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Im Konzert: Apoptygma Berzerk

abgelegt unter: Musik von Enk am 19.02.2009

Apoptygma Berzerk haben es mehr noch als ihre skandinavischen future pop Kollegen von Covenant geschafft, nach Jahren der Szene-Bekanntheit in letzter Zeit auch in den regulären Charts erfolgreich zu sein. Das letzte Album You and Me against the World hatte mit In this Together oder dem House of Love Cover Shine On ein paar veritable Hits, was nicht zuletzt daran lag, dass man sich soundmäßig ein wenig mehr dem radiokompatiblen Mainstream angepasst hat. Das neue Album Rocket Science ist der wenig überraschende Versuch, da weiterzumachen wo man aufgehört hat, was allerdings zu einem etwas unspektakulären und risikolosen Songpaket geführt hat. Auf der dazugehörigen Tour steht aber zum Glück nicht ausschließlich das aktuelle Material im Mittelpunkt, die Norweger verlassen sich vor allem auf ihre Hits der letzten zwanzig Jahre.

Live sind Stephan Groth und Kollegen immer sehenswert, ob auf einem verregneten Uni-Open Air vor 100 Studenten, oder vor 20.000 Szenefans auf dem Mera Luna Festival. Groth ist eine Rampensau, die unabhängig von Saalgröße oder Zuschauerzahl Gas gibt, und das Publikum zieht in der Regel bereitwillig mit. Das Mainzer KUZ war gut gefüllt, wenn auch nicht so voll wie ein paar Wochen vorher bei Heppner. Der Altersschnitt lag locker bei über Dreissig, was bei den Charterfolgen des letzten Apoptygma-Albums durchaus überraschend war. Das Publikum war gut aufgelegt und ging bezeichnenderweise vor allen bei den Kirmestechno-Knallern Eclipse, Until the End of the World oder dem O Fortuna Cover Love never Dies gut mit. Da hätte bei Groths Mitmach-Aufforderungen oft nur noch ein “Hyper Hyper” gefehlt. Netterweise sagt er bei vielen Stücken gleich die Stilrichtung an (”you want some old school?” “how about some future pop?”), damit sich die Zuschauer drauf einstellen können…

Der Livesound ist deutlich härter und treibender als die Studioversionen, auch ein ruhiges Stück wie Lost in Translation vom letzten Album wird live durch verstärkten E-Gitarren-Einsatz zur Dancefloor-Nummer. Leider neigen Apoptygma dazu, die Regler immer bis zum Anschlag hochzuziehen, was nicht nur arg auf die Ohren geht, sondern den Sound übersteuert und breiig werden läßt. Als einziges ruhiges Stück fiel aus der Setlist ein hörenswertes Cover von New Orders Bizarre Love Triangle heraus, bei dem Groth nur vom Piano begleitet bewies, dass seine Livestimme über jeden Zweifel erhaben ist. Dafür sah er zu fortschreitender Stunde mit verschmiertem Augen-Makeup, strähnigem Haar und entrücktem Blick ein wenig aus wie Heath Ledgers Joker aus The Dark Knight.

Ganz gut in den Abend passte übrigens die Vorband “The Anix” aus Kalifornien, die mit gitarrenlastigem Alternative Rock einen guten Kontrast zum Apoptygma Sound boten, ohne das Publikum damit zu verschrecken.

Apoptygma Berzerk - Rocket Science Tour, KUZ Mainz, 17.02.2009


1 Kommentar »

  1. Die aktuelle CD von denen ist ja mal ganz große Zuckerwatten-Scheisse. Selten so einen schlechten 80er-Retro-Mist gehört.
    Kaum zu glauben, was aus denen geworden ist…

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 28.02.2009 @ 20:59

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