Filmkritik: Garden State
Melancholischer Film um einen erfolglosen depressiven Jungschauspieler, der für die Beerdigung seiner Mutter von L.A. ins heimatliche New Jersey (”The Garden State”) zurückkehrt, um dort skurrille Geschichten mit alten Bekannten und neuen Freunden in der Provinz zu erleben.
Die Szenen, in denen Large (Zach Braff) seine alte Heimat wiederentdeckt, auf Parties geht, zum Einkaufen, ins Krankenhaus, zu seiner neuen Freundin Samantha (Natalie Portman), wirken zunächst sehr lose aneinandergereiht ohne größeren Handlungsbogen. Hier gelingen Regisseur Zach Braff allerdings ein paar sehr fein orchestrierte Einstellungen, z.B. eine Party im Drogenrausch zu enigmatischer Musik von Zero 7, oder ein nächtliches Bad im Riesen-Swimmingpool. Der 26jährige Large nimmt seit seiner Kindheit Psychopharmaka, und entsprechend benebelt und betäubt schreitet er durchs Leben. Der sehr hörenswerte Soundtrack trägt dabei viel zur trance-artigen Stimmung des Films bei. Nach und nach erfährt man dann doch mehr über den Protagonisten und seine traurige Vergangenheit, das ganze gewinnt Tiefe, und man kann Large geradezu dabei zusehen, wie er aus der jahrelangen Betäubung aufwacht und zu sich selbst findet.
Leider kann sich Braff, der neben Hauptrolle und Regie auch das Drehbuch verantwortet hat, nicht dazu durchringen, das ganze zu einem stimmigen Plot zu verdichten, die Geschichte gefällt sich ein wenig zu sehr in ihrer skurrilen Inszenierung und Verschrobenheit, und vernachlässigt dafür relevante Handlung. Das führt dazu dass Garden State gegen Ende hin einige Längen hat und das Happy End geradezu drangeklatscht wirkt, weil die plötzliche Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit des Protagonisten aus heiterem Himmel hereinbricht und der hollywoodreife Abschluß wie ein Fremdkörper wirkt in einem bis dahin elegisch vor sich hin plätscherndem Film.
Garden State, USA 2004 - deutscher Kinostart: 26.05.2005










Da gehst du aber hart mit dem Film ins Gericht. Für mich ist es einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Allein der Soundtrack ist herausragend. Dazu wunderbare Dialoge und Szenen zum verlieben. Einfach herrlich.
Ja, ich weiß, der Film gilt ja bei vielen als absoluter Klassiker. Ich kann auch durchaus verstehen warum, Soundtrack ist super, viele Szenen sind sehr nett inszeniert, und gerade zu Anfang schafft der Film eine sehr intensive Atmosphäre. Aber letztlich ist es ein Todesurteil für einen Film, wenn ich während der Laufzeit auf die Uhr schaue, und das habe ich in der zweiten Hälfte des Filmes häufiger gemacht, weil mir die Handlungsfetzen ein wenig zu beliebig und dramaturgisch belanglos wurden.
Kann mich bullion nur anschließen, aber die Welt wäre langweilig wenn wir alle die gleiche Meinung hätten und das der Film nicht jedem gefällt kann ich durchaus verstehen dafür ist er doch zu speziell. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann das man sich bei dem Film nicht in Natalie Portman vergucken kann.
Ausserdem möchte ich sagen das ich täglich mindestens einmal auf der üblichen Runde auch deine Seite ansteuer und mich für die ein oder andere von dir empfohlene Perle bedanken.
gern geschehen
Es ist ja fast ein Skandal, dass Du dem Film nur 5/10 gibst. Und der wird noch größer, wenn ich mir Dein nächstes Review (Zeiten des Aufruhrs = 8/10) daneben ansehe…
Du musst mal Deine Affinität Weiberfilmen gegenüber in den Griff bekommen. :-p
Naja, Zeiten des Aufruhrs ist jetzt nicht gerade ein Weiberfilm, sondern eine Literaturverfilmung - trotz Leonardo DiCaprio. Aber, um deine These zu stützen und noch mal ein wenig mehr zu provozieren: Mich hat Hugh Grant in Music&Lyrics erheblich besser unterhalten als Zach Braff in Garden State.