterhalter ist ja durchaus, sagen wir, umstritten. Das was dabei rauskommt, wenn man die beiden in eine Show packt, war dann aber doch noch viel schlechter als erwartet.

Schmidt wirkte anfangs fahrig, geradezu nervös, obwohl er ja eigentlich nichts zu verlieren hat, sondern Pocher der ist, der sich bewähren muss. Der Stand-up Monolog, den Schmidt nochmal alleine brachte, war ziemlich schwach. Pochers Einstieg fing dann standesgemäß peinlich mit einer Michael Jackson Tanznummer an. Danach wurde es leider nicht besser. Die Dialoge zwischen den beiden wirkten schlecht improvisiert oder noch schlechter eingeübt, die beiden harmonierten kaum, fielen sich gegenseitig ins Wort, nur selten spielten sie sich mal die Bälle derart zu, dass eine Pointe funktionierte.

Erwartungsgemäß kokettierten die beiden kontinuierlich mit ihren jeweiligen Images und den Erwartungen der Zuschauer und Kritiker (”Mein Intellektuellen-Publikum” vs. “Deine niveaulosen Unterschichten-Fans”). Wenn das nicht so aufgesetzt kommen würde, hätte das ja durchaus Potential.

Erstaunlich unlustig auch die Einspielfilmchen - gerade wenn man sich überlegt, dass die beiden für die Pilotsendung genug Vorbereitungszeit hatten und eigentlich ein Pointenfeuerwerk hätten abfeuern müssen, um die neue Sendung zum fliegen zu bringen: Schmidt&Pocher pointenlos auf dem Jakobsweg, grottige “Bahn-Strike-Card” Werbung, langweiliger Arzt-Sketch mit Eckhardt von Hirschhausen, in dem Pocher und Schmidt nur noch als Statisten auftreten (und das soll auch noch eine Serie werden).

Dann die von Schmidt schon immer zelebrierte Zeitschinderei mit grotesken (aber in diesem Fall auch extrem unlustigen) Szenen wie einer langatmigen Analyse des letzten ARD-Tatorts oder einer oberpeinlichen Poldi-Parodie-Nummer. Was soll das?

Wenigstens der Gast war zur Premiere hochkarätig: Günther Jauch zu Besuch bei Schmidt war schon immer sehenswert. Und bringts auf den Punkt: “Ich hab in letzter Zeit drei neue Sendungen bei der ARD gesehen: neben dieser noch Anne Will und Frank Plasberg - zwei gefallen mir ganz gut”). Und schaut peinlich berührt, als Schmidt und Pocher neben ihm infantilst herumalbern.

Streckenweise blitzt dann doch mal auf, wie die Pocher-Schmidt-Nummer funktionieren könnte. Wenn die beiden nicht aneinander vorbeistottern, sondern wirklich mal ein Thema haben, über das sie ins Gespräch kommen und sich gegenseitig anstacheln. Dann merkt man, dass Pocher als Sidekick ein ganz anderes Kaliber sein könnte als der biedere Manuel Andrack, und Schmidt viel mehr herausfordern und kontern könnte. Leider war davon diesmal aber nur ansatzweise und mit viel gutem Willen etwas zu erkennen.

schmidtpocher2
Was wirklich verwunderlich an dem Auftritt der beiden ist, ist nicht Schmidts konzeptlose Ideenarmut. Er hat wohl schlicht keine Lust mehr und will den Vertrag mit der ARD nur noch mit dem geringstmöglichen Aufwand für sich selbst über die Bühne bringen. Aber für Pocher war bzw. ist die Show die große Chance, in die A-Liga der Unterhalter aufzusteigen. Man sollte meinen, dass er sich für diese Chance den Arsch aufreissen würde. Aber auch er wirkte null vorbereitet, eher wie ein Gast, der ab und zu mal einen lustigen Spruch bringt, aber ansonsten nicht für den Fortgang der Show verantwortlich ist. Ganz abschreiben sollte man die beiden noch nicht, vielleicht brauchen sie einfach noch etwas Zeit zum Warmwerden. Aber wenn das noch zwei bis drei Folgen so weitergeht, dürften die Quoten so weit in den Keller sacken, dass es selbst bei der ARD ungemütlich werden könnte.


Mr. President oder Mr. Mozart?

abgelegt unter: TV von Enk am 15.10.2007

ZDF MusikstarNachdem die Privatsender so erfolgreich sind mit Sendungen wie “Hit Giganten - die hundert größten Hits von Sängern mit Brille” oder “Die Ultimative Chartshow - Taubstumme Diven”, hält das ZDF weiter an seinem Format “Unsere Besten” fest. Zunächst hatte man ja ganz allgemein die größten Deutschen gesucht (Adenauer knapp vor Luther, Daniel Küblböck abgeschlagen auf Platz 16), mittlerweile sind schon Deutschlands “Lieblingssportler” (Schumi), “Lieblingskomiker” (Loriot), “Lieblingsorte” (Kölner Dom), “Lieblingsbücher” (Herr der Ringe) und “Lieblingserfindungen” (Das Rad) erforscht worden.

Auch die Jahrhunderthits hatte das ZDF schon mal wählen lassen (Platz 1: “Wind of Change”, “Der Nippel” nur auf Platz 89), was jetzt noch fehlt sind “Die besten Musikstars aller Zeiten”. Damit man nicht durcheinander kommt und auch als Laie bei der Wahl mitmachen kann (gibt schließlich was zu gewinnen), hat das ZDF schon mal eine Vorschlagsliste gemacht:

mozart

…ich nehm dann mal Mr. President.

Wie wärs als nächstes mit “Die besten Autobahnen”? Ach nee, Autobahn geht ja nicht.


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