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Filmkritik: The Dark Knight

abgelegt unter: Film von Enk am 25.08.2008

„Man stirbt als Held oder man lebt so lange, bis man selbst der Böse wird“

Von den Batman-Filmen der Neuzeit habe ich bewußt nur die erste Verfilmung von Tim Burton in Erinnerung. Alles was danach in Form von Robin, Clooney, Kilmer, Catwoman oder Batgirl kam, hab ich entweder nicht gesehen oder schnell wieder verdrängt. Umso merkwürdiger fand ich, dass im x-ten Teil des Franchise auf einmal wieder der Joker auftaucht, der doch eigentlich schon in Tim Burtons Erstling das Zeitliche gesegnet hat. Nun ist statt Nicholson auf einmal Heath Ledger der Joker, aber der ist ja auch schon tot, insofern passt das ja irgendwie.

Christopher Nolan betont in seiner Version der Fledermaus-Saga die Komponente, die mir bei Batman am sympathischten ist: Batman ist kein krypton-gestählter Superman oder genmanipulierter Spinnenmensch mit übernatürlichen Kräften, sondern nur ein sehr reicher Mann, der sich eine eigene Forschungsabteilung für Batmobile, kugelsichere Latex-Anzüge und sonstige Gimmicks leistet, um so gestärkt auf Verbrecherjagd zu gehen (und als Superreicher, der in der Freizeit Kriminelle jagt, somit eher ein Kollege von Jonathan Hart ist als von Superman). Batman ist quasi der James Bond der Superhelden, und die Szenen im Labor, in denen Lucius Fox (Morgan Freeman) ihn mit den neuentwickelten Superwaffen vertraut macht, sehen denn auch so aus wie zwischen Bond und Q (eine Parallele, die allerdings nicht jedem gefällt).

Der Cast ist großartig. Christian Bale als Bruce Wayne/Batman ist überzeugend, auch wenn er für die Szenen im Batman-Ganzkörperanzug eher wenig schauspielerisches Talent benötigt. Perfekt besetzt ist Aaron Eckhardt als strahlend-heldenhafter Staatsanwalt Harvey Dent. Die Besetzung der Nebenrollen mit großen Stars wie Michael Caine oder Morgan Freeman spricht für sich selbst. Und auch wenn ich den ganzen Hype um Heath Ledger nach seinem Ableben nicht so richtig nachvollziehen konnte, muss ich zugeben, dass er als Bösewicht Joker überragend ist und der Figur einen ganz eigenen Charakter jenseits von Nicholsons Joker im ersten Batman Film verleiht.

Das Setting ist ein radikal anderes als das früherer Filme: Das Gotham City von Chris Nolan ist nicht die Fantasy-Welt von Tim Burton, ist kein düster-buntes Comicland, sondern ein sehr modernes, reales New York - das auch nicht in einem Paralleluniverum existiert, sondern von dieser Welt ist: Batman darf diesmal sogar bis nach Hong Kong reisen, um einen Neben-Bösewicht zu verfolgen. Nachteil des realistischen Settings: Hier wirkt ein Mann im Fledermauskostüm mit Spitzohren ein wenig deplaziert. Auch wenn man den Latexanzug noch als Panzerung verkaufen kann, spätestens das schwarze Cape und die Fledermausohren sehen in diesem Rahmen oft so lächerlich aus, als habe sich ein Teilnehmer des benachbarten Faschingsballs auf das Set verirrt (ganz davon abgesehen, dass wir seit The Incredibles wissen, dass Capes denkbar unpraktisch sind für Superhelden). Ganz im Gegenteil übrigens zum Joker, den Heath Ledger mit strähnigem Haar und verwischten Make-up so eindringlich spielt, dass er nicht wie eine Comicfigur wirkt, sondern als Bösewicht in diese reale Welt passt. Erstaunlich gut gelungen ist auch die deutsche Synchronisation von Ledger, die den zwischen Wahnsinn, Witz und Bedrohung schwankenden Joker, schmatzend und lechzend, eine Stimme verleiht, ohne ins Alberne abzurutschen.

Die düstere Geschichte reißt viele Themen an und wirft grundlegende Fragen auf: Über das Wesen und die Motivation des Bösen, die Grenzen und Prinzipien, denen die Guten unterliegen, über den Überwachungsstaat, der nicht einfach durch Verbrechensbekämpfung legitimiert werden kann, über das Gute oder Abgründige im Menschen und was in der Bevölkerung überwiegt, über Angst und Panik, die durch Terror erzeugt und instrumentalisiert werden kann und die Probleme eines Rechtsstaates, darauf zu reagieren. In einer arg konstruierten aber dennoch sehr gut gemachten Szene muss eine Gruppe unbescholtener Bürger und eine Gruppe Schwerkrimineller entscheiden, ob sie auf Kosten der jeweils anderen überleben will. Selbst in diesen plakativen Storyelementen schafft es The Dark Knight, ein differenziertes Bild zu zeichnen und keine einfachen Antworten zu wählen (wer die Szene etwas detaillierter beschrieben haben will, kann das beim um Spoiler nie verlegenen, aber wie immer lesenswerten Psycho-Rajko nachlesen ;) ).

Kameraarbeit und Trickeffekte sind auf sehr hohem Niveau, der Bilderrausch ist immer wieder beeindruckend arrangiert. Die teilweise stark an die 9/11 Ikonographie angelehnten Szenen von rauchenden Trümmern eingestürzter Häuser in der Großstadt wirken allerdings ein wenig aufgesetzt und pathetisch, und sind zudem nicht gerade neu. Gruseliges Highlight der Trickeffekte ist das Gesicht von Two-Face, das deutlich von Terminator 2 inspiriert zu sein scheint. Insgesamt sieht man dem Film in jeder Sekunde seine Produktionskosten an - alles ist auf Hochglanz produziert und perfekt inszeniert. Hans Zimmer unterlegt das Spektakel mit gewohnt bombastischem Orchestersound. Nicht revolutionär, aber sehr passend.

Wenn man bei The Dark Knight etwas kritisieren kann, dann die Länge. Nolan schafft es zwar, über die gesamten 150 Minuten zu unterhalten, aber auf Dauer wirken die ab der zweiten Hälfte des Films Schlag auf Schlag folgenden Showdowns etwas ermüdend. Es gehört zwar zum Genre, dass Bösewichter immer mindestens zweimal zur Strecke gebracht werden müssen, bevor sie endgültig besiegt sind, aber die Storywendungen von The Dark Knight hätten auch locker für zwei Spielfilme gereicht. Durch die Fülle an Figuren, Haupt- und Nebenhandlungen verliert das düstere Treiben ab und an den roten Faden. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Aber dann hätte man schließlich auf den Überlängenzuschlag verzichten müssen.

The Dark Knight, USA 2008 - deutscher Kinostart: 21.08.2007
8 Punkte


2 Kommentare »

  1. Nachteil des realistischen Settings: Hier wirkt ein Mann im Fledermauskostüm mit Spitzohren ein wenig deplaziert. Auch wenn man den Latexanzug noch als Panzerung verkaufen kann, spätestens das schwarze Cape und die Fledermausohren sehen in diesem Rahmen oft so lächerlich aus, als habe sich Teilnehmer des benachbarten Faschingsballs auf das Set verirrt

    Definitiv der Punkt, bei dem der Film bzw. Nolans Konzept für mich versagen, weil es keine wirkliche Kohärenz gibt: DARK KNIGHT pendelt wie schon BEGINS unentschlossen zwischen Comic-Relief und Real-Action.

    Ansonsten: I know, die Spoiler, sorry. ;)

    Gravatar Image Comment von Mr. Vincent Vega — 26.08.2008 @ 0:18

  2. Dass der Joker wieder dabei ist, liegt schlicht daran, dass Batman Begins einen sog. “Reboot” der Serie darstellt. Tim Burtons Filme werden von den neuen also ignoriert.
    Im Übrigen finde ich Deinen Eingangs-Joke mit Ledger ganz witzig, aber bin überrascht, dass Du so etwas politisch unkorrektes bringst. Normalerweise bin ich ja für solche Sachen zuständig.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass BalkanTellerToni das nicht entdeckt, denn sonst hast Du ganz schnell eine Diskussion mit der PC-Polizei an der Backe, was man schreiben darf und was nicht…

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 26.08.2008 @ 14:55

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