Mental Savage Header

Filmkritik: Max Payne

abgelegt unter: Film von Enk am 20.11.2008
payne

(C) 20th Century Fox

“What has Max Payne done - except for bringing Misery?” - nun, zumindest ein paar Stunden solide Unterhaltung.

Max Payne ist als Computerspiel ein Klassiker, weil es eines der ersten Spiele war, das die immer leistungsfähiger werdenden Computer nicht nur dafür genutzt hat, in immer höherer Auflösung rumzuballern, sondern vielmehr eine dichte Atmosphäre zu erschaffen und mit allen zur Verfügung stehenden audiovisuellen Mitteln eine Story zu erzählen. Was Max Payne so besonders gemacht hat, war die die düstere Stimmung eines kalten, verschneiten New York, die ungewohnt neue Bildsprache im graphic novel Stil, mit der vielkopierten Bullet-Time, grafisch beeindruckenden Sets, und Vermischung von Real- und Traumwelt, Drogenrausch und Wirklichkeit. Das ganze zusammengehalten von einer mitreissenden Geschichte eines gebrochenen Helden, der seine Leidensgeschichte aus dem Off erzählt. Alles Elemente, die auch für eine filmische Umsetzung vielversprechend sind.

Max Payne erzählt die Geschichte eines einsamen Rächers: Ein New Yorker Polizist, dessen Frau und Kind ermordet worden sind, und der nun nur noch danach trachtet, die Mörder zu finden und zu töten. Seine Suche nach den Tätern führt ihn in die mysteriöse Unterwelt von New York, in der eine teuflische Droge namens Valkyr kursiert. Er stößt auf gewalttätige Gangs, einen mysteriösen Pharmakonzern und Verrat in den eigenen Reihen. Die Faszination des Computerspiels bestand zum großen Teil darin, dass Paynes Tragödie durch die Erzählweise, Rückblenden und Off-Kommentare so glaubhaft vermittelt wurde, dass das Blutbad, das man als Spieler Level um Level anzurichten hatte, als gerechte Strafe erschien, die Identifikation mit der Rächerperspektive des Protagonisten wurde sehr überzeugend vermittelt (und das Spiel war dementsprechend umstritten). Mark Wahlberg als filmischer Max Payne schafft zwar, dem in sich gekehrten schwarz gekleideten Rächer eine durchaus gute Figur zu geben, aber eine solche Faszination wie im Spiel geht von ihm nicht aus, Wahlbergs Payne bleibt eher blass und die Motivation des Schmerzensmanns wird nur scherenschnittartig nachgezeichnet.

Dennoch ist die schauspielerische Leistung nicht schlecht - neben Wahlberg spielen eine Reihe weiterer bekannter Namen mit: ein alt gewordener aber immer noch großartiger Beau Bridges, Chris O’Donnell, Bond Girl Olga Kurylenko, und in einer Gastrolle Nelly Furtado als trauernde Polizistenwitwe - für ihre erste Kinorolle sehr überzeugend übrigens. Auch das Produktionsniveau und die Effekte sind solide. Die stylisch-artifizielle Bildsprache des Computerspiels bestimmt erwartungsgemäß auch die Filmoptik: Dicke Schneeflocken, ultra slow motion, flackernd-düstere Beleuchtung, treibender Soundtrack. Optisch ist Max Payne genau so umgesetzt wie man sich das wünschen konnte. Wem die überhöhte Optik von Sin City, Hitman oder 300 gefällt, der wird auch an Max Payne seine Freude haben. Regisseur John Moore macht hier alles richtig, auch was die Zurückhaltung bei allzu expliziten Splatterszenen angeht: Payne zeigt gut, dass man eine gruselige Actionstory auch ohne Nahaufnahme von abgerissenen Gliedmaßen und Schußwunden erzählen kann. Die Szenen im Drogenrausch sind ein wenig over the top, aber bis auf einen grotesken Löwenschrei von Wahlberg durchaus stimmig. Und für die Verfilmung einen Shooters wird bis zum furiosen Finale erstaunlich wenig geschossen.

Storymäßig ist Max Payne leider nur Mittelmaß. Geschichten, die für ein Computerspiel bahnbrechend und überzeugend sind, wirken nüchtern betrachtet oft überzogen, comichaft und wenig differenziert. Weil in jedem Level neue Gegner und Endgegner erscheinen müssen, neue Waffen, neue Labyrinthlevel in die Story eingeflochten werden müssen, steht oft nicht ein gradliniges Storytelling im Vordergrund, sondern das Strecken der Geschichte auf mehrere Tage Spielzeit. So waren auch viele Level im Computerspiel Max Payne storytechnisch nur Füllmaterial, um weitere Schießereien einzubauen. Und auch in der filmischen Umsetzung scheinen viele Szenen eher davon geleitet, eine stylisches Setting zu zeigen, als die Story voranzutreiben. Die zugrundeliegende Story ist zwar schlüssig und gibt dem zeitweise fantasy-artig wirkenden Elementen von Engeln, Dämonen und dunklen Mächten einen Sinn. Um den Handlungsbogen herum sind allerdings einige Nebenfiguren und Schauplätze eingeflochten, die eher wie überflüssiges Beiwerk wirken und die Geschichte unnötig konfus machen. Letztlich bietet Max Payne damit viel Verpackung für wenig Inhalt. Was die Macher kaum davon abhalten wird, eine Fortsetzung zu drehen, die sich im Abspann schon unmißverständlich andeutet. Schließlich gab es mit Max Payne 2 - The Fall of Max Payne auch hierfür schon Computerspiel-Vorlage.

Max Payne, USA 2008 - deutscher Kinostart: 20.11.2008
6 Punkte


Kommentare »

bislang keine Kommentare.

Kommentieren   (Trackback-URL)



Anti-spam: Bitte obigen Text in die Box rechts eintragen.

  

Get free blog up and running in minutes with Blogsome
Theme designed by Jay of onefinejay.com