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Filmkritik: Frost/Nixon

abgelegt unter: Film von Enk am 05.02.2009
frost nixon

(C) Universal Pictures

“It’s half a million Dollars for a news interview” - “Yeah, well, what’s the catch?”.

Richard Nixon war bislang der einzige US-Präsident, der nach einer Reihe von Skandalen zurücktreten musste. Fast noch größere Aufregung als die eigentliche Watergate-Affäre um Abhörung von politischen Gegnern, Bestechung und Amtsmißbrauch war die Tatsache, dass Nixon auch nach seinem Rücktritt alle Schuld von sich wies und kein Wort der Entschuldigung fand (und sich auch dank einer Amnestie seines Nachfolgers auch nie juristisch verantworten musste). Erst in einem legendären Fernsehinterview drei Jahre nach seinem Rücktritt brach Nixon sein Schweigen und rang sich dazu durch, Worte des Bedauerns für sein Handeln zu finden.

Die Geschichte dieses Interviews, das angeblich bis heute das meistgesehene politische Fernsehgespräch ist, wurde zum Thema eines Theaterstücks, dass die Auseinandersetzung zwischen Nixon und dem englischen Talkshow-Moderator David Frost dramatisiert. Frost/Nixon wiederum ist die Verfilmung dieses Stücks, und ist mit fünf Nominierungen einer der großen Favoriten für die diesjährige Oscar-Verleihung.

Für mit amerikanischer Geschichte nicht so bewanderte Kinobesucher zeigt der Film zu Beginn nochmal im Zeitraffer die Hintergründe der Watergate-Affäre, über die Richard Nixon gestürzt ist. Es beginnt ein wenig wie ein Doku-Drama von Guido Knopp, mit (gespielten) Interviews, Archivmaterial und nachgestellten Szenen, gerne mit Handkamera gedreht, alles wild durcheinandergeschnitten. Handwerklich gut gemacht, die Szenen haben einen authentischen 70er Jahre Look und kommen sehr dokumentarisch rüber (auch wenn die eine oder andere Frisur für meinen Geschmack ein wenig over-the-top ist). Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Handlung auf die Vorbereitung und Produktion des Interviews, dass sich immer mehr zu einem Zweikampf zwischen Nixon und Interviewer Frost entwickelt.

David Frost, ein leidlich erfolgreicher Moderator, der sich bislang eher für die Bee Gees interessierte als für Politik, erkannte, wieviel Zuschauerinteresse ein großes Interview mit dem gestürzten Nixon bringen würde und sah in dem Interview die große Chance, seine Karriere in den USA zu beflügeln. Für Nixon wiederum war die Vorstellung attraktiv, einem vermeintlich unbedarften Moderator von Unterhaltungssendungen gegenüberzusitzen anstatt einem kritischen Journalisten, der unangenehme Fragen zum Watergate-Skandal stellen würde. Die über einen Zeitraum von zwöf Tagen erfolgte Aufzeichung des Interviews gerät zum großen Schlagabtausch zwischen Frost und Nixon, bei dem es für den einen um die historische Wertung seiner Präsidentschaft, und für den anderen um seine zukünftige Karriere geht, wobei schnell klar wird, dass nur einer als Sieger vom Platz gehen kann.

Eigentlich eine banale Geschichte, Vorbereitung und Durchführung eines - wenn auch legendären - Interviews. Aber Ron Howard, der ansonsten für Blockbuster wie Da Vinci Code oder den dieses Jahr erscheinenden Nachfolger Angels & Demons verantwortlich ist, schafft es, das ganze so spannend zu inszenieren wie einen Thriller. Umso faszinierender, weil amerikanische Geschichte aus europäischer Perspektive nicht gerade zu den spannendsten Themen gehört. Nicht überraschend gab es für Drehbuch und Inszenierung denn auch eine Oscar-Nominierung.

Frank Langella spielt Richard Nixon sehr präsent und mit der nötigen Gravitas, allerdings läßt das Drehbuch nicht viel Spielraum für eine differenzierte Darstellung, was die Figur des Nixon teilweise als allzu trottelig dastehen läßt. Nixon ist der greedy old man, der hauptsächlich an sein eigenes Konto denkt und ansonsten eher ein armseliger selbstgerechter Hanswurst ist, der sich von seinen Beratern manipulieren läßt und keinerlei Skrupel hat. Langella kann man zwar nicht die Schuld für dieses enge Rollenkorsett geben, aber ob seine Darstellung gleich eine Oscar-Nominierung verdient hat, sei mal dahingestellt.

Deutlich überzeugender ist die Figur des David Frost, von Michael Sheen mit einer gelungenen Mischung aus charmantem Playboy und ehrgeizigen Spieler verkörpert. Sheen scheint auf zeithistorische Rollen abonniert zu sein, hatte er doch schon in “The Queen” einen sehr überzeugenden Tony Blair gegeben. Gut besetzt ist auch Kevin Bacon als aalglatter Berater Nixons, der im Hintergrund versucht, die Fäden zu ziehen.

Die Zuspitzung des Duells zwischen Frost und Nixon - dramatisiert in einem nächtlichen Telefonat mit Dialogen wie “I shall be your fiercest adversary … because the limelight can only shine on one of us” - ist ein bisschen dick aufgetragen und passt nicht in den quasi-dokumentarischen Charakter, den der Films über weite Strecken hat. Hier merkt man der Geschichte an, dass sie eigentlich für die Theaterbühne geschrieben wurde. Aber diese etwas zu pathetisch geratene Szene bleibt eine Ausnahme in der ansonsten packenden Inszenierung, die nicht zuletzt von ihren guten Darstellern lebt.

Frost/Nixon, USA 2008 - deutscher Kinostart: 5.2.2009
7 Punkte


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