Filmkritik: The Boy in the striped pyjamas (Der Junge im gestreiften Pyjama)

(C) Walt Disney Motion Pictures
Und mal wieder ein Nazi/Holocaust-Rührstück aus angloamerikanischer Produktion. Das Setting läßt schlimmsten Kitsch und Melodram erwarten: Sohn eines Nazikommandanten freundet sich mit gleichaltrigem Jungen an, der im KZ inhaftiert ist. Und schon das Intro macht klar, dass es hier nicht gerade subtil zur Sache geht, sondern einfache plakative Bilder im Vordergrund stehen: Während bei Familie Nazi in der Luxusvilla große Festvorbereitungen laufen, und der Junge des Hauses unbeschwert durch die Stadt tollt, schwenkt die Kamera auf eine direkt nebenan verlaufende Deportation, bei der von Nazischergen und bellenden Schäferhunden Menschen auf Transportlaster gescheucht werden. Viel platter kann man sowas kaum darstellen. Zugegebenermaßen in visuell geschickt inszenierten Bildern, stilvoller Ausleuchtung und virtuosen Kamerafahrten. Was allerdings anfangs nach großem Ausstattungskino aussieht, entwickelt sich in der Folge zu einem schlichten Kammerspiel mit den immerwährend gleichen Einstellungen.
Deutschland Anfang der 40er Jahre: Der achtjährige Bruno muss aus Berlin wegziehen, weil sein Vater, ein hoher Offizier, versetzt wird ins entfernte Auschwitz. Bruno gefällt die abgeschiedene neue Heimat nicht, er hat keine Spielkameraden mehr und beginnt aus Langeweile, die Gegend zu erforschen. Er entdeckt das nahegelegene Konzentrationslager, das er zunächst für einen Bauernhof hält, und freundet sich dort durch den Zaun mit dem gleichaltrigen Shmuel an. Bruno versteht nicht, warum die Lagerinsassen so lustige gestreifte Pyjamas tragen müssen und komische Spiele zu spielen scheinen, und warum Shmuel so großen Hunger hat.
Die Idee, den kleinen gutgläubigen Bruno scheinbar ganz naive Fragen stellen zu lassen (”warum tragt ihr alle Pyjamas”, “in diesem Schornstein, was verbrennt ihr da”), um damit den Wahnsinn der Nazi-Herrschaft auf den Punkt zu bringen, hat sich sehr schnell verbraucht und wirkt von Beginn an gezwungen und konstruiert - leider bestimmt dieser Einfall als tragendes Element weite Strecken des Films und der Dialoge. Überhaupt sind die Dialoge hölzern bis platt, und die Figuren bleiben blutleer.
Die Inszenierung des Briten Mark Herman strotzt vor Platitütden und Trivial-Symbolik. Da geht der Schreibtischtäter mit einem dramatischen Federstrich zu Werke, die Nazi-Familie sitzt am reich gedeckten Tisch während der ausgemergelte KZ-Häftling in gestreifter Insassenuniform direkt daneben Kartoffeln schälen muss, der kleine Junge schaukelt fröhlich im Garten, während vom KZ-Schornstein am Horizont schwarzer Rauch aufsteigt. Anders als deutsche Historiendramen, die in der Regel peinlich genau um Authentizität und historische Korrektheit bemüht sind, hält sich Herman auch nicht lange mit geschichtlichen Feinheiten auf und biegt sich die Fakten so zurecht, wie er sie in der Geschichte gerade braucht - diese historische Unbedarftheit ist auch schon dem zugrundeliegendem Roman des irischen Autors John Boyne angekreidet worden, der mehr ein Märchen ist als dokumentarische Aufarbeitung.
Was das ganze zumindest noch halbwegs sehenswert macht, ist dass die triviale Geschichte schnörkellos und leicht zugänglich erzählt wird, viel Nachdenken braucht man als Zuschauer nicht, alles wird schön vorgekaut und in theatralischen Bildern inszeniert, damit auch kein Zweifel an der richtigen Deutung entstehen kann. Überraschend und durchaus beeindruckend ist allerdings das Ende, das ich der Story in dieser Konsequenz und Dramatik gar nicht zugetraut hätte. Keine Ausflüchte und Seitenausgänge, was als belehrendes Historienstück begonnen hat, zieht hier alle emotionalen Register, nicht gerade subtil, aber sehr effektiv.
The Boy in the striped pyjamas (Der Junge im gestreiften Pyjama), USA, Großbritannien 2008 - deutscher Kinostart: 07.05.2009









..sah ich ganz genauso!
) wurde absolut schlecht dargestellt..;-)
das ende hat den film wirklich noch gerettet! und der kleine “schmul” (was für ein name
grüße aus berlin
ich sags ja immer, wir sind seelenverwandt.