Filmkritik: Flammen & Citronen (Tage des Zorns)
(C) Wüste Film
Flammen & Citronen hat in Dänemark für viel Aufsehen gesorgt, weil er den Fokus auf ein Kapitel der eigenen Geschichte gelegt hat, das man gerne verdrängt hat. Auch für die dänische Gesellschaft war es - wie für die Franzosen und Niederländer - scheinbar eine Neuigkeit, dass nicht alle Bürger während der deutschen Besatzung aufrechte Widerstandskämpfer waren, sondern es eine Menge Mitläufer und Kollaborateure in den eigenen Reihen gab.
Flammen (Thure Lindhardt) ist Kriminalbeamter und im Untergrund als Todesengel aktiv. Seine Widerstandsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Kollaborateure zu ermorden. Das ist nur theoretisch heroisch, praktisch ist es ein schmutziges Handwerk, bei dem die Grenzen zwischen gut und moralisch fragwürdig sehr schnell verwischen, wenn einsam über Leben und Tod von Menschen entschieden wird.
Gleich zu Beginn sehen wir eine Reihe von kaltblütig ausgeführten Attentaten, gefolgt von einer Einführung in die Organisation der Untergrundkämpfer. Währen die Stimme aus dem Off die Mitglieder der Widerstandsgruppe im 40er Jahre Outfit vorstellt, unterlegt mit Swing-Musik, fühlt man sich fast wie in ein amerikanisches Mafia-Epos versetzt. Aber Flammen & Citronen spielt nicht im Chicago zu Zeiten der Prohibition, was die immer wieder ins Bild kommenden Wehrmachts- und SS-Uniformen schnell deutlich machen.
Die zunächst noch vorhandenen - ohnehin fragwürdigen - Ehrenkodizes der Attentäter (Man mordet nicht des Geldes wegen, tötet keine Frauen) geraten schnell ins Schwimmen. Schließlich kommt es zum unvermeidlichen Konflikt um Verrat in den eigenen Reihen, um tödliche Entscheidungen zwischen Freundschaft, Loyalität, Liebe und Mißtrauen.
(C) Wüste Film
Der auf einer wahren Geschichte beruhende Flammen & Citronen ist mit über sechs Millionen Euro Produktionskosten der bis dato teuerste dänische Film, was man ihm auch ansieht: Die Ausstattung läßt aufwändig das Dänemark zur Zeit des Dritten Reiches auferstehen, das Produktionsniveau ist sehr solide.
Die Darstellung der Zerrissenheit von Widerstandskämpfern zwischen Heldentum, Ehre, Mißtrauen, Verrat und gegenseitiger Zerfleischung hat sehr viel Ähnlichkeit mit The Wind that shakes the Barley, der in ganz ähnlicher Weise den irischen Freiheitskampf zwei Jahrzehnte vorher porträtiert hat. Was “Tage des Zorns” dabei sehenswert macht, ist dass er sich nicht auf einfache Schwarz-Weiß-Malerei beschränkt. Es gibt keine strahlenden Helden, nicht jeder Verrat wird bestraft und am Ende gibt es viele Verlierer.
Flammen & Citronen (Tage des Zorns), Dänemark 2008 - deutscher Kinostart: 28.08.2008









