Californication - Sex and the City für Männer
Wenn die Amerikaner auch kein Bier brauen können, Fernsehserien machen können sie. Der Überraschungserfolg der letzten Serien-Saison in den USA war Californication, seit letzter Woche läuft die Serie auch bei uns (montags auf RTL2).
Das Setting von Californication ist ziemlich dreist von der 80er Jahre Komödie Skin Deep geklaut (der Film mit dem Kampf der Leuchtkondome): ein erfolgreicher Schriftsteller mit Schreibblockade und Alkoholproblem stürzt sich von Affäre zu Affäre, ist aber eigentlich immer noch in seine Ex-Frau verliebt, die aber mittlerweile mit einem langweiligen neuen Mann zusammen ist.
Waren es in Sex and the City vier Großstadtmädels, die sich unverblümt über Sexualpraktiken, Intimpiercings u. ä. unterhielten, steht bei Californication die männliche Perspektive im Vordergrund: die männlichen Hauptdarsteller tauschen sich über das Auffinden der Klitoris, die richtige weibliche Intimfrisur oder Sex mit Nonnen aus. Wie Sex and the City läuft Californication in den USA zunächst im Pay-TV, braucht sich daher über Altersfreigabe keine Gedanken zu machen, trotz eindeutiger Themen und recht freizügiger Sexszenen. Vordergründig wird die Story von viel Humor und Dialogwitz getragen. Hinter dem Humor und der expliziten Thematik steckt bei Californication aber eine differenziertere Geschichte, die Story nimmt ihre Figuren sehr ernst und füllt sie mit Leben aus. Hauptdarsteller Hank ist bei all seinen smarten One-Linern eine beeindruckend tragische Figur.
Ex Akte-X Star David Duchovny ist die perfekte Besetzung für den zwischen Zynismus, Selbstzerstörung und Sehnsucht nach seiner Familie schwankenden Hank, Natascha McElhone (u.a. neben George Clooney in Solaris zu sehen) harmoniert perfekt als reservierte Ex-Frau Karen. Auch Becca (Madeleine Martin), die “aufgeweckte” junge Tochter von Hank und Karen nervt für ein Filmkind erstaunlich wenig. Um das Sex & the City Publikum zu ködern hat man als zweite männliche Hauptrolle Evan Handler besetzt, der in SATC den Mann von Charlotte gespielt hat, und hier den Agenten von Hank gibt, der zwischen seiner Frau und seiner blutjungen blonden Sekretärin hin und hergerissen ist.
Die erste Staffel hat einen stimmigen, in sich geschlossenen Handlungsbogen, vermutlich hat man nicht an den eigenen Erfolg geglaubt und daher keinen Cliffhanger am Season-Ende eingebaut. Umso spannender, wohin die zweite Staffel, die gerade in den USA angelaufen ist, die Figuren hinführen wird. Und ähnlich spannend, ob RTL2 die Serie im Programm behält, die Quoten der ersten Folge waren nur mäßig. Mag an der deutschen Synchronisation liegen, oder auch schlicht daran, dass gute Serien sich in Deutschland oft erst bei der Zweitausstrahlung durchsetzen
Californication läuft seit 29. September Montag abends auf RTL2









