Filmkritik: Let’s make Money
Wie fängt man wohl einen Film an, der Let’s make Money heißt? Genau: mit Bildern aus der Gelddruckerei, wo Bogen um Bogen frische Geldscheine aus der Presse laufen. So schlicht und vorhersehbar geht es dann leider auch weiter im Essay-Film des Österreichers Erwin Wagenhofer. Wagenhöfer versucht mit plakativen Mitteln, die komplexen Zusammenhänge der globalisierten Wirtschaft auf einen einfachen Nenner zu bringen, und die katastrophalen Auswirkungen der Globalisierung auf die Menschen zu demonstrieren.
Wie schon bei seinem letzten Werk We feed the world kommt Wagenhöfer ohne Off-Sprecher aus - wenn die Dokumentarszenen nicht für sich selbst sprechen, wird per Einblendung die Message verkündet: Wir sehen z.B. eine Goldmine in Ghana, begleiten das Gold bis in die Schweiz, wo es in Barren gegossen wird. Die Szene endet mit der Einblendung “Verteilung: 3% für Afrika, 97% für den Westen”. Was genau diese 3% sind, wer “Der Westen” ist, etc., darf sich der Zuschauer selbst zusammenreimen, allzuviel Differenzierung und Sachlichkeit darf man hier nicht erwarten. Die Argumentation ist schlicht und stark vereinfachend. Dafür wartet Let’s make Money mit einer Reihe bemerkenswerter Szenen rund um den Globus auf, von riesigen leerstehenden Wohnanlagen in Spanien, indischen Fabriken inmitten von Slums oder ausgetrockneten Baumwollfeldern in Burkina Faso, und zeigt entlarvende Interviews von Protagonisten wie dem Finanzminister der Steueroase Jersey oder einem Fondsmanager in Singapur, die in überraschender Offenheit ohne einen Hauch von Selbstkritik über ihr Treiben reflektieren.
Gedreht wurde Let’s make Money, bevor die Finanz- und Wirtschaftskrise in voller Wucht ausgebrochen ist. Viele der hier gezeigten Aussagen sind rückblickend nicht ohne Ironie. Dennoch hat auch Wagenhofer die Entwicklung nicht kommen sehen: Er prangert hier weniger an, dass die globale Wirtschaft auf einer gigantischen Blase gebaut worden ist, die zu platzen droht. Es geht ihm um die moralisch fragwürdigen Methoden der globalisierten Wirtschaft, nicht um die rückblickend auch ökonomische Fragwürdigkeit des ganze Systems. Insofern ist seine zu kurz greifende Kritik mittlerweile von der Realität überholt worden. Die Globalisierung ist nicht (primär) aufgrund ihrer moralischen Fragwürdigkeit aus der Bahn geraten, sondern weil die zugrundeliegenden ökonomischen Prinzipien dauerhaft nicht funktioniert haben.
Wenn man die Prämisse akzeptiert, dass Let’s make Money kein abwägender Dokumentarfilm sein will sondern eine klar Stellung beziehende Polemik, ist der Film durchaus sehenswert. Allerdings ist die Argumentation hier bei weitem nicht so überzeugend wie im Vorgänger We feed the World. Nicht zuletzt, weil die hier geschilderten Auswüchse des globalen Kapitalismus durch die Wirtschaftskrise mittlerweile schon zu oft durch die Medien gegangen sind, als dass Wagenhöfer hier noch wirklich überraschen kann.
Let’s make Money, Österreich 2008, deutscher Kinostart: 30.10.2008










