Im Konzert: Mesh
Mesh sind wie die deutschen Kollegen von De/Vision mittlerweile schon seit über zehn Jahren im Wave/Synthie-Pop Geschäft, ohne dass der ganz große Durchbruch gelungen ist. Eigentlich verwunderlich, wenn man die immer wieder ausverkauften Depeche Mode Station-Tourneen betrachtet, ein Markt für das Genre ist zweifellos da. Zumindest haben die Briten eine kleine aber treue Fanbase erspielt, und zur aktuellen A Perfect Solution Tour war die Frankfurter Batschkapp zwar nicht ganz ausverkauft, aber sehr gut gefüllt.
Als erster Support betrat zunächst die Ein-Mann-Elektro-Freakshow Janosch Moldau die Bühne. Moldau, diesmal mit schwarzer Federboa geschmückt, durfte auch schon bei De/Vision vor einem halben Jahr am selben Ort nerven, beschränkte sich aber dankenswerterweise auf eine halbe Stunde Spielzeit. Mit der kalifornischen Elektroformation Informatik (ausgesprochen “informäddick”) kam dann ein erstes Highlight auf die Bühne. Genre-mäßig sehr ähnlich wie Mesh zwischen gefälligem Synthie-Pop und härterem Electro-Sound angesiedelt, lieferten die drei Amerikaner trotz einiger technischer Pannen eine gute Show ab. Nur an den Guitar-Hero-artigen Posen müsste Gitarrist Tyler noch ein wenig feilen, das wirkt wie bei Bon Jovi aus den 80ern abgeschaut. Detail am Rande: Sänger David Din ist (neben Elton John und Buddy Holly) einer der ganz wenigen Frontmänner, der mit Brille auf der Bühne steht (wenn man mal vom üblichen Sonnenbrillen-Gepose im Grufti-Lager absieht). Informatik hatten auf jeden Fall schon einmal für ausreichend Stimmung gesorgt, um den Top-Act des Abends zu begrüssen.
Mesh hatten vor allem die Songs ihres neuen Albums A Perfect Solution im Programm. Das neue Material ist Mesh-typisch sehr gefällig und zeigt deutlich mehr Bandbreite als reinen Synthie-Pop. Highlight ist neben der poppigen Vorab-Single “Only Better” das eingängige Duett “Who says” mit Chandeen-Sängerin Julia Beyer. Auf der Bühne musste die Frauenstimme vom Keyboarder übernommen werden, was aber erstaunlich ok war. Neben den neuen Songs waren in den rund zwei Stunden Programm auch noch genug Zeit für bekannten Hits wie “Crash” oder “From this Height”.
Bei Synthie-Bands ist die Live-Performance immer ein wenig schwierig, zwei Typen hinter Keyboards und Laptop sind auf der Bühne nun mal nicht ganz so fesselnd wie ein Haufen Gitarristen oder Bläser. Zumindest gibts bei Mesh ein echtes Schlagzeug, und Sänger Mark Hockings greift ab und zu auch mal selber zur Gitarre. Hockings hat hat eine überragende Live-Stimme, die so präzise und druckvoll rüberkommt wie auf der CD. Allerdings ist er nicht gerade eine Rampensau, die durch ausgefallenen Tanzstil oder charismatische Publikumsanimation auffällt. Hockings steht eher distanziert-kühl auf der Bühne, läuft von links nach rechts und wieder zurück, und spult mit typischer Wollmütze maskiert seine Songs runter. Da Mesh in den Jahren aber ähnlich wie die großen Vorbilder Depeche Mode eine textsichere Fanbasis versammelt haben, ging das Publikum trotzdem gut mit und feierte auch ohne Anheizer auf der Bühne. Was die Briten sichtlich beeindruckt hat und nach der zweiten Zugabe “Friends like These” (zu der vor dem Eingang aufgenommene Fotos der Konzertbesucher eingeblendet wurden) nochmal zu aufrichtigen Dankesbekundungen veranlasste.
Wie jede andere Band hat natürlich auch Mesh ihr Everything Counts: in diesem Fall ist es “It scares me”, bei dem das Publikum den Refrain auch ohne Band noch ein paar Runden weitersingt.
Mesh - A Perfect Solution Tour, Batschkapp Frankfurt, 22.11.2009








