Also doch: Sonneborn bei Zimmer Frei
Na, war doch eine Spitzensendung. Martin Sonneborn, Ex-Titanic-Chefredakteur und Vorsitzender der Spaßpartei “Die PARTEI” war zu Gast beim WDR-Klassiker “Zimmer Frei” mit Götz Alsmann und Christine Westermann. Aber kurz vor der Ausstrahlung entschloss sich der WDR, die Sendung nicht auszustrahlen, weil sie angeblich nicht lustig genug sei. Die Sendung zunächst in den Giftschrank zu packen, und erst nach massivem Zuschauerprozess wieder ins (Nacht-)programm zu nehmen ist erstaunlich unsouverän für die eigentlich immer sehr subversiv-selbstbewusste Zimmer-Frei Redaktion. Und wenn man sich die Folge anschaut, versteht man die Entscheidung umso weniger.
Dass Christine Westermann von Beginn an mit Sonneborn und seinem trockenen Humor nichts anfangen konnte, ist sehr deutlich zu sehen, und sie wird von Minute zu Minute genervter (”das war wieder Ironie, und ich habs nicht verstanden”). Götz Alsmann lässt sich natürlich kaum aus der Ruhe bringen und hält gut mit, Sonneborn und Alsmann schenken sich nichts. Die krampfhaften Versuche von Westermann aber, den Menschen Sonneborn hinter der Comedy-Figur des PARTEI-Vorsitzenden hervorzukramen, wirken immer verzweifelter, weil Sonneborn sich über die penetrant menschelnden Fragen natürlich souverän hinwegsetzt. Der Offenbarungseid von Westermann ist schließlich die resignierend-beleidigende Ausruf “Wenn ich Sie im Fernsehen sehen würde, würde ich Sie ausschalten”, mit dem sie dann das Interview vorerst abbricht. Warum sie immer wieder versucht, Sonneborn aus seiner Rolle zu bringen, bleibt ein Rätsel, das Publikum zumindest war von Sonneborns Performance keineswegs genervt. Das ganze war zwar nicht unbedingt eine Sternstunde des Fernsehens, aber deutlich amüsanter als viele Durchschnitts-Gäste bei Zimmer Frei, gerade weil diesmal das sonst vorherrschende Harmoniebedürfnis zwischen Gast und Moderatoren sichtbar gestört war.
Auf jeden Fall ist das Argument, die Sendung könne nicht ausgestrahlt werden, weil sie nicht den Qualitätsansprüchen genüge, ganz eindeutig vorgeschoben gewesen, was man nicht zuletzt an den gut gelaunten Reaktionen des Studiopublikums sehen kann. Das lag dann wohl doch eher an den GEZ-feindlichen Äußerungen von Sonneborn (die alte Titanic-Aktion: 50 EUR für jede GEZ-Abmeldung mit der Begründung “Johannes B. Kerner ist überbezahlt”).
Wer’s verpasst hat, der WDR hat die Sendung komplett ins Internet gestellt. Und wer die Gelegenheit hat, Martin Sonneborn auf seiner aktuellen Lesetour einmal live zu sehen, sollte das unbedingt tun: der Mann ist live noch deutlich besser als im Fernsehen.
Zimmer Frei! WDR, 20. Oktober 2009. Die Folge ist auch im Internet abrufbar







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