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Filmkritik: Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich)

abgelegt unter: Film von Enk am 21.01.2010

(C) Touchstone Pictures

“I don’t want you to go out without your Surrie ever again”

Neben Avatar und Gamer ist mit Surrogates gleich der dritte Sci-Fi-Blockbuster am Start, der von Menschen handelt, die sich über ferngesteuerte Stellvertreter bewegen. Anders als Avatar spielt Surrogates aber nicht in einer fantastischen fremden Welt, sondern in nicht allzu ferner Zukunft auf der Erde: Im Jahr 2017 gehen die Menschen nicht mehr selber aus dem Haus, sondern steuern von zuhause aus einen menschenähnlichen Robotor, einen Surrogaten (oder für Freunde auch “Surry”), der für sie zur Arbeit geht. Der Surrogat ist die perfekte Version des eigenen Ichs: gutaussehend, robust und kräftig. Gesteuert werden die Surrogates durch eine Art Ganzkörperkonsole, mit deren Hilfe man über den Surrogaten lebensecht sehen, hören und fühlen kann. Die Welt von Surrogates wirkt dabei ein wenig wie ein Remake von I Robot, auch wenn Konzept und Story abweichen: Es wimmelt von Robotern und Androiden, und nie weiss man genau, wer jetzt echt ist und wer nicht. Neben menschlich perfekt aussehenden Surrogaten gibt es auch einfache Versionen, die tatsächlich aussehen, als wären sie aus dem Set von I Robot übriggeblieben.

Seit Aufkommen der Surrogaten ist die Verbrechensrate in der Gesellschaft drastisch zurückgegangen, vor allem Mord kommt kaum noch vor, da maximal “Sachschaden” entsteht, wenn mal wieder ein Surrogat umgebracht wurde und durch einen neuen ersetzt werden muss. Bei einem Überfall auf zwei Surrogaten entdeckt Polizist Tom Greer (Bruce Willis) allerdings, dass es eine mysteriöse neue Waffe gibt, die nicht nur den Surrogaten, sondern gleich auch den fernsteuernden Menschen dahinter auslöscht.

Auch Greer arbeitet natürlich nicht persönlich, sondern mit Hilfe einen Surrogaten, so dass wir Willis, einmal als “echten” Menschen, unrasiert und glatzköpfig, zu sehen bekommen, und einmal als perfekte Version mit blonder Haarpracht und glatter Haut. Willis Surrogat ist hart im Nehmen, und wenn ihm bei einer Verfolgungsjagd einmal der Arm abgerissen wird und er nach einem Helikopter-Absturz weiter unbeirrt den Tatverdächtigen jagt, erinnert das ganze schon recht eindeutig an die Terminator Filme (von denen Surrogates Regisseur Jonathan Mostow ja auch Teil 3 inszeniert hat).

Irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen: böse Konglomerate, die die Gesellschaft mit ihrer neuen Technik beherrschen, unverwüstliche Roboter, die nicht totzukriegen sind, das Wechselspiel zwischen künstlichen Lebensformen und echten Menschen. Aber Surrogates schnürt aus den bekannten Bauteilen ein durchaus unterhaltsames Paket: Einen Sci-Fi Blockbuster, auf Hochglanz produziert, mit herausragenden Schauwerten. Anders als andere Blockbuster erstarrt Surrogates dabei nicht in Effekt- und Actionorgien, die zwei bis drei längeren Actionszenen drängen sich nicht in den Vordergrund oder ersetzen relevante Handlung.

Die Grundidee, das das Leben zu gefährlich ist, um selber das Haus zu verlassen, und man deshalb besser einen Stellvertreter nach draußen schickt, ist gar nicht mal so haarsträubend. In Zeiten von Sicherheitshysterie, “war on terror” und Angst vor ausufernder Kriminalität hätte die Surrogat-Technik vermutlich schnell viele Anhänger. Die Szene, in der Agent Greer das erste Mal wieder als echter Mensch die Straße betritt und von den vermeintlichen Bedrohungen der Alltagswelt ängstlich an den Häuserwänden entlangschleicht, ist eine schöne Metapher auf den aktuellen Sicherheitswahn.

Allerdings ist das Konzept von Surrogates nicht so ganz schlüssig. Am ehesten glaubwürdig ist die Surrogat-Geschichte noch beim Militär, wenn bei einer “Friedensmission” im Feld nur noch Roboter im Einsatz sind, und die eigentlichen Soldaten in einem riesigen Rechenzentrum ihre Avatare fernsteuern - und wenn ein Avatar tödlich getroffen ist, wird einfach der nächste aus dem Truppentransporter aktiviert. Die Zivilgesellschaft hingegen, die nur noch von Avataren bevölkert ist, wirkt weit weniger überzeugend. Bei der Darstellung einer Zivilisation, in der die “echte” Hälfte zuhause in einem Steuerungscomputer sitzt und die andere künstliche Hälfte zur Arbeit geht oder abends in der Disco tanzt, läßt zu viele Ungereimtheiten und offene Fragen zurück, um wirklich glaubwürdig zu sein. Etwa wie die echten Menschen überhaupt überleben können, wenn sie den größten Teil des Tages unbeweglich in der Steuerungskonsole für ihren Avatar dahinvegetieren. Oder warum durch die Surrogate auf einmal die Verbrechensrate drastisch nach unten gegangen ist, man könnte auch das Gegenteil erwarten, da niemand mehr “persönlich” irgendwo einbrechen muss. Auch die Idee von hermetisch abgeriegelten “Reservaten”, in denen die Gegner der Surrogat-Technik sich zurückgezogen haben, um unter “echten” Menschen zu leben, überzeugt nur so mittel (das Reservat hat allerdings was vom Metropolis-turned-Gefängnis aus “Escape from New York”).

Bohrt man nicht allzu sehr in diesen Ungereimtheiten herum und läßt sich auf die Idee von Surrogates ein, ist das ganze solide Sci-Fi-Unterhaltung. Der Show-Down wirkt ein wenig überhastet, führt aber noch zu ein paar netten Szenen, wenn das Surrogat-Netzwerk plötzlich zusammenbricht.

Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich), USA 2009 - deutscher Kinostart: 21.01.2010
7 Punkte


1 Kommentar »

  1. Sehe ich ganz ähnlich.

    Trotz einiger Ungereimtheiten in der Darstellung der zukünftigen Welt und trotz des Recyclings bestimmter Elemente älterer Filme, weiß der Film zu gefallen und eine spannende Geschichte und warnende Aussage nett verpackt rüberzubringen.

    Die Actionszenen halten sich in Grenzen und der Film wird nicht von tumb aneinandergereihtem Effektfeuerwerk dominiert.

    Insgesamt sicherlich nichts Überragendes, aber durchaus (einmal) Sehenswertes.

    Gravatar Image Comment von Koner — 21.01.2010 @ 12:15

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