Filmkritik: Falco - Verdammt, wir leben noch!

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Eigentlich erstaunlich, dass erst zehn Jahre nach dem Tod des österreichischen Megastars Falco ein Spielfilm über sein Leben erscheint. Jahrelang erfolglos in der Versenkung verschwunden, war Falco mit seinem Unfalltod 1998 auf einmal wieder berühmter denn je: Seine Platten verkauften sich wie geschnitten Brot, und schon zwei Jahre nach seinem Tod hatte das Musical Falco Meets Amadeus im Berliner Theater des Westens Premiere und wurde eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals der letzten Jahrzehnte.
Erst zum zehnten Todestag kam dann auch der naheliegende Film in die Kinos. Regisseur und Autor Thomas Roth folgt mit “Falco - Verdammt wir leben noch!” der Dramaturgie eines klassischen Biopic, nur dass es diesmal nicht die üblichen amerikanischen Biografien à la Johnny Cash oder Ray Charles sind, sondern die Handlung im Österreich der sechziger Jahre beginnt. Das hat zur Folge, dass die Bilder anfangs oft stark an die Ästhetik der ZDF- oder SAT1-Historienproduktionen wie Die Luftbrücke oder Die Flut erinnern. Die Kindheit und Jugend von Hans Hölzel, wie Falco bürgerlich hieß, wird in einer eher anekdotische Aneinanderreihung von “Schlüsselszenen” dargestellt: Jeder Szene ist anzusehen, welche zentrale Aussage sie transportieren soll (”Mami, ich will Popstar werden”). Die Dialoge sind anfangs recht hölzel hölzern, was sich allerdings im Laufe des Films bessert, wenn die Geschichte Fahrt aufnimmt mit Hölzels Anfängen in der Wiener Underground-Szene und der Erfindung der Kunstfigur Falco.
Mit “Ganz Wien” erklingt dann auch endlich der erste Falco-Hit im Kinosaal, den er damals noch als Mitglied der Gruppe Drahdiwaberl geschrieben hatte. Die großen Hits sind im Film fast alle dabei, ganz gut zusammengeschnitten aus nachgestellten Videos, Konzerten und TV-Auftritten. Allerdings bleibt unverständlich, warum die Songs nachgesungen sind. Hauptdarsteller Manuel Rubey ist mit seiner Stimme zwar sehr nah am Falco-Original, aber damit eben auch knapp vorbei. Hatte vielleicht lizenzrechtliche Gründe, aber die Originalaufnahmen hätten besser in den Film gepasst.

Die Videosets von Rock me Amadeus, Jeanny & Co. sind sehr liebevoll nachgebaut, hier stimmen die Kulissen, die Kostüme und die Kameraeinstellungen bis ins Detail. Auch andere Filmszenen wirken teilweise wie kopiert aus bekannten Aufnahmen mit dem echten Falco, die man aus Reportagen kennt. Teilweise schrammen die nachgestellten Szenen allerdings auch knapp an der Comedy vorbei: so sieht Dieter Kronzucker (Rainer Frieb) bei seinem legendären heute journal Kommentar zum Skandalvideo Jeanny aus, als wäre er direkt aus dem Switch-Ensemble entflohen. Und Mola Adebisi darf sich selbst als Viva Moderator in den 90ern spielen, wirkt dabei aber seltsam fehlbesetzt, weil 10 Jahre zu alt.
Hauptdarsteller Manuel Rubey hat die Mimik und Gestik von Falco perfekt einstudiert, auch wenn das manchmal fast zu perfekt und stilisiert rüberkommt. Christian Tramitz als sein Manager Horst Bork zeigt, dass er auch seriöse Rollen sehr überzeugend rüberbringen kann und spielt erstaunlich unprätentiös. Falcos Frau Isabella , mit der Falco eine skandalträchtige und aufreibende Ehe geführt hat (und die hier - wohl aus rechtlichen Gründen - Jacqueline genannt wird), wird anfangs etwas gekünstelt, insgesamt aber glaubhaft verkörpert von Patricia Aulitzky. Sehr eigenartig besetzt ist hingegen Grace Jones, die eine Barangestellte in der Dominikanischen Republik spielt, die Falco in den Minuten vor seinem Unfalltod beobachtet. Überhaupt wirkt der dramaturgische Einfall von Regisseur Roth, die letzten Minuten Hans Hölzels vor dem Unfall als Klammer für den Film zu nutzen, die immer wieder in die Handlung geschnitten wird, ein wenig bemüht.
Der Film hat seine Schwächen, macht das aber durch die dramatische und sehr sehenswerte reale Geschichte von Hans Hölzel aka Falco wett, die alles hat, was ein Biopic braucht: Steile Karriere, Höhenflug, Flops, tiefer Fall, Hybris, Depression, Drogen, Skandale und natürlich gute Musik. Ein sehr dankbarer Stoff für einen abendfüllenden Film.
Falco - Verdammt, wir leben noch! Österreich, Deutschland 2008 - deutscher Kinostart: 05.06.2008









