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Filmkritik: Valkyrie (Operation Walküre)

abgelegt unter: Film von Enk am 09.02.2009

“Any problem on Earth can be solved with the careful application of high explosives.”

Widerstand ist zwecklos - kann aber ganz unterhaltsam sein. So etwa läßt sich Tom Cruises Stauffenberg Drama Valkyrie auf den Punkt bringen. Was ist nicht alles im Vorfeld des Films gemutmaßt worden: ein trivialer Action-Reißer, der das Dritte Reich als Kulisse mißbraucht, ein bahnbrechendes Werk, das das Bild der Deutschen in den USA auf Jahre positiv beeinflussen wird, oder krude Scientology Propaganda, mit der Tom Cruise den Glanz der heroischen Widerstandskämpfer auf seine Sekte übertragen wolle.

Was daraus tatsächlich geworden ist, war bei der Besetzung aber eigentlich naheliegend: Blockbuster-Spezialist Bryan Singer (X-Men, Superman Returns) hat aus der zugrundeliegenden filmreifen Geschichte ein solides spannungsgeladenes Actiondrama auf Hochglanzniveau gemacht, das professionell und technisch einwandfrei produziert ist. Dabei schafft es Singer erstaunlicherweise sogar, trotz bekanntem Ausgang (soviel sei verraten: Hitler überlebt, Stauffenberg nicht) einen Spannungsbogen aufzubauen und die Geschichte fesselnd zu erzählen.

Das Nazi-Setting dient dabei keineswegs nur als Kulisse einer banalen Action-Story, man merkt dem Film aber an, dass er diese Kulisse zumindest bereitwillig auskostet. Die Kamera saugt sich geradezu fest an den Naziuniformen, schwarzen Stiefeln, leuchtend roten Hakenkreuzfahnen und militärischen Aufmärschen. Wenn Major Remer in einem riesigen Schwimmbad mit Hakenkreuz-Intarsien gezeigt wird, oder die Kamera vor dem SS-Hauptquartier durch ein rotes Fahnenmeer taucht, ist der Film durchaus nicht weit entfernt von der vielzitierten Riefenstahl-Optik. Auch die Szenen, in denen Adolf Hitler himself dämonisch von unten gefilmt auf der Leinwand erscheint, lassen die ganze Inszenierung sehr nahe an “nazi porn” rücken (o Gott, was mir das jetzt wieder für Google-traffic einbringt), der unbekümmert auf die Sensationslust und Faszination der Anglo-Amerikaner mit dem Dritten Reich abzielt.

Natürlich ist das kein Guido Knopp Doku-Drama, und in seiner Hollywood-Sprache auch weit entfernt von penibel um Authentizität bemühten deutschen Geschichtsverfilmungen. Bryan Singer neigt erwartungsgemäß nicht zu Subtilität und Differenzierung, sondern teilt mit der groben Kelle aus, es wird recht schamlos trivialisiert und emotionalisiert, zugespitzt und dramatisiert. Und das ist auch ok so, schließlich geht es hier nur in zweiter Linie um Aufklärung und historische Aufarbeitung, in erster Linie aber um Unterhaltung. Dennoch merkt man dem Film an, dass er bei den historischen Fakten halbwegs sauber sein wollte, auch auf Kosten einer nicht ganz so leichtverdaulichen Actionkost: Die Zahl der Protagonisten ist für einen Blockbuster verwirrend hoch, die Story um Einsatzbefehle, Ersatzheer, konkurrierende NS-Organisationen und Befehlsränge für einen historisch völlig unbelasteten Kinogänger durchaus komplex, und man verzichtet auch weitgehend auf die sonst üblichen Standardzutaten eines Blockbusters wie einer reingedichteten Love Story des Helden mit einem attraktiven weiblichen Co-Star (wobei Carice van Houten als Nina von Stauffenberg durchaus hübsch anzusehen ist).

Ganz so trivial hat Singer die Geschichte denn eben nicht heruntergebrochen. Er ist sich der Besonderheit der Stauffenberg’schen Verschwörertruppe sehr bewußt und thematisiert den Konflikt, dass es sich hier nicht um “natürliche” Regimegegner wie Kommunisten oder (Sozial-)Demokraten handelte, sondern um nationalkonservative Kreise, die durchaus nicht zu den Verlierern des Regimes gehörten, sondern es bis in die oberen Führungskreise gebracht hatten. Stauffenberg war kein tadelloser Demokrat, sondern zunächst durchaus ein Unterstützer des Systems mit aus heutiger Sicht nicht gerade politisch korrekten Ansichten. Aber gerade das macht die Faszination aus: Für Stauffenberg und seine Mitstreiter war es keine Trivialität, den geleisteten Eid auf Land und “Führer” zu brechen und etwas zu tun, was auch aus ihrer Perspektive Hochverrat war. Diesem Zwiespalt trägt der Film Rechnung und spricht den inneren Konflikt deutlich an.

Was der Film gut macht, ist trotz naheliegender Glorifizierung Stauffenbergs die Guten und Bösen in dieser Geschichte nicht nur schwarz/weiss zu zeichnen. Beispielsweise wird Otto Ernst Remer, ein überzeugter Nazi, der eine entscheidende Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes spielte, nicht als böses Monster gezeigt, sondern hat sogar einige der wenigen Lacher des Films auf seiner Seite. Friedrich Olbricht hingegen, einer der Drahtzieher des Zwanzigsten Juli, erscheint zeitweilig als ängstlicher Zauderer, der den Erfolg der ganzen Aktion gefährdet.

Die differenzierten Figuren leben natürlich auch von der erstklassige Besetzung, und damit meine ich in erster Linie nicht Tom Cruise, der seine Sache zwar routiniert, aber nicht überragend macht. Es sind vor allem die zwielichtigen Gestalten wie Bill Nighy, der den zögerlichen General Olbricht spielt, Tom Wilkinson als opportunistischer General Fromm, oder auch Thomas Kretschmann als dem Regime treu ergebener Major Remer, die schauspielerisch herausragen. Auch Kenneth Branagh und der auf Nazi-Rollen abonnierte Christian Berkel (Der Untergang, Flammen&Citronen, Black Book) sind gut besetzt. Darüber hinaus gibts in kleinen Nebenrollen noch diverse deutsche Nachwuchsstars wie Matthias “Roter Baron” Schweighöfer und Wotan Wilke Möhring zu entdecken.

Ob Valkyrie über die Kinosaison hinaus irgendeinen Einfluß haben wird, und gar das Deutschlandbild im Ausland nachhaltig positiv beeinflußt, wie das die FAZ vermutet, sei mal dahingestellt (wobei man die gesellschaftlichen Auswirkungen vermeintlich trivialer Popkultur nicht unterschätzen sollte). Was bleibt sind in jedem Fall zwei Stunden gut gemachte Unterhaltung, die die zugrundeliegenden historischen Fakten mit dem notwendigen Respekt behandelt.

Valkyrie (Operation Walküre), USA 2008, deutscher Kinostart: 22.1.09
8 Punkte


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