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Der nervigste Film 2009

abgelegt unter: Film von Enk am 18.11.2009

Warum bis Silvester warten, wenn man doch auch schon Mitte November mit den Jahresrückblicken beginnen kann. Dachte sich auch Moviepilot, und ruft zur Wahl des nervigsten und des besten Films 2009 auf. Zur Auswahl stehen nicht alle dieses Jahr erschienenen Filme, sondern nur die 30 mit den meisten Bewertungen auf Moviepilot. Das macht die Entscheidung deutlich einfacher, vor allem, weil ich von den Filmen auf der Liste nur knapp die Hälfte gesehen habe:

Bester Film:
Da (500) Days of Summer nicht auf der Liste ist, wirds ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Gran Torino und Der Vorleser, für beide gabs hier 9 Punkte. Eastwood bekommt den Coolness-Bonuspunkt und gewinnt knapp.

Nervigster Film:
Männersache ist leider/zum Glück nicht nominiert, auch Che Part 1 nicht, was den letzten Platz für Knowing, den hanebüchenen Sci-Fi Nonsens mit Nicolas Cage freimacht. Wenn ich Transformers oder Die Päpstin gesehen hätte, wärs vielleicht noch anders ausgegangen.


Filmkritik: (500) Days of Summer

abgelegt unter: Film von Enk am 17.11.2009

(C) Fox Searchlight Pictures

“Just ‘cause some cute girl likes the same bizzaro crap you do - that doesn’t make her your soul mate”

(500) Days of Summer erzählt über einen Zeitraum von fünfhundert Tagen die Beziehung von Tom und Summer. Summer ist das, was man gemeinhin als Traumfrau bezeichnet: Wo immer sie ist, verdreht sie den Männern den Kopf und sorgt für dramatische Umsatzsteigerungen in den Geschäften, in denen sie arbeitet. Tom ist ein Durchschnittstyp, kein Womanizer, aber auch kein Slacker, der nichts mit Frauen anzufangen weiss. Als Summer in seiner Firma anfängt, ist er sofort fasziniert von ihr, und nach einigem Hin- und Her schafft er es tatsächlich, Summer für sich zu gewinnen. Aber schon zu Beginn macht der Off-Sprecher klar, dass wir hier keine klassische romantic comedy mit Happy End sehen, in der Tom und Summer sich am Ende das Ja-Wort geben: “You should know up front, this is not a love story”. Der Zuschauer wird vielmehr Zeuge einer sehr wechselhaften und unausgewogenen Beziehung zwischen den beiden, die leider so gar nicht den romantischen Wunschvorstellungen entspricht. Ein wenig erinnert die Dramaturgie vom Scheitern einer Beziehung an The Break-Up (Trennung mit Hindernissen), allerdings verzichtet (500) Days of Summer im Gegensatz zum Jennifer Aniston Streifen auf die üblichen chick-flick Späßchen und geht deutlich authentischer und ernsthafter an die Sache.

Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern springt immer wieder hin und her zwischen den 500 Tagen Beziehungschaos. Was zunächst wie ein bemühtes Regiemätzchen wirkt, das den Erzählfluß abwürgt, stellt sich in der rasanten Gegenüberstellung von vorher/nachher als sehr effektive Erzählmethode heraus: Wenn etwa das Pärchchen am Anfang der Beziehung noch gemeinsam unbeschwert bei Ikea herumalbert, und Tom mit denselben Späßchen einige Monate später nur noch genervte Blicke erntet. Wie in einem Puzzle reihen sich heitere und tragische Momente der Beziehung aneinander und fügen sich zu einem geschlossenen Bild.

Großartig und on spot besetzt sind die beiden Hauptdarsteller: Joseph Gordon-Levitt hat schon in The Lookout gezeigt, dass er die feine und glaubwürdige Charakterzeichnung beherrscht. Hier ist er als regular guy, der auf seine Traumfrau trifft und nicht mehr von ihr loskommt, eine glaubwürdige Identifikationsfigur. Zooey Deschanel schafft es, diese Traumfrau, die die Männer in ihren Bann zieht aber selbst nicht weiss, was sie will, perfekt und ungekünstelt zu verkörpern. Was genau in der verschlossenen Summer vor sich geht, erfahren wir bis zum Schluß allerdings kaum, der Film lebt und leidet mit Tom, dessen Motive, Ängste und Hoffnungen ungeschönt offengelegt werden.

Die Dialoge sind intelligent und witzig, ohne für einen lauen Gag oder eine humorige Szene gleich Glaubwürdigkeit oder Authentizität aufs Spiel zu setzen. Regisseur Marc Webb, der eigentlich aus der Musikvideo-Ecke kommt, hat die Inszenierung immer wieder mit Gimmicks und Spielereien aufgehübscht: Mal sieht man eine Szene parallel im Splitscreen als Wunschvorstellung und als Realität, mal erscheint der Protagonist als Hauptdarsteller von europäischen Arthouse-Filmen in schwarzweiss auf der Kinoleinwand, mal werden harry&sally-artige Interview-Statements zum Thema Liebe eingespielt, mal steigt das gesamte Ensemble spontan in eine Musicalnummer ein (was - inkl. Zeichentrickelementen - sehr ähnlich aussieht wie bei Disneys Enchanted, hier aber viel besser funktioniert). Das alles kommt aber nicht als bemühtes “kreatives” Aufbrechen konventioneller Erzählstrukturen rüber, sondern passt fast immer wunderbar in die Story und unterstützt den Erzählfluss statt ihn zu zerstören.

Der Soundtrack wimmelt von folkingem Singer/Songwriter Geschrammel mit Frauenstimme (Carla Bruni, Feist, Regina Spektor), das passt sehr gut, drängt sich aber an einigen Stellen ein wenig zu sehr in den Vordergrund mit der Botschaft “Kauf! Den! Soundtrack!”. Eine schöne Pointe ist, Patrick Swayzes Heuler “She’s like the Wind” als romantisches Thema zu nehmen - und den Protagonist sich darüber beschweren zu lassen, dass ihm dieser Kitschsong jetzt dauernd im Ohr liegt, seit er auf seine große Liebe getroffen ist.

Bei aller Authentizität kann sich auch (500) Days of Summer den gängigen Genre-Klischees nicht ganz verschließen: Tom hat seine beruflichen Träume als Architekt für einen Brot-und-Butter Job aufgegeben - Teil seiner Selbstfindung nach der Trennung ist es dann natürlich, diese Baustelle in seinem Leben anzugehen und erfolgreicher Architekt zu werden. Seine besten Freunde wirken wie aus dem rom-com-Baukasten geklaute Standardfiguren. Und auch das Ende ist - bei allem Mut zur Tragik, die der Film zeigt - natürlich nicht so trostlos, wie es anfangs angekündigt wird. Aber das ist Mäkeln an Details, insgesamt ist (500)Days of Summer damit immer noch meilenweit entfernt vom üblichen Beziehungseinerlei im Kino und aufrichtiger und intelligenter als das meiste, was ansonsten im rom-com Bereich verkauft wird.

(500) Days of Summer, USA 2009 - deutscher Kinostart: 22.10.09
10 Punkte


Filmkritik: John Rabe

abgelegt unter: Film von Enk am 13.11.2009

“China ist der Markt der Zukunft - das bereuen wir noch in 100 Jahren” - John Rabe, sehr weitblickend.

Routiniert erzähltes Historien-Biopic um den “chinesischen Oskar Schindler”. Nanking, 1937: John Rabe ist Statthalter für Siemens in China. Die Japaner sind das Land einmarschiert und drohen, auch Nanking zu besetzen. Um sich selbst und die Bevölkerung zu schützen, entschließen sich die in der Stadt verbliebenen Ausländer unter der Führung von John Rabe, eine Schutzzone einzurichten, in der keine Kriegspartei Zutritt hat und in der die Zivilisten unbehelligt bleiben sollen. Diese Aktion rettet in der Folgezeit tausenden Menschen das Leben.

Die Effekte für die Kriegsszenen sind für eine deutsche Produktion auf erstaunlich hohem Niveau. Überraschend direkt und brutal werden dabei auch die japanischen Kriegsgräuel inszeniert. Damit kein Zweifel besteht, dass die zugrundeliegende Geschichte sich tatsächlich ereignet hat, werden immer wieder Dokumentarszenen in die Handlung hineingeschnitten, die im Wochenschau-schwarzweiß die Echtheit der Ereignisse bestätigen sollen.

Die Besetzung ist solide: Ulrich Tukur mimt John Rabe als Held wider Willen durchaus glaubwürdig, und harmoniert gut mit seinem Counterpart Steve Bushemie, als zynischer englischer Arzt Robert Wilson, der zusammen mit Rabe die provisorische Stadtverwaltung übernimmt. Etwas unscheinbar bleibt Daniel Brühl als deutscher Botschaftsmitarbeiter Dr. Georg Rosen.

Die sehr konventionelle Inszenierung verläßt sich vor allem auf die aufwändige Ausstattung und eine gradlinige Erzählweise. Trotz der unverkennbar angestrebten Heldenverehrung des “guten Deutschen von Nanking”versucht der Film aber zumindest, die Person John Rabe halbwegs differenziert nachzuzeichnen. Rabe ist überzeugter Nazi und Parteimitglied. Um gegen die japanischen Gräueltaten zu intervenieren, wendet er sich konsequenterweise erstmal in einem Brief an den Führer. Er wird zwar als gutmütiger Gutsherr gezeigt, der über seine Schäfchen wacht, der aber auch keinen Zweifel an der Überlegenheit der westlichen Herrenmenschen läßt: “Chinesen sind wie Kinder, die muß man erziehen”.

Die Dramaturgie ist an einigen Stellen, etwa bei der improvisierten Wahl Rabes zum Stadtverwalter, ein wenig arg hollywoodesk geraten, und gerade am Ende wird nochmal sehr dick aufgetragen, um die Story zu einem Melodram zu verdichten. Bezeichnend für die weniger um historische Glaubwürdigkeit als um spielfilmreife Inszenierung bemühte Regie ist eine symbolgetränkte Szene, in der sich die chinesische Belegschaft unter einer riesigen Hakenkreuzflagge verbirgt, um sich vor den angreifenden japanischen Fliegern zu schützen. Das ist zwar in der einen oder anderen Form so tatsächlich passiert, Regisseur Florian Gallenberger orientiert sich bei der Umsetzung aber eher an Hollywood-Kino als an deutschen Dokudramen. Die dramaturgische Zuspitzung verhindert leider nicht, dass der Film einige Längen hat, nimmt dem ganzen aber eine Menge Authentizität.

John Rabe, Deutschland, Frankreich, China 2009 - deutscher Kinostart: 2.4.2009
5 Punkte


Filmkritik: The Departed (Departed - Unter Feinden)

abgelegt unter: Film von Enk am 02.11.2009

“When I was growing up, they would say you could become cops or criminals. But what I’m saying is this. When you’re facing a loaded gun, what’s the difference? “

Ich nehme mir eigentlich nach jedem neuen Scorsese Film vor, nie wieder etwas von diesem Regisseurs anzuschauen. Zu sehr habe ich mich schon bei GoodFellas, Casino, Aviator oder Gangs of New York über langatmige Erzählweise, wirre Story und unfokussierte Dramaturgie aufgeregt - und schlicht gelangweilt. Aber irgendwie schafft es Scorsese dann doch immer wieder, mein Interesse zu wecken. Diesmal vor allem durch einen überragenden Cast: Für The Departed hat Scorsese neben den Hauptdarstellern Matt Damon und Leonardo DiCaprio gleich noch die Haudegen Jack Nicholson, Martin Sheen und Alec Baldwin verpflichtet (unter “ferner liefen” dann auch noch “Marky” Mark Wahlberg, der für seine Nebenrolle sogar eine Oscar-Nominierung erhielt). Und diesmal ist das Ergebnis sogar ganz passabel, auch wenn Scorsese sich mal wieder nicht bremsen konnte und zweieinhalb Stunden Spielzeit verbraten hat.

Die Story (übrigens ein Remake des asiatischen Thrillers “Internal Affairs”) ist in ihrer Konstruiertheit erstaunlich effektiv: Sie erzählt die parallele Geschichte zweier Polizisten, der eine als Undercover-Agent in der Mafia eingeschleust, der andere als Mafia-Spitzel bei der Polizei. Es entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel zwischen Loyalität, Mißtrauen und Verrat, in dem jeder dem anderen auf die Schliche kommen will. Zum Schluß gibts ein paar Ungereimtheiten (warum etwa muss der Mafiaboss persönlich eine Drogenlieferung abholen, wo er weiß, dass die Polizei ihm dicht auf den Fersen ist), aber das ganze bleibt spannend und wird packend erzählt, nicht zuletzt durch einen sehr kompromisslosen Showdown, bei dem die meisten Protagonisten das Zeitliche segnen.

Überragend spielt Leonardo DiCaprio den verbissenen Undercover-Cop, dagegen fällt Matt Damon erstaunlicherweise ein wenig ab, vor allem wenn er zur Mitte des Films die innere Zerrissenheit des Charakters darstellen soll. Gewohnt souverän agieren Baldwin und Sheen, während Nicholson mal wieder eine sehr typische Jack Nicholson Rolle spielt, mit einer perfekten Gratwanderung zwischen Exaltiertheit, komödienhafter Überzeichnung und Glaubwürdigkeit. So lässig kann das außer ihm wohl niemand.

Aber es wäre kein Scorsese-Film, wenn es nicht auch etwas zu meckern gäbe: Der Schnitt ist katastrophal. Das ganze wirkt, als habe jemand blind die Filmrolle zerschnitten und die Teile dann hastig wieder zusammengeklebt. Das Stilmittel parallel zusammengeschnittener Szenen der Gegenspieler DiCaprio und Damon ist zwar nicht einfallsreich, aber dramaturgisch zumindest noch ganz passend. Die vielen harte Übergänge hingegen, die uninspiriert eingestreute Szenen und Mätzchen wie beschleunigte Wiedergabe wirken extrem beliebig und stören den Erzählfluss. Unglaublich, dass es dafür den Oscar gegeben hat, hier galt vermutlich die Maxime “Hauptsache unkonventionell”. Zum Ausgleich hat Michael Ballhaus für das Mafiaepos extrem stylische Bilder eingefangen, auch wenn sich die Szenen manchmal ein wenig zu sehr in der Inszenierung von Gegenlicht oder im Wasser spiegelnden Neonreklamen gefallen. Alles in allem auf jeden Fall sehenswert, zweieinhalb Stunden Unterhaltung auf hohem Niveau.

The Departed (Departed - Unter Feinden), USA 2006 - deutscher Kinostart: 07.12.2006
7 Punkte


Filmkritik: Terminator Salvation (Terminator: Die Erlösung)

abgelegt unter: Film von Enk am 29.10.2009

“Win or lose, this war ends tonight!” - was natürlich nicht stimmt, weil Terminator 5 und 6 schon in Planung sind.

Die Terminator-Serie widerlegt die oft zutreffende Regel, dass ein Sequel immer schlechter sein muss als der Vorgänger. War Teil 1 noch ein leicht trashiger B-Movie hat James Cameron mit Teil 2 Anfang der Neunziger neue Maßstäbe für intelligentes Action-Kino gesetzt. Der meist unterschätzte dritte Teil der Terminator-Saga schließlich hatte den Mut, die fröhliche “Jeder ist seines Glückes Schmied”-Botschaft der Vorgänger in ein für Hollywood-Verhältnisse mutiges “Akzeptiere dein Schicksal” Katastrophen-Ende zu wenden und die Zuschauer mit einem düsteren Ausblick in die Zukunft zu entlassen.

Umso gespannter durfte man auf Teil 4 sein, diesmal ohne Arnold Schwarzenegger, der allerdings auch schon im dritten Teil nur mit viel Makeup noch in die Rolle des drahtigen nie alternden Roboters schlüpfen konnte. Nun also Christian Bale, der schon im Vorfeld deutlich gemacht hat, dass er zumindest genug negative Energie mitbringt, um die düstere Story weiterzuspinnen. Wobei der eigentliche Nachfolger von Schwarzenegger als Mensch-Maschine Sam Worthington ist, der seine Sache auch ganz gut macht. Allerdings wird schauspielerisch außer “grimmig” und “entschlossen” gucken auch nicht viel vom Cast verlangt, aber das zumindest bekommen Bale und Worthington überzeugend hin. Als Sidekick gibt es in Anlehnung an Teil 2 ein erstaunlich unnerviges Filmkind, das nicht an den falschen Stellen dem Lieblingskuscheltier hinterherläuft und auch keine altklugen Sprüche bringt, da es passenderweise stumm ist.

Die Vorgänger hatten allesamt eine sehr ähnliche Dramaturgie: Das Duell zweier ungleicher Roboter (bzw. in Teil 1 Roboter und Mensch), die aus der Zukunft in die Gegenwart teleportiert worden sind. Terminator Salvation hat damit nur noch sehr wenig gemeinsam. Kein “Sci-Fi trifft Gegenwart” mehr, sondern ein echter Endzeit-Thriller, ohne coole One-Liner, kein comic relief. Nachdem in den ersten Teilen nur vage vom großen Kampf gegen die Maschinen in der Zukunft die Rede war, und dieser Krieg nur in kurzen Intro- oder Traumsequenzen angedeutet wurde, zeigt Terminator Salvation nun genau diesen Krieg, der bislang immer nur als Drohung am Horizont erschienen war.

In seiner düsteren Endzeitstimmung inmitten einer weitgehend zerstörten Zivilisation ist Terminator Salvation die konsequente Fortsetzung des dritten Teils, es ist aber nicht verwunderlich, dass Teil 4 bei vielen Zuschauern nur auf wenig Begeisterung gestoßen ist: zu stark ist die Abkehr vom zwar düster-brutalen aber immer wieder auch launigen Gegenwarts-Actionkino der Vorgänger. Terminator Salvation ist eher Mad Max oder Matrix 2 oder Blade Runner. Von letzterem hat man auch die Androiden-Thematik übernommen: von Mensch-Maschine Hybriden, die sich ihrer eigenen Identität nicht sicher sind.

Regisseur McG taucht das düstere Spektakel in blass-graue Farben, mit viel Steadycam-Einsatz. Über weite Strecken ist der Film eine einzige Special Effects Orgie, technisch absolut beeindruckend, dramaturgisch aber hart an der Grenze zum überzeichneten Superhelden-Comic. Alles ein wenig zu fantastisch, überall klaffen riesige Logiklöcher, und dennoch, das Timing ist gut und das rasante Actionspektakel läßt nicht viel Zeit, die Zusammenhänge zu hinterfragen. Ein wenig ähnelt Terminator 4 damit dem letzten Star Trek, der auch trotz fragwürdig-dünner Story erstaunlich gut funktioniert hat und vor allem durch seine Schauwerte geglänzt hat. Und diese Schauwerte sind bei Terminator 4 auf allerhöchstem Stand, gerade weil man sich nicht nur auf CGI-Zauber verlassen hat, sondern viele Actionszenen mit realen Sets und echten Explosionen gedreht hat.

Im Showdown wird dann nochmal viel aus den Vorgängern zitiert, die Skynet-Zentrale sieht passenderweise so aus wie das Stahlwerk aus Teil 2, und sogar Arnie hat noch einen kurzen Gastauftritt - gedoubled von Roland Kickinger, der ihn auch schon in einer TV-Biographie dargestellt hat, und demnächst wohl auch für das Conan-Remake den Schwarzenegger gibt.

Terminator Salvation (Terminator: Die Erlösung), USA 2009 - deutscher Kinostart: 4.6.2009
7 Punkte


Filmkritik: Das weiße Band

abgelegt unter: Film von Enk am 18.10.2009

“Mein Gott, warum stirbst du nicht einfach?”

Nachdem der Österreicher Michael Haneke zuletzt eine große US-Produktion mit Naomie Watts inszenieren durfte, hat er sich mit seinem neuen Film “Das weiße Band” wieder dem Arthaus zugewandt. Und das sehr erfolgreich, der Film erhielt die Goldene Palme und ist für den Oscar als als bester ausländischer Film nominiert.

Hanekes neues Werk erzählt von einer bedrückend repressiven Dorfgemeinschaft in der deutschen Provinz am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Das Dorf ist geprägt von strenger Hierarchie: Der Gutsherr und sein Statthalter bestimmen über die Bauern, der sittenstrenge Pastor ist die unangefochtene moralische Autorität, und in den Familien führt der Mann ein strenges Regime über Frau und Kinder und erzieht mit dem Rohrstock. Wer die Klassenunterschiede und Hierarchien kritisch hinterfragt, wird erbarmungslos bestraft. Aber hinter der puritanisch strengen Fassade verbirgt sich natürlich - Überraschung, Überraschung - eine dunkle Seite, von Gewalt und Demütigung bis hin zu Inzest.

Im Dorf passieren mysteriöse Vorfälle: Der Arzt hat einen schweren Unfall durch ein heimlich aufgespanntes Drahtseil. Eine Bäuerin stirbt bei einem gefährlichen Arbeitseinsatz im Sägewerk. Kinder werden von Unbekannten misshandelt, und die Scheune des Barons wird in Brand gesteckt. Hinter all diesen Vorfällen versucht der Dorflehrer (Christian Friedel), Licht ins Dunkel zu bringen, und im Laufe seiner Nachforschungen wächst der Verdacht, dass die Dorfkinder an dem Geschehen nicht unbeteiligt sind.

Der Film ist anstrengend artifiziell in schwarz-weiss gedreht, düster ausgeleuchtet und kammerspielartig inszeniert. Die schauspielerische Leistung ist überzeugend, gerade die jüngeren Ensemblemitglieder spielen erfrischend ungekünstelt, vor allem Leonie Benesch als schüchternes Kindermädchen Eva. Die Nachwuchsriege wird unterstützt von bekannten Gesichter wie Burghart Klaußner als gestrenger Dorfpastor oder Ulrich Tukur als Gutsherr. Sehr eigenartig besetzt ist allerdings Detlev Buck als hemdsärmliger Vater von Eva. Buck passt mit seiner lakonisch-norddeutschen Art, komödiantisch überspitzt gespielt, überhaupt nicht in die trist-strenge Atmosphäre des Films.

Die Geschichte beginnt sehr zäh und langatmig, gewinnt aber zur Mitte hin an Fahrt und ist zwischenzeitlich in den Verflechtungen der mysteriösen Dorfunfälle durchaus spannend. Leider verspielt Haneke zum Schluß die Gelegenheit, das ganze zu einem stimmigen Ende zu führen und lässt die Fäden im Unbestimmten enden: mit Kriegsausbruch endet die Geschichte abrupt, die Konflikte bleiben ungelöst und die Auflösung verliert sich in vagen Andeutungen. Das unausgegorene Ende ist umso ärgerlicher, da die triviale Botschaft Hanekes dadurch keinewegs subtiler vermittelt wird: Schon gleich zu Beginn macht der Off-Sprecher klar, dass wir es hier nicht mit einer kleinen Erzählung aus der Provinz zu tun haben, sondern eine Parabel erzählt bekommen, die “auf manche Vorgänge in diesem Land ein erhellendes Licht werfen könnte”. Die gesellschaftliche Repression durch Gutsherr, Kirche und Väter, die gestrenge aber verlogene Moral läßt die Menschen verbittert, hasserfüllt und gewalttätig werden. Und wenn man kurz nachrechnet, wächst mit den Kindern dieser finsteren Dorfgemeinschaft die Generation heran, aus der sich zwei Jahrzehnte später die Nazis rekrutieren.

Hanekes schlichte Weltsicht bietet einfache Erklärungsmuster: der Obrigkeitsstaat - hier in der kleinen Dorfgemeinschaft bildhaft gemacht - läßt die Menschen zwangsläufig zu Bösen werden, kein Wunder dass aus dieser Brut Erster und Zweiter Weltkrieg hervorgegangen sind. Wer als Kind vom Vater geschlagen wurde, kann schließlich nur zum Nazi werden.

Haneke ist bekannt dafür, dem Zuschauer nicht allzu viel Mühe bei der Entschlüsselung seiner trivialen Botschaften zu machen, so zuletzt in seinem brachial-medienkritischen Thriller Funny Games. Während Funny Games aber wenigstens handwerklich beeindruckend gemacht war, verliert sich Das weiße Band in bemühter Kammerspiel-Ästhetik, die nur durch die guten Schauspieler halbwegs sehenswert bleibt.

Das weiße Band, Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien 2009 - deutscher Kinostart: 15.10.2009
4 Punkte


Filmkritik: Star Trek

abgelegt unter: Film von Enk am 14.10.2009

(C) Paramount Pictures

“You know, traveling through time, changing history… that’s cheating.” …führt aber manchmal zu beeindruckenden Resultaten

Nachdem das Star Trek Franchise mit immer schlechteren Kinofilmen fast zu Tode geritten wurde, der grottige letzte Teil “Nemesis” dann auch an der Kasse kein großer Erfolg mehr war, und auch die letzte Fernsehserie “Enterprise” nach gutem Start schnell im Sande verlief, war die einzig logische Konsequenz, mit dem nächsten Kinofilm einen kompletten Restart der Serie zu versuchen, mit neuen Schauspielern und neuem Setting. Dabei hätte man so viel falsch machen können, aber Star Trek macht erstaunlicherweise vieles richtig.

Die Geschichte ist zeitlich vor der ersten TV-Serie angesiedelt und erzählt die Anfänge von James T. Kirk und Spock in Iowa bzw. auf Vulcan und ihr erstes gemeinsames Abenteuer bei der Sternenflotte. Gleich zu Beginn wird schweres Geschütz aufgefahren und wir befinden uns inmitten einer Weltraumschlacht mit blitzenden Phasern und explodierenden Raumschiffen. Regisseur und Produzent J.J. Abrams weiss, was die Fans sehen wollen: die fantastischen Hochglanzbilder im Weltraum sind fein orchestrierte Szenen mit perfekter CGI und bombastischem Soundtrack, so muss Science Fiction aussehen. Die Visualität, geprägt von unruhig heranzoomenden Einstellungen, ist klar inspiriert vom stilbildenen Battlestar Galactica (und sicher auch ein wenig von Abrams Vorgänger Cloverfield).

Aber der Film verläßt sich nicht nur auf seine Schauwerte, sondern nimmt seine Figuren ernst: Die bekannten Protagonisten Spock, McCoy, Uhura oder Scotty werden behutsam eingeführt und die eher comichaften Charaktere der Originalserie um ganz neue, aber sehr passende Facetten erweitert. Vor allem die Rolle des Kirk als arrogantem Frauenheld und Draufgänger ist ein stimmige Weiterentwicklung des klischeehaften Kirk aus der Originalserie, sehr passend gespielt von Chris Pine. Natürlich dürfen auch bei diesem James T. Kirk ein paar deftige Schlägereien, chauvinistische Sprüche und Anzüglichkeiten nicht fehlen. Die Schauspieler sind ausnahmslos on spot besetzt, vor allem Zachary Quinto als Spock nimmt man seine Rolle als Vorgänger/Nachfolger von Leonard Nimoy ohne zu Zögern ab. Ein wenig over the top ist Simon Pegg als Ur-Schotte Scotty, aber er sorgt so zumindest für einige Lacher. Und auch wenn sie nur einige wenige Szenen hat, hat Winona Ryder als Spocks Mutter eine sehenswerte Nebenrolle.

Die Story… naja, die Story… sicher nicht das Highlight des Films. Die Ausgangssituation ist mit Hilfe von Zeitlinien und -reisen bequem herbeikonstruiert, vieles wirkt wie an den Haaren herbeigezogen, um die eine oder andere Figur mit in die Story quetschen zu können, die man unbedingt auch noch dabei haben wollte, und gegen Ende wird der Brei zusehends unverdaulicher. Aber erstaunlicherweise ist das gar nicht so wichtig: das was an Story vorhanden ist, wird durchaus packend erzählt, und man ist sowieso viel zu sehr mit den Entdecken neuer Facetten an den bekannten Star Trek Charakteren und dem Bestaunen der aufwändig inszenierten SciFi-Sets beschäftigt, um sich an den vielen Logiklöchern all zu sehr zu stören.

Auch für Trekkies Trekker gibts eine Menge zu sehen: Die fantastisch visualisierte Welt von Vulcan zum Beispiel. Oder In-Jokes über Chekovs russischen Akzent oder Uhuras Vornamen, Kirks Betrug beim Kobayashi Maru Test oder Spock, der mal wieder Sherlock Holmes zitiert (”if you eliminate the impossible, whatever remains – however improbable – must be the truth”). Mag sein, dass Hardcore-Fans sich über die eine oder andere Ungereimtheit aufregen, aber der Film findet eine gute Balance zwischen Respekt vor dem Star Trek Erbe und der Herausforderung, eine neue und packende Story zu erzählen, ohne sich zu sehr in den Details des alten Trek-Universums zu verstricken.

Ob man sich mit der Idee, eine neue Zeitlinie zu erfinden, wirklich einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen. Natürlich hat man sich damit alle Freiheiten geschaffen und das enge Korsett des bekannten Star Trek Universums gesprengt. Aber ein wenig unbefriedigend ist es schon, wenn die (unzweifelhaft folgenden) Sequels allesamt die komplette Geschichte der TV-Serien und bisherigen Kinofilme ignorieren. Das hinterläßt für den Zuschauer den faden Geschmack, das er ein paarhundert Fernsehstunden “umsonst” geschaut hat.

Star Trek, USA 2009 - deutscher Kinostart: 07.05.2009
9 Punkte


Filmkritik: The Proposal (Selbst ist die Braut)

abgelegt unter: Film von Enk am 08.10.2009

(C) Touchstone Pictures

“So you drink unsweetened cinammon light soy lattes.” - “I do. It’s like Christmas in a cup.”

Die Kanadierin Margaret Tate (Sandra Bullock) ist eine knallharte New Yorker Verlagsmanagerin, die von ihren Mitarbeitern und Kollegen gefürchtet wird. Ihrer Karriere droht jedoch ein abruptes Ende, als ihre Aufenthaltserlaubnis für die USA abläuft. Kurzerhand entschließt sich sich, ihren devoten Assistenten Andrew (Ryan Reynolds) zu heiraten, um die erforderliche Green Card zu bekommen. Die Ausgangsidee einer Zweckheirat zweier gegensätzlicher Typen zwecks Aufenthaltserlaubnis ist nicht gerade neu, schon vor zwanzig Jahren haben Gerard Depardieu und Andy McDowell das Thema in “Green Card” erfolgreich abgefrühstückt.

Auch der zweite Teil der Story, der bei Andrews Familie in Alaska spielt, wo Margaret als zukünftige Ehefrau eingeführt wird, ist bekanntes Terrain: Das Setting einer zickigen Großstadtfrau, die sich bei einer charmante Großfamilie in der Provinz bewähren muss, hat man ganz ähnlich z.B. in The Family Stone mit Sarah Jessica Parker gesehen. Dennoch macht Regisseurin Anne Fletcher aus diesen bekannten Versatzstücken (und noch ein paar weiteren Anleihen z.b. bei The Devil wears Prada) ein ganz unterhaltsames Filmchen. Dass der Film deutlich besser funktioniert als ihr letzter Baukastenstreifen 27 Dresses liegt nicht zuletzt an den beiden Hauptdarstellern: Sandra Bullock spielt die biestige Chefin anfangs zwar ein wenig zu überspitzt, harmoniert aber im weiteren Verlauf immer besser mit ihrem zwölf Jahre jüngeren Partner Ryan Reynolds, der die Figur des eifrigen aber durchaus selbstbewussten Assistenten gut rüberbringt.

Zusammen mit solidem Dialogwitz, einigen Albernheiten und hübschen Szenen im malerisches Alaska (das in Wirklichkeit Cape Ann in Massachusetts ist) hat das ganze in den USA zu sensationellen 160 Millionen Dollar Einspielergebnis gereicht, mehr als Blockbuster wie Illuminati oder Terminator 4 eingespielt haben, und das bei überschaubaren 40 Millionen Dollar Produktionskosten. Wer auf überraschungsarme rom-com Kost steht, wird nicht gelangweilt, mehr erwarten darf man aber nicht.

The Proposal (Selbst ist die Braut), USA 2009 - deutscher Kinostart: 30.07.2009
5 Punkte


Filmkritik: The Ugly Truth (Die Nackte Wahrheit)

abgelegt unter: Film von Enk am 05.10.2009
ugly truth
(C) Columbia Pictures

“Was ist falsch an praktisch und effizient?” - “Nichts, außer dass es niemand vögeln will”.

Katherine Heigl spielt eine Karrierefrau, die ihren Mr. Right sucht, aber stattdessen auf einen rüpelhaften Proll triff. Moment, hatten wir das nicht schon mal? Ja genau, hier. Aber weil Knocked Up so ein großer Erfolg war, hat man das ganze gleich noch einmal verfilmt. Und um auf Nummer sicher zu gehen, hat man nochmal kräftig bei der Erfolgskomödie Hitch - der Date Doctor geklaut und als Sahnehäubchen auch noch die Orgasmusszene aus Harry & Sally kopiert (was bei Meg Ryan aber um Längen überzeugender war als bei Katherine Heigl).

Aber eins nach dem anderen: Abby (Katherine Heigl) ist eine karrierebewusste TV-Produzentin, die ihr Leben und ihre Arbeit minutiös plant, und auch auf der Suche nach Mr. Right nichts dem Zufall überlassen will. Mike (Gerard Butler) ist das genaue Gegenteil. Er hat eine erfolgreiche TV-Show als chauvinistischer Beziehungsratgeber, in der er die Dinge explizit beim Namen nennt: Männer wollen nur Sex, besser ein vorgespielter Orgasmus als gar keiner, und die Qualität, die Männer an Frauen am meisten schätzen, sei ein guter Blow Job. Das entspricht so rein gar nicht Abbys Vorstellung von romantischen Beziehungen. Als Abbys Sender Mike als neuen Moderator verpflichtet, geraten die beiden ob ihrer unterschiedlichen Auffassung schnell aneinander. Aber Mike weiss wie die Männer ticken, und so verläßt sich Abby auf ihrer Suche nach dem Traummann notgedrungen doch auf Mikes Ratschläge, um bei ihrem attraktiven Nachbarn Colin (Eric Winter) zu landen, der ihrem Bild von einem Traummann scheinbar perfekt entspricht. Und siehe da: Mikes Hilfe als Date-Doktor wirkt Wunder, gecoacht von Mike gelingt es Abby, mit Traummann Colin zusammenzukommen. Aber da passiert das total überraschende und von keinem Zuschauer vorhergesehene: Mike entdeckt plötzlich, dass er sich selbst zu Abby hingezogen fühlt, und Abby stellt fest, dass ihr Traummann Colin doch nicht der richtige ist, obwohl er alle Kriterien ihrer Checkliste erfüllt. Wer hätte das gedacht.

Die ganze Geschichte ist von vorne bis hinten vorhersehbar. Um das ganze nicht allzu glatt aussehen zu lassen, sind die Dialoge angereichert mit einer Menge anzüglichem Humor über vibrierende Slips, sexuelle Vorlieben und Masturbation.

Wenn man die erste Viertelstunde ertragen hat, in der die schablonenhaften Figuren schmerzhaft klischeegetränkt und vorhersehbar eingeführt werden (”perfekt organisierte aber verklemmte Karrierefrau” trifft “machohaften Proll, der weiß, wie die Frauen ticken aber tief in seinem Herzen doch ein guter Kerl ist”) und einem klar wird, dass hier nichts, aber auch gar nichts aus dem engen rom-com Korsett ausbrechen will, wird der Film mit der Zeit sogar ganz amüsant. Ein paar lustige Einfälle, ein paar ganz spritzige Dialoge und eine Menge anzüglicher Humor, das reicht zumindest, um den Blick nicht dauernd auf die Uhr wandern zu lassen. Aber wer hier erwartet, dass das Skript zum Ende hin auch nur einen Millimeter vom Standard-Drehbuchbaukasten für romantische Komödien abweicht, wird schwer enttäuscht, das unvermeidliche Happy End kommt haargenau so, wie man es sich nach den ersten fünf Minuten zusammenreimen konnte (selbstverständlich mit der “großen Krise” kurz vor Schluß, um nochmal “Spannung” und “Dramatik” aufkommen zu lassen).

Gerard Butler und Katherine Heigl machen ihre Sache im Rahmen des konventionellen Plots sogar ganz charmant. Für Butler ist es nicht der erste Ausflug ins rom-com Genre, er hat aber auch schon unter Beweis gestellt, ganz andere Rollen spielen zu können. Katherine Heigl hingegen tut sich keinen Gefallen, nach Knocked-Up und 27 Dresses nun schon das dritte Mal dasselbe seichte Genre runterzuspulen. Man muss nicht gleich als Kontrastprogramm einen zentnerschweren Problemfilm besetzen (obwohl Anne Hathaway damit sehr viel Erfolg hatte), um aus dem engen Rollenkorsett auszubrechen, aber ein wenig mehr Vielfalt wäre Katherine Heigl dringend anzuraten, sonst ist eine Karriere als ernstzunehmende Schauspielerin arg gefährdet.

The Ugly Truth (Die Nackte Wahrheit), USA 2009 - deutscher Kinostart: 01.10.2009
4 Punkte


Filmkritik: Horst Schlämmer - Isch kandidiere!

abgelegt unter: Film von Enk am 21.09.2009

“Yes Weekend!”

Man merkt Kerkelings Schlämmer-Film an, dass er unbedingt noch vor der Wahl ins Kino sollte und auf Teufel komm raus ohne großes Budget zusammengedreht werden musste. Herausgekommen ist eine Mischung aus klassischer deutscher Komödie und Kerkelings bekannten Überfallnummern, in denen er als Horst Schlämmer echte Politiker interviewt oder unbedarften Passanten auf der Straße auflauert. Gerade bei diesen Nummern ist wie üblich viel Fremdschämen angesagt, vor allem für Politiker wie Cem Özdemir, die krampfhaft versuchen, mit Schlämmer mitzuwitzeln, um ja nicht humorlos zu wirken, damit aber natürlich eine umso armseligere Figur abgeben. Deutlich souveräner zieht sich Jürgen Rüttgers aus der Affäre, dem man zwar die Angst ansieht, bloss in kein Fettnäpfchen zu tappen, der aber das Kalauern zum Glück Schlämmer überlässt.

Wie bei deutschen Komödien üblich, wimmelt es von Gaststars und Cameos, von Frauke Ludowig über Jürgen Drews bis zu Bernhard Brink, der auch gleich einen (unlustigen) Song zum Soundtrack beisteuern durfte. Deutlich witziger ist der Wahlsong, den Bushido mit Schlämmer einspielt (”HSP holt die Gangsta ans Mike”), und sehr geil auch das Musikvideo dazu, in dem die beiden in klischeehaftester Hip-Hip-Optik durch Berlin cruisen.

Ein Totalausfall ist Kerkelings Sidekick Simon Gosejohann, der in seinen Fernsehsendungen eigentlich sehr witzig und symphatisch rüberkommt, hier aber noch peinlicher agiert als Starlet Alexandra Kamp. Simon hat genau eine gute Pointe (”Ich bin Kay One” - “Und ich bin hetero”) und wirkt ansonsten wie ein krampfhaft bemühter Laiendarsteller. Schauspielerisch überzeugen kann eigentlich nur Kerkeling in seinen verschiedenen Rollen und Parodien (brillant vor allem als Ronald Pofalla oder Angela Merkel), und vielleicht noch Maren Kroymann als rheinische Dauerschützenkönigin.

Das Problem bei der Figur Horst Schlämmer ist, dass sich der Witz auf wenige immergleiche Sprüche konzentriert (”Isch hab Rücken”, “weisste bescheid”), die sich sehr schnell verbrauchen und langweilig werden. Die dünne Story dient genre-üblich nur da zu, die verschiedenen Comedy-Nummern lose miteinander zu verbinden, von denen viele nur mäßig lustiges bis albernes Füllmaterial sind. Auf eine Dreiviertelstunde zusammengedampft als Wahlspecial im Fernsehen wäre das ganze durchaus großes Kino. Mit fast 100 Minuten Spielzeit auf Kinoformat aufgeblasen ist der Film nur unteres Mittelmaß: Die vielen Längen und Peinlichkeiten zeigen sich leider überdeutlich, und nur durch eine handvoll wirklich guter Pointen, die sich über die Spielzeit verteilen, bleibt das ganze halbwegs erträglich.

Horst Schlämmer - Isch kandidiere!, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 20.08.2008
4 Punkte


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