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Filmkritik: Inglourious Basterds

abgelegt unter: Film von Enk am 11.01.2010

“We ain’t in the prisoner-takin’ business; we’re in the killin’ Nazi business.”

Quentin Tarantinos oscarverdächtiges Werk handelt von einem Trupp alliierter Soldaten, der im von Deutschland besetzten Frankreich Nazis jagt und bestialisch ermordet, um für Angst und Schrecken bei den Deutschen zu sorgen. Ungewöhnlich zu allererst die Entscheidung, das Sprachenwirrwar zwischen Franzosen, Engländern, Amerikanern und Deutschen in dem Zweiter Weltkriegs-Setting nicht einfach für das amerikanische Publikum plattzusynchronisieren, sondern die Deutschen deutsch, die Franzosen französisch und die Amerikaner englisch sprechen zu lassen (wobei die deutsche Kinofassung leider teilsynchronisiert ist). Als nächstes ist da der illustre Cast: Neben Brad Pitt, Mike Myers und Co. so ziemlich alles, was im deutschen Kino einen Namen hat: von Daniel Brühl über Til Schweiger bis hin zu Bela B. (in einem Mini-Cameo). Ganz großartig Christoph Waltz als Nazi-Bösewicht Hans Landa. Auch August Diehl, sonst immer auf nette schüchterne Figuren abonniert, darf hier sehr überzeugend den fiesen Nazi geben. Christian Berkel hingegen spielt hier ausnahmsweise keinen Nazi wie sonst üblich, sondern einen französischen Barbesitzer. Erstaunlich holprig und unauthentisch wirkt allerdings Diane Krüger in ihrer Rolle als UFA-Filmstar.

Die vielen Schauspieler sind nötig, weil die Protagonisten wie bei Tarantino üblich sterben wie die Fliegen. Kaum ist eine Figur halbwegs eingeführt, fällt sie in der nächsten Szene auch schon einer Storywendung zum Opfer. Die Figurenzeichnung ist äußerst plastisch, während Bösewicht Hans Landa dabei noch halbwegs real wirkt, ist Basterds-Anführer Aldo Raine (Bratt Pitt) schon fast wie eine Comicfigur überzeichnet, was aber durchaus gewollt ist. Laut Tarantino ist Inglorious Basterds ein Spaghetti-Western im Zweiter Weltkriegs-Setting, was den Film sehr treffend charakterisiert. Tarantino gelingen einige sehr packende Szenen, etwa in einem französischen Bauernhaus, in dem sich unter dem Dielenboden eine jüdische Familie versteckt hält, während direkt darüber der Nazi-Scherge sein unerbittliches Verhör Minute um Minute in die Länge zieht. Oder - eine Reminizenz an Tarantinos Reservoir Dogs - ein Zusammentreffen von Nazis und als Nazis maskierten Basterds, bei dem zum Schluß alle Protagonisten eine Knarre aufeinander richten und jeder wartet, wer zuerst schießt. Tarantino reizt in diesen Szenen die Spannung bis zum Schluß aus, verzichtet auf hektische Schnitte oder überhastete Action, und nähert sich nur nervenzerfetzend langsam dem unvermeidlichen Show Down. So langsam, dass der Film auf über zweieinhalb Stunden Spielzeit kommt.

Der illustre Soundtrack vereint einen Tarantino-üblich wilden Stilmix aus aus Rock, Country und Italo-Western Musik (Ennio Morricone). Als Highlight darf David Bowies Cat People die visuell beeindruckendste Szene des Films untermalen.

Tarantino verzichtet darauf, seiner Geschichte eine eindeutige Botschaft mitzugeben und verschließt sich simplen Deutungsmustern. Statt bedeutungsschwangerer Statements hat er sichtlich mehr Spaß an der Konstruktion origineller Szenen oder dem Einfügen optischer oder inszenatorischer Gimmicks. Was dazu führt, dass die Story ein wenig zerfahren und nicht wie aus einem Guss wirkt. Darüber hinaus stößt die unangenehme Perspektive auf, mit der das sadistische Treiben der “Basterds” glorifiziert wird: Man bekommt direkt Mitleid mit den jungen deutschen Soldaten, weil hier Menschen abgeschlachtet werden nicht aufgrund ihrer Untaten, sondern schlicht weil sie die falsche Uniform tragen.

Eine schöne Pointe allerdings, dass der Film sich unter anderem um die UFA-Filmproduktion der Nazis dreht und dabei selbst in den Babelsberger Studios der UFA gedreht wurde.

Inglourious Basterds, USA, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 20.08.2009
7 Punkte


3 Kommentare »

  1. Ich will mir ja eigentlich nicht den Schuh des ewigen Nörglers und Miesmachers anziehen, trotzdem muß ich eingestehen, daß mich seit Pulp Fiction, From Dusk till Dawn und Jackie Brown kein Tarantinofilm mehr rundum befriedigen konnte :D

    Und auch bei IB ist es so, daß einzelne Szenen (die von dir angesprochenen), der Sountrack und (zumindest in weiten Teilen) die schauspielerische Leistung sehr gut gelungen sind, jedoch der Film im Gesamten, als ein Ganzes wahrgenommen, keine Begeisterungsstürme, keine Leidenschaft, keine überschwengliche Stimmung beim Verlassen des Kinos erzeugen konnte.

    Gravatar Image Comment von Koner — 11.01.2010 @ 23:18

  2. In der Tat, das Ganze ist bei Inglourious Basterds irgendwie weniger als die Summe seiner Teile.

    Gravatar Image Comment von Enk — 11.01.2010 @ 23:44

  3. Mir hat der Film sehr gut gefallen. Es hat sich gelohnt zu warten, bis das Lokale Kino eine Aufführung in O-Ton mit Untertitel gezeigt hat. Ich denke ganz synchronisiert hätte der Film mir nicht gefallen. Die Mischung der Sprachen und das Einbringen der kleinen kulturellen Details hat mir an dem Film am besten gefallen. Ich hatte z.B. vorher nie darüber nachgedacht, dass man sich durch eine so kleine Geste wie “3″ zu zeigen, verraten kann.

    Gravatar Image Comment von Flug New York — 14.01.2010 @ 12:27

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