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The B-52s - Funplex

abgelegt unter: Musik von Enk am 15.04.2008

“Faster Pussycat! Thrill! Thrill!”

Wie schon beim aktuellen R.E.M Album hört sich auch die neue Platte der B-52s an, als wäre sie direkt aus den frühen 90ern heraus veröffentlicht. Als wäre in den letzten zwei Jahrzehnten nichts passiert, spielt das Quartett so beschwingt auf wie früher. Vielleicht liegts ja daran, dass auch die B-52s wie R.E.M aus Athens, Georgia kommen, wo man vom Weltgeschehen im allgemeinen und der Entwicklung der Musikindustrie im speziellen abgeschnitten ist. Allerdings liegt bei den B-52s das letzte Studioalbum auch schon 16 Jahre zurück.

Die Arrangements zwischen Schrammelgitarre und einfachen Elektro-Beats sind gewohnt minimalistisch, Kate Pierson und Cindy Wilson singen sich unbekümmert karaoke-mäßig die Seele aus dem Leib, und Fred Schneider schreit immer mal wieder ein paar Satzfetzen ins Mikro - alles wie gehabt.

Leider ist auch das wie früher: die aufgeweckte Spiel- und Singfreude, mit der die B-52s zur Tat schreiten, ist anfangs noch beeindruckend, beginnt aber nach 2-3 Songs ein wenig zu nerven. Das scheinen die B-52s mittlerweile auch selber gemerkt zu haben, und so kommt mit Song Nr. 4 Juliet Of Spirits ein untypisch glattgebügelter Popsong, der so direkt in die Airplay-Charts der Radiostationen gehen könnte, sehr ungewöhnlich und fast ein Fremdkörper auf dem Album, aber gar nicht schlecht. Dafür folgt dann mit dem Titelsong Funplex wieder ein echter B-52-Mitsing-Klassiker im Stil von Roam oder Love Shack. Die fröhliche Mitsing-Musik sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die B-52s textlich durchaus Relevantes zu sagen haben - selten war Konsumkritik so spaßig verpackt.

In ganz ähnlichem Stil, wenn auch nicht ganz so eingängig wie der Titelsong sind Keep This Party Going und Too Much To Think About, dazwischen noch ein paar glattere Popnummern wie Deviant Ingredient und Dancing Now. Zwischendurch kommt z.B. bei Eyes wide open etwas mehr Elektronik ins Spiel - die wummernden Synthies und Filtereffekte sind vermutlich dem Einfluß von Produzent Steve Osborne geschuldet, der schon für New Order gearbeitet hat. Alles in allem ein sehr hörenswertes Comeback-Album.

Anspieltipps:
Funplex: ein echter B-52 Hit im Stil von Roam & Co.
Juliet Of Spirits: sehr untypisch-gefällige Popnummer


I hear you calling HP Baxxter

abgelegt unter: Musik von Enk am 10.04.2008

Ach du Scheiße, Scooter covern Sisters of Mercy. Und dann auch noch “Marian”. Zugegebenermaßen halten sich HP Baxxter & Co. hier sogar halbweg zurück und machen aus der Gothic-Ballade keinen Kirmestechno-Partyhit. Aber besser macht es das auch nicht…

Zum Vergleich:
Scooter - Marian
Sisters of Mercy - Marian

via Argh!


R.E.M. - Accelerate

abgelegt unter: Musik von Enk am 04.04.2008

Waren R.E.M. mal als intellektuelle College-Indierock-Band gestartet, sind sie spätestens mit den Megasellern Out of Time und Automatic for the People in den 90ern in Stadion-Rock Dimensionen gewachsen. Der elitären Fanbase aus der Anfangszeit war es eher suspekt, dass jetzt auch Bon Jovi- und Westernhagen-Fans auf einmal in der Dorfdisko zu “Losing my Religion” tanzten. Daher ist mittlerweile der Coolness-Faktor von R.E.M. wohl nur noch unwesentlich höher als von Genesis.

Musikalisch allerdings haben sich Michael Stipe & Co. nicht wirklich verändert. Das neue Album “Accelerate” könnte genau so gut der Nachfolger von “Automatic For the People” sein, so wenig hat sich am R.E.M. Sound seit den frühen Neunzigern getan. Das kann man unoriginell und langweilig finden, oder auch erfrischend “retro”. Zumindest sind sich R.E.M. treu geblieben und haben ihren ganz eigenen Sound entwickelt: Eine Rock-Nummer reiht sich an die andere, alles sehr unspektakulär arrangiert zwischen Schlagzeug, Bass und Gitarre, dazu die unverwechselbare Stimme von Michael Stipes.

Ein Ohrwurm wie Imitation of Life oder Losing my Religion ist auf dem neuen Album nicht drauf, aber die Stücke sind durchweg hörbar und im klassischen R.E.M. Sound. Einzig der Abschlußsong “I’m Gonna DJ” fällt etwas aus der Reihe, in dem Stipe ungewöhnlich launig davon singt, dass er Vinyl sammelt, um am Ende der Welt den DJ zu machen. Bei diesem Abschlußsong ist man übrigens schon recht fix angelangt, mit wenig mehr als einer halben Stunde Spielzeit fassen sich Stipe & Co. ungewöhnlich kurz.

Anspieltipps:
Supernatural Superserious - die Vorabsingle: sehr klassischer R.E.M Song mit gefälligem Refrain
Accelerate - düster-waviger Titelsong und bester Track des Albums


The Charlatans - You cross my path

abgelegt unter: Musik von Enk am 05.03.2008

Charlatans

Nach der hervorragenden Vorabsingle You cross my Path (und der etwas weniger spektakulären zweiten “Auskopplung” Oh Vanity) ist seit Montag das lang erwartete neue Charlatans-Album erhältlich. Und zwar wie angekündigt als kostenloser Download, ab Mai dann auch als herkömmliche CD oder Vinyl.

Frontmann Tim Burgess erzählt wenig überraschend, dass das neue Album natürlich das beste ist was die Jungs jemals gemacht haben (wann hat jemand schon mal etwas anderes über sein neues Werk erzählt?), aber gerade weil You cross my path kostenlos veröffentlicht wird, betont er, dass es sich nicht um “left over tracks and b-sides” handelt, sondern um ein “quality record”. Damit hat er eindeutig recht.

Das neue Werk klingt streckenweise extrem nach New Order (Bad Days, The Misbegotten), was aber nicht das schlechteste ist. Ab und zu klingt dann auch mal ein wenig Hammond-Orgel Gewummer an, wie man es aus früheren Rave-Zeiten kannte (Missing Beats). Die Neuerfindung des Brit-Pop ist das sicher alles nicht, man bewegt sich auf bekanntem Terrain ohne große Experimente einzugehen. Aber das machen die Jungs sehr gut.

Die Vorabsingle You Cross my Path ist auch das tanzbarste Stück auf dem neuen Album, der Rest ist deutlich ruhiger. Alles extrem hörbar, bis auf die düstere Nummer “My Name is Despair” spielt sich alles in sehr harmonischen eingängigen Gefilden ab.

Anspieltipps:
Bad Days - sehr new-wavige eingängige Nummer
The Misbegotten - hätte auch auf dem letzten New Order Album Platz gehabt.

Download Album


Im Konzert: Kolkhorst

abgelegt unter: Musik von Enk am 21.01.2008

“Nennt mich nicht Singer/Songwriter”

Es ist ja immer beeindruckend, wenn jemand ohne Verstärkung durch Bandmitglieder, Bühnendeko oder Nebelschwaden einfach auf die Bühne tritt und seine Songs runterspielt. Kolkhorst, vor eineinhalb Jahren noch als Vorprogramm von Camouflage zu sehen, ist so eine one-man-show. Gitarre, Gesang, der Rest kommt von seiner “japanischen Freundin” namens Yamaha. Wobei “der Rest” auch nur ein paar minimalistische Drum-Loops und simple Keyboard- Arrangements sind. Kolkhorst macht aus diesen Zutaten eine erstaunliche Bandbreite von Songs. Von minimalistischen Synthie-Nummern, die wie aus der NDW-Frühzeit nach DAF und Trio klingen, über schön melodischen Elektropop oder zornig-trashigen Schrammelsound, den er vermutlich zuhause in der Garage spielt, wenn er mal wieder Frust hat, bis hin zu fast folkigen Gitarren-Nummern. Dazwischen dann immer mal ein paar Gimmicks wie ein Falco-Nirvana Crossover oder eine Parodie auf Iggy Pops “The Passenger” (”my last album was a flop, my name is Iggy Pop”).

Das ganze vorgestellt mit einer erstaunlich guten Live-Stimme und sehr beeindruckender Gitarrenperformance. Nachdem die ersten 10 Songs ohne große Worte runtergespielt wurden, taut Kolkhorst etwas auf und beginnt mit dem Publikum zu reden. Was allerdings als launiges Entertainment beginnt, entwickelt sich zu einem konfusen viertelstündigen Monolog zusammenhangloser Sätze, das die Geduld der Zuhörer dann doch arg strapaziert. Entweder ist dieser Mensch sehr verwirrt oder sehr breit. Ich tippe auf beides. Aber gute Musik macht er.

Kolkhorst live, Das Bett, Frankfurt, 17.01.2008


Deutscher Schlager auf Weltniveau

abgelegt unter: Musik von Enk am 18.01.2008

In den Siebzigern und frühen Achtzigern wurden die deutschen Charts (oder Hitparaden, wie man damals sagte) nicht nur vom Deutschen Schlager bevölkert, sondern auch von einer besonderen Form des deutschen Liedgutes, der Coverversion internationaler Hits. Sei es Roland Kaiser, der 1977 aus aus Chicagos “If you leave me now” ein dramatisches “Willst Du wirklich geh’n?” (1977) schmachtete, oder Didi Hallervorden und Helga Feddersen, die ein Jahr später aus Olivia Newton-Johns “You’re the one that I want” ein … äh.. humoriges “Die Wanne ist voll” machten.

Diese Coverversionen waren oft erfolgreicher als das (in der Regel englische) Original. Allerdings verschwanden mit den Schlagern in den Achtzigern auch solche Coverversionen aus den Top-Positionen der Charts.

Was viele nicht wissen: Das Genre der deutschen Coverversionen lebt immer noch, und treibt gar bunte Blüten. Mal ein paar Highlights aus den letzten Jahren:

Roland Kaiser: “Ausgebrannt und leer” (1998) - im Original Nathalie Imbruglias “Torn”. Kaiser ist eh einer der ganz Großen der Coverszene, z.B mit “Von dir - von mir” (1996), einer Neuauflage von Lionel Richies “Say You, Say Me”. Selbst die Hits, von denen man meint, es wären seine eigenen (”Santa Maria”), sind Adaptionen internationaler Songs.

Bernhard Brink und Simone: “Alles durch die Liebe” (2007), im Original aus dem “Music&Lyrics” Soundtrack von Hugh Grant und Haley Bennett. Brink ist ja sowas wie der deutsche Hugh Grant… und auch ein absoluter Cover-Freak - weitere Beispiele seines kreativen Schaffens:
“Kein Wort zuviel” (2002), im Original von Alan Parsons Projects “Don’t Answer Me”
“Komm laß es gescheh’n” (1997) im Original Nick Kamens “I Promised Myself”
“Sag ihr mal danke” (2005) im Original “Have You Ever Really Loved A Woman?” von Bryan Adams

Claudia Jung & Nik P.: “Sommerwein” (2007), als Antwort auf die erfolgreiche “Summer Wine” Version von Ville Valo, der es wiederum von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood geklaut hat. Lustiges Detail am Rande: Auch Roland Kaiser durfte 1996 schon mal mit Nancy Sinatra eine Neuaufnahme des Songs machen (”Summer Wine - Sie sah mich an”).

und noch ein paar Beispiele, leider (oder Gott sei Dank) ohne YouTube Link:
- Andrea Jürgens: “Du wirst seh’n” (1996) - recht originalgetreu übersetzt aus Madonnas “You’ll See”
- Nino de Angelo: “Weil ich ein Mensch bin” (2000) - im Original “Human” von Human Leage
- Howard Carpendale: “Ruf mich an” (2001), im Original Ronan Keatings “Life Is A Rollercoaster”

Diese und andere Schätze kann man ausführlich recherchieren bei Coverinfo.


Im Konzert: Lotto King Karl

abgelegt unter: Musik von Enk am 15.01.2008

Ein Saal voller Frankfurter singt “Wir sind Hamburger Jungs” - da kann nur Lotto King Karl auf der Bühne stehen. Lotto ist seit Jahren eine Lokalgröße in Hamburg, und füllt mit seinen lokalpatriotischen Songs dort große Hallen. Im Rest der Republik ist er vermutlich eher durch eine mäßig erfolgreiche Teilnahme am Grand Prix-Vorentscheid (damals zusammen mit Clowns&Helden Sänger Carsten Pape) bekannt.

Musikalisch klingen Lotto und seine “Barmbek Dream Boys” so, als wäre die Zeit seit den späten Achzigern stehen geblieben. Melodischer Poprock mit Stilmitteln, die man schon für lange tot geglaubt hat: Bass, Gitarre, Keyboards, das gute alte Gitarrensolo oder eine Saxophoneinlage, dazu ein kleiner Backgroundchor. So klangen die Simple Minds oder auch der Mainstream-Deutschrock vor 20 Jahren. Aber Lotto und seiner Band macht das gehörigen Spaß, und da man sich dabei nicht so ernst nimmt, und mit einer ansteckenden Spielfreude bei der Sache ist, wirkt die Nummer nicht peinlich.

Am Merchandising-Stand gibts T-Shirts mit Aufschriften wie “Wo liegt eigentlich München” oder “Wer ist eigentlich dieser Köln”, und Lotto schafft es am Ende gar, dass die Frankfurter Fußballfans bei “Wer wird deutscher Meister - ha-ha-ha HaEsVau” mitgröhlen.

Lotto King Karl, Fly Icarus Tour, Batschkapp Frankfurt, 13.11.2007


Alizée - Psychédélices

abgelegt unter: Musik von Enk am 21.12.2007


Alizée hat mit ihrem ersten Album das geschafft, was ihre Entdeckerin, der französische Mega-Star Mylène Farmer, nie erreicht hat: Auch in Deutschland erfolgreich Platten zu verkaufen. Mit Moi…Lolita erreichte die damals 17jährige Korsin im Jahr 2001 Platz fünf der deutschen Charts, und auch das Album Gourmandises war hierzulande ein Erfolg. Der Nachfolger Mes Courantes Electroniques ging dann wie fast alle Franco-Pop Erzeugnisse in Deutschland ziemlich unter, war aber in Frankreich immer noch ein großer Hit.

Mittlerweile ist die kleine Alizée verheiratet und Mutter, und kann einen ihrer größten Hits J’ai pas vingt ans auch nicht mehr ganz glaubwürdig rüberbringen, da sie die Zwanzig locker überschritten hat. Das Lolita-Image der ersten Platten passt also nicht mehr wirklich, und für ihr lang erwartetes drittes Album hat sie nun das getan, was man lt. Dieter Bohlen nie tun sollte, nämlich sich vom erfolgreichen Entdecker und Produzenten zu trennen um eigene Wege zu gehen. Die neue Scheibe Psychédélices stammt hörbar nicht mehr aus der Feder des Erfolgspaares Mylène Farmer/Laurent Boutonnat, das seit den 80ern sehr erfolgreich melancholisch-melodischen Synthiepop produziert, sondern klingt eher nach aktuellem internationalen Pop einer Nelly Furtado, mit Hip-Hop Elementen wie im banalen Decollage, oder ruhigen Nummern wie Par Les Paupieres, das wie eine französische Version von Furtados All good things come to an end klingt.

Das meiste ist durchaus hörenswert, aber es fehlt ein echter Hit wie in früheren Tagen. In starken Momenten (L’Effet) kann man erkennen, wie eine erwachsene Alizée klingen kann, die ihr Talent weiterentwickelt hat. In schlechten Momente klingt das leider zu sehr nach kalkuliert auf modern getrimmten Anglo-Pop.

Anspieltipps:
Idealiser - melancholischer Chanson, der noch am ehesten der früher prägenden Handschrift von Mylène Farmer nahekommt
Lilly Town - nette eingängige Gitarrenpop Nummer

Alizée - Psychédélices, Veröffentlichungsdatum (Frankreich): 3.12.2007


This Christmas

abgelegt unter: Musik von Enk am 14.12.2007
last christmas

Wer das Original nach wochenlanger Dauerbeschallung im Radio, Supermarkt oder auf dem Weihnachtsmarkt nicht mehr hören kann: Unter www.last-christmas.com sind alle Coverversionen des Wham!-Klassikers aufgelistet die es so gibt. Last Christmas covern ist so beliebt, dass es mittlerweile einfacher scheint, die Musiker aufzulisten, die den Song noch nicht gecovert haben.

Mein persönlicher Favorit von der Hamburger Band Mon)tag ist leider nur noch über deren MySpace-Seite anhörbar und steht nicht mehr auf deren Homepage zum Download. Die elektronisch-loungige Mon)tag Version war aber so außergewöhnlich, das sie ihrerseits jüngst gecovert wurde von den Berlinern Plas-Tick, zumindest klingt deren Last Christmas sehr, sehr ähnlich. Plas-Ticks Version ist auch auf dem kostenlos downloadbaren Electric Fantastic Christmas Sampler enthalten.

Auch nicht schlecht ist die Country-Version, die die Freizeit-Cowboys von The Boss Hoss vor einigen Jahren gemacht haben.

update:
…auch eine sehr ehrliche Version: Wolle Petry singt Last Christmas, und das sogar auf Englisch (”…Hölle, Hölle Hölle hell, hell, hell”)


Les Rita Mitsouko - keine Konzerte mehr

abgelegt unter: Musik von Enk am 30.11.2007

Da dachte ich, ich könnte die französischen Indiepop-Ikonen der 80er tatsächlich nochmal live in der Batschkapp sehen, und nu is eine Hälfte von Les Rita Mitsouko nicht mehr da. Zum Tode von Fred Chichin weiter mit Musik


…und noch ne Zugabe.


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