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Filmkritik: Berlin am Meer

abgelegt unter: Film von Enk am 30.09.2008

“Die Leute sind mir ein bisschen zu aufgeregt, und der Hype hat mich immer schon genervt” - Mavie, die sich damit auch auf den Film beziehen könnte

Unerträglich trendiges Befindlichkeitsstück über junge Berliner Szenetypen und ihre Beziehungen. Man lebt in cool-abgerissenen Großraum-WGs, jeder macht “irgendwas mit Musik” und studiert irgendwas nebenher. Man hängt auf coolen Parties oder in angesagten Szeneschuppen rum, trinkt viel Bier aus Flaschen, kifft und ißt Haschkekse. Alles total easy.

Hauptfigur Tom (Robert Stadlober) ist Szene-DJ und bastelt mit seinem besten Kumpel Malte (Axel Schreiber) zuhause an neuen Sounds. Natürlich will er sich nicht durch die böse Musikindustrie korrumpieren lassen, sondern sein eigenes Ding machen, Geld verdient er lieber mit Kellnerjobs. Kumpel Malte hingegen ist da etwas karriereorientierter, und geht auch bei der neuen WG-Bewohnerin Mavie (Anna Brüggemann) zielstrebiger am Werk. Das führt natürlich zu Konflikten. Konflikte gibt es auch zwischen der zielstrebigen Mavie und ihrem schlunzigen Bruder Mitsch (Claudius Franz), der total eifersüchtig auf seine erfolgreiche Schwester ist, weil er selbst sein Medizinstudium heimlich geschmissen hat und Mavie immer schon das Lieblingskind zuhause war. Klingt abgegriffen? Ist es auch. Größte Sorge dieser von Luxusproblemchen gebeutelten Twentysomething-Schar ist es, wieder in die Heimat zurück den Eltern zu müssen, weil man es in Berlin nicht geschafft hat.

Speaking of Klischees: Natürlich ist der Protagonist Tom nicht nur ein Szene-DJ und Musikfrickler, sondern insgeheim auch total tiefsinnig und sophisticated und hört neben Technokram am liebsten Verdi-Opern und will am liebsten auf die Musikhochschule. Is klar. Robert Stadlober nervt als ach so unangepasster melancholischer Möchtegernrebell mit strähnig-fettigen Haaren von Beginn an. Deutlich besser ist da Axel Schreiber als bester Freund Malte, der zum Rivalen um Freundin, Plattenvertrag und Stipendium wird (und hier mal komplett anders besetzt ist als in “Türkisch für Anfänger”, wo er das netten unschuldige Weichei spielt). Der Rest des Cast ist ganz nett (Jana Pallaske) bis blass (Anna Brüggemann), aber vor allem jung und trendy. Einen kleinen Gastauftritt hat, als vermutlich einziger über 30, Olli Schulz mit Band, der sich hier als überdrehter spleeniger Straßenmusiker selbst parodiert.

Das ganze ist unerträglich durchschaubar auf das jugendliche Zielpublikum zugeschnitten und läßt kein Klischee aus. Regisseur Wolfgang Eißler, der ansonsten eher in der Werbefilm- und Musikbranche arbeitet, inszeniert seine junge Nachwuchsriege mit schnellen Schnitten und hipper Musik wie einen Videoclip. Man fragt sich eigentlich nur noch, ob Berlin am Meer vor allem für Berliner gemacht ist, denen vorgegaukelt werden soll, wie cool und abgefahren doch ihre Stadt ist, oder das Zielpublikum eher Provinzler sind, die dann sich dann denken sollen: “so toll wird mein Leben, wenn ich erstmal in die Hauptstadt gezogen bin.”. Immerhin thematisiert der Film den Berlin-Hype selber, indem er die aus München zugezogene Mavie sagen läßt: “Wenn ich in Berlin leben müsste, würd ich mir irgendwann auch einreden, wie hip und toll es hier ist”. Leider ist Mavie auch nicht mehr als ein Abziehbild: Sie studiert Politik, weil sie “was bewegen” will und bastelt fleißig an ihrer Karriere im öffentlichen Dienst.

Berlin am Meer, Deutschland 2008 - deutscher Kinostart: 10.01.2008
2 Punkte


1 Kommentar »

  1. Ich weiß gar nicht, über welche Klischees Du Dich da aufregst…?
    Genau SO sah unsere Studentenzeit aus! Ich könnte jetzt alte kompromitirende Bilder herauskramen, wo wir beide mit Joints in der Fresse und Haschkeksen als Plektron durch die WG rockten…
    …aber lassen wir das.
    Ich schaue mir inzwischen eigentlich gar keine Filme mit dem Stadlober mehr an, weil ich den nicht ab kann.

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 30.09.2008 @ 21:25

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