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Filmkritik: Be Kind Rewind(Abgedreht)

abgelegt unter: Film von Enk am 08.10.2008

“I’m Bill Murray, you’re everybody else.”

Die Ausgangsidee von Be Kind, Rewind ist brillant: Nachdem in einer kleinen Videothek aus Versehen alle Videobänder gelöscht wurden, machen sich die beiden Slacker Jerry (Jack Black) und Mike (Mos Def) daran, die großen Hollywoodstreifen mit einer VHS-Kamera selber nachzudrehen. Die so “geschwedeten” Kurzfassungen von Ghostbusters, Driving Miss Daisy oder Robocop erlangen schnell Kultstatus unter den Kunden, bis schließlich die Filmindustrie auf das Treiben aufmerksam wird und den Hobbyfilmern das Handwerk legen will.

Die geschwedeteten (weil angeblich aus Schweden importierten) Filme sind dann auch das Highlight der Geschichte. Bis aber der erste geschwedete Film auf der Leinwand erscheint, läuft die Story äußerst zäh und unlustig an, mit einem extrem nervigen Jack Black, platten Witzchen und einfallslosen Dialogen. Die nachgedrehten Filmchen sind dann schon lustig gemacht, vor allem die liebevollen Trickeffekte, mit denen die großen Hollywood-Filme nachgestellt werden. Da muss schon mal eine Pizza Margeritha als Blutfleck herhalten oder Kartoffelpüree-Pulver als Schnee. Jenseits dieser Filmzitate besteht Be Kind Rewind aber selber nur aus Klischees, rührseeliger Storyentwicklung aus dem Standardbaukasten und ziemlichen Längen, verbunden mit einem der nervigsten Soundtracks aller Zeiten. Die verulkten Kinofilme machen vielleicht eine halbe Stunde Spielzeit aus, davor und danach passiert nichts sehenswertes. Da wird lamentiert über den Untergang der Filmkultur durch die großen Ketten-Videotheken, die nur noch Blockbuster vorhalten, aber keine Klassiker. Oder der Niedergang eines Stadteils beweint, weil die heruntergekommenen aber dafür total persönlich geführten Läden durch eine sterile Shopping-Mall ersetzt werden sollen. Gähn.

Bemerkenswert ist allerdings das Statement zur Diskussion um Copyrights, Raubkopierer und User Generated Content: Sigourney Weaver als böse Vertreterin der Filmindustrie sorgt dafür, dass alle eigenproduzierten Streifen von Jerry und Mike zerstört werden müssen, weil sie gegen die Rechte der Filmindustrie verstoßen. In einer atemberaubenden Rechnung wird ein milliardenschwerer Schadensersatz gefordert, was sehr effektiv die die absurden Schadensersatzforderungen der Filmindustrie durch den Kakao zieht, die es ja in der Realität tatsächlich gibt. Die Zerstörung der geschwedeten Filme demonstriert anschaulich, wie übertriebene Copyright-Forderungen der Industrie kreative Eigenleistungen plattmachen. In einer großen Kinoproduktion so unverblümte Kritik an der eigenen Branche zu sehen, nachdem man kurz vorher noch mit einen “Raubkopierer sind Verbrecher”-Clip im Kino belästigt wurde, ist schon bemerkenswert, und gibt einen Bonuspunkt. Einen weiteren Bonuspunkt für die ausnahmsweise mal sehr gute Übersetzung des Originaltitels.

Be Kind Rewind(Abgedreht), USA 2008 - deutscher Kinostart: 03.04.2008
4 Punkte


2 Kommentare »

  1. Das klingt ja gar nicht gut. Hatte große Hoffnungen für den Film und werde wohl mal reinschauen, wenn die DVD günstiger ist…

    Gravatar Image Comment von bullion — 9.10.2008 @ 9:06

  2. Zugegeben, der Film war nicht so geil, wie ich vorher erwartet hatte. Aber unterhaltsam war er trotzdem.

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 11.10.2008 @ 17:48

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