Filmkritik: Sex and the City: The Movie
Eins vorweg: Wer sich einen Film wie Sex and the City:The Movie anschaut, sollte schon wissen was er tut. Wer die Serie nie gesehen hat, eine Aversion gegen modebesessene weibliche Großstadtyuppies hat, oder ein generelles Problem mit Kitsch und Emotionen, darf sich hinterher nicht wirklich beschweren, dass ihm der Film nicht gefallen hat.
Jenseits aller Mode/Kosmetik/Lifestyle Oberfläche war Sex and the City eine der intelligentesten US-Serien der späten Neunziger. Die Serie verband vordergründigen und selbstironischen Witz mit einer durchaus tieferliegenden Ernsthaftigkeit, und legte eine für US-Serien erstaunliche Direktheit und Unverblümtheit an den Tag - was dazu geführt hat, dass in einigen amerikanischen Kabelnetzen nur entschärfte Fassungen gezeigt wurden.

So klischeehaft die Figuren der vier besten Freundinnen Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte auch angelegt waren, deren Welt sich ausschließlich um Sex, Mode und Männer zu drehen schien, hat die Serie ihre Problemchen und Probleme, von Kinderlosigkeit über Brustkrebs bis hin zu Einsamkeit und Älterwerden, durchaus ernstgenommen, und dabei auch noch blendend unterhalten, mit intelligentem Dialogwitz und immer wieder überraschenden Story-Twists.
SatC: The Movie ist ein Film für Fans der Serie, und macht daraus auch keinen Hehl. Vor dem Filmgenuss steht allerdings erstmal eine harte Prüfung bevor: Horden von aufgekratzten “Mädels” in Stöckelschuhen, gerne in Vierergrüppchen, belagern schon proseccotrinkend das Kinofoyer, und merken gar nicht wie albern es aussieht, wie sie völlig ironiefrei ihren Leinwandheldinnen nacheifern wollen. Wenn sich das erste Kreischen im Kinosaal nach dem Erscheinen von Carrie auf der Leinwand gelegt hat, vergißt man aber auch das.

Zu Beginn werden nochmal im Schnelldurchlauf die Protagonistinnen und ihre Entwicklung in den sechs TV-Staffeln vorgestellt, das ist aber eher zur Auffrischung gedacht denn als Einführung für komplett Unbedarfte. Ohne die Vorgeschichte(n) zu kennen, bleiben die Figuren vermutlich sehr holzschnitthaft, und viele offene und versteckte Anspielungen unentdeckt. Man hat sich viel Mühe gegeben, die Originalbesetzung wieder zusammenzubekommen, von den Hauptdarstellerinnen über die männlichen Nebenparts bis hin zu kleinsten Rollen wie der Haushälterin von Miranda oder der Chefredakteurin von Carrie.

Auch die Story ist auf die Fan-Zielgruppe zugeschnitten - und was wünschen sich (weibliche) Fans für die große Leinwand: Natürlich eine Traumhochzeit von Big (Chris Noth) und Carrie (Sarah Jessica Parker), komplett mit Designer-Brautkleid von Vivianne Westwood, glamouröser Feier und romantischen Hochzeitsschwüren. Carrie darf eine große Brautmodenschau machen (wie überhaupt das Schuh- und Modethema im Film eher noch penetranter ist, als es in der Serie schon der Fall war), der schwule Wedding Planner Anthony (Mario Cantone) darf die große Feier vorbereiten, und gemeinsam suchen sich Big und Carrie ein Traum-Penthouse in Manhattan.

Da das aber alleine nicht reicht, um die fast zweieinhalb Stunden Spielzeit zu füllen, ist der Weg zum Happy End natürlich doch nicht ganz so gradlinig, es kommt erwartungsgemäß vorher noch zur großen Krise, und zu kleinen und größeren Katastrophen am Rande. Viele Plot-Twists wirken dabei arg beliebig und unvorbereitet. Da verkündet der eine aus heiterem Himmel, fremdgegangen zu sein und zwei Szenen später wohnt man schon in getrennten Apartments. Oder die andere verkündet unvermittelt, schwanger zu sein, was in der TV-Serie Stoff für eine halbe Season gewesen wäre. Natürlich muss man im Kinoformat verdichten und zuspitzen, aber die Beliebigkeit der Wendungen ist an einigen Stellen doch arg angestrengt.

Vom Ende hätte ich mir dann ja insgeheim doch etwas mehr erwartet als das meilenweit vorhersehbare Hollywood Happy-End. Es war immer eine der großen Stärken der Serie, die eine oder andere Geschichte nicht ganz so glamorourös ausgehen zu lassen, und die Jungmädchenträume der Protagonistinnen auch mal an der Realität zerplatzen zu lassen. Aber genauso wie die TV-Serie dem Zielpublikum zum Ende eine große Versöhnungsszene nicht vorenthalten wollte, hat man sich auch im Kinofilm nicht getraut, die Erwartungen der weiblichen Fans zu enttäuschen. Schade eigentlich. Das doch sehr banale Ende, das alle losen Enden erwartungsgemäß zusammenführt und keine Sekunde überrascht, hat nur klassisches rom com Niveau.

Dennoch: Wem die Serie gefallen hat, der wird auch den Film mögen. Überhaupt fühlt sich der Film genau so an wie eine Serien-Doppelfolge (bzw. Fünffach-Folge), wenn auch eine eher durchschnittliche. Erzählweise, Dialoge, Kameraführung etc. sind sehr stark an die TV-Dramaturgie angelehnt, abgesehen natürlich vom deutlich aufwändigeren Produktionsniveau. Wer aber schon mit der Serie nichts anfangen konnte (oder sie gar nicht gesehen hat), sollte besser einen großen Bogen um Sex and the City: The Movie machen.
Sex and the City: The Movie, USA 2008 - deutscher Kinostart: 29.05.2008









