Filmkritik: You kill me
Filme über Profikiller und ihre Probleme im Job haben eine lange Tradition (siehe z.B. Léon oder auch Pulp Fiction), und sind aktuell wieder sehr angesagt. Neben In Bruges, der sich um zwei gescheiterte Killer dreht, die in Belgien untertauchen müssen, handelt auch You Kill Me von einem Hitman, der nach einem gescheiterten Auftrag für eine Zeit seinen Job an den Nagel hängen muss.
Frank Falenczyk (Ben Kingsley) erledigt nicht nur die blutigen Aufträge für die polnische Mafia, er ist auch Alkoholiker, was dazu führt, dass er in seinem Job immer wieder patzt. Als er den geplanten Mord an einem konkurrierenden irischen Mafia-Boss wegen Trunkenheit einfach verschläft, schickt ihn sein Chef aus dem verschneiten Buffalo nach San Francisco, um dort eine Entziehungskur bei den Anonymen Alkoholikern zu machen. Seine Mafia-Familie besorgt ihm eine Wohnung und einen Job bei einem Bestattungsunternehmen (”sogar fast deine Branche”, wie der Aufpasser süffisant feststellt).
Nach anfänglichen Widerständen gewinnt Frank Gefallen an der Vorstellung, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Durch seinen Job als Bestatter lernt er die hübsche Laurel (Téa Leoni) kennen, und bei den Anonymen Alkoholikern freundet er sich mit dem biederen Dave (Bill Pullman, der US-Präsident aus Independence Day) an. Er erzählt den beiden (und seiner Selbsthilfegruppe) von seinem Job als Profikiller und erntet überraschenderweise Verständnis für seine Probleme. Franks Ziel ist es aber nicht, nun ein ganz anderer Mensch zu werden und neben dem Trinken auch mit dem Töten aufzuhören. Er will vielmehr vom Alkohol loskommen, um wieder in seinem alten Job erfolgreich zu werden. Auf dem Weg dorthin entdeckt er auch seine Killer-Ehre wieder. So verschickt er als Wiedergutmachung Geschenkgutscheine an die Hinterbliebenen seiner Opfer, die er wegen Trunkenheit nicht sauber umgebracht hat und die daher unnötig leiden mussten.
Der Gegensatz zwischen brutalen Killerhandwerk und banalen Alltags- und Beziehungsproblemen ist die Grundlage für viele Lacher und skurrile Situationen. Ben Kinsley als glatzköpfiger stoischer Killer, der sich widerwillig mit seinem neuen Leben in San Francisco anfreundet, spielt unprätentiös und sehr reduziert. Téa Leoni (die schon als zickige Hausfrau in Spanglish überzeugt hat) passt hervorragend an seine Seite und spielt ebenso spröde und mit trockenem Humor.
Für einen Film über Auftragskiller wird erstaunlich wenig geschossen, dafür umso mehr geredet. You Kill Me ist ein sehr leiser und ruhiger Film, dessen subtile Dialoge ein wenig mit dem teilweise etwas derben Humor über die Arbeit im Leichenschau oder bei den Anonymen Alkoholikern kollidieren. Aber die Story ist erfrischend unkonventionell und schafft es immer wieder, zu überraschend. Sehenswert.
You kill me, USA 2007 - deutscher Kinostart: 12.6.2008










