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Filmkritik: Grace is gone

abgelegt unter: Film von Enk am 30.08.2008
grace
(C) The Weinstein Company

“We gonna get some fun in our lifes - let’s do it”

Und noch ein Film über den aktuellen Irakkrieg. Aber diesmal ohne Kriegsbilder, sogar ohne Soldaten, Grace is Gone spielt an der Heimatfront. Der Film beginnt mit Szenen einer Selbsthilfegruppe von Armee-Angehörigen. Die Hausfrauen tauschen sich darüber aus, wie sie mit ihren Liebsten im Irak Telefonsex haben, um die lange Trennung zu überbrücken. Einziger Mann in der Runde ist Stanley (John Cusack), der lieber selbst in den Krieg gezogen wäre um “sein Land zu verteidigen”, aber vor Jahren schon wegen einer Sehschwäche ausgemustert wurde. Nun ist seine Frau Grace im Irak, und er arbeitet zuhause in einem Baumarkt, und kümmert sich um die beiden Töchter Heidi und Dawn.

Unvermittelt kommt die schockierende Nachricht. Zwei Offiziere stehen bei Stanley vor der Tür und teilen ihm mit, dass seine Frau gefallen ist. Unfähig, seinen Töchtern den Tod der Mutter mitzuteilen, nimmt Stanley eine Auszeit von der Realität und macht sich mit seinen Töchtern auf eine lange Reise. Ziel ist der tausend Kilometer entfernte Freizeitpark “Enchanted Gardens”, den die achtjährige Dawn schon immer sehen wollte, und so beginnt ein Road Movie quer durch die amerikanische Provinz, vorbei an Motels, Fast Food Restaurants und Tankstellen.

John Cusack als uncooler Familienvater mit schlecht sitzender Bundfaltenhose und Kassengestell zeigt beeindruckenden Mut zur Häßlichkeit. Die Verkörperung des schlichten patriotischen middle class Durchschnittsamerikaners gelingt dem ansonsten eher auf smarte intellektuelle Figuren gebuchten Cusack überraschend gut. Auch die beiden Kinder sind großartig besetzt, sowohl die süße achtjährige Dawn (Gracie Bednarczyk), die sich kindlich-naiv auf den Freizeitpark freut, als auch die zwölfjährige Heidi (Shélan O’Keefe), die schnell durchschaut, dass mit ihrem Vater etwas nicht stimmt.

Regisseur James Strouse erzählt die Geschichte in sehr ruhigen und unaufgeregten Bildern, mit langen Einstellungen, untermalt von einem traurig-schönem Soundtrack (dessen Titelstück übrigens Clint Eastwood beigesteuert hat). Es geht um die kleinen und großen Lügen, in der Familie, in der Politik und im Fernsehen. Wir hören hohle Kriegsphrasen von Donald Rumsfeld im Fernsehen, während wir der Familie zusehen, die im Irak ihre Mutter verloren hat. Was die Figur von Stanley so tragisch macht, ist dass er den Irakkrieg keineswegs für sinnlos hält und als naiv-patriotischer Amerikaner die Propagandasprüche seiner Regierung auch noch verteidigt. Und gegenüber seinem jüngeren Bruder, der als alternativ-liberaler Gegenpart zu Stanley gegen den Krieg ist, den sinnlosen Tod seiner Frau auch noch rechtfertigt.

Grace is Gone zeigt schonungslos und unaufgeregt, welche Einzelschicksale hinter den anonymen und abstrakten Opferzahlen stecken, die in den Nachrichten über den Irakkrieg genannt werden. Strouse zeigt große Gefühle, ohne in Kitsch oder Rührseeligkeit abzurutschen, alles wirkt authentisch und glaubwürdig. Und ist damit überzeugender als so viele Anti-Kriegsfilme, die sich auf das Schlachtfeld und die Schicksale der Soldaten konzentrieren.

Grace is gone, USA 2007 - deutscher Kinostart: 28.08.2008
7 Punkte


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