Filmkritik: Fanboys
Wir schreiben das Jahr 1998 - alle Science Fiction Fans fiebern dem ersten Star Wars Film der Neuzeit (Episode I) entgegen. Auch die Kumpels Eric, Linus, Hutch und Windows, die seit der Grundschule von Lichtschwertern, Wookies und Prinzessin Leia träumen. Weil sie nicht mehr sechs Monate auf die Premiere warten wollen (und weil Linus schwer krank ist und nur noch drei Monate zu leben hat), machen sie sich auf den Weg zur 1000 Kilometer entfernten Skywalker Ranch von George Lucas, um eine Vorabkopie des Streifens zu klauen. Aus diesem Setting entwickelt sich ein Road Movie irgendwo zwischen Teenager-Humor a la American Pie oder Ferris macht Blau und subversiver Independent-Komödie im Stil von Clerks.
Der Film ist natürlich gespickt mit Anspielungen und Zitaten aus dem gesamten Popkultur-Kosmos. Ich vermute mal, dass für echte Star-Wars-Geeks noch ein ganzer Sack nicht-so-versteckter Anspielungen und In-Jokes in die Szenen gepackt worden ist, die sich mir mangels tiefergehendem Interesses an Star Wars nicht erschlossen haben. Denn wie sagt der weise SpielerZwei doch immer: “Star Wars ist Gebrüder Grimm im Weltraum”, und Märchen sind nicht so meine Baustelle. Glücklicherweise gibt es auch genug Gags, die sich ohne Detailkenntnisse des Lucas-Universums erschließen. Die Skywalker-Ranch ist genau so, wie es sich das Nerd-Herz vorstellt - mit den heiligsten Filmdevotionalien von Star Wars, Indiana Jones & Co, Science-Fiction-gerechten Sicherheitsvorkehrungen und Yoda als Fahrstuhl-Stimme.
Natürlich dürfen auch Jokes über die Erzfeindschaft zwischen Star Trek und Star Wars Fans nicht fehlen, was ganz amüsant ist, aber sich ein wenig zu sehr im Nerd Humor verliert. So richtig gut kommen auf jeden Fall beide Fraktionen nicht weg beim “wer ist der größere Freak”-Wettbewerb.
Speaking of Popkultur: Es gibt eine ganze Reihe sehenswerter Cameos, von Carry “Leia” Fisher bis William “Kirk” Shatner (der sich ja auch schon an anderer Stelle über George Lucas lustig gemacht hat). Und natürlich darf auch Kevin Smith in diesem Szenario nicht fehlen (als Silent Bob, der selbstverständlich seinen Kumpel Jay dabei hat). Harry “Aint it cool News” Knowles hingegen hat sich einen echten Cameo Auftritt nicht zugetraut und wird von einem Schauspieler gedoubled.
Fanboys erzählt eine sehr konventionelle Story mit recht schablonenhaft zusammengestellten Figuren, angereichert mit viel Nerd-Philosophie (”du must deinen Todesstern finden”), Filmzitaten und pubertärem Humor, und immer mal wieder einem zündenden Witz. Dazu die üblichen Coming-of-Age Zutaten wie ein Vater-Sohn-Konflikt und dem Zwispalt zwischen Erwachsenwerden und Festhalten an den Idealen der Jugend.
Der Film trifft dabei den richtigen Ton zwischen sich lustigmachen über die grotesken Fanboy-Auswüchse von Science-Fiction Jüngern, ehrlicher Würdigung des Star Wars Kults und augenzwinkernder Selbstironie, die nicht aus den Augen verliert, dass das alles nur ein Film ist. Kurzweilig inszeniert, mit der einen oder anderen wirklich netten Idee, wenn auch der letzte Biss fehlt.
Ach ja, by the way: Han Solo ist eine Schlampe.
Fanboys, USA 2008 - deutscher Kinostart: 30.07.2009










Han Solo is keine Schlampe!