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Im Konzert: Wayne Hussey

abgelegt unter: Musik von Enk am 02.12.2009

Wayne Hussey war mal eine der einflußreichsten Figuren des Gothic Rock (auch wenn er das Label für sich immer abgelehnt hat): Zunächst als Gitarrist und Songschreiber der stilprägenden Sisters of Mercy, später dann mit eigener Band The Mission, bei der es eine Zeit lang so aussah, als könne sie auf den Spuren von U2 oder New Model Army den ganz großen Durchbruch schaffen, mit Major-Plattenvertrag, fanatischer Fanbase und einigen Charterfolgen. Daraus ist dann doch nichts geworden. The Mission haben sich 2008 endgültig aufgelöst, Hussey verkauft (mäßig erfolgreich) seine Gitarren bei Ebay und tourt mit den alten Hits als Solokünstler durch kleine Clubs.

Es hat immer etwas tragisches, einen einst gefeierten Star ein Jahrzehnt später angegraut auf der Bühne stehen zu sehen. Hatte Wayne Hussey vor fünf Jahren auf dem Mera Luna Festival noch eine popstargerecht rotgefärbte Haarpracht, sieht er mit grauen Haaren mittlerweile eher aus wie Hussey seine Oma, trinkt zwischen den Songs Rotwein aus der Flasche und wirkt auch ansonsten so, als wenn er die beste Zeit hinter sich gehabt hat. Was ihn aber nicht davon abhält, ein grandioses Konzert zu geben: Die alten Mission-Songs bringt er auch als Ein-Mann-Akkustik-Version sehr überzeugend rüber, die Gitarre beherrscht Hussey nach wie vor virtuos, und auch der Gesang hat kaum etwas vom Glanz früherer Jahre verloren.

Das Programm läuft zum großen Teil als Wunschkonzert: Hussey spielt auf Zuruf am E-Piano oder an der Gitarre die alten Hits wie Like A Hurricane, Wasteland und Butterfly on a Wheel, oder auf Wunsch auch weniger prominente Nummern wie Kingdom Come. Ganz textsicher ist er bei den alten Songs nicht mehr und blättert zur Vorsicht immer erst die passenden Lyrics auf, aber musikalisch hat er es eindeutig noch drauf. Das ganze angereichert mit ein paar Coverversionen (Bowies Ashes to Ashes oder Never let me down again von Depeche Mode), und sogar ein paar neuen Songs hat er im Gepäck, vollständig auf den Lorbeeren vergangener Tage ausruhen will er sich also nicht. Musikalisch sehr beeindruckend, wie Hussey nur mit seiner Stimme und einem Instrument die Lieder zum Leben erweckt, die eigentlich für deutlich komplexere Arrangements geschrieben wurden, ohne dass das ganze durch die Akkustikgitarre in Lagerfeuerromantik ausartet oder eintönig wird.

Das Publikum ist zwar genauso wenig textsicher wie Hussey selber und schafft es nur bei Butterfly on a Wheel oder Deliverance den Refrain etwas lautstärker mitzusingen, was allerdings auch an der überschaubaren Zuschauerzahl im kleinen Nachtleben liegt. Dem Applaus nach zu urteilen war das Auditorium von Waynes Retro-Stunde schwer begeistert, und Hussey bedankte sich als Zugabe mit einer besonderen Version von “Tower of Strength”, bei der er von Vorband Miles Hunt und Erica Nockalls mit Geige und Zweitgitarre begleitet wurde. Für die wenigen verblieben Fans ein sehr gelungener Abend.

Wayne Hussey, Nachtleben Frankfurt, 30.11.2009


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