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Filmkritik: A Serious Man

abgelegt unter: Film von Enk am 02.02.2010

(C) Focus Features

“The answer? Sure! We all want the answer! But Hashem doesn’t owe us the answer, Larry. Hashem doesn’t owe us anything. The obligation runs the other way.”

Der neue Film von Ethan und Joel Coen ist eine deutliche Abkehr vom letzten Werk Burn after Reading: Statt Starbesetzung mit Clooney, Pitt und Malkovitch ein eher unbekannter Cast. Statt leichtfüßiger Komödie eine trist-deprimierende Geschichte. Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein College-Lehrer aus einer jüdischen Vorortsiedlung im Amerika der sechziger Jahre, dessen Leben langsam aus den Fugen gerät. Larry ist ein klassischer Loser: seine Frau will sich scheiden lassen, seine Kinder tanzen ihm auf der Nase herum, und an der Uni ist seine Karriere in Gefahr, weil er von einem Austauschstudenten erpresst wird. Warum gerade ihm soviel Unglück zustößt, läßt Larry keine Ruhe. Obwohl er als Physikdozent anhand von Schrödingers Katze und Heisenbergscher Unschärferelation seinen Studenten klar macht, dass es manchmal keine absoluten Wahrheiten gibt, sucht er für sein persönliches Schicksal klare Antworten und einleuchtende Erklärungen bei den Gemeinderabbis. Doch auch die verschiedenen Rabbis haben für ihn nicht mehr parat als sinnfreie Gleichnisse und hausfrauenpsychologische Weisheiten.

Die Coens lassen das jüdisches Kleinstadtamerika der sechziger Jahre in voller Blüte auf der Leinwand erscheinen: Jüdische Riten und Gebräuche, religiöse Verhaltensweisen und Fachtermini werden ungefiltert auf den Zuschauer losgelassen. Schon in der wirren Einführungssequenz wird minutenlang auf jiddisch parliert. Die Ausstattung des sechziger Jahre Kleinstadtamerikas wirkt sehr authentisch. Was leider auch für den nervigen Soundtrack gilt.

Dem Zuschauer geht es dabei allerdings wie Hauptdarsteller Larry - auf die Frage nach dem Warum und nach dem Sinn des Ganzen gibt es nur bedeutungsschwangere Andeutungen statt Antworten. Vermeintliche Parabeln über in Zähne eingravierte Botschaften Gottes oder ein irrelevanter Vorfilm verlieren sich im nichts. In gewisser Weise machen die Coens nichts anderes als die diversen Rabbis im Film, die mit scheinbar vielsagenden Gleichnissen und Parabeln darüber hinwegtäuschen wollen, dass sie auch keine Antwort auf die großen Fragen und den Sinn des Ganzen haben, außer der Platitüde, dass die eigenen Handlungen Konsequenzen haben, die Wege des Herrn ansonsten aber unergründlich sind.

In dieser Beziehung ist die Analogie zum atmosphärisch völlig entgegengesetzten Burn after Reading bemerkenswert - Was die beiden Filme gemeinsam haben, ist dass sich die Suche nach der tieferen Bedeutung und dem Sinn im Nichts verliert. Während diese Auflösung bei Burn after Reading aber eine witzige Pointe war, wirkt sie im schwermütigen A Serious Man eher wie die Lustlosigkeit der Coens, ihren skurrilen Geschichten einen stimmigen Rahmen zu geben. Statt mühseliger Konstruktion einer durchdachten Geschichte gefällt man sich lieber in der spleenigen Aneinanderreihung von schrägen Charakteren und skurrilen Nebenschauplätzen, und arbeitet ansonsten halbautobiographisch die eigene jüdisch geprägte Kindheit auf. Handwerklich ist das zwar sauber umgesetzt: Inszenierung und Kameraführung sind sehenswert, und es gelingen immer mal wieder sehr schöne Einstellungen. Aber die Coens begehen dabei die Todsünde des Filmeschaffens: den Zuschauer zu langweilen.

A Serious Man, USA 2009 - deutscher Kinostart: 21.1.2010
3 Punkte


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