Nachdem Nilz ein wenig mit Zahlen zum Bahnstreik um sich geworfen hat, wollt ich doch mal genauer nachrechnen, was die Forderung der Gewerkschaft für Lokomotivführer in Euro so bedeutet.
Netterweise liefert die GDL das passende Zahlenwerk frei Haus, auf ihrer schicken Homepage im Retrostil. Die Broschüre mit dem reißerischen Titel “Der Fahrpersonaltarifvertrag: Zahlen, Fakten, Hintergründe” spricht von rund 20.000 Lokführern bei der Bahn (1990 waren es übrigens noch doppelt so viele, that’s Restrukturierung for you). Von den 20.000 sind 40% Beamte, bleiben also noch ca. 12.000 Lokführer übrig.
Ein Lokführer verdient im Schnitt rund 2.000 EUR brutto (interessant: Einstiegs- und Maximalgehalt liegen mit 1.970 EUR bzw. 2.148 EUR ganz dicht beeinander, das nenn ich Sozialismus). Die GDL fordert rund 30% mehr, wären dann pro Nase etwa 600 EUR im Monat (brutto wohlgemerkt, netto eher die Hälfte). Macht zusammen 7,2 Mio Mehrkosten im Monat für die Bahn, oder 86,4 Mio im Jahr. Gar nicht mal so wenig, dafür muss Mehdorn schon mal 1,6 Mio Bahncard 25 verkaufen, um das wieder reinzubekommen.
Aber was macht das fürs einzelne Ticket aus, wo die Bahn ja schon vor einiger Zeit angekündigt hat, dass der Kunde die Zeche für die GDL-Forderungen in Form von Preiserhöhungen zahlen muss: Die Bahn verkauft angeblich so ca. 50 Mio Tickets im Jahr. Von den Mehrkosten durch die GDL-Forderung legen wir mal die Hälfte auf den Personenverkehr um (eigentlich noch weniger, da der Güterverkehr einen höheren Umsatzanteil hat), macht ca. 43 Mio EUR im Jahr, und damit milchmädchentechnisch etwa 86 Cent mehr pro Ticket. Das ist gar nicht mal so wenig, hätte nicht gedacht, dass das Lokführergehalt überhaupt einen relevanten Einfluß auf den Ticketpreis hat. Aber andererseits auch keine Summe, die Bahnkunden in Scharen in die Autohäuser treiben würde.
Mal gegengerechnet: Ein Streiktag im Güterverkehr (das steht ja wohl als nächstes an) kostet die Bahn zumindest einen großen Teil des Tagesumsatzes 12-17 Mio Eur, d.h. nach ein paar Streiktagen wären die direkten Kosten schon höher als das Eingehen auf die Gewerkschaftsforderungen. Wobei sich die GDL vermutlich auch schon mit der Hälfte zufrieden geben würde.