Filmkritik: Wild Child
Überdrehte Tennie-Komödie um ein verzogenes amerikanische Gör aus reichem Haus, das auf ein strenges englisches Internat geschickt wird, um Manieren zu lernen.
Die Figur der Poppy (Emma Roberts) ist recht deutlich von Paris Hilton inspiriert. Die ersten Szenen der überspitzt karikierten Kapriolen des verwöhnten Luxustöchterchens lassen schlimmstes befürchten, die Figuren erscheinen schablonenhaft und die Inszenierung ist extrem affektiert. Aber nachdem Poppys Vater (Aidan Quinn) die Reißleine zieht und Poppy nach England ins Internat schickt, wird Tonart etwas weniger schrill. Das strenge Mädcheninternat entspricht zwar ähnlich vielen Klischees wie die kalifornische Paris Hilton Inszenierung davor (”What is this Place - Hogwarts?”), aber die Dialoge werden ein wenig weniger platt, und die Figuren bekommen ein wenig mehr Tiefe. Auch wenn die Geschichte sehr vorhersehbar verläuft: Nach anfänglichen Anpassungproblemen findet Poppy echte Freundinnen unter ihren Mitschülern, aber natürlich auch Feindinnen, allem voran die borniert-aristokratische Harriet (Georgia King), die den unvermeidlichen Schul-Bully gibt. Poppys neue Freundinnen wollen ihr helfen, von der Schule zu fliegen um zurück in die USA zu kommen. Aber dabei verliebt sich Poppy in den smarten Sohn der Schuldirektorin, und die Perspektive, auf dem Internat zu bleiben, ist auf einmal gar nicht mehr so unattraktiv. Dazwischen eine Menge klassischer Pennäler-Streiche, Romanzen und Teenie-Schwärmereien, fertig ist der kurzweilige Mädchen-Film.
Hauptdarstellerin Emma Roberts macht ihre Sache ganz charmant, zumindest wenn ihr die Rolle im Laufe der Geschichte etwas mehr Freiheit läßt als die der affektierten Klischee-Zicke, als die sie anfangs angelegt ist.
Eine Menge Witz wird aus dem dem Gegensatz zwischen amerikanischer Oberflächlichkeit und englisch-aristokratischer Spießigkeit gezogen, auch und gerade weil das England von “Wild Child” natürlich eine klischeeüberladene Hollywood-Version ist, in der die Mädchen Schuluniformen tragen, Lacrosse spielen, und man im offenen Roadster durch grüne Landschaften fährt.
So überzeichnet wie die Charaktere und Dialoge sind, blitzt doch ab und zu mal ein wenig hintergründiger Witz durch. Hinter der oberflächlichen Komödie steckt durchaus subersiver Humor - natürlich alles im Rahmen einer Teenie-kompatiblen Komödie. Die vorhersehbare Geschichte ist durchaus rasant und unterhaltsam inszeniert, mit zielgruppengerechtem Soundtrack von Nelly Furtado, Rihanna und Timbaland.
Wild Child, USA 2008 - deutscher Kinostart: 18.12.2008









