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Filmkritik: The Ugly Truth (Die Nackte Wahrheit)

abgelegt unter: Film von Enk am 05.10.2009
ugly truth
(C) Columbia Pictures

“Was ist falsch an praktisch und effizient?” - “Nichts, außer dass es niemand vögeln will”.

Katherine Heigl spielt eine Karrierefrau, die ihren Mr. Right sucht, aber stattdessen auf einen rüpelhaften Proll triff. Moment, hatten wir das nicht schon mal? Ja genau, hier. Aber weil Knocked Up so ein großer Erfolg war, hat man das ganze gleich noch einmal verfilmt. Und um auf Nummer sicher zu gehen, hat man nochmal kräftig bei der Erfolgskomödie Hitch - der Date Doctor geklaut und als Sahnehäubchen auch noch die Orgasmusszene aus Harry & Sally kopiert (was bei Meg Ryan aber um Längen überzeugender war als bei Katherine Heigl).

Aber eins nach dem anderen: Abby (Katherine Heigl) ist eine karrierebewusste TV-Produzentin, die ihr Leben und ihre Arbeit minutiös plant, und auch auf der Suche nach Mr. Right nichts dem Zufall überlassen will. Mike (Gerard Butler) ist das genaue Gegenteil. Er hat eine erfolgreiche TV-Show als chauvinistischer Beziehungsratgeber, in der er die Dinge explizit beim Namen nennt: Männer wollen nur Sex, besser ein vorgespielter Orgasmus als gar keiner, und die Qualität, die Männer an Frauen am meisten schätzen, sei ein guter Blow Job. Das entspricht so rein gar nicht Abbys Vorstellung von romantischen Beziehungen. Als Abbys Sender Mike als neuen Moderator verpflichtet, geraten die beiden ob ihrer unterschiedlichen Auffassung schnell aneinander. Aber Mike weiss wie die Männer ticken, und so verläßt sich Abby auf ihrer Suche nach dem Traummann notgedrungen doch auf Mikes Ratschläge, um bei ihrem attraktiven Nachbarn Colin (Eric Winter) zu landen, der ihrem Bild von einem Traummann scheinbar perfekt entspricht. Und siehe da: Mikes Hilfe als Date-Doktor wirkt Wunder, gecoacht von Mike gelingt es Abby, mit Traummann Colin zusammenzukommen. Aber da passiert das total überraschende und von keinem Zuschauer vorhergesehene: Mike entdeckt plötzlich, dass er sich selbst zu Abby hingezogen fühlt, und Abby stellt fest, dass ihr Traummann Colin doch nicht der richtige ist, obwohl er alle Kriterien ihrer Checkliste erfüllt. Wer hätte das gedacht.

Die ganze Geschichte ist von vorne bis hinten vorhersehbar. Um das ganze nicht allzu glatt aussehen zu lassen, sind die Dialoge angereichert mit einer Menge anzüglichem Humor über vibrierende Slips, sexuelle Vorlieben und Masturbation.

Wenn man die erste Viertelstunde ertragen hat, in der die schablonenhaften Figuren schmerzhaft klischeegetränkt und vorhersehbar eingeführt werden (”perfekt organisierte aber verklemmte Karrierefrau” trifft “machohaften Proll, der weiß, wie die Frauen ticken aber tief in seinem Herzen doch ein guter Kerl ist”) und einem klar wird, dass hier nichts, aber auch gar nichts aus dem engen rom-com Korsett ausbrechen will, wird der Film mit der Zeit sogar ganz amüsant. Ein paar lustige Einfälle, ein paar ganz spritzige Dialoge und eine Menge anzüglicher Humor, das reicht zumindest, um den Blick nicht dauernd auf die Uhr wandern zu lassen. Aber wer hier erwartet, dass das Skript zum Ende hin auch nur einen Millimeter vom Standard-Drehbuchbaukasten für romantische Komödien abweicht, wird schwer enttäuscht, das unvermeidliche Happy End kommt haargenau so, wie man es sich nach den ersten fünf Minuten zusammenreimen konnte (selbstverständlich mit der “großen Krise” kurz vor Schluß, um nochmal “Spannung” und “Dramatik” aufkommen zu lassen).

Gerard Butler und Katherine Heigl machen ihre Sache im Rahmen des konventionellen Plots sogar ganz charmant. Für Butler ist es nicht der erste Ausflug ins rom-com Genre, er hat aber auch schon unter Beweis gestellt, ganz andere Rollen spielen zu können. Katherine Heigl hingegen tut sich keinen Gefallen, nach Knocked-Up und 27 Dresses nun schon das dritte Mal dasselbe seichte Genre runterzuspulen. Man muss nicht gleich als Kontrastprogramm einen zentnerschweren Problemfilm besetzen (obwohl Anne Hathaway damit sehr viel Erfolg hatte), um aus dem engen Rollenkorsett auszubrechen, aber ein wenig mehr Vielfalt wäre Katherine Heigl dringend anzuraten, sonst ist eine Karriere als ernstzunehmende Schauspielerin arg gefährdet.

The Ugly Truth (Die Nackte Wahrheit), USA 2009 - deutscher Kinostart: 01.10.2009
4 Punkte


1 Kommentar »

  1. solche filme sind ehrlich gesagt nicht meine sache, war sehr interessant für deine meinung zu lesen und bin völlig einverstanden mit dir.

    Gravatar Image Comment von ludwig — 6.10.2009 @ 12:28

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