Hartz4-Empfänger in die Schweiz
Nette Idee - die Internet-Seite come-to-switzerland.com rät Hartz4-Empfängern, doch einfach in die Schweiz zu ziehen. Durch das Abkommen zur Personenfreizügigkeit mit der EU kann jeder Deutsche recht einfach in die Schweiz auswandern, und dort würden “exorbitant höhere Löhne als in der EU bezahlt und die Sozialleistungen sind viel besser”. Gegen einen kleinen Obulus von 3.500 EUR verspricht der Betreiber kompetente Beratung, wie man am besten das Sozialsystem der Schweiz unterwandern kann (”Hartz IV? - Nein danke! Lassen Sie es sich lieber in der Schweiz gutgehen.”).
Was aber wie eine schlichte Abzock-Seite für ahnungslose Hartz IV Empfänger aussieht, ist auf dem zweiten Blick noch etwas dubioser: Merkwürdig ist, dass die Seite zufällig kurz vor einer wichtigen Abstimmung in der Schweiz zur Personenfreizügigkeit aufgetaucht ist. Am 8. Februar wird über die Ausweitung der bestehenden Einreiseregelungen auf die neuen EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien abgestimmt. Sollten die Schweizer dagegen stimmen, werden sämtliche sog. “Bilateralen Abkommen” zwischen der Schweiz und der EU hinfällig. Das wäre durchaus im Interesse einiger rechtsnationaler Gruppierungen, die die Annäherung an die EU wie der Teufel das Weihwasser fürchten. Und wie es der Zufall will, gibt es indirekt Verbindungen zwischen dem deutschen Webseitenbetreiber Markus Gäthke und einem Nationalrat der rechtslastigen Schweizerischen Volkspartei - letzterer ist ein erklärter Gegner der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU und betreibt Webseiten mit so schönen Namen wie www.eu-kritik.ch oder www.ostzuwanderung.ch. Die Referenzen, die die Verbindung zwischen Gäthke und SVP andeuten, sind nach Bekanntwerden auf einmal von Gäthkes Seite verschwunden, derzeit ist seine Agenturseite komplett offline.
Die Vermutung liegt also nahe, dass sich hier schweizer EU-Gegner selber eine Webseite gebastelt haben, um sich dann anschließend öffentlichkeitswirksam über diese skandalöse Seite aufregen zu können. Reimann streitet jede Verantwortung für die Seite ab und vermutet hinter dem ganzen eine Verschwörung durch Linksextreme aus dem Umfeld der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands.
Mittlerweile hat Website-Betreiber Markus Gäthke auf der Seite per Videobotschaft Stellung genommen. Die Seite sei natürlich nicht ernst gemeint sondern als Satire zu verstehen, sei aber nicht im Auftrag oder mit Unterstützung von Abstimmungsgegnern oder -befürwortern aus der Schweiz erstellt worden. Wie glaubwürdig es ist, dass ein kleiner Webdesigner aus Nordrhein-Westfalen mal eben aus Spaß eine brisante Seite über ein sehr schweizerisches Thema erstellt, und diese Seite wundersamerweise auf einmal in den schweizer Medien lanciert wird, sei mal dahingestellt.








