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Filmkritik: Free Rainer

abgelegt unter: Film von Enk am 30.06.2008

“Fassbier? Nein, Fassbinder”

Hans Weingärtners erfolgreichster Film “Die fetten Jahre sind vorbei” ist durch Fernsehgelder mitfinanziert worden, was nach Meinung des Regisseurs dem Film nicht gut getan hat, sondern zu schlimmen Kompromissen und zuviel Mainstreamigkeit geführt hat. Seinen nächsten Film “Free Rainer” hat er daher ganz bewußt ohne Unterstützung von TV-Sendern produziert. Was passiert, wenn Weingärtner freie Hand hat, spricht nicht gerade für den österreichischen Regisseur. Während die linksideologische Attitüde, die “Die fetten Jahre sind vorbei” durchdrang, durch die guten Schauspieler und eine stimmige Dramaturgie noch halbwegs erträglich war, ist Weingärtners neues Werk nur noch pädagogisch-unlustiges Besserwisser-Kino mit erhobenem Zeigefinger.

Dabei ist die zugrundeliegende Idee sehr vielversprechend: Ein frustrierter und zynischer TV-Macher hat die Schnauze voll von dem von ihm verantworteten Trash-TV. Er gründet mit einer Gruppe Arbeitsloser eine Guerilla-Truppe, die die Einschaltquoten manipulieren will, um die ganzen Casting-Shows, Gerichts-TVs und Call-In-Sendungen in die Pleite zu führen und die Verdummung durch das Fernsehen zu stoppen. Stoff genug also für eine spritzige Mediensatire, und mit Moritz Bleibtreu hat Weingärtner auch einen zugkräftigen Hauptdarsteller engagiert.

Bleibtreu versucht auch aus den gegebenen Rahmenbedingungen das beste zu machen und spielt wie immer sehr souverän. Aber leider kann er die ihm in den Mund gelegten Texte nicht durch noch so engagiertes Spiel zum Leben erwecken. Bleibtreu und seinen Mitstreitern werden dermaßen platte ideologisch gestanzte Parolen und Dialoge in den Mund gelegt, dass die Figuren blutleer bleiben. Die Sprechblasen, die Rainer & Co. von sich geben müssen, könnten auch aus einem Flugblatt der Antifa-Hochschulgruppe stammen oder aus einem alternativen Volkshochschulkurs “Massenmedien für Anfänger”. Die blasse weibliche Hauptdarstellerin Pegah (Elsa Sophie Gambard) darf dann auch mal völlig ironiefrei Sätze sagen wie „Das Geld war schon immer der Anfang vom Ende jeder Revolution“.

Wenig glaubwürdig ist vor allem die Wandlung der Hauptperson Rainer vom zynischen TV-Profi zum engagierten Aktivisten gegen die Volksverdummung. Sie ist nur notdürftig dramaturgisch herbeigeschrieben durch einen einschneidenden Verkehrsunfall des Protagonisten, der ihn auf einmal zum besseren Menschen werden läßt. Allerdings noch nicht gut genug für Weingärtners Weltsicht: Als der Plot sich zuspitzt und in die unvermeidliche “große Krise” vor dem Finale gelangt, verhält sich Rainer einmal nicht ganz so, wie es das Gutmenschenbild gerne hätte: Er weigert sich, das gesamte Projekt aufs Spiel zu setzen, um einen Mitstreiter aus einer selbstverschuldeten Situation zu helfen, und steht nun zur Strafe ganz alleine da. Erst als Rainer einsieht, dass er seiner Truppe von Underdogs alle Fehler verzeihen muss, damit er nicht als kalter Kapitalist da steht, kann es weitergehen mit der Gutmenschen-Guerilla.

Weingärtner läßt kein Klischee aus: Die TV-Macher saufen und koksen, Computer-Experten sind menschenscheue Nerds, Arbeitslose sind Alkoholiker, aber haben das Herz auf dem rechten Fleck, und die bösen Politiker und Kapitalisten im Hintergrund stecken alle unter einer Decke, um das Volk dumm zu halten. Um seine Botschaft rüberzubringen, verzichtet Weingärtner auf jedwede Subtilität oder Differenzierung, und setzt auf brutalstmögliche pädagogische Erziehung des Zuschauers: Fernsehen macht dumm - geht lieber spazieren oder lest ein gutes Buch - mit dem bösen Trash-TV versuchen die Mächtigen nur, das Volk ruhig und dumm zu halten. Das ganze am Rande untermalt mit einer dümmlich-peinlichen Angela Merkel Karikatur, die dem dummen Zuschauer nochmal mit dem Holzhammer klarmachen soll, dass die böse konservative Regierung mit den Fernsehsendern unter einer Decke steckt.

Wie “gutes” Fernsehen aus Weingärtners linksideologischer Gutmenschensicht aussehen könnte, deutet er leider auch an: Dokumentationen über ägyptische Pyramiden, überlange literarische Talkshows, und natürlich seine eigenen Filme: auf einmal flimmert eine Szene aus “Die fetten Jahre sind vorbei” über den Bildschirm. Was in anderem Kontext eine gelungene selbstironische Spitze gewesen wäre, wirkt in Weingärtners Belehrungskosmos leider nur unlustig überheblich. Der Mann meint das ernst.

Die Ironie an Weingärtners Besserwisser-Kino ist, dass er damit dasselbe macht, was er dem Fernsehen vorwirft: nämlich den Zuschauer für dumm zu verkaufen und ihm mit dem Holzhammer seine Ideologie aufzwingen zu wollen. Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, patzt Weingärtner auch handwerklich: Dramaturgie, Schnitt, Tempo - alles wirkt eher wie das Erstlingswerk eines mäßig begabten Filmakademie-Absolventen. Wenn die Handlung mal ein paar Szenen lang Fahrt aufnimmt und Spaß zu machen beginnt, schafft es Weingärtner zielsicher, Tempo und Spannung wieder vollständig rauszunehmen. Die Rollen sind klar verteilt, es gibt nur schwarz und weiß, und die Story ist ohne jegliche Überraschungen nach dem Standard-Schnittmuster inszeniert.

Was das Ganze trotz aller Ärgerlichkeit und handwerklicher Mittelmäßigkeit immer noch unterhaltsam und halbwegs sehenswert macht, ist die brillante Grundidee. Das witzige Setting einer Spaßguerilla, die durch Einschaltquoten-Manipulation die Welt verbessern will, tröstet über die vielen Unzulänglichkeiten teilweise hinweg, und in vielen Szenen blitzt immer mal wieder auf, was für ein großartiger Film aus diesem Thema hätte werden können.

Free Rainer, Deutschland/ Österreich 2007 - deutscher Kinostart: 15.11.2007
4 Punkte


Filmkritik: Falco - Verdammt, wir leben noch!

abgelegt unter: Film von Enk am 16.06.2008
falco
© MR-Film

“Ich lebe nur einmal - aber bei meinem Leben ist einmal auch genug”

Eigentlich erstaunlich, dass erst zehn Jahre nach dem Tod des österreichischen Megastars Falco ein Spielfilm über sein Leben erscheint. Jahrelang erfolglos in der Versenkung verschwunden, war Falco mit seinem Unfalltod 1998 auf einmal wieder berühmter denn je: Seine Platten verkauften sich wie geschnitten Brot, und schon zwei Jahre nach seinem Tod hatte das Musical Falco Meets Amadeus im Berliner Theater des Westens Premiere und wurde eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals der letzten Jahrzehnte.

Erst zum zehnten Todestag kam dann auch der naheliegende Film in die Kinos. Regisseur und Autor Thomas Roth folgt mit “Falco - Verdammt wir leben noch!” der Dramaturgie eines klassischen Biopic, nur dass es diesmal nicht die üblichen amerikanischen Biografien à la Johnny Cash oder Ray Charles sind, sondern die Handlung im Österreich der sechziger Jahre beginnt. Das hat zur Folge, dass die Bilder anfangs oft stark an die Ästhetik der ZDF- oder SAT1-Historienproduktionen wie Die Luftbrücke oder Die Flut erinnern. Die Kindheit und Jugend von Hans Hölzel, wie Falco bürgerlich hieß, wird in einer eher anekdotische Aneinanderreihung von “Schlüsselszenen” dargestellt: Jeder Szene ist anzusehen, welche zentrale Aussage sie transportieren soll (”Mami, ich will Popstar werden”). Die Dialoge sind anfangs recht hölzel hölzern, was sich allerdings im Laufe des Films bessert, wenn die Geschichte Fahrt aufnimmt mit Hölzels Anfängen in der Wiener Underground-Szene und der Erfindung der Kunstfigur Falco.

Mit “Ganz Wien” erklingt dann auch endlich der erste Falco-Hit im Kinosaal, den er damals noch als Mitglied der Gruppe Drahdiwaberl geschrieben hatte. Die großen Hits sind im Film fast alle dabei, ganz gut zusammengeschnitten aus nachgestellten Videos, Konzerten und TV-Auftritten. Allerdings bleibt unverständlich, warum die Songs nachgesungen sind. Hauptdarsteller Manuel Rubey ist mit seiner Stimme zwar sehr nah am Falco-Original, aber damit eben auch knapp vorbei. Hatte vielleicht lizenzrechtliche Gründe, aber die Originalaufnahmen hätten besser in den Film gepasst.

Die Videosets von Rock me Amadeus, Jeanny & Co. sind sehr liebevoll nachgebaut, hier stimmen die Kulissen, die Kostüme und die Kameraeinstellungen bis ins Detail. Auch andere Filmszenen wirken teilweise wie kopiert aus bekannten Aufnahmen mit dem echten Falco, die man aus Reportagen kennt. Teilweise schrammen die nachgestellten Szenen allerdings auch knapp an der Comedy vorbei: so sieht Dieter Kronzucker (Rainer Frieb) bei seinem legendären heute journal Kommentar zum Skandalvideo Jeanny aus, als wäre er direkt aus dem Switch-Ensemble entflohen. Und Mola Adebisi darf sich selbst als Viva Moderator in den 90ern spielen, wirkt dabei aber seltsam fehlbesetzt, weil 10 Jahre zu alt.

Hauptdarsteller Manuel Rubey hat die Mimik und Gestik von Falco perfekt einstudiert, auch wenn das manchmal fast zu perfekt und stilisiert rüberkommt. Christian Tramitz als sein Manager Horst Bork zeigt, dass er auch seriöse Rollen sehr überzeugend rüberbringen kann und spielt erstaunlich unprätentiös. Falcos Frau Isabella , mit der Falco eine skandalträchtige und aufreibende Ehe geführt hat (und die hier - wohl aus rechtlichen Gründen - Jacqueline genannt wird), wird anfangs etwas gekünstelt, insgesamt aber glaubhaft verkörpert von Patricia Aulitzky. Sehr eigenartig besetzt ist hingegen Grace Jones, die eine Barangestellte in der Dominikanischen Republik spielt, die Falco in den Minuten vor seinem Unfalltod beobachtet. Überhaupt wirkt der dramaturgische Einfall von Regisseur Roth, die letzten Minuten Hans Hölzels vor dem Unfall als Klammer für den Film zu nutzen, die immer wieder in die Handlung geschnitten wird, ein wenig bemüht.

Der Film hat seine Schwächen, macht das aber durch die dramatische und sehr sehenswerte reale Geschichte von Hans Hölzel aka Falco wett, die alles hat, was ein Biopic braucht: Steile Karriere, Höhenflug, Flops, tiefer Fall, Hybris, Depression, Drogen, Skandale und natürlich gute Musik. Ein sehr dankbarer Stoff für einen abendfüllenden Film.

Falco - Verdammt, wir leben noch! Österreich, Deutschland 2008 - deutscher Kinostart: 05.06.2007
8 Punkte


Filmkritik: Funny Games U.S.

abgelegt unter: Film von Enk am 09.06.2008
funnygames
(C) Warner Independent Pictures

“Why are you doing this?” - “Why not?”

Remake eines österreichischen (!) Thrillers von 1997. Michael Haneke, der auch schon das Original inszenierte, durfte die Geschichte nochmal mit großem Budget für das amerikanische Publikum neu verfilmen. Ich kenne das Original nicht und konnte mich daher unbefangen auf die Story einlassen, ohne dauernd darauf achten zu müssen, was alles um der Massenkompatibilität willen geopfert, geglättet oder dramatisiert wurde (wobei die Neuverfilmung wohl sehr originalgetreu sein muss).

Funny Games beginnt mit dem Idyll einer wohlhabenden Familie im Urlaub: golfspielende Eltern in hübscher Ferienvilla mit Segelboot, aufgeweckter Sohn, treuer Hund. In diese perfekte Szenerie bricht der Horror ein in Gestalt zweier unscheinbarer junger Männer, die angeblich bei der Nachbarsfamilie zu Besuch sind, und beginnen, die Familie zu terrorisieren.

Was Funny Games sehr gut macht, ist von Beginn an ein mulmiges Gefühl zu erzeugen und scheinbar harmlose Alltagsszenen bedrohlich aussehen zu lassen. Die benachbarten Villenbesitzer grüßen ein wenig zu verhalten. Der junge Mann, der bei den Nachbarn zu Besuch ist, und sich Eier aus der Küche borgen will, wirkt ein wenig zu nervös, und schnell wird auch dem Zuschauer, der den weiteren Verlauf der Geschichte nicht kennt, klar, dass hier irgendwas nicht stimmt. Der Film läßt sich aber viel Zeit dabei, und läßt den Zuschauer lange zappeln, bis die Geschichte in Fahrt kommt.

Über weite Strecken wirkt Funny Games wie ein Kammerspiel mit extrem ruhige Kameraeinstellungen. Selbst bei den wenigen Actionszenen bleibt die Kamera still, so dass ein Teil der Action immer wieder außerhalb des Sichtbereiches geschieht. Der Widerspruch zwischen elegischen Bildern und dramatischer Handlung ist sehr effektiv und schafft eine beklemmende Atmosphäre. Zur Mitte des Films treibt Haneke das Spiel auf die Spitze mit einer ungeschnittenen fast bewegungslosen Szene von über zehn Minuten, in der man Naomi Watts dabei zusieht, wie sie langsam wieder zu Bewußtsein kommt. Gerade weil Haneke sich die üblichen Thriller-Einstellungen erspart, bei denen der Killer plötzlich Hintergrund auftaucht oder am Fenster steht, wirkt seine Inszenierung sehr effektiv und bricht mit bekannten Sehgewohnheiten.

Was die Bedrohungssituation in Funny Games so beklemmend macht ist, dass die beiden Bösen nicht bis an die Zähne bewaffnet und mit einem raffiniert teuflischen Plan in das Familienidyll einfallen, sondern wie zufällig in der Tür stehen, und schon ein Golfschläger reicht, um zur tödlichen Bedrohung zu werden. Der Horror geschieht wie zufällig, ohne nachvollziehbaren Grund.

Die kammerspielartige Atmosphäre erfordert den Schauspielern einiges ab, und vor allem Naomi Watts spielt die tyrannisierte Frau absolut überzeugend. Auch die beiden Bösewichte Peter (Brady Corbet) und Paul (Michael Pitt) sind gut besetzt als psychisch instabile und immer brutaler werdende Tyrannen, auch wenn die Spielchen und psychopatischen Dialoge der beiden mit der Zeit ein wenig anstrengen. Etwas anstrengend sind auch ein paar Gimmicks, die Haneke eingebaut hat, etwa wenn ein Protagonist auf einmal direkt in die Kamera spricht und fragt, wie die Geschichte denn ausgehen solle. Solche Verfremdungseffekte sind seit Berthold Brecht nicht mehr originell und wirken hier eher plump. Erst recht wird durch diese Gimmicks der Film nicht gleich zur hochtrabenden “Medienkritik” über den Umgang mit Gewalt im Kino aufgewertet, auch wenn der Regisseur sein Werk wohl so verstanden wissen will. Einen (durchaus gut funktionierenden) gewalttätigen Thriller abzuliefern und damit gleichzeitig kritisieren zu wollen, dass die Zuschauer nur an Gewalt interessiert sind, ist nicht clever sondern verlogen (oder zumindest wie f**cing for virginity).

Ich hatte dummerweise schon vorher gelesen, wie die Geschichte tendenziell ausgeht, insofern war das - für einen Hollywood-Streifen durchaus unorthodoxe - Ende keine wirkliche Überraschung. Dennoch Respekt für den mutigen Schluß. Schade, dass Haneke mit diesem Mut durch die angesprochenen Verfremdungseffekte so kokettieren muss.

Funny Games U.S., USA u.a. 2007 - deutscher Kinostart: 29.05.2008
7 Punkte


Filmkritik: You kill me

abgelegt unter: Film von Enk am 04.06.2008

“Sie sind nicht schwanger, oder?” - “Nein, außer Sie hätten was in meine Frühlingsrolle getan”

Filme über Profikiller und ihre Probleme im Job haben eine lange Tradition (siehe z.B. Léon oder auch Pulp Fiction), und sind aktuell wieder sehr angesagt. Neben In Bruges, der sich um zwei gescheiterte Killer dreht, die in Belgien untertauchen müssen, handelt auch You Kill Me von einem Hitman, der nach einem gescheiterten Auftrag für eine Zeit seinen Job an den Nagel hängen muss.

Frank Falenczyk (Ben Kingsley) erledigt nicht nur die blutigen Aufträge für die polnische Mafia, er ist auch Alkoholiker, was dazu führt, dass er in seinem Job immer wieder patzt. Als er den geplanten Mord an einem konkurrierenden irischen Mafia-Boss wegen Trunkenheit einfach verschläft, schickt ihn sein Chef aus dem verschneiten Buffalo nach San Francisco, um dort eine Entziehungskur bei den Anonymen Alkoholikern zu machen. Seine Mafia-Familie besorgt ihm eine Wohnung und einen Job bei einem Bestattungsunternehmen (”sogar fast deine Branche”, wie der Aufpasser süffisant feststellt).

Nach anfänglichen Widerständen gewinnt Frank Gefallen an der Vorstellung, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Durch seinen Job als Bestatter lernt er die hübsche Laurel (Téa Leoni) kennen, und bei den Anonymen Alkoholikern freundet er sich mit dem biederen Dave (Bill Pullman, der US-Präsident aus Independence Day) an. Er erzählt den beiden (und seiner Selbsthilfegruppe) von seinem Job als Profikiller und erntet überraschenderweise Verständnis für seine Probleme. Franks Ziel ist es aber nicht, nun ein ganz anderer Mensch zu werden und neben dem Trinken auch mit dem Töten aufzuhören. Er will vielmehr vom Alkohol loskommen, um wieder in seinem alten Job erfolgreich zu werden. Auf dem Weg dorthin entdeckt er auch seine Killer-Ehre wieder. So verschickt er als Wiedergutmachung Geschenkgutscheine an die Hinterbliebenen seiner Opfer, die er wegen Trunkenheit nicht sauber umgebracht hat und die daher unnötig leiden mussten.

Der Gegensatz zwischen brutalen Killerhandwerk und banalen Alltags- und Beziehungsproblemen ist die Grundlage für viele Lacher und skurrile Situationen. Ben Kinsley als glatzköpfiger stoischer Killer, der sich widerwillig mit seinem neuen Leben in San Francisco anfreundet, spielt unprätentiös und sehr reduziert. Téa Leoni (die schon als zickige Hausfrau in Spanglish überzeugt hat) passt hervorragend an seine Seite und spielt ebenso spröde und mit trockenem Humor.

Für einen Film über Auftragskiller wird erstaunlich wenig geschossen, dafür umso mehr geredet. You Kill Me ist ein sehr leiser und ruhiger Film, dessen subtile Dialoge ein wenig mit dem teilweise etwas derben Humor über die Arbeit im Leichenschau oder bei den Anonymen Alkoholikern kollidieren. Aber die Story ist erfrischend unkonventionell und schafft es immer wieder, zu überraschend. Sehenswert.

You kill me, USA 2007 - deutscher Kinostart: 12.6.2008
7 Punkte


Filmkritik: Sex and the City: The Movie

abgelegt unter: Film von Enk am 29.05.2008

“I had wasabi places that you should NEVER have wasabi!”

Eins vorweg: Wer sich einen Film wie Sex and the City:The Movie anschaut, sollte schon wissen was er tut. Wer die Serie nie gesehen hat, eine Aversion gegen modebesessene weibliche Großstadtyuppies hat, oder ein generelles Problem mit Kitsch und Emotionen, darf sich hinterher nicht wirklich beschweren, dass ihm der Film nicht gefallen hat.

Jenseits aller Mode/Kosmetik/Lifestyle Oberfläche war Sex and the City eine der intelligentesten US-Serien der späten Neunziger. Die Serie verband vordergründigen und selbstironischen Witz mit einer durchaus tieferliegenden Ernsthaftigkeit, und legte eine für US-Serien erstaunliche Direktheit und Unverblümtheit an den Tag - was dazu geführt hat, dass in einigen amerikanischen Kabelnetzen nur entschärfte Fassungen gezeigt wurden.

So klischeehaft die Figuren der vier besten Freundinnen Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte auch angelegt waren, deren Welt sich ausschließlich um Sex, Mode und Männer zu drehen schien, hat die Serie ihre Problemchen und Probleme, von Kinderlosigkeit über Brustkrebs bis hin zu Einsamkeit und Älterwerden, durchaus ernstgenommen, und dabei auch noch blendend unterhalten, mit intelligentem Dialogwitz und immer wieder überraschenden Story-Twists.

SatC: The Movie ist ein Film für Fans der Serie, und macht daraus auch keinen Hehl. Vor dem Filmgenuss steht allerdings erstmal eine harte Prüfung bevor: Horden von aufgekratzten “Mädels” in Stöckelschuhen, gerne in Vierergrüppchen, belagern schon proseccotrinkend das Kinofoyer, und merken gar nicht wie albern es aussieht, wie sie völlig ironiefrei ihren Leinwandheldinnen nacheifern wollen. Wenn sich das erste Kreischen im Kinosaal nach dem Erscheinen von Carrie auf der Leinwand gelegt hat, vergißt man aber auch das.

Zu Beginn werden nochmal im Schnelldurchlauf die Protagonistinnen und ihre Entwicklung in den sechs TV-Staffeln vorgestellt, das ist aber eher zur Auffrischung gedacht denn als Einführung für komplett Unbedarfte. Ohne die Vorgeschichte(n) zu kennen, bleiben die Figuren vermutlich sehr holzschnitthaft, und viele offene und versteckte Anspielungen unentdeckt. Man hat sich viel Mühe gegeben, die Originalbesetzung wieder zusammenzubekommen, von den Hauptdarstellerinnen über die männlichen Nebenparts bis hin zu kleinsten Rollen wie der Haushälterin von Miranda oder der Chefredakteurin von Carrie.

Auch die Story ist auf die Fan-Zielgruppe zugeschnitten - und was wünschen sich (weibliche) Fans für die große Leinwand: Natürlich eine Traumhochzeit von Big (Chris Noth) und Carrie (Sarah Jessica Parker), komplett mit Designer-Brautkleid von Vivianne Westwood, glamouröser Feier und romantischen Hochzeitsschwüren. Carrie darf eine große Brautmodenschau machen (wie überhaupt das Schuh- und Modethema im Film eher noch penetranter ist, als es in der Serie schon der Fall war), der schwule Wedding Planner Anthony (Mario Cantone) darf die große Feier vorbereiten, und gemeinsam suchen sich Big und Carrie ein Traum-Penthouse in Manhattan.

Da das aber alleine nicht reicht, um die fast zweieinhalb Stunden Spielzeit zu füllen, ist der Weg zum Happy End natürlich doch nicht ganz so gradlinig, es kommt erwartungsgemäß vorher noch zur großen Krise, und zu kleinen und größeren Katastrophen am Rande. Viele Plot-Twists wirken dabei arg beliebig und unvorbereitet. Da verkündet der eine aus heiterem Himmel, fremdgegangen zu sein und zwei Szenen später wohnt man schon in getrennten Apartments. Oder die andere verkündet unvermittelt, schwanger zu sein, was in der TV-Serie Stoff für eine halbe Season gewesen wäre. Natürlich muss man im Kinoformat verdichten und zuspitzen, aber die Beliebigkeit der Wendungen ist an einigen Stellen doch arg angestrengt.

Vom Ende hätte ich mir dann ja insgeheim doch etwas mehr erwartet als das meilenweit vorhersehbare Hollywood Happy-End. Es war immer eine der großen Stärken der Serie, die eine oder andere Geschichte nicht ganz so glamorourös ausgehen zu lassen, und die Jungmädchenträume der Protagonistinnen auch mal an der Realität zerplatzen zu lassen. Aber genauso wie die TV-Serie dem Zielpublikum zum Ende eine große Versöhnungsszene nicht vorenthalten wollte, hat man sich auch im Kinofilm nicht getraut, die Erwartungen der weiblichen Fans zu enttäuschen. Schade eigentlich. Das doch sehr banale Ende, das alle losen Enden erwartungsgemäß zusammenführt und keine Sekunde überrascht, hat nur klassisches rom com Niveau.

Dennoch: Wem die Serie gefallen hat, der wird auch den Film mögen. Überhaupt fühlt sich der Film genau so an wie eine Serien-Doppelfolge (bzw. Fünffach-Folge), wenn auch eine eher durchschnittliche. Erzählweise, Dialoge, Kameraführung etc. sind sehr stark an die TV-Dramaturgie angelehnt, abgesehen natürlich vom deutlich aufwändigeren Produktionsniveau. Wer aber schon mit der Serie nichts anfangen konnte (oder sie gar nicht gesehen hat), sollte besser einen großen Bogen um Sex and the City: The Movie machen.

Sex and the City: The Movie, USA 2008 - deutscher Kinostart: 29.05.2008
6 Punkte


Filmkritik: Untraceable

abgelegt unter: Film von Enk am 22.05.2008

“Schade dass der Typ kein Pfadfinder ist - er könnte im Morsecode blinzeln und uns sagen wo er ist”

Auf der Seite killwithme.com kann man dabei zusehen, wie live getötet wird. Je mehr Zuschauer die Seite erhält, desto schneller wird das Opfer umgebracht. Zunächst sind es nur Kätzchen, die vor laufender Kamera ihr Leben lassen müssen, bald geht es aber um Menschenleben. Der Server ist mit herkömmlichen Mitteln nicht auffindbar - untraceable eben. Ein schwieriger Fall für die Federal Cyber Crimes Task Force, die es ansonsten eher mit Phishing-Attacken oder Kinderporno-Tauschringen zu tun hat. Agentin Jennifer Marsh (Diane Lane) macht sich auf die Suche nach dem Betreiber der Seite, der scheinbar wahllos seine Opfer sucht, um per Livestream deren Hinrichtung zu zeigen.

Der Technobabble und die Visualisierung von Internet- und Computertechnologie sind für Hollywood-Verhältnisse geradezu realistisch, zumindest im Vergleich mit manch anderen Hollywood-Fantasien zum Thema Internet & Co. Auch wenn die Verbrecherjagd im Netz tatsächlich wohl ein wenig komplexer ist als hier dargestellt: Cybercrime-Bekämpfung wird beim Film-FBI zum Computerspiel: Auf dubiosen Seiten rumtreiben um Hacker anzulocken. Den Hackern neben den vermeintlichen Kreditkartendaten mal eben einen Trojaner unterschieben, dann bei einem aufgebohrten Google Earth die Adresse des Cyberkriminellen ermitteln - den Rest besorgt quasi per Mausklick das Einsatzkommando vor Ort.

Die der Story zugrundeliegende sozialkritische Botschaft wird wenig subtil rübergebracht: Untraceable prangert die Sensationslust der Menschen an, die bei Autounfällen gaffen und damit die Rettungsarbeiten behindern, oder einem Menschen beim Sterben zusehen, obwohl sie damit erst den Tod herbeiführen. Und damit das auch jeder versteht, wird das ganze nochmal unmißverständlich per Dialogzeile eingehämmert: “Jeder Amerikaner, der diese Seite anklickt, ist des Mordes mitschuldig”. Das Problem dabei ist die fehlende bzw. nur sehr notdürftig erzwungene Mechanik dahinter: Die Website killwithme.com “wirbt” zwar damit, dass die Opfer umso schneller sterben, je mehr sensationsgeile Leute zuschauen. Aber das ist eben nur eine beliebig definierte Regel des dahinterstehenden Killers. Die vermeintliche Alternative, dass die Opfer überleben, sobald niemand mehr zuschaut, besteht natürlich nicht wirklich, da sie so oder so in der Hand des Mörders sind, der sie nicht wieder laufen lassen wird.

Abgesehen vom Internet-Setting bewegt sich Untraceable in sehr konventionellen Bahnen. Auch wenn er die Klasse der großen Genre-Vorbilder wie Das Schweigen der Lämmer oder Sieben dabei nie erreicht, hat der Film alle klassische Elemente eines Serienkiller-Thrillers: Perverse Mordfantasien eines hochintelligenten Psychopaten, der nach einem bestimmten Schema mordet. Eine ehrgeizige Polizistin auf seiner Spur, die im Laufe der Ermittlungen selbst ins Fadenkreuz gerät. Immer mehr Puzzlestücke, die die Lösung des Rätsels nahelegen. Und natürlich der unvermeidliche Showdown, bei dem es nochmal gegen den Countdown um Leben und Tod geht. Auch der Dreh, das Internet als moderne Kulisse für einen Thriller zu nutzen, ist nicht wirklich neu. Aber wenn man sich nicht wie der Batzman zu sehr über die unverhohlenen “Raubkopierer sind Verbrecher”-Anspielungen im Film aufregt, bleibt zumindest ein handwerklich gut gemachter Thriller, der über weite Strecken unterhält und mit einer schlüssigen Erklärung für die Motivation des Killers aufwartet. Das hat man auch schon mal schlechter gesehen.

Untraceable, USA 2008 - deutscher Kinostart: 03.04.2008
5 Punkte


Filmkritik: Hitman (Hitman - Jeder stirbt alleine)

abgelegt unter: Film von Enk am 08.05.2008

(C) 20th Century Fox

“You don’t wanna fuck me and you don’t wanna kill me - I’ve never felt so much indifference in my entire life”

Verfilmungen von Videospielen sind ja in der Regel nicht gerade vielversprechend. Wenn es sich nicht gerade um Uwe Boll Trash oder Totalflops wie Wing Commander handelt, kommt bestenfalls mittelmäßige Hollywood Massenware a la Tomb Raider heraus. Hitman macht gleich zu Beginn deutlich, dass wir es zumindest nicht mit der Trash-Variante zu tun haben. Der Film eröffnet mit einer sehr stilvollen Einstimmung, unterlegt mit elegischem Ave Maria Sound, die im Hochglanz-Zeitraffer zeigt, wie in einem Erziehungslager aus Kindern brutale Söldner gemacht werden.

Die Story liest sich wie eine dreiste Kopie der Bourne Identity: “Agent 47″ (Timothy Olyphant) ist eine programmierte Killermaschine. Von seinen Auftraggebern im Stich gelassen und gejagt, macht er sich auf die Suche nach seinen Erschaffern und wird selbst zum Jäger. Ihm auf den Fersen ist der Interpol-Agent Mike Whittier (Dougray Scott), der die Organisation hinter Agent 47 aufdecken will. Und natürlich gibts auch noch einen hübsche weiblichen Sidekick (Franka Potente Olga Kurylenko), der Agent 47 auf der Flucht und Jagd begleitet.

Nicht nur die Story, sondern auch die Umsetzung, Dramaturgie und Optik wirken wie zusammengeklaut aus allem, was, das moderne Actionkino in den letzten Jahren zu bieten hatte: Ultra-Slow Motion, brutale Action, stilisierte Schwertkämpfe, High-Tech Spielereien, das alles kennt man aus Matrix, Léon, Die Hard, Kill Bill, vor allem aber der Bourne Trilogie. Aber besser gut geklaut als schlecht selbst zusammengereimt.

Hitman verkauft das Actionpaket sehr stylish, ohne Angst vor Klischees oder Schwarzweiß-Zeichnung. Die Stimmung ist düster, actionlastig und gewalttätig, ohne durch die oft üblichen coolen One-Liner eines Bruce Willis oder Will Smith aufgelockert zu werden - auch hier eine starke Parallele zum wenig humorigen Bourne Franchise.

Die beeindruckende Optik zitiert immer wieder die Computerspiel-Vorlage - seien es die über den Laptop empfangenen Mission Briefings, rasante Kamerazooms oder der Blick durchs Zielfernrohr - man kann sich die Umsetzung als Spiel direkt vorstellen, ohne das der Film dadurch billig wirkt.

Wie so oft bei Action-Spektakeln darf man nicht zu sehr hinter die Fassade der Explosionen und Schießereien schauen, weil sich dahinter nur notdürftig riesige Story-Löcher verbergen. Aber das gehört zum Genre und ist auch bei Stirb Langsam 4.0 nicht anders, und solange das Ganze zumindest auf den ersten Blick halbwegs nachvollziehbar bleibt, kann man ja schon zufrieden sein. Timothy Olyphant als wortkarger glatzköpfiger Killer ist schauspielerisch in dieser klischeehaften Rolle ein wenig unterfordert, macht seine Sache aber durchaus souverän. Übrigens immer wieder erstaunlich, wie wandlungsfähig Olyphant ist: Ob in der unsäglichen Western-Saga Deadwood, in Rom Coms wie Catch and Release oder in Action-Reißern wie Stirb Langsam oder Hitman, ich brauche jedesmal ein paar Minuten, um Olyphant in seiner Rolle wiederzuerkennen. Mag vielleicht auch einfach daran liegen, dass er von Haus aus ein nicht ganz so markanter Typ ist.

Hitman ist sicher nicht die Neuerfindung des Actionfilms und fühlt sich an vielen Stellen allzu glatt und konstruiert an. Aber diese Perfektion des Bekannten hat auch ihren Reiz. Und trotz oder vielleicht gerade wegen der sterilen gradlinigen Inszenierung schafft es Hitman, seine düstere Atmosphäre rüberzubringen. Hitman erreicht nicht die Klasse und Originalität des großen Vorbildes der Bourne Trilogie, ist aber als stylishe Kopie nicht die schlechteste Wahl für einen Popcorn-Kino-Männerabend.

Hitman (Hitman - Jeder stirbt allein), Frankreich, USA 2007 - deutscher Kinostart: 13.12.2007
7 Punkte


Filmkritik: Savage Grace (Wilde Unschuld)

abgelegt unter: Film von Enk am 05.05.2008
savage grace
(C) IFC Films

“I don’t think I’ve ever met a family like yours - all this excitement, all this history”

Savage Grace ist die Verfilmung der Lebensgeschichte von Barbara Daly Baekeland, einer Society-Lady, die 1972 von ihrem eigenen Sohn Anthony ermordet worden ist (jaja, gespoilert, aber bei einem Biopic ist das erlaubt). Barbara (Julianne Moore) verbindet von Beginn an eine intensive und ungewöhnlich intime Beziehung zu ihrem Sohn (Eddie Redmayne). An ihren Mann Brooks (Stephen Dillane) hingegen schätzt sie vor allem, dass er ihr die Tür in die feine Gesellschaft geöffnet hat. Man verkehrt in besten Kreisen, da Großvater Leo das erste synthetische Plastik erfunden hatte und die Familie damit reich gemacht hat.

Die mondäne Famile lebt gut vom ererbten Geld und führt ein jet-settiges Leben in den Metropolen dieser Welt. Man zieht von New York in den 40ern, nach Paris in den 50ern, Spanien in den 60ern und wieder zurück nach Paris und dann London. Die verschiedenen Schauplätze und Epochen sind sehr detailreich in Szene gesetzt, ohne in übertriebenen Ausstattungsorgien zu ersticken.

Julianne Moore, die ihren guten Ruf in letzter Zeit ein wenig durch lustlose Massenware wie Next gefährdet hat, ist hier einmal wieder in einer echten Paraderolle zu sehen. Die schillernde Barbara Baekeland ist eine eigenwillige und exzentrische Frau, die auf gesellschaftliches Ansehen höchsten Wert legt, aber auch gerne mal abrupt ausfällig wird und Leuten vor den Kopf stößt. Die mit ihrem Mann spielt und ihren Sohn vergöttert. Moore kann hier zwischen Exaltiertheit, Depressionen, Lust und Perversion alles zeigen - und macht das Ganze ohne over-acting oder nervige Aufgesetztheit.

Die Story allerdings ist recht wirr und mäandert vor sich hin. Die Konstellationen wechseln in diesem Ensemble wild hin und her zwischen Vater, Mutter, Hausfreund, Freundin, Kindern, Männern, Frauen: Der Vater spannt dem homosexuellen Sohn die Freundin aus, Mutter und Sohn teilen sich einen Liebhaber und vor Inzest schreckt man auch nicht zurück. Alles ziemlich shocking, sicherlich, aber leider ohne wirklichen Spannungsbogen erzählt, zumindest ohne einen, den ich verstanden hätte. Handwerklich ist der Film sehr solide gemacht: Kameraführung, Beleuchtung, Ausstattung und schauspielerische Leistung sind auf hohem Niveau. Leider reicht das nicht, um eine fesselnde Geschichte zu ersetzen. Für Julianne Moore Fans dennoch sehenswert, seit langem hat man sie schon nicht mehr in einer so starken Rolle gesehen.

Savage Grace (Wilde Unschuld), USA, Spanien 2007 - deutscher Kinostart: 08.05.2008
4 Punkte


Filmkritik: Love and other Disasters

abgelegt unter: Film von Enk am 21.04.2008

“Wenn das hier ein Film wäre, wärst du blond”

Belanglose romantic comedy, die aus Versatzstücken von Sex and the City, Der Teufel trägt Prada und 30 über Nacht zusammengeklaut worden ist. Brittany Murphy spielt Emily, eine Assistentin bei der britischen Vogue. Ihr Mitbewohner Peter (Matthew Rhys) ist natürlich schwul, und sie macht es sich zur Aufgabe, ihn zu verkuppeln. Zum Glück taucht da der gutaussehende südamerikanische Fotoassistent Paolo (Santiago Cabrera) auf, der der ideale Partner für Peter zu sein scheint. Dumm nur, dass Paolo gar nicht schwul, sondern eigentlich in Emily verschossen ist.

Die Geschichte wimmelt von Klischee-Typen: überkandidelte schwule Fotografen, exaltierte Modedesigner, toughe Chefredakteurinnen, etc. etc. Um das klischeeüberladene Setting und die überraschungsarme Story quasi zu entschuldigen, hat Regisseur Alek Keshishian aber einen ganz netten Trick auf Lager: Der Film macht sich über seine eigene Klischeehaftigkeit und das ganze Genre lustig: So schauen die Protagonisten zwischendurch mal Notting Hill, um festzustellen, dass das Ende ja eh feststehe, schließlich sei das eine romantic comedy. Oder die Hauptdarsteller philosophieren darüber, ob ihre eigene Geschichte kinoreif sei, was aber schon daran scheitere, dass Emily als weibliche Hauptrolle nicht blond sei. Das Spiel mit dem eigenen Genre endet in einem wirklich gut gemachten Gastauftritt von Orlando Bloom und Gwyneth Paltrow, die ein zuckersüßes Happy End der Geschichte vorspielen.

Leider wirken die ironischen Anspielungen auf das eigene Genre ein wenig zu aufgesetzt und täuschen auch nur notdürftig darüber hinweg, dass die zugrundeliegende Story tatsächlich aus Standardbauteilen zusammengesetzt ist, die zu keinem Zeitpunkt Raum für Überraschungen lassen. Das tatsächliche Ende ist dann zwar ganz bewußt etwas weniger hollywood-esk, wirkt aber in seiner expliziten Abkehr vom Klischee-Ende auch wieder arg bemüht.

Love and other Disasters, Frankreich, Großbritannien 2006 - deutscher Kinostart: 13.03.2008
4 Punkte


Filmkritik: P.S. I Love You (P.S. Ich liebe dich)

abgelegt unter: Film von Enk am 11.04.2008

“What do women want?” - “We have no idea what we want. “

Rührstück nach dem gleichnamigen Roman von Cecelia Ahern (deren Vater Bertie übrigens gerade aufgrund einer Korruptionsaffäre seinen Rücktritt als irischer Ministerpräsident angekündigt hat, aber das ist eine andere Geschichte).

Schon die Ausgangssituation ist an Melodramatik kaum zu überbieten: Holly (Hilary Swank) und ihr Mann Gerry (Gerard “SPARTA!” Butler) haben große Pläne für die Zukunft. Doch plötzlich stirbt Gerry an einem Gehirntumor. Um seiner Frau den Abschied vom ihm zu erleichtern, schreibt er ihr Briefe, die sie erst Stück für Stück nach seinem Tod zugestellt bekommt. In diesen Briefen gibt er ihr Anweisungen, wie sie nach der Trauer um ihn wieder ins Leben zurückfinden kann.

So ganz taufrisch ist die Idee nicht, schließlich war Patrick Swayze schon 1990 sehr erfolgreich als toter Ehemann, der seiner Frau nach dem eigenen Ableben noch Trost spendet (auch wenn das story device damals etwas esoterischer angelegt war).

Regisseur und Drehbuchautor Richard LaGravenese hat ein Händchen für gefühlsbetonte Stoffe, schon für Schmonzetten wie Der Pferdeflüsterer oder König der Fischer schrieb er das Drehbuch. Die Dialoge wirken streckenweise allerdings so konstruiert und unnatürlich wie aus einem … tja… schlechten Roman (wobei ich die Buchvorlage nicht kenne). Alles wirkt wie genau auf das Zielpublikum zugeschnitten. Speaking of Zielpublikum: Hätte mir zu denken geben müssen, dass ich der einzige Mann im Kino war. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass die Dialoge direkt aus der Markforschung kamen nach dem Motto: “Was sollte der Mann ihrer Träume an dieser Stelle sagen”.

Auf der Habenseite: Hilary Swank als zwischen Trauer, Verzweiflung und neuem Lebensmut schwankende Witwe spielt sehr überzeugend und macht aus dem klischeeüberladenen Script das beste. Auch die übrigen Darsteller (u.a. Jeffrey Dean Morgan, der Denny Duquette aus Grey’s Anatomy… soviel zum Thema weibliche Zielgruppe) spielen sich souverän durch den überraschungsarmen Plot. Und LaGravenese schafft es trotz aller Tränenrührigkeit, über die gut zwei Stunden durchaus zu unterhalten. Schließlich steuert zwar alles vorhersehbar auf ein Happy End zu, LaGravenese erspart uns aber zumindest die ganz platte Version und hört auf, bevor es allzu zuckersüß wird.

Ansonsten: viel Irland-Klischee mit grüner Landschaft, gitarrespielenden Guinness-trinkenden echten Kerlen und Pogues-Soundtrack. Um das amerikanische Publikum aber nicht mit zuviel europäischer Exotik zu verschrecken, wurde die Haupthandlung aus der Vorlage mal eben von Irland nach New York verlegt.

P.S. I Love You (P.S. Ich liebe dich), USA 2007 - deutscher Kinostart: 17.01.2008
5 Punkte


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