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Filmkritik: Avatar (Avatar - Aufbruch nach Pandora)

abgelegt unter: Film von Enk am 19.01.2010

“Hoffentlich wird dieser Mein-Freund-der-Baum Scheiß nachher nicht abgefragt”

James Cameron hat sich lange Zeit gelassen, um nach Titanic seinen nächsten Blockbuster an den Start zu bringen. Schade, dass er die Zeit nicht genutzt hat, um ein vernünftiges Drehbuch zu schreiben. Avatar kommt daher wie eine krude Mischung aus Jurassic Park, Starship Troopers und Der mit dem Wolf Tanzt, und erzählt dabei einen sehr schlichten Plot: Das naturverbundenes Alien-Volk der “Na’vi” wird von den bösen Menschen bedroht, die die Rohstoffe ihres Heimatplaneten schamlos ausbeuten wollen. Ein Soldat, der sich bei den Na’vi einschleichen soll um sie auszuspionieren, verliebt sich dabei in die Tochter des Stammesältesten und freundet sich mit der Welt der Na’vi an … und der Rest der Story verläuft genauso vorhersehbar wie befürchtet.

Die Darstellung der Na’vi beinhaltet dabei in bester Hausfrauen-Ethno-Esoterik so ziemlich jedes Indio/Indianer/Eingeborenen-Klischee das man kennt, und ist weit über die Schmerzgrenze hinaus kitschig und völlig ironiefrei inszeniert. Unfreiwillig komisch wird das ganze, wenn etwa das gesamte Völkchen um einen Leuchtbaum herum singend meditiert um eine Kranke zu heilen (don’t ask) - da gabs mal eine Magnum-Werbung, in der ein Indio-Volk einen Eisriegel anbetet, das kam weniger peinlich rüber. Dieser Ethno-Brei scheint sich - wie der Batzman so schön schreibt - an Leute zu richten, die “ihr Geld freiwillig für Indianer-Häuptlingszitat-Poster, Fantasyplakate mit galoppierenden Einhörnern, vor dem Mond springende Delphine, traurige Harlekine, Panthergipsbüsten, Traumfänger, Räucherkerzen und Walgesangs-CDs ausgeben”.

Man könnte über den schlichten Plot ja noch hinwegsehen, wenn er nicht mit einer solch distanzlosen Ernsthaftigkeit durchgezogen worden wäre: Mit triefendem Pathos aufgeladene unfreiwillig komische Dialoge, Charaktere aus dem Klischeebaukasten, eine Dramaturgie die schon bei Karl May nicht mehr ganz taufrisch war.

Auf der anderen Seite ist Avatar eine Offenbarung: Technisch brillant in Szene gesetzt in einem einzigen Farb- und Lichtrausch, bietet Cameron dem Zuschauer gleich zwei fantastische Bildwelten zum Preis von einer: Zum einen ist da die kühle militärische Sci-Fi Umgebung der Menschen, mit imposanten Kampfmaschinen, Flugeräten und futuristischen Labors (faszinierende Monitore, by the way), ein Traum für jeden Sci-Fi Fan. Zum anderen die farbenfrohe Dschungelwelt der schlumpfigen Naavii, mit filigraner in allen erdenklichen Farben schimmernder Pflanzenwelt bewachsen, und mit allerlei dinosaurierartigem Getier zu Lande zu Wasser und in der Luft bevölkert, atemberaubend visualisiert.

Der visuelle Eindruck wird durch die 3D-Technik noch deutlich imposanter, gerade weil Cameron die 3D-Geschichte nicht mit dem Holzhammer einsetzt: Im Dschungel schwenken sich die Farne in den Raum, flirren die Insekten vor der Leinwand her und saust der Protagonist auf Fuchur einem Flugdrachen in die Tiefe. Es fliegen aber zwecks Effekthascherei nicht ständig irgendwelche virtuelle Gegenstände in den Zuschauerraum, noch sitzt der Zuschauer achterbahnmäßig selber auf dem Flugdrachen. Allerdings überzeugt mich die Technik mit den nervigen Brillen generell noch nicht hunderprozentig. Das was man an räumlicher Tiefe gewinnt, verliert man an Schärfe und Klarheit - zum Rand hin flimmert und verschwimmt der Bildeindruck, und gesund ist das ganze bestimmt auch nicht, wenn einem schon nach den ersten fünf Minuten leicht schwindelig wird.

Die schauspielerische Leistung in Avatar ist schwierig zu bewerten, da die Schauspieler die meiste Zeit unter virtuellen Alien-Kostümen agieren. Das was man von Sam Worthington und Sigourney Weaver sieht, ist aber zumindest solide.

Als Technikdemo ist Avatar absolut beeindruckend, wenn auch in einigen Szenen ein wenig zu aufdringlich und selbstverliebt daherkommend, das schreit manchmal geradezu nach “Guckt mal, das können wir auch”. Auch wenn die Story platt bis ärgerlich ist, zieht einem die Bilderflut über die zweieinhalb Stunden Spielzeit kontinuierlich in den Bann. Der passende Fake-Ethno Soundtrack von James Horner tut dazu sein übriges. Und den fantastische Show-Down hat James Cameron wirklich gut und rasant inszeniert: Ein grandioser Endkampf mit Explosionen, Getöse und allem, was der CGI-Baukasten hergegeben hat, dem man dennoch dramaturgisch jederzeit folgen kann. Eine Tugend, die bei den hektisch geschnittenen Action-Orgien aktueller Superheldenfilme leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Avatar (Avatar - Aufbruch nach Pandora), USA 2009 - deutscher Kinostart: 17.12.2009
6 Punkte


Filmkritik: Did You Hear About the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?)

abgelegt unter: Film von Enk am 17.01.2010

(C) Columbia Pictures

“Howdy!”

Ich mag ja Hugh Grant. Auch wenn er mit ganz wenigen Ausnahmen seit Four Weddings and a Funeral immer die gleiche Rolle spielt: die des leicht trotteligen Schönlings, der sich unbeholfen aber gut frisiert in die Herzen der Frauen stottert. In seiner neuen rom-com treibt er es damit aber eindeutig zu weit und wirkt mit seinem penetranten Stottern, Stirnrunzeln und hilflosen Gesten wie eine (schlechte) Parodie auf sich selbst.

Die Story von Did You Hear About the Morgans ist das altbewährte Fish-out-of-Water Prinzip - diesmal: zwei New Yorker Großstadt-Yuppies verschlägt es zu den Rednecks ins tiefste Wyoming. Meryl und Paul Morgan (Sarah Jessica Parker und Hugh Grant), eine erfolgreiche Immobilienmaklerin und ein Rechtsanwalt, stehen kurz vor ihrer Scheidung. Nachdem sie zufällig Zeugen eines Mordes geworden sind, werden sie im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes gemeinsam in die Provinz gebracht, wo sie ohne Handy und Internet nur mit sich, der Natur und den schrulligen Dorfbewohnern beschäftig sind, allen voran dem knorrigen Sheriff-Pärchen, bei dem sie einquartiert sind. In Ray, Wyoming wimmelt von Grizzly-Bären, Cowboy-Hüten und Country Music, und statt mit ihren glamourösen New Yorker Job versuchen sich die Morgans in Schießen, Reiten und Rodeos.

Die Chemie zwischen Parker und Grant stimmt leider überhaupt nicht, was nicht zuletzt am grottenschlechten Grant liegt. Im Vergleich dazu spielt Sarah Jessica Parker geradezu oscarreif. Noch ärgerlicher sind allerdings die Rollen der in New York verbliebenen Assistenten der beiden (Jesse Liebman, Elisabeth Moss), die peinlich überzogen gespielt und komplett unlustig sind. Deutlich symphatischer spielen da schon Sam Elliott und Mary Steenburgen als Dorfsheriff-Pärchen. Die Rednecks werden eh ganz liebevoll gezeichnet, neben einigen eher derben Klischees über die Landbevölkerung erspart sich der Film auch erwartbare Platitüden und läßt die Figuren nicht ganz so eindimensional erscheinen wie anfangs befürchtet.

Insgesamt fehlt es der Geschichte allerdings deutlich an Tempo und Esprit, viele Szenen wirken wie Füllmaterial, bei dem die echten Drehbuchschreiber gerade auf dem Klo waren und die Praktikanten rangelassen haben. Wenn man weiß worauf man sich einläßt und wenig Erwartungen hat, reicht das ganze zumindest noch für 100 Minuten anspruchslos-fluffige Unterhaltung - allerdings muss man dazu schon eine gewisse Grundsymphatie für das Genre und entsprechende Kitschtoleranz mitbringen.

Did You Hear About the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?), USA 2009 - deutscher Kinostart: 07.01.2010
4 Punkte


Filmkritik: Confessions of a Shopaholic (Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin)

abgelegt unter: Film von Enk am 14.01.2010

“They said I was a valued customer. Now they send me hate mail.”

Action-Spezialist Jerry Bruckheimer (Fluch der Karibik, Pearl Habor) wagt mit Shopaholic einen Ausflug ins rom-com-Genre. Um auch in diesem Fach einen Blockbuster zu produzieren, wollte Bruckheimer wohl auf Nummer sicher gehen und richtet sich mit einer Geschichte um modefixierte New Yorkerinnen unverhohlen an die große Sex & the City Fangemeinde, die schon erfolgreich mit Devil wears Prada oder (weniger erfolgreich) Love and other Disasters in die Kinos gelockt werden sollte.

Rebecca Bloomwood (Isla Fisher) ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin, deren Traum es ist, beim Modemagazin Alette zu arbeiten. Ihre zahlreichen Kreditkarten sind bis ans Limit ausgereizt, weil sie den Auslagen der Modeboutiquen nicht widerstehen kann und gerne mal in einen Shoppingrausch bei Prada oder Gucci verfällt. Um ihre Rechnungen begleichen zu können, bewirbt Sie sich notgedrungen bei einem Wirtschaftsmagazin, wo sie auch tatsächlich genommen wird. Obschon sie von Wirtschaft keine Ahnung hat und ihre eigenen Finanzen nicht im Griff hat, darf sie nun als Kolumnistin Wirtschaftstipps geben. Selbstverständlich hat das Wirtschaftsmagazin auch einen gutaussehenden Chefredakteur (Hugh Dancy), den es zu erobern gilt. Und natürlich gibt es auch eine biestig-intrigante Nebenbuhlerin (Leslie Bibb), die es auszuschalten gilt. An Rebeccas Seite steht natürlich eine beste Freundin (Krysten Ritter), mit der es kurz vor dem Happy End natürlich noch zu einem Zerwürfnis kommt.

Klingt danach, als ob hier kein Klischee ausgelassen wird? Genau so ist es. Die formelhafte Story wird komplett vorhersehbar runtergespult. Positiv formuliert könnte man Shopaholic zumindest eine leichtfüßige Inszenierung zugestehen, leider gerät dieses leichtfüßige oft auch ins dümmliche.

Zwischenzeitlich blitzt dann doch einmal für eine feelgood-Komödie erstaunlich offene Kritik an Markenfetischismus und Konsumfixierung auf, etwa wenn der vermeintliche Luxus-Kaschmirmantel sich zuhause beim Blick auf das Etikett nur als Plastikware aus chinesischer Massenproduktion herausstellt. Oder die Protagonistin erkennt, dass das Gerede vom “valued customer” und die Freundlichkeit der Verkäuferinnen sofort in Eiseskälte erstarrt, wenn die Kreditkarte nicht mehr gedeckt ist. Selbstverständlich bleibt die Sozialkritik schön verträglich dosiert, um den fluffigen rom-com Plot nicht weiter zu stören.

Isla Fisher (u.a. The Lookout) spielt ihre schablonenhafte Rolle sogar ganz amüsant. Kristin Scott Thomas als blasierte Chefredakteurin des Modemagazins wirkt hier allerdings nur wie ein Abziehbild von Meryl Streeps Rolle in Devil wears Prada.

Confessions of a Shopaholic (Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin), USA 2009 - deutscher Kinostart: 12.03.2009
4 Punkte


Filmkritik: Inglourious Basterds

abgelegt unter: Film von Enk am 11.01.2010

“We ain’t in the prisoner-takin’ business; we’re in the killin’ Nazi business.”

Quentin Tarantinos oscarverdächtiges Werk handelt von einem Trupp alliierter Soldaten, der im von Deutschland besetzten Frankreich Nazis jagt und bestialisch ermordet, um für Angst und Schrecken bei den Deutschen zu sorgen. Ungewöhnlich zu allererst die Entscheidung, das Sprachenwirrwar zwischen Franzosen, Engländern, Amerikanern und Deutschen in dem Zweiter Weltkriegs-Setting nicht einfach für das amerikanische Publikum plattzusynchronisieren, sondern die Deutschen deutsch, die Franzosen französisch und die Amerikaner englisch sprechen zu lassen (wobei die deutsche Kinofassung leider teilsynchronisiert ist). Als nächstes ist da der illustre Cast: Neben Brad Pitt, Mike Myers und Co. so ziemlich alles, was im deutschen Kino einen Namen hat: von Daniel Brühl über Til Schweiger bis hin zu Bela B. (in einem Mini-Cameo). Ganz großartig Christoph Waltz als Nazi-Bösewicht Hans Landa. Auch August Diehl, sonst immer auf nette schüchterne Figuren abonniert, darf hier sehr überzeugend den fiesen Nazi geben. Christian Berkel hingegen spielt hier ausnahmsweise keinen Nazi wie sonst üblich, sondern einen französischen Barbesitzer. Erstaunlich holprig und unauthentisch wirkt allerdings Diane Krüger in ihrer Rolle als UFA-Filmstar.

Die vielen Schauspieler sind nötig, weil die Protagonisten wie bei Tarantino üblich sterben wie die Fliegen. Kaum ist eine Figur halbwegs eingeführt, fällt sie in der nächsten Szene auch schon einer Storywendung zum Opfer. Die Figurenzeichnung ist äußerst plastisch, während Bösewicht Hans Landa dabei noch halbwegs real wirkt, ist Basterds-Anführer Aldo Raine (Bratt Pitt) schon fast wie eine Comicfigur überzeichnet, was aber durchaus gewollt ist. Laut Tarantino ist Inglorious Basterds ein Spaghetti-Western im Zweiter Weltkriegs-Setting, was den Film sehr treffend charakterisiert. Tarantino gelingen einige sehr packende Szenen, etwa in einem französischen Bauernhaus, in dem sich unter dem Dielenboden eine jüdische Familie versteckt hält, während direkt darüber der Nazi-Scherge sein unerbittliches Verhör Minute um Minute in die Länge zieht. Oder - eine Reminizenz an Tarantinos Reservoir Dogs - ein Zusammentreffen von Nazis und als Nazis maskierten Basterds, bei dem zum Schluß alle Protagonisten eine Knarre aufeinander richten und jeder wartet, wer zuerst schießt. Tarantino reizt in diesen Szenen die Spannung bis zum Schluß aus, verzichtet auf hektische Schnitte oder überhastete Action, und nähert sich nur nervenzerfetzend langsam dem unvermeidlichen Show Down. So langsam, dass der Film auf über zweieinhalb Stunden Spielzeit kommt.

Der illustre Soundtrack vereint einen Tarantino-üblich wilden Stilmix aus aus Rock, Country und Italo-Western Musik (Ennio Morricone). Als Highlight darf David Bowies Cat People die visuell beeindruckendste Szene des Films untermalen.

Tarantino verzichtet darauf, seiner Geschichte eine eindeutige Botschaft mitzugeben und verschließt sich simplen Deutungsmustern. Statt bedeutungsschwangerer Statements hat er sichtlich mehr Spaß an der Konstruktion origineller Szenen oder dem Einfügen optischer oder inszenatorischer Gimmicks. Was dazu führt, dass die Story ein wenig zerfahren und nicht wie aus einem Guss wirkt. Darüber hinaus stößt die unangenehme Perspektive auf, mit der das sadistische Treiben der “Basterds” glorifiziert wird: Man bekommt direkt Mitleid mit den jungen deutschen Soldaten, weil hier Menschen abgeschlachtet werden nicht aufgrund ihrer Untaten, sondern schlicht weil sie die falsche Uniform tragen.

Eine schöne Pointe allerdings, dass der Film sich unter anderem um die UFA-Filmproduktion der Nazis dreht und dabei selbst in den Babelsberger Studios der UFA gedreht wurde.

Inglourious Basterds, USA, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 20.08.2009
7 Punkte


Filmkritik: Gamer

abgelegt unter: Film von Enk am 07.01.2010

(C) Lionsgate

“I’m the hand. Someone, somewhere else is the eye.”

Gamer, der Film für die Generation der Ballerspieler, fängt genau so an wie man es erwartet: Ohne große Einführung sieht man einen par-force Trip durch einen klassischen Warehouse Shooter-Level, zwar mit echten Schauspielern in perfekter “Grafik”, aber ansonsten dramaturgisch einem Counterstrike oder Call of Duty Level nicht unähnlich: hektisches Heranzoomen, schnelle Schwenks, eingeblendete Statusanzeigen, der Protagonist hetzt durch das Gelände und schießt um sich, überall knallt es und spritzt Blut. Das läßt Schlimmes vermuten, nämlich dass es in diesem Stil ohne Unterbrechung weitergeht, was kein tragfähiges Konzept für einen anderthalbstündigen Kinofilm wäre: Wie es bei Shootern halt so ist, macht das ganze durchaus Spass, wenn man selbst spielt. Dabei zuschauen wie jemand durch ewig gleiche Level rennt und rumballert, ist dann schon deutlich langweiliger, erst recht, wenn dabei keine relevante Story erzählt wird.

Gamer weitet sich nach der Anfangssequenz zum Glück zu einer etwas komplexeren Geschichte, auch wenn diese nicht so brandneu ist wie der Film suggeriert: Viele Versatzstücke aus Blade Runner, Running Man oder dem Cronenberg-Streifen eXistenZ werden hier recycled, aber durchaus konsequent zu einem innovativen Sci-Fi Mix mit frischen Ideen zusammengerührt. Die Story: In der nahen Zukunft werden die Medien beherrscht von zwei großen Spielen. Zum einen Society, eine Art real life The Sims, in dem man nicht virtuelle Charaktere steuert, sondern echte Schauspieler, die alles tun müssen, was der Spieler befiehlt (”get paid to be controlled, or pay to control”). Die “Schauspieler” haben dabei keine eigenen Freiheitsgrade, sondern ihre Gehirne werden mit Hilfe von Nanobots und ähnlichem Technobabble durch den Spieler direkt gesteuert. Das neue Spiel Slayers treibt das Ganze dann noch ein wenig weiter: Hier dürfen die Spieler ihre lebenden Figuren durch einen Ego-(bwz. Third-Person-)Shooter steuern und abmetzeln lassen. Als Spielfiguren haben sich verurteilte Todeskandidaten gemeldet, die das echte Gemetzel ausfechten: Wer 30 Kämpfe lebend übersteht, ist frei.

Ken Castle (Dexters Michael C . Hall) ist der Erfinder dieser Spiele und damit in kürzester Zeit reicher als Bill Gates geworden. Auf der anderen Seite steht Kable (Gerard Butler), Held des Slayer-Spiels, weil er als einziger bislang 27 Runden des Spiels überlebt hat, und damit kurz vor seiner Freiheit steht. Unser Held ist natürlich kein gewöhnlicher Schwerverbrecher, sondern zu Unrecht in die Todeszelle gekommen. Castle und Kable haben eine gemeinsame Vergangenheit. Um die Sache etwas komplizierter zu machen, gibt es noch den nerdigen Simon, der als Spieler per futuristischer Konsole Kable durch die Levels lenkt. Und die Untergrund-Truppe “Humanz”, die dem Tun von Spieleproduzent Castle ein Ende setzen will, sich in die Übertragungen hackt und ansonsten in ihrem Hauptquartier lieber alte Arcadegames wie Defender spielt als das neumodische Reality-Gaming. Das alles klingt abenteuerlicher als es ist: Wenn man nicht allzu sehr nach Logiklöchern sucht, wird die Story durchaus schlüssig verkauft.

Die Optik ist ein wenig zu hektisch, man hätte sich den Mut gewünscht, nicht ständig durch schnelle Schnittfolgen alles zu zerhacken und damit atemlose Action vorzutäuschen. Diese Schnitthektik scheint seit Crank ein Markenzeichen der Macher Neveldine/Taylor zu sein, was es aber nicht besser macht. Dennoch hat die visuelle Gestaltung neben ausufernder Brutalität und der etwas abgegriffenen Computerspiel-Optik, die nach Hitman, Wanted & Co. nicht mehr ganz so innovativ ist, durchaus ihren eigenen markanten Stil. Dabei werden klassische Elemente des Shooter-Spielegenres wie Waffenupgrades, Mods, schlechte Ping-Werte, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, oder Schwächen in der künstlichen Intelligenz, durch die die Spielfiguren unsinnig vor Wände laufen, schlüssig in die Story eingebaut und dienen nicht nur als Buzzwords. Wie eine Welt aussieht, in der die Figuren von leicht perversen Freaks hinter dem Computer gesteuert sind, ist schon sehr lustig anzusehen (und vermutlich sehr authentisch): Die Avatare in “Society” laufen in geschmacklosen Kostümierungen ziemlich planlos durch das Spielgelände, haben spontan wilden Sex in jeglichen Konstellationen, oder idlen auch gerne mal in der Gegend herum.

Zum Schluß wirds dann ein wenig sehr over the top, und für den dramatischen hochstilisierten Show-Down gehen Neveldine/Taylor ein wenig die Gäule durch: Auch wenn die recht sinnfrei eingelegte Musical-Nummer von Michael C. Hall ganz amüsant ist, kostet das Ende der Story ein paar der eh schon sehr spärlich vorhandenen Glaubwürdigkeitspunkte.

Die Besetzung ist passabel: Gerard Butler darf nach einem Ausflug ins rom-com Genre hier wieder schön blutig metzeln wie in Sparta, muss ansonsten aber hauptsächlich nur grimmig dreinschauen. Michael C. Hall als unter Hybris leidenes Mastermind hinter den Kulissen spielt arg affektiert, aber durchaus rollenkonform. Und für unsere HipHop Freunde darf Rapper Ludacris den Anführer der Untergrundtruppe Humanz mimen. Der Soundtrack ist gar nicht so schlimm wie bei dem Zielpublikum zu befürchten war: Statt Gangsta-Hip Hop gibt es Musik von Marilin Manson oder der Bloodhound Gang.

Gamer als sozialkritische Mediensatire zu sehen tut dem ganzen ein wenig zuviel der Ehre. Natürlich kann man an den Spielen Society und Slayers die echten Vorläufer wie Big Brother, Casting Shows oder “Killerspiele” erkennen. Und in die groteske Übersteigerung von Sensationslust, Quotengier, Computerspielsucht, Brot und Spielen und Law&Order lassen sich problemlos tonnenweise Sozial- und Medienkritik hineininterpretieren. Gamer gefällt sich aber viel eher in der vordergründigen Darstellung von Action und Sci-Fi-Gimmicks als in feiner Analyse medientheoretischer Zusammenhänge. Was auch ok ist - wie schnell “gut gemeinte” Medienkritik einen an sich interessanten Storyansatz vor die Wand fahren kann, kann man z.B. bei der deutschen Produktion Free Rainer sehen. Gamer konzentriert sich eher auf Schauwerte als auf platte Botschaften, und diese Schauwerte sind passabel.

Gamer, USA 2010 - deutscher Kinostart: 07.01.2010
7 Punkte


    Die besten Filme 2009

    abgelegt unter: Film von Enk am 04.01.2010

    Das Kinojahr aus Sicht von Mental Savage. Hier gab es ja schon einmal einen Zwischenstand, am Spitzenplatz hat sich dabei nichts geändert:

    (500) Days of Summer ist der Film des Jahres 2009. Das intelligente rom-com Drama erreichte als einziger Film die Höchstwertung von 10 Punkten. Es folgen mit jeweils 9 Punkten zwei Arthouse-Filme, ein Eastwood-Meisterwerk und ein veritabler Blockbuster: The Reader, Rachel Getting Married, Gran Torino und Star Trek. Fünf Filme haben 8 Punkte erreicht, so schlecht kann das Kinojahr also nicht gewesen sein: Revolutionary Road, Valkyrie, Slumdog Millionaire, Doubt und The Hangover.

    Tiefpunkte gab es leider auch reichlich. Auch wenn die 1 Punkte-Wertung zum Glück kein mal vergeben werden musste (2008 hat das noch der unsägliche 1 1/2 Ritter geschafft), kamen immerhin drei Filme auf traurige 2 Punkte: der unlustige Mario Barth Streifen Männersache, der Nicolas Cage Sci-Fi Nonsens Knowing und schließlich das verunglückte Bio-Pic Che: Part One, der so schlecht war, dass ich mir Teil 2 gleich gespart habe.

    Das ganze ist natürlich nicht wirklich repräsentativ, berücksichtigt sind nur Filme, die im letzten Jahr erschienen sind und die ich auch gesehen habe. Gespannt bin ich u.a. noch auf Avatar, State Of Play, District 9 und Michael Moores Capitalism, deren Sichtung noch aussteht.


    Filmkritik: Verblendung

    abgelegt unter: Film von Enk am 22.12.2009

    “Ich kenn dich überhaupt nicht” - “Ist besser so”

    Stieg Larsson scheint so etwas wie der schwedische Dan Brown zu sein, nur dass Larsson bereits tot ist ist und den Welterfolg seiner Bücher nicht mehr miterlebt hat. Der Protagonist seiner “Millennium”-Romane ist Robert Langdon Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), ein investigativer Journalist, der auch schwierige, von der Polizei aufgegebene Mordfälle lösen kann. Aufgrund seines Rufs verpflichtet ihn der Großindustrielle Henrik Vanger, das Schicksal seiner vor vierzig Jahren verschwundenen Nichte Harriet aufzuklären. Blomkvist zur Seite steht die verschlossene Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die für ihn die kniffligen Rätsel mit Hilfe von Laptop und Internet löst. Das Erzähltempo ist anfangs sehr ruhig und geradezu behäbig. Wären da nicht die gewaltätig-sexuellen Erlebnisse von Lisbeth, die sehr explizit in Szene gesetzt werden, könnte man sich auch in einem Sonntags-Tatort wähnen. Mit der Zeit weitet sich die einfache Kriminalgeschichte um einen vierzig Jahre alten Todesfall dann aber zu einer komplexeren Story um Familienränke, Nazi-Verstrickungen, Serienmörder und biblische Rituale, statt Tatort erinnert das Ganze dann eher an Se7en oder Schweigen der Lämmer.

    Bei Literaturverfilmungen ist es manchmal durchaus von Vorteil, die Vorlage nicht zu kennen, um sich nicht über Details aufzuregen, die im Buch ganz anders waren. So steht dem Helden im Film etwa sofort ein DSL-Anschluß zur Verfügung, auf den er im Buch erst seitenweise warten musste. Was storymäßig jetzt nicht so den Unterschied macht, aber zu erbosten Reaktionen bei Larsson-Lesern führen kann. Ein wenig erboster kann man aber auch als Nicht-Leser über die eher schlichte Charakterzeichnung sein: Die freakige Lisbeth hatte eine harte Kindheit, traut seitdem niemandem mehr, raucht Kette und läuft in Gothic-Vollausstattung rum. Und könnte damit auch dem Handbuch für Hausfrauenpsychologie entnommen sein. Blomkvist hingegen ist der schweigsame Held, der einsam und unerbittlich seine Spur aufnimmt, auch diese Figur schillert nicht gerade in den differenziertesten Farben. Blomkvists erste Handlung ist die eines jeden guten Kino-Ermittlers: Er beginnt erstmal an der Wand eine große Collage aus Zeitungsausschnitten, Fotos von Opfern und Verdächtigen und Verbindungspfeilen zwischen den Handelnden, um auch für den Zuschauer die Zusammenhänge nochmal etwas verständlicher zu machen.

    Sehr bemerkenswert hingegen, dass die Hacker-Künste von Lisbeth nicht wie so oft in Filmen eher im fantastischen Bereich angesiedelt sind, sondern - abgesehen von wohl fürs Kino notwendiger visueller Aufpeppung - erstaunlich realistisch dargestellt werden. Wobei man sich fragen kann, ob echte Hacker tatsächlich schicke Macbooks benutzen, um dann auf Kommandozeilenebene in fremde Systeme einzubrechen.

    Ein absolutes Plus der Verfilmung sind die wunderschönen Bilder der schwedischen Landschaft, die perfekt ausgeleuchteten Szenen vor malerischen Seen oder in kuscheligen Holzhütten, alles wirkt streckenweise wie eine Werbung des schwedischen Tourismusverbandes. Verbunden mit den eher scherenschnittartigen Charakteren und der gerade zum Ende hin etwas dick aufgetragenen Dramaturgie, die alle losen Enden noch einmal zusammenführen will und tränenrührig Konflikte auflöst, erinnert das allerdings auch ein wenig an Rosamunde Pilcher Verfilmungen, nur dass hier kein Adelsclan im malerischen Cornwall, sondern eine Industriellendynastie im schönen Schweden Mittelpunkt steht.

    Trotz der erwähnten Defizite und trotz zweieinhalb Stunden Überlänge langweilt die Geschichte erstaunlicherweise nicht. Die nächsten Teile der Millennium-Trilogie, “Verdammnis” und “Vergebung”, sind schon produziert und kommen 2010 ins Kino, vielleicht gelingt es ja, den Protagonisten in der Fortsetzung etwas mehr Tiefe mitzugeben.

    Verblendung, Schweden, Dänemark, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 01.10.2009
    6 Punkte


    Filmkritik: Zweiohrküken

    abgelegt unter: Film von Enk am 08.12.2009

    “Boahh, bist du ein schlechter Schauspieler!” Anna über Ludo, vermutlich Till Schweiger meinend.

    Nach dem Überraschungserfolg von Keinohrhasen, der in Deutschland über sechs Millionen Zuschauer fand, war klar, dass Till Schweiger diese Kuh noch ein wenig weiter melken würde, vor allem weil seine darauffolgenden Machwerke deutlich weniger Anklang fanden. Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, hat Schweiger an den Zutaten für Zweiohrküken kaum etwas geändert: gleicher Cast, dieselbe Story um Beziehungsproblemchen und Männer- und Frauenklischees, ein paar niedliche Filmkinder aus eigener Produktion, diverse Cameos (Kerner, Klitschko, Paul Van Dyk), das ganze angereichert mit viel anzüglichem Humor.

    Doch was beim ersten Mal erstaunlich gut funktioniert hat, wirkt in Teil Zwei nur noch wie ein seelenloser Abklatsch, der zudem handwerklich erstaunliche Mängel hat: Story, Dramaturgie und Timing sind grottig - die erste Hälfte besteht aus weitgehend lose aneinandergeklebten Szenen ohne Spannungsbogen oder stimmige Struktur. In der zweiten Hälfte gewinnt die Szenensammlung etwas mehr Zusammenhalt, leider vor allem durch den verstärkten Einsatz klebrig-süßer Kitsch-Romantik. Was bei Keinohrhasen noch ganz charmant wirkte erstarrt hier zu einer Ansammlung weichgespülter Romantik-Klischees, gipfelnd in einem dahingeschluderten Ende, in dem Til Schweiger seiner Liebsten noch einmal - völlig ironiefrei - einen Liebesbrief vor melancholisch-einsamer Strandkulisse schreiben darf, dessen Text geradewegs aus einem Groschenroman zu stammen scheint (oder, meine Vermutung, auf Basis intensiver Marktforschung entstanden ist bei der 100 Frauen nach ihren Lieblingssätzen für einen Liebesbrief befragt wurden). Recht ungeniert spielt Schweiger auch diesmal wieder die Niedlichkeitskarte, wenn er seine eigenen (zugegebenermaßen sehr süßen) Töchter vor der Kamera agieren läßt. Aber auch das kommt im Vergleich zu Teil eins dieses Mal sehr kalkuliert und ein wenig zu penetrant rüber.

    Der “Witz” dieser Komödie wird über weite Strecken geprägt von sprichwörtlichem Fäkalhumor, altbackener Charleys-Tante-Travestie und abgestandenen Männer/Frauen Klischees, die Mario Barth schon hundertmal durchgekaut hat. Überraschenderweise gelingt zwischen dieser Ansammlung von schwitzigem Pennäler-Humor und niveaulosen Anzüglichkeiten dann doch immer mal wieder eine zündende Szene oder ein spritzig-authentischer Dialog, so dass das Ganze trotz Überlänge zumindest halbwegs erträglich bleibt und - ja - tatsächlich auch das eine oder andere mal mal zum herzhaften Lachen animiert.

    Ausleuchtung, Kamera, Ausstattung sind wie schon in Teil eins auf für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hohem Niveau. Noch auffälliger als im ersten Teil drängt sich allerdings der (von der Songauswahl eigentlich wieder sehr gefällige) Soundtrack in den Vordergrund. Jede zweite Szene wird mit Musik überflutet, und das in einer Lautstärke, dass es teilweise schwierig wird, dem Dialog noch zu folgen. Da fehlte eigentlich nur noch die Einblendung “Diesen Song jetzt bei iTunes kaufen” auf der Leinwand.

    Schauspielerisch ist die Leistung durchwachsen. Die eigentlich großartige Nora Tschirner darf wie schon in Teil eins kaum aus ihrem graumäusigen Rollenkorsett mit Hornbrille und Öko-Klamotten ausbrechen. Till Schweiger spielt mal wieder Till Schweiger, das kann er zumindest ganz gut. Geradezu ärgerlich schlecht ist Ken Duken als Ludos Nebenbuhler Ralf, dessen schauspielerisches Potential eher bei Rosamunde Pilcher Verfilmungen zu liegen scheint. Einziger Lichtblick ist Matthias Schweighöfer, der den sympathisch-erfolglosen Kumpel Moritz gibt und dabei eine schöne Balance aus comedy-overacting und Authentizität rüberbringt. Überraschend sympathisch auch Heiner Lauterbach, der mit erstaunlichem Mut zur Häßlichkeit und Selbstironie einen Gastauftritt hat.

    Auch beim zweiten Teil läßt einen der Abspann wieder ein wenig ratlos zurück, wenn der in Deutschland für deutsches Publikum gedrehte Film wieder mit komplett englischsprachigen Credits endet (”a Till Schweiger Film”). Ist das irgendein ironischer Seitenhieb von Schweiger, den ich nicht verstehe, oder einfach nur dümmliche “ich bin ein internationaler Star” Attitüde? Ich tippe auf letzeres.

    Zweiohrküken, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 03.12.2009
    4 Punkte


    Filmkritik: Up (Oben)

    abgelegt unter: Film von Enk am 26.11.2009

    (C) Walt Disney Pictures

    “South America. It’s like America, but south!”

    Nachdem die Computeranimation schon seit einigen Jahren einen Perfektionsgrad erreicht hat, der rein technisch kaum noch steigerungsfähig ist, geht es mittlerweile nicht mehr darum, möglichst perfekt die Realität zu imitieren, sondern die technischen Mittel zu nutzen, um Bildwelten mit einer ganz eigenen Charakteristik zu erschaffen.
    War es bei Ratatouille das in stimmungsvolles Licht getauchte Paris aus Sicht einer Ratte, das als virtuelle Kulisse diente, wirken die Bilder von “Up” streckenweise wie aus der Augsburger Puppenkiste: Die Figuren sind eher comichaft gezeichnet, dabei aber technisch so perfekt dargestellt, dass man den Stoff des Tweed-Sakkos von Hauptdarsteller Mr. Fredricksen geradezu spüren kann. Die Visualität ist in ihrer Mischung aus technischer Perfektion und comichafter Überzeichnung sehr beeindruckend und wirkt oft so, als bewegten sich “echte” Puppen über ein Comic-Set.

    Die Story ist sicher nicht das Highlight von Up: Wohlwollend könnte man sie als phantasievoll oder fantastisch, weniger wohlwollend auch als hanebüchen oder absurd bezeichnen. Dabei ist die Dramaturgie für einen Kinderfilm (ja, das sind Pixars Filme in erster Linie nach wie vor) bemerkenswert und zeigt erstaunlichen Mut zur Tragik: Gleich in den ersten zehn Minuten erfahren wir die komplette Lebensgeschichte des Protagonisten Carl Fredricksen: Wie er als Kind seine große Liebe Elli kennenlernt. Wie die beiden heiraten, ein Haus einrichten, eine Fehlgeburt haben, sich wieder aufrappeln und glücklich zusammen alt werden, und Elli stirbt, bevor die beiden den großen Traum, eine Abenteuerexpedition nach Südamerika, verwirklichen können.

    In dieser kurzen Abfolge hat “Up!” schon mehr große Emotionen, Dramatik und Tragik abgespult als andere Filme über die gesamte Laufzeit - aber der eigentliche Film beginnt hier erst: Der einsame Mr. Fredricksen soll ins Altersheim, weil sein Häuschen abgerissen werden soll. Aber er findet sich nicht mit seinem Schicksal ab: Mit Hilfe von vielen mit Gas gefüllten Luftballons steigt er mitsamt seinem Haus in die Lüfte und bricht auf in Richtung Südamerika. Mit von der Partie ist der pummelige Pfadfinder Russell, der noch dringend eine “Helping the Elderly” Plakette benötigt und daher zufällig bei Herrn Fredricksen auf der Matte stand, bevor das Haus abhebt. Die beiden schaffen es tatsächlich in ihrem fliegenden Haus bis nach Südamerika, aber ab hier kippt die Story dann vom Fantastischen ins Abstruse: Es gesellen sich komisch-bunte Riesenvögel dazu, sprechende Hunde, oder ein verschollener Abenteurer mit Sci-Fi-Zeppelin. Alles ein wenig zu over-the-top, um dem charmanten Beginn gerecht zu werden. Die Dramaturgie verliert an Fokus und das ganze wirkt nicht mehr wie aus einem Guss, sondern wie eine Aneinanderreihung von absurden Einfällen und hektischen Verfolgungsjagden.

    Trotz der wirren und unfokussierten Geschichte schafft es Up dennoch, den Zuschauer bis zum Schluß in seinen Bann zu ziehen. Wie bei Pixar üblich strotzten die Szenen vor intelligenten Anspielungen, liebevollen Details und Ideen, die sich wohl erst nach dem zweiten oder dritten Anschauen alle erschließen. Wenn man das Niveau der ersten Viertelstunde hätte halten können, wäre Up sicher Pixars neues Meisterwerk geworden, so bleibt nur ein unterhaltsamer Film auf hohem Niveau, der viel Potential zugunsten vermeintlich turbulenter Action verschenkt.

    Up (Open), USA 2009 - deutscher Kinostart: 17.09.2009
    7 Punkte


    Der nervigste Film 2009

    abgelegt unter: Film von Enk am 18.11.2009

    Warum bis Silvester warten, wenn man doch auch schon Mitte November mit den Jahresrückblicken beginnen kann. Dachte sich auch Moviepilot, und ruft zur Wahl des nervigsten und des besten Films 2009 auf. Zur Auswahl stehen nicht alle dieses Jahr erschienenen Filme, sondern nur die 30 mit den meisten Bewertungen auf Moviepilot. Das macht die Entscheidung deutlich einfacher, vor allem, weil ich von den Filmen auf der Liste nur knapp die Hälfte gesehen habe:

    Bester Film:
    Da (500) Days of Summer nicht auf der Liste ist, wirds ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Gran Torino und Der Vorleser, für beide gabs hier 9 Punkte. Eastwood bekommt den Coolness-Bonuspunkt und gewinnt knapp.

    Nervigster Film:
    Männersache ist leider/zum Glück nicht nominiert, auch Che Part 1 nicht, was den letzten Platz für Knowing, den hanebüchenen Sci-Fi Nonsens mit Nicolas Cage freimacht. Wenn ich Transformers oder Die Päpstin gesehen hätte, wärs vielleicht noch anders ausgegangen.


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