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Filmkritik: Horst Schlämmer - Isch kandidiere!

abgelegt unter: Film von Enk am 21.09.2009

“Yes Weekend!”

Man merkt Kerkelings Schlämmer-Film an, dass er unbedingt noch vor der Wahl ins Kino sollte und auf Teufel komm raus ohne großes Budget zusammengedreht werden musste. Herausgekommen ist eine Mischung aus klassischer deutscher Komödie und Kerkelings bekannten Überfallnummern, in denen er als Horst Schlämmer echte Politiker interviewt oder unbedarften Passanten auf der Straße auflauert. Gerade bei diesen Nummern ist wie üblich viel Fremdschämen angesagt, vor allem für Politiker wie Cem Özdemir, die krampfhaft versuchen, mit Schlämmer mitzuwitzeln, um ja nicht humorlos zu wirken, damit aber natürlich eine umso armseligere Figur abgeben. Deutlich souveräner zieht sich Jürgen Rüttgers aus der Affäre, dem man zwar die Angst ansieht, bloss in kein Fettnäpfchen zu tappen, der aber das Kalauern zum Glück Schlämmer überlässt.

Wie bei deutschen Komödien üblich, wimmelt es von Gaststars und Cameos, von Frauke Ludowig über Jürgen Drews bis zu Bernhard Brink, der auch gleich einen (unlustigen) Song zum Soundtrack beisteuern durfte. Deutlich witziger ist der Wahlsong, den Bushido mit Schlämmer einspielt (”HSP holt die Gangsta ans Mike”), und sehr geil auch das Musikvideo dazu, in dem die beiden in klischeehaftester Hip-Hip-Optik durch Berlin cruisen.

Ein Totalausfall ist Kerkelings Sidekick Simon Gosejohann, der in seinen Fernsehsendungen eigentlich sehr witzig und symphatisch rüberkommt, hier aber noch peinlicher agiert als Starlet Alexandra Kamp. Simon hat genau eine gute Pointe (”Ich bin Kay One” - “Und ich bin hetero”) und wirkt ansonsten wie ein krampfhaft bemühter Laiendarsteller. Schauspielerisch überzeugen kann eigentlich nur Kerkeling in seinen verschiedenen Rollen und Parodien (brillant vor allem als Ronald Pofalla oder Angela Merkel), und vielleicht noch Maren Kroymann als rheinische Dauerschützenkönigin.

Das Problem bei der Figur Horst Schlämmer ist, dass sich der Witz auf wenige immergleiche Sprüche konzentriert (”Isch hab Rücken”, “weisste bescheid”), die sich sehr schnell verbrauchen und langweilig werden. Die dünne Story dient genre-üblich nur da zu, die verschiedenen Comedy-Nummern lose miteinander zu verbinden, von denen viele nur mäßig lustiges bis albernes Füllmaterial sind. Auf eine Dreiviertelstunde zusammengedampft als Wahlspecial im Fernsehen wäre das ganze durchaus großes Kino. Mit fast 100 Minuten Spielzeit auf Kinoformat aufgeblasen ist der Film nur unteres Mittelmaß: Die vielen Längen und Peinlichkeiten zeigen sich leider überdeutlich, und nur durch eine handvoll wirklich guter Pointen, die sich über die Spielzeit verteilen, bleibt das ganze halbwegs erträglich.

Horst Schlämmer - Isch kandidiere!, Deutschland 2009 - deutscher Kinostart: 20.08.2008
4 Punkte


1 Kommentar »

  1. Ein nur bedingt unterhaltsamer und über weite Strecken überaus berechenbarer/berechnender Streifen. Ich empfehle den in meinen Augen weitaus besseren Streifen zur Wahl: den “Partei-Film” -> http://www.parteifilm.de

    Gravatar Image Comment von Emph — 25.09.2009 @ 9:56

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