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Filmkritik: The 40 year old Virgin (Jungfrau (40), männlich, sucht…)

abgelegt unter: Film von Enk am 17.11.2008

“Er sieht viel jünger aus als wir, dabei ist er zehn Jahre älter. Und wieso? Er hatte noch nie eine Freundin an der Backe, keine Satanstante, die seinen Lebenswillen zerstört hat.”

40 Year old virgin hatte ich damals im Kino ignoriert: Dummer Titel, die Story klingt nach pubertierendem Zoten-Humor, und die Darsteller sagten mir nichts (gutes). Mittlerweile habe ich einige Filme von Regisseur und Autor Judd Apatow, vor allem aber mit Hauptdarsteller Steve Carell gesehen, die überraschend gut waren, so dass ich mir den Regie-Erstling von Apatow dann doch mal angeschaut habe.

Leider ist “The 40 year old Virgin” doch ziemlich genau das, was der Titel verspricht: eine konventionelle, ziemlich konstruierte Komödie mit jeder Menge lauwarmer schwitziger Gags über Sex und Beziehungen. Und das liegt leider nicht daran, dass die deutsche Version totsynchronisiert wäre, auch in der Originalfassung sind die Anzüglichkeiten nicht lustiger.

Mit dem Titel ist die Story auch schon hinreichend beschrieben: Andy (Steve Carell) ist mit 40 Jahren immer noch Jungfrau, und hat mit dem Thema Frauen für sich auch abgeschlossen. Er konzentriert sich lieber auf seine Sammlung von Actionfiguren und Zinnsoldaten. Als seine Kollegen davon Wind bekommen, versuchen sie ihn mit allerlei Ratschlägen und Tricks zum ersten Mal zu bewegen, aber natürlich wartet am Ende nicht einfach der erste Sex, sondern vor allem die große Liebe auf Andy. Bis dahin gibt es allerdings noch jede Menge Krisen, Rückschläge und Mißverständnisse zu bestehen.

Die Figuren haben in etwa soviel Tiefe wie die schalen Gags. Vor allem Hauptfigur Andy läßt kein Klischee aus. Er trägt uncoole Anoraks und Polohemden, hat kein Auto, liest Superheldencomics und spielt Computerspiele… *gähn*. Im Detail ist sein Nerdtum sogar ganz liebevoll dargestellt, so strotzt seine Wohnung vor Superhelden-Devotionalien, und jeder Quadratmeter scheint auszurufen “hier hat noch nie eine Frau gewohnt”. Umso unglaubwürdiger, dass aus dem schüchternen Nerd durch ein bis zwei Motivationssprüche seiner Kollegen auf einmal ein erstaunlich erfolgreicher Aufreisser wird, der mal eben die heiße Verkäuferin in der Buchhandlung klarmacht, obwohl er kurz vorher noch kein Wort in Gegenwart einer Frau herausbekommen hat. Und auch mit der im Skript für ihn vorgesehenen Traumfrau klappt es nach ein paar Anlaufschwierigkeiten erstaunlich gut, dafür dass er die letzten 40 Jahre als Single verbracht hat. Immerhin macht Carell aus dem klischeebeladenen Script (das er selbst mitverfasst hat) noch das beste und trägt dazu bei, dass der Film über weite Strecken zumindest erträglich bleibt. Seine reduzierte Mimik und sein stoischer Blick sind amüsanter und effektiver als das hyperaktive Grimassenschneiden eines Jim Carey. Seth Rogen als kumpelhafter Kollege von Andy spielt praktisch dieselbe Rolle des kiffenden Prolls, die Apatow ihn auch ein paar Jahre später in Knocked Up hat spielen lassen- was nicht gerade für eine große Bandbreite seiner Schauspielkunst spricht.

Das ganze Hin- und Her, die üblichen Verwechslungsszenen und resultierenden Krisen (”Das ist nicht meine Pornosammlung”) hätte man gut und gerne auch um eine halbe Stunde kürzen können. Zwischenzeitlich blitzt dann aber auf, dass Apatow auch zu intelligenteren oder subversiveren Dingen fähig ist, z.B. wenn am Ende völlig unvermittelt der komplette Cast zu einer Musical-Nummer singt und tanzt, und aus dem Standardsetting der romantic comedy ausbricht.

The 40 year old Virgin (Jungfrau (40), männlich, sucht…), USA 2005 - deutscher Kinostart: 29.09.2005
4 Punkte


1 Kommentar »

  1. Von der 40jährigen Jungfrau hatte ich ungefähr den gleichen Eindruck. Da fand ich “Knocked Up” tatsächlich um einiges witziger!

    Gravatar Image Comment von bullion — 18.11.2008 @ 9:49

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