Filmkritik: Meet Dave (Mensch, Dave!)
Die letzte lustige Komödie mit Eddie Murphie… hmm… lange her. Shrek zählt nicht, da hat er nur synchronisiert. Prinz aus Zamunda, 20 Jahre her. Wird also mal wieder Zeit: Meet Dave hat zumindest eine lustige high concept Ausgangsidee: Eine Gruppe von winzigen Außerirdischen vom Planeten Nil landet auf der Erde - und ihr Raumschiff sieht aus wie Eddie Murphy. Die Aliens sind auf der Suche nach einer Kugel, die alles Wasser der Erde aufsaugen kann, um dem Heimatplaneten als Energie zu dienen (oder so). Wie auch immer, das “Raumschiff Murphy” landet zu Füßen der Freiheitsstatue in New York und macht sich auf den Weg, die Kugel zu suchen.
Als das Raumschiff bei einem Zusammenstoß mit einem Auto Schaden nimmt und sich den Fuß bricht, sehen wir das erste Mal die Insassen des Raumschiffs: In einer witzigen “Außenmission” seilt sich ein Reparaturteam aus einer Luke im Ohr ab, um den Fuß zu inspizieren (”this will take some time”). Es folgt eine Tour de Force durch das Körperraumschiff, von der Brücke hinter den Augen, über den Maschinenraum, rechter und linker Armsteuerung, Krankenstation, bis hin zur Station von Lt. Buttocks (”We had a small gas leak, it was silent, but not deadly”). Captain auf der Brücke des Raumschiffes ist natürlich… Eddie Murphy.
Um möglichst wenig aufzufallen, beobachten und imitieren die Aliens die Menschen um sich herum, was natürlich zu einer Menge Mißverständnissen führt. Um sich auf der Erde zurechtzufinden, haben die Außerirdischen zudem die zentrale planetare Datenbank angezapft (”Google - what a frivolous name for such a vital function”), und stellen sich der Außenwelt als Dave Ming Cheng vor (einer Kombination der gebräuchlichsten irdischen Namen).
90 Prozent der Jokes basieren auf dem fish-out-of-water Thema, dass die Aliens in Form des Eddie Murphy Raumschiffs nicht mit den Gepflogenheiten auf der Erde vertraut sind, und daher z.B. Rührei mit Schale zubereiten, nicht wissen wie man einen Pullover anzieht oder irritiert sind, dass ein Meat Loaf singen kann. Und natürlich müssen sie auch erst noch das Konzept von Liebe und Menschlichkeit lernen, wie die meisten Aliens, die in Hollywood so landen. Das hat man so ähnlich zwar schon hundertmal gesehen, von E.T. über Alf und Meine Stiefmutter ist ein Alien bis zu Terminator, ist aber immer noch ein tragfähiges Konzept für den einen oder anderen guten Witz.
Da Meet Dave klar auf ein Familienpublikum zielt, bekommt Dave Ming Cheng einen kleinen Jungen als Sidekick: Josh (Austyn Myers) hat die geheimnisvolle Kugel gefunden, hinter der die Aliens her sind. Er ist ein nerdig-schüchternes Einzelkind, das in der Schule gemobbt wird, und in Dave Ming Cheng den großen Bruder bzw. Vaterersatz mit Superkräften sieht. Die beiden wirken streckenweise wie die Disney-Version von John Connor und T-1000 in Terminator 2 - spätestens wenn Josh dem Alien auch ein High-Five beibringen will. Natürlich hat Josh eine attraktive, alleinstehende Mutter (Elisabeth Banks), damit die unvermeidliche Liebesgeschichte nicht fehlt.
Eddie Murphy spielt das Raumschiff Dave Ming Cheng ein wenig hölzern, und das Grimassenschneiden kann Jim Carey auch besser, aber die Doppel-Performance als Raumschiff und Captain ist solide genug, um den Film zu tragen. Weit besser spielt Elisabeth Banks, deren Rolle aber aus dem Klischeebaukasten der weiblichen Support-Rolle nicht herauskommt.
Die Trickeffekte sind ok, wenn auch eher auf gutem TV-Niveau, die Kulissen des Raumschiff-Inneren sehen allerdings schon arg low budget aus. Schon erstaunlich, dass man für 60 Millionen Dollar Produktionskosten heute nicht mehr hinbekommt. Aber um die Story zu transportieren, reicht die visuelle Umsetzung allemal aus. Und teurer hätte es auch nicht sein dürfen, da der Film in den USA böse gefloppt ist. Was allerdings auch am ungünstigen Startzeitpunkt parallel zu Dark Knight, Hellboy 2 und Hancock gelegen hat.
Die Mischung aus Star Trek, Es war einmal… der Mensch und Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft funktioniert erstaunlich gut. Die Gags sind oft albern und vorhersehbar, viele Szenen zuckersüß kitschig, und die Dialoge überraschungsarm, aber dennoch macht es großen Spaß, den kleinen Menschen im großen Körper bei der Arbeit zuzusehen.
Meet Dave (Mensch, Dave!), USA 2008 - deutscher Kinostart: 28.08.2008










So, ich habe ihn inzwischen auch gesehen und muss Dir recht geben: Der unterhaltsamste Eddie Murphy-Film seit “Prinz von Zamunda”. Und beide Filme sind sich inhaltlich wirklich sehr ähnlich, was ich aber nicht schlimm finde. Nach all dem Schrott, den Murphy in den letzten 15 Jahren gemacht hat, habe ich ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet, dass er noch mal einen guten Film abliefert. Die Shrek-Synchros zählen ja nicht als Murphy-Film. Naja, “Life” von 1999 war auch ganz gut, den will ich ihm nicht nehmen…