Mental Savage Header

Filmkritik: Superhero Movie

abgelegt unter: Film von Enk am 24.07.2008


© 2008 Dimension Films and Metro-Goldwyn-Mayer

“Look at the words your ancestors inscribed in that ring: honor, valor, sacrifice, duty, commitment, bravery, justice, integrity, brotherhood, self-esteem, low prices, affordable houses, loose fitting pants, cheap internet porn - the rest is in latin”

Ich war in den 80ern und 90ern ein großer Fan des damals so populären Spoof Genres, das bekannte Filme aufs Korn nimmt und parodiert, und dabei ein dichtes Gagfeuerwerk abbrennt, das pro Szene mindestens 1-3 offene und mehrere versteckte Jokes und Anspielungen zeigt. Zunächst hatten Filme wie Kentucky Fried Movie aus dem Zucker/Abrahams/Zucker Frühwerk eher Independent Charme, mit Hot Shots und Naked Gun war das Genre dann eine Zeitlang auch an der an der Kinokasse richtig erfolgreich.

Spoof Movies waren nie ganz weg, mit Scary Movie zwischenzeitlich auch immer mal wieder sehr populär. Der letzte Film dieser Art hat mich dann allerdings daran zweifeln lassen, ob man für dieses Genre vielleicht schlicht zu alt werden kann und aus dem juvenilen Mad-Humor schlicht herauswächst.

Mit Superhero Movie hat sich nochmal David Zucker als Produzent herangetraut, einer der Altmeister des Genres und ein Drittel des legendären Zucker/Abrahams/Zucker Teams, das in den 80ern und 90ern Klassiker wie Airplane, Top Secret und Naked Gun erschaffen hat.

Ein guter Spoof Movie sollte auf mindestens zwei, besser drei Ebenen funktionieren. Zum einen ist da natürlich der vordergründige Schenkelklopfer-Humor, der auf Blödeleien, Slapstick und Brachialkomik basiert. Gags dieser Art müssen so dicht an dicht gesetzt sein, dass man vor Lachen gar nicht merkt, dass einem neben zündendem Witz auch unvermeidlich so manch abgestandener Kalauern oder Platitüde untergejubelt wird. Die persiflierten Filme dienen dabei als Aufhänger, aber - und das ist die zweite Ebene - es geht hier nicht einfach um ein “lustiges” Nachspielen bekannter Szenen, gute Spoof-Movies sind mitunter feinsinnige Parodien der Originale, die deren Kern erkennen und überspitzen, dabei filmische Klischees und Baukasten-Drehbücher als solche entlarven, und im besten Fall eine Hommage an das gute Original oder ein intelligenter Verriss einer unterirdischen Filmvorlage sind.

Sehr gute Spoof Movies wie der Klassiker Top Secret schaffen es dann nebenbei noch auf einer dritten Ebene, hinter all dem vordergründigen Humor und dem Parodieren bekannter Szenen ernstere Themen zu adressieren: im Fall von Top Secret z.B. die schwarz-weiß-Zeichnung der Kalten-Kriegs-Rhetorik der Lächerlichkeit preiszugeben, oder bei Kentucky Fried Movie eine gute Portion Medienkritik einzuweben.

Soviel zum Thema “sehr gute Spoof Movies” - “Superhero Movie” spielt leider in einer etwas profaneren Liga. Zumindest die erste Ebene funktioniert ganz gut: die Gagdichte ist hoch, und neben einer Menge Albernheiten und Flachwitzen ist auch immer mal wieder ein echter Lacher dabei. Die Story ist ein wilder Zusammenschnitt aus X-Men, Spiderman, Batman, Fantastic Four und anderen Genre-Vertretern, wobei die Anspielungen und Parodien auf die Superhelden-Vorbilder hier kein ausgeprägtes Fanwissen erfordern, die meisten Gags funktionieren auch für einen durchschnittlichen Kinogänger.

Anders als der sehr billig produzierte Epic Movie ist Superhero Movie solide gemacht und versammelt einen illustren Cast an Cameos und Nebendarstellern: Pamela Andersen als Invisible Girl, Brent “Data” Spiner als genialer Wissenschaftler Dr. Strom, dazu Dan Castellaneta (die amerikansiche Stimme von Homer Simpson), Charlene Tilton (Die Lucy aus Dallas), und vor allem Naked Gun Altstar Leslie Nielsen, der wie immer ohne eine Miene zu verziehen durch die skurillsten Szenen stolpert. Schließlich gibt es noch ein paar mehr oder (meistens) minder gut getroffene Parodien auf den Dalai Lama, Stephen Hawking, Prince Charles, den Papst oder Nelson Mandela.

Das Timing ist gut, und es gibt eine Menge sehr klassischer Spoof-Movie Szenen, bei denen z.B. vordergründig ein trivialer Dialog läuft, während die Protagonisten nebenbei immer absurdere Dinge tun - etwa einen Thanksgiving-Truthahn erst mit Standardfüllung, dann mit ganzen Salami, Topfpalmen und lebenden Katzen zu stopfen. Die Gags schwanken zwischen unterirdisch und solide, mit starker Tendenz zur Geschmacklosigkeit. Die Stephen Hawing Parodie ist nicht nur geschmacklos, sondern auch noch unwitzig. Dafür ist eine Satire auf die übliche rührselige “Hauptdarsteller verliert als Kind beide Eltern durch einen Raubüberfall” Szene äußerst geschmacklos, aber umso witziger. Dazwischen eine Menge Pennäler-Humor über Gefurze, erigierte Brustwarzen und alle möglichen Körperflüssigkeiten, was doch dafür spricht, dass das Zielpublikum für Filme dieser Art eher noch in der Pubertät steckt und man für diese Art von Humor irgendwann einfach zu alt ist.

Was fehlt, sind die vielen Kleinigkeiten am Rande, die Genre-Highlights wie Naked Gun ausgemacht haben. Wenn der Protagonist bei Google oder Facebook surft, wären auf dem Bildschirm bei früheren ZAZ-Werken zig versteckte Jokes und Anspielungen eingebaut gewesen, bei Superhero Movie hingegen sind die Gags fast immer im Vordergrund, es gibt für eine zweite oder dritte Sichtung nicht viel neues zu entdecken (bei Top Secret habe ich auch nach dem 10ten Mal noch in Szenen versteckte Anspielungen oder Filmzitate entdeckt).

Sicher kein Highlight des Genres, aber alles in allem ganz solide Unterhaltung, sofern man zumindest halbwegs auf Humor à la Naked Gun steht.

Superhero Movie, USA 2008 - deutscher Kinostart: 24.06.2008
6 Punkte


2 Kommentare »

  1. Schöner Artikel! Aber irgendwie deckt sich Deine Bewertung nicht ganz mit dem Text. Das liest sich eher wie 4-5…

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 24.07.2008 @ 20:38

  2. Ich hab in der Tat zwischen 5 und 6 Punkten geschwankt.

    Gravatar Image Comment von Enk — 24.07.2008 @ 21:26

Kommentieren   (Trackback-URL)



Anti-spam: Bitte obigen Text in die Box rechts eintragen.

  

Get free blog up and running in minutes with Blogsome
Theme designed by Jay of onefinejay.com