Filmkritik: Notes on a Scandal (Tagebuch eines Skandals)
(C) Fox Searchlight Pictures
Psychodrama mit einer überragende Judi Dench, die für ihre Rolle zu Recht mit dem Oscar nominiert wurde. Kennt man Dench vor allem als elegante Lady “M” aus James Bond, spielt sie hier eine ganz andere Rolle: eine vereinsamte verbitterte Frau mit Stalker-Anwandlungen. Und Dench schafft es, dieser eigentlich recht klischeehaften und eindimensional angelegten Figur eine Tiefe und Glaubwürdigkeit zu geben, die beeindruckend ist.
Die alleinstehende Barbara (Judi Dench) ist Lehrerin an einer Londoner Schule. Sie hat sich durch ihre ruppige Art Respekt bei den Schülern und beim Direktor verschafft, hält damit aber auch ihre Kollegen auf Distanz. Als an der Schule die attraktive Sheba (Cate Blanchett) anfängt, entdeckt Barbara in ihr all das, was sie nicht ist oder in ihrem Leben nie erreicht hat: Sheba ist jung, gutaussehend, hat einen Mann und Kinder, eine aufregende Jugend gehabt, ist locker und lebensfroh. Barbara ist fasziniert von ihr, und versucht mit aller Macht, Shebas Freundschaft zu gewinnen und an ihrem Leben teilzuhaben.
Die Geschichte wird weitgehend erzählt aus der Perspektive der Barbara, die in ihrem Tagebuch minutiös festhält, wie sie sich Sheba nähert und in ihr Leben einschleicht. Sheba ist wie aus einer anderen Welt, und in ihren Aufzeichnungen seziert und analysiert Barbara Shebas Handlungen wie bei einem exotischen Tier. Als Barbara erfährt, dass Sheba eine Affäre mit einem minderjährigen Schüler hat, hat sie damit das notwendige Druckmittel in der Hand, um Sheba ihre “Freundschaft” aufzuzwingen. Die tiefen Kluft zwischen der Welt von Barbara und Sheba, die Barbara durch die erzwungene Freundschaft mit aller Macht überbrücken will, ist nicht zuletzt eine Klassenfrage: Sheba kommt aus gutem Hause, lebt in wohlhabenden Verhältnissen, wärend Barbara Zeit ihres Lebens einfache Lehrerin war und in einer Souterrain-Wohnung mit ihrer Katze dahinvegetiert.
Der Soundtrack von Philip Glass ist ganz nett und unterstreicht die Stimmung des Films gut, eine Oscar-Nominierung hätte es allerdings nicht unbedingt dafür geben müssen - da hat wohl vor allem der große Name für die Nominierung gesorgt. Der übrige Cast ist u.a. mit Cate Blanchett und Bill Nighy auch hochkarätig besetzt, aber Dench beherrscht eindeutig die Szenen.
Ein interessanter Aspekt der Geschichte ist, dass der Bösewicht hier nicht die Lehrerin ist, die Sex mit einem Minderjährigen hat, sondern die mitwissende Kollegin, die ihr Wissen zur Erpressung ausnutzt. Bemerkenswert vor allem, weil die Figur der Sheba die klassischen Ausreden und Entschuldigungen für ihr Verhalten anbringt (”der Junge ist viel reifer für sein Alter”…”wollte es doch auch”… etc.), aber damit hier zumindest halbwegs durchkommt. Scheint einen großen Unterschied zu machen, ob es Männer oder Frauen sind, die sich auf Sex mit Minderjährigen einlassen.
Notes on a Scandal (Tagebuch eines Skandals), Großbritannien 2006 - deutscher Kinostart: 22.02.2007








