Ein Trend im E-Commerce, der bislang komplett an mir vorbeigelaufen ist, sind die neuen E-Commerce Einkaufsclubs wie Vente-Privée, brands4friends, BuyVIP oder Private Outlet. Dabei ist das Geschäftsmodell äußerst erfolgreich: Vente Privée macht dieses Jahr bereits Umsätze im dreistelligen Millionen-Bereich und ist in Frankreich angeblich der mittlerweile drittgrößte Modeversender, und in Deutschland schießen die Me-Too-Konkurrenten gerade wie Pilze aus dem Boden und werden mit VC-Millionen überschüttet.
Das zugrundeliegende Geschäftsmodell ist dabei - wie bei allen erfolgreichen Geschichten - sehr simpel: Es werden Produktionsüberschüsse und Auslaufmodelle bekannter Marken vertickt - meist Klamotten, aber auch Haushaltswaren und anderes. Anders als bei Discount24, Schutzgeld.de oder den üblichen Ebay-Verkäufern kommen Kunden aber nur auf Einladung in den Shop, dadurch können die Hersteller ohne große Öffentlichkeit ihre Überschußware verramschen und machen den traditionellen Verkaufskanälen nur indirekt Konkurrenz, die Aktionspreise tauchen also auch nicht in den üblichen Preissuchmaschinen auf. Die Kunden erhalten satte Prozente auf Markenware, und durch das Invitation-Only Konzept hat man das Gefühl, ein besonders exklusives Schnäppchen zu machen. Dazu noch die üblichen Verknappungsstrategien - die Verkaufsaktionen laufen immer nur ein paar Tage, und was weg ist ist weg - und fertig ist das “aufregende Einkaufserlebnis”.
Eine weitere Zutat ist die aufwändige Warenpräsentation, zumindest Vente Privée gibt sich viel Mühe, die Aktionswaren ansprechend mit viel Flash- und Grafikspielereien hochwertig darzustellen, um kein Grabbeltisch-Image aufkommen zu lassen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum das Geschäftsmodell erst in der letzten Zeit so richtig abgehoben hat. Vente Privée gibt es in Frankreich schon seit 2001, aber erst mit der massiven Verbreitung von DSL-Flatrates bei der Kundschaft kann man hochwertige Waren vernünftig online präsentieren, ohne das die Kunden stundenlang dem Seitenaufbau zugucken müssen.
Der Clou dabei ist der Zutritt in den Shop nur auf Einladung. Das suggeriert nicht nur Exklusivität, sondern ist virales Marketing pur. Allerdings hat solche Exklusivität für den Anbieter natürlich auch einen Preis: man kann nicht auf Teufel komm raus neue Kunden werben, sondern muss ein wenig Geduld haben, bis der Schneeball ins Rollen kommt, bis dahin läßt man viel potentiellen Umsatz mit dem “Du kommst hier nicht rein”-Prinzip außen vor. Soviel Standhaftigkeit wäre natürlich zuviel verlangt für die Marketing-Abteilungen und VC-Geldgeber. Da wundert es nicht, dass alle Anbieter ihre Exklusivitätsprinzipien mehr oder weniger schnell über den Haufen werfen und durch Kooperationen mit Paypal (Vente Privée), StudiVZ (brands4friends) oder schlicht durch eine Hintertür im Registrierungsformular (Private Outlet) praktisch doch jeden in den Shop lassen. Mit ein paar Minuten Google-Recherche war es auf jeden Fall kein Problem, bei allen Shops sofort einen Account zu bekommen.
Das Warenangebot ist dabei gar nicht mal so unattraktiv, und gerade bei Vente Privée sind die Rabatte durchaus sehenswert, sofern man sich denn für die angeboteten Marken interessiert. Ob allerdings ein Gemischwarenladen wie BuyVIP mit eher schlichter Warenpräsentation und Preisen, wie man sie bei Sonderangeboten auch durchaus im normalen Laden bekommt, dauerhaft Erfolg hat, sei mal dahingestellt. Andererseits wundert man sich ja auch immer wieder, wie gut diese Homeshopping TV-Sender angeblich laufen, für alles scheint es also einen Markt zu geben. Und bei Brands4Friends scheint der Laden auch zu brummen: Bei der aktuellen Aktion mit “Ed Hardy”-Klamotten waren zum Start die Server prompt ein paar Stunden wegen Überlastung nicht zu erreichen, und kurze Zeit später das Sortiment schon größtenteils ausverkauft.