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Filmkritik: Burn after Reading (Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?)

abgelegt unter: Film von Enk am 29.01.2010

(C) Focus Features

“Schätze, wir sollten es nicht wiederholen … wenn ich nur wüsste, was wir eigentlich getan haben”

Wenn man den Coen-Brüdern etwas nicht vorwerfen kann, dann mangelnde Abwechslung. Vom völlig überschätzten Slacker-Kultfilm The Big Lebowsky bis zum oscar-gekrönten epischen Meisterwerk No Country for Old Men haben sie schon so einige Genres durchgespielt. Mit Burn after Reading haben sie sich an einer Art Agenten-Krimi-Komödie versucht: Ozzie Cox (John Malkovitch) ein minder wichtiger CIA-Angestellter, verliert seinen Job und beschließt, seine Memoiren zu schreiben. Durch eine Verkettung von Zufällen gelangen die Fitness-Trainer Chad (Brad Pitt) und Linda (Frances McDormand) an eine Kopie und versuchen, die vermeintlich brisanten Daten zu Geld zu machen. Währenddessen vergnügt sich Cox Frau Katie (Tilda Swinton) mit dem Ex-Personenschützer Harry (George Clooney), der wiederum das Gefühl nicht los wird, beschattet zu werden.

Das bemerkenswerte an Burn after Reading ist sicher der Mut zur Häßlichkeit und die Bereitschaft, unsympathische Figuren zu verkörpern, was für ziemlich den gesamten hochkarätigen Cast gilt: Von George Clooney als bärtigen Frauenheld mit schlecht sitzender Jeans und bizarren Heimwerker-Ambitionen, über Tilda Swindon als kühl-intrigante Ehefrau, bis zu Frances McDormand als verhärmte Fitnesstrainerin mit dringendem Wunsch nach kosmetischer Chirurgie. Leider neigen fast alle Schauspieler dabei zu heftigem Over-Acting, ganz besonders Brad Pitt als leicht zurückgebliebener blondierter Fitness-Trainer überzieht seine Rolle ganz gehörig. Einzig John Malkovitch überzeugt in dem illustren Ensemble schauspielerisch wirklich.

Die Stimmung von Burn after Reading, in der leicht schräge Figuren eine wirre, nicht nach den üblichen Konventionen verlaufende Geschichte durchleben, erinnert ein wenig an das Coen Werk Fargo (in dem Frances McDormand auch schon eine Hauptrolle spielen durfte und dafür den Oscar bekam). Trotz kurzer 90 Minuten Spielzeit hat die überdrehte Agenten-Farce allerdings einige Längen. Es dauert eine ganze Zeit, bis die Sache in Bewegung kommt, und schon weit vor dem Ende ist abzusehen, in welche Richtung die Geschichte läuft. Auch wenn die Auflösung, in der sich buchstäblich alles auflöst, sehr charmant ist.

Burn after Reading (Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?), USA, Großbritannien, Frankreich 2008 - deutscher Kinostart: 2.10.2008
6 Punkte


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