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Filmkritik: A Good Year (Ein gutes Jahr)

abgelegt unter: Film von Enk am 17.07.2009

“So the house is falling apart and vineyard makes undrinkable wine.” - und das Drehbuch ist auch nicht viel besser.

Ein erfolgreicher Investmentbanker aus London erbt von seinem Onkel ein Weingut in der Provence. Er reist nach Frankreich um das Gut so schnell wie möglich zu Geld zu machen. Durch widrige Umstände muss er länger bleiben als geplant und verliebt sich in das Weingut und die hübsche Dorfschönheit. Er gibt sein zynisches Bankerdasein auf, wird lebensfroher Winzer, und wenn sie nicht gestorben sind… oh, da hab ich doch aus Versehen schon die ganze Geschichte ausgeplaudert, mit all ihren überraschenden Wendungen.

Im Zentrum von A Good Year steht allerdings auch weniger die schlichte Story oder Hauptdarsteller Russell Crowe. Eigentlicher Hauptdarsteller ist die französische Provence. Die Szenen werden bestimmt von perfekt ausgeleuchteten südfranzösischen Landschaften, alten Weingütern und pittoresken Städtchen, die in goldgelbes Sonnenlicht getaucht sind. Dieses Postkartenmotive könnten auch 1:1 einem Werbefilm des französischen Tourismusverbandes entstammen. Dass die Landschaft so perfekt in Szene gesetzt wurde, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Regisseur Ridley Scott selbst ein Weingut in der Provence besitzt. Und Peter Mayle, der die Romanvorlage zu A Good Year geschrieben hat, hat schon mit A Year in Provence den Klassiker südfranzösischer Reiseliteratur geschrieben.

Ridley Scott hat die vorhersehbare Geschichte völlig überraschungsfrei inszeniert, ohne ein Klischee auszulassen: Die Investmentbanker sind kalt und karrieregeil, die französischen Winzer bodenständig und haben das Herz am rechten Fleck, und die französischen Frauen hübsch und eigensinnig. Damit auch jeder den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen kalter Londoner Geschäftswelt und “savoir vivre” in Südfrankreich auf den ersten Blick sieht, sind die Szenen in der Londoner City in kühles blau-grau getaucht, im Kontrast zum gold-braunen Bilderrausch in der Provence.

Ein wenig irritierend ist die Rollenbesetzung: Protagonist Max (Russell Crowe) und sein love interest Fanny (Marion Cotillard) sollen der Geschichte nach etwa gleich alt sein, Max sieht aber gefühlte 15 Jahre älter aus (tatsächlich ist Crowe 11 Jahre älter als Marion Cotillard). Das Verwalter-Ehepaar, das Max angeblich schon seit seiner Kindheit auf dem Weingut kennt, wirkt hingegen kaum älter als er (und ist es auch nicht, die Schauspieler sind nur ein bzw. drei Jahre älter als Crowe).

Bleiben die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und Bilder aus der Provence. Frankophil veranlagte Zuschauer, die sich nicht an dem einen oder anderen platten Klischee stören und über die seichte Story hinwegsehen können, kommen bei A Good Year sicher auf ihre Kosten. Jenseits der landschaftlichen Schauwerte ist das Ganze allerdings nur sehr begrenzt überzeugend.

A Good Year (Ein gutes Jahr), USA 2006 - deutscher Kinostart: 09.11.2006
4 Punkte


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