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Filmkritik: Hitman (Hitman - Jeder stirbt alleine)

abgelegt unter: Film von Enk am 08.05.2008

(C) 20th Century Fox

“You don’t wanna fuck me and you don’t wanna kill me - I’ve never felt so much indifference in my entire life”

Verfilmungen von Videospielen sind ja in der Regel nicht gerade vielversprechend. Wenn es sich nicht gerade um Uwe Boll Trash oder Totalflops wie Wing Commander handelt, kommt bestenfalls mittelmäßige Hollywood Massenware a la Tomb Raider heraus. Hitman macht gleich zu Beginn deutlich, dass wir es zumindest nicht mit der Trash-Variante zu tun haben. Der Film eröffnet mit einer sehr stilvollen Einstimmung, unterlegt mit elegischem Ave Maria Sound, die im Hochglanz-Zeitraffer zeigt, wie in einem Erziehungslager aus Kindern brutale Söldner gemacht werden.

Die Story liest sich wie eine dreiste Kopie der Bourne Identity: “Agent 47″ (Timothy Olyphant) ist eine programmierte Killermaschine. Von seinen Auftraggebern im Stich gelassen und gejagt, macht er sich auf die Suche nach seinen Erschaffern und wird selbst zum Jäger. Ihm auf den Fersen ist der Interpol-Agent Mike Whittier (Dougray Scott), der die Organisation hinter Agent 47 aufdecken will. Und natürlich gibts auch noch einen hübsche weiblichen Sidekick (Franka Potente Olga Kurylenko), der Agent 47 auf der Flucht und Jagd begleitet.

Nicht nur die Story, sondern auch die Umsetzung, Dramaturgie und Optik wirken wie zusammengeklaut aus allem, was, das moderne Actionkino in den letzten Jahren zu bieten hatte: Ultra-Slow Motion, brutale Action, stilisierte Schwertkämpfe, High-Tech Spielereien, das alles kennt man aus Matrix, Léon, Die Hard, Kill Bill, vor allem aber der Bourne Trilogie. Aber besser gut geklaut als schlecht selbst zusammengereimt.

Hitman verkauft das Actionpaket sehr stylish, ohne Angst vor Klischees oder Schwarzweiß-Zeichnung. Die Stimmung ist düster, actionlastig und gewalttätig, ohne durch die oft üblichen coolen One-Liner eines Bruce Willis oder Will Smith aufgelockert zu werden - auch hier eine starke Parallele zum wenig humorigen Bourne Franchise.

Die beeindruckende Optik zitiert immer wieder die Computerspiel-Vorlage - seien es die über den Laptop empfangenen Mission Briefings, rasante Kamerazooms oder der Blick durchs Zielfernrohr - man kann sich die Umsetzung als Spiel direkt vorstellen, ohne das der Film dadurch billig wirkt.

Wie so oft bei Action-Spektakeln darf man nicht zu sehr hinter die Fassade der Explosionen und Schießereien schauen, weil sich dahinter nur notdürftig riesige Story-Löcher verbergen. Aber das gehört zum Genre und ist auch bei Stirb Langsam 4.0 nicht anders, und solange das Ganze zumindest auf den ersten Blick halbwegs nachvollziehbar bleibt, kann man ja schon zufrieden sein. Timothy Olyphant als wortkarger glatzköpfiger Killer ist schauspielerisch in dieser klischeehaften Rolle ein wenig unterfordert, macht seine Sache aber durchaus souverän. Übrigens immer wieder erstaunlich, wie wandlungsfähig Olyphant ist: Ob in der unsäglichen Western-Saga Deadwood, in Rom Coms wie Catch and Release oder in Action-Reißern wie Stirb Langsam oder Hitman, ich brauche jedesmal ein paar Minuten, um Olyphant in seiner Rolle wiederzuerkennen. Mag vielleicht auch einfach daran liegen, dass er von Haus aus ein nicht ganz so markanter Typ ist.

Hitman ist sicher nicht die Neuerfindung des Actionfilms und fühlt sich an vielen Stellen allzu glatt und konstruiert an. Aber diese Perfektion des Bekannten hat auch ihren Reiz. Und trotz oder vielleicht gerade wegen der sterilen gradlinigen Inszenierung schafft es Hitman, seine düstere Atmosphäre rüberzubringen. Hitman erreicht nicht die Klasse und Originalität des großen Vorbildes der Bourne Trilogie, ist aber als stylishe Kopie nicht die schlechteste Wahl für einen Popcorn-Kino-Männerabend.

Hitman (Hitman - Jeder stirbt allein), Frankreich, USA 2007 - deutscher Kinostart: 13.12.2007
7 Punkte


5 Kommentare »

  1. Aha…? Den hätte ich mir nie im Leben angesehen! Und das, obwohl es eine Spielumsetzung ist und ich mir in dem Bereich sogar die ganz schlechten Exemplare antue, um halt mitreden zu können…
    Bei Hitman fand ich allerdings auch das Spiel scheiße. Aber jetzt muss ich dem Film wohl doch eine Chance geben, oder?

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 9.05.2008 @ 19:07

  2. Nachdem sich nun die Reviews, in denen vor den Film gewarnt wird, mit jenen, in denen er als gehobener Durchschnitt dargeboten wird, deutlich die Waage halten, werde ich ihn mir wohl doch einmal auf DVD zu Gemüte führen.

    Aber: Wieso ist “Deadwood” unsäglich? Ich habe die ersten Folgen mit viel Begeisterung verfolgt und bin bisher nur deswegen nicht weiter gekommen, da mir die Zeit dazu fehlt. Aber für mich wird es sicher nicht nur bei der ersten Staffel bleiben.

    Die Westernatmosphäre fängt das Ganze doch prima ein.

    Gravatar Image Comment von Knurrunkulus — 9.05.2008 @ 20:26

  3. Ich hatte von Hitman eigentlich auch so gar nichts erwartet. Insofern hatte es der Film einfach, mich positiv zu überraschen. Vermutlich wäre meine Bewertung nicht ganz so gut gewesen, wenn Hitman zu meinen Lieblingsspielen gehören würde und ich dem Film das ganze Jahr über entgegengefiebert hätte.

    Wg. Deadwood: Ich hab mich durch die ersten zwei Staffeln gequält. Das Setting ist super und die ganze Produktion sehr schick. Aber die Story und vor allem die Dialoge waren über weite Strecken so wirr und gekünstelt, dass man nie richtig in die Story eintauchen konnte. Mag aber auch daran liegen, dass ich die deutsche Synchro gesehen habe. Schade eigentlich, die Grundidee der Serie war sehr vielversprechend.

    Gravatar Image Comment von Enk — 9.05.2008 @ 21:30

  4. Ich würde sagen, dass die Synchro definitiv ihren Teil dazu beiträgt. Gut, zur Story kann ich nach sechs Folgen noch nicht so viel sagen, aber stimmt schon: man muss sehr viel nachdenken und aufpassen, um einigermaßen dranzubleiben und nicht völlig verwirrt am Wegesrand zu stehen. Aber zu der Synchro kann ich nur soviel sagen: Ich habe es auf Englisch gesehen, war begeistert, und schaute dann spaßeshalber auf der DVD mal in die deutsche Tonspur rein.

    Dann habe ich laut gelacht, “Ach du Scheisse” gedacht und wieder umgeschaltet. Die deutsche Synchronisation hat selten so viel an Atmosphär zerstört wie es m. M. nach bei “Deadwood” der Fall ist.

    Gravatar Image Comment von Knurrunkulus — 10.05.2008 @ 0:12

  5. Was mich an Hitman positiv überrascht hat, waren die Szenen, in denen dem Hitman (als gefühlskalte Person) von seiner weiblichen Begleiterin versucht wurde, Emotionen zu entlocken. Ich fand diese Szenen äußerst nett geschauspielert von Timothy Olyphant, diesen schmalen Grat. Wegen meiner Null-Erwartung an den Film hat er mir auch recht gut gefallen :)

    Gravatar Image Comment von laZee — 2.06.2008 @ 15:02

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