Im Konzert: Peter Heppner
Konzerte von Wolfsheim zeichnen sich nicht gerade durch - sagen wir - mitreissende Bühnenshows aus. Der Technikbeauftragte Markus Reinhardt steht hinter seinem Equipment, und Sänger Peter Heppner hat einen Notenständer vor sich aufgebaut, an dem er das ganze Konzert über nahezu regungslos stehenbleibt und seine Songs runterspult. Das ließ nicht gerade auf actionreiche Performance hoffen, wenn Heppner jetzt nur noch ganz alleine auf der Bühne steht um sein Soloalbum vorzustellen. Aber so allein war er dann doch nicht, Heppner reist mit großem Orchester. Neben zwei Keyboardern (oder heißen die jetzt Macbook-Spieler?) waren noch Gitarrist und Schlagzeuger mit dabei. Auch mit dabei war der obligatorische Notenständer. Nach jedem Song wird schön die Seite umgeblättert, Heppner guckt etwas erstaunt, denkt wohl “ach, den Song soll ich jetzt singen”, und tatsächlich, zwischendurch verhaspelt er sich sogar ein paar mal oder verpasst den Einsatz, wie gut, dass er die Texte zur Sicherheit vor sich stehen hat.
Für die Solo-Tour hatte sich der Veranstalter wohl ursprünglich ein größeres Interesse erhofft, aus den größeren Hallen wie dem Hamburger Docks oder der Mainzer Phoenixhalle ist man kurzerhand in kleinere Clubs gewechselt und einige Termine sind ganz abgesagt worden. Das mag auch am durchaus ambitionierten Ticketpreis gelegen haben - knapp 40 Euro sind in dieser Liga schon gut geboten. Dafür war das deutlich kleinere Mainzer KUZ nahezu ausverkauft.
Man merkte der Band an, dass der Auftritt in Mainz der Tourauftakt war - das Ensemble war noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt, da wurden mal Einsätze verpasst, die Gitarre kam zu laut, oder ein Keyboard-Part verzögert. Die Akkustik im Saal war ausgezeichnet, leider aber wohl nicht für Heppner selbst, der ständig an seinen Monitorstöpseln rumfummelte und immer mal wieder tonmäßig daneben lag, was für den ansonsten ausgezeichneten Livesänger sichtlich irritierend war. Aber Heppner und Co. gingen sehr charmant über die technischen Probleme hinweg, und das Publikum schien es auch mehr zu amüsieren als zu verärgern. Ganz gut passten sich Schlagzeug und Gitarre in die weitgehend elektronischen Arrangements ein, zwar kamen neunzig Prozent der Musik vom Sequencer, aber die live gespielten Percussions und Gitarrenparts waren klar heraushörbar und eine stimmige Ergänzung zum übrigen Sound - leider keine Selbstverständlichkeit bei vorwiegend elektronischen Acts.
Da die zehn Lieder der (sehr gelungenen) ersten Solo-Platte kein abendfüllendes Programm sind, nahm Heppner kurzerhand alle großen Wolfsheim-Hits auf die Liste, von The Sparrows and the Nightingales über Kein Zurück bis zu Once in a Lifetime . Und auch Hits aus der Zusammenarbeit mit Witt, Schiller und Paul van Dyk fehlten nicht. Was im Fall von Witt dazu führte, dass der schmächtige Gitarrist die Zweitstimme übernahm und witt-artig “Wann kommt die Flut” ins Mikro raunte - ein wenig unfreiwillige Komik eingeschlossen.
Heppner ist kein großer Unterhalter und strotzt nicht gerade vor Charisma, sondern kommt eher schüchtern und freundlich rüber. Artig bedankt er sich nach jedem Applaus mit einer kleinen Verbeugung, das ganze hat eher was von einem klassischen Konzert als von einer Rock-Veranstaltung. Das mag auch am Publikum liegen, der Altersschnitt lag bei erstaunlichen Mitte Dreissig, man klatscht höflich, aber zurückhaltend und wippt ansonsten leicht im Takt mit. Das heißt nicht, dass Heppner nicht begeisterte: Nach der offiziellen Setlist reichte der Applaus nochmal für drei Zugaben, und beim Abschluß The Sparrows and the Nightingales riss Heppner gar die Arme vom Notenständer und fordert zum Mitklatschen auf. Ein kleiner Dave Gahan steckt also auch in Peter Heppner…
Peter Heppner - Solo Tour, KUZ Mainz, 16.01.2008








