Filmkritik: Changeling (Der fremde Sohn)
Los Angeles in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: Die alleinerziehende Christine (Angelina Jolie) arbeitet als Schichtleiterin in einer Telefongesellschaft. Als sie eines Abends nach Hause kommt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter verschwunden. Fünf Monate später findet die Polizei einen Jungen, auf den die Beschreibung passt und der sich als Walter ausgibt. Nur erkennt Christine dieses Kind nicht als ihren Sohn an, so sehr Polizei und Behörden sie auch vom Gegenteil überzeugen wollen.
Anfangs sieht es so aus, als wenn der Film in den folgenden zwei Stunden sehr vorhersehbar die naheliegende Geschichte runterspulen wird: Eine resolute Frau, die gegen alle Widerstände für ihren Sohn kämpft und am Ende gewinnt. Und größtenteils kommt es auch so, allerdings befreit sich die Story in den über 140 Minuten Spielzeit aus dem engen Korsett des “vertauschter Sohn”-Motivs. Es geht um Korruption und Filz in der Polizei, um ein schreckliches Verbrechen, um Gerichtsverfahren und engagierte Plädoyers, um Todesstrafe und gruselige psychatrische Anstalten. Zwischenzeitlich verliert das ganze ein wenig den Fokus, die Vielzahl an Handlungssträngen und Nebenschauplätzen sorgt aber dafür, dass das ganze nicht so vorhersehbar und langweilig wird, wie die ersten Minuten befürchten lassen.
Das Storygerüst klingt sehr konstruiert, beruht aber auf wahren Begebenheiten. Was der Film gut macht ist bis zum Schluß offenzuhalten, ob es ein wirkliches Happy End gibt, trotz aller frühzeitigen Indizien für das Gegenteil.
Die schauspielerische Leistung ist durchweg solide, Angelina Jolie wird ihrer Rolle erstaunlich gerecht, und spielt die kämpferische Christine wohltuend zurückhaltend. Erstaunlich zurückgenommen diesmal auch John Malkovitch als Reverent Briegleb, der Christine zur Seite steht, während auf der Gegenseite Jeffrey Donovan als aalglatter Polizist J.J. Jones überzeugt. Ein wenig over the top, aber immer noch sehenswert Jason Butler Harner als nicht ganz zurechnungsfähiger Bösewicht. Die Ausstattung ist Eastwood-untypisch sehr aufwändig, die historischen Straßenzüge von Los Angeles sind sehenswert in Szene gesetzt und es wurde viel Wert auf epochengerechte Garderobe gelegt- schönes Ausstattungskino also.
Wie immer neigt Regisseur Clint Eastwood nicht zu subtiler Story- und Charakterzeichnung sondern bevorzugt plakative Farben: ob es um Zwangsmaßnahmen in der Psychatrie oder Hinrichtungsszenen geht, wenn er die Wahl hat zwischen feiner Differenzierung oder Dramatik und Emotion, entscheidet er sich immer für letzteres, zum Glück ohne dabei zu platt oder einfältig zu werden und das ganze in Pathos zu ersticken.
Changeling (Der fremde Sohn), USA 2008, deutscher Kinostart: 22. Januar 2009











Das klingt schon sehr gut.Angelina mag ich sehr..Es scheint also ein toller Stück zu sein.Bin schon mal gespannt.Danke für die Infos.