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Filmkritik: Savage Grace (Wilde Unschuld)

abgelegt unter: Film von Enk am 05.05.2008
savage grace
(C) IFC Films

“I don’t think I’ve ever met a family like yours - all this excitement, all this history”

Savage Grace ist die Verfilmung der Lebensgeschichte von Barbara Daly Baekeland, einer Society-Lady, die 1972 von ihrem eigenen Sohn Anthony ermordet worden ist (jaja, gespoilert, aber bei einem Biopic ist das erlaubt). Barbara (Julianne Moore) verbindet von Beginn an eine intensive und ungewöhnlich intime Beziehung zu ihrem Sohn (Eddie Redmayne). An ihren Mann Brooks (Stephen Dillane) hingegen schätzt sie vor allem, dass er ihr die Tür in die feine Gesellschaft geöffnet hat. Man verkehrt in besten Kreisen, da Großvater Leo das erste synthetische Plastik erfunden hatte und die Familie damit reich gemacht hat.

Die mondäne Famile lebt gut vom ererbten Geld und führt ein jet-settiges Leben in den Metropolen dieser Welt. Man zieht von New York in den 40ern, nach Paris in den 50ern, Spanien in den 60ern und wieder zurück nach Paris und dann London. Die verschiedenen Schauplätze und Epochen sind sehr detailreich in Szene gesetzt, ohne in übertriebenen Ausstattungsorgien zu ersticken.

Julianne Moore, die ihren guten Ruf in letzter Zeit ein wenig durch lustlose Massenware wie Next gefährdet hat, ist hier einmal wieder in einer echten Paraderolle zu sehen. Die schillernde Barbara Baekeland ist eine eigenwillige und exzentrische Frau, die auf gesellschaftliches Ansehen höchsten Wert legt, aber auch gerne mal abrupt ausfällig wird und Leuten vor den Kopf stößt. Die mit ihrem Mann spielt und ihren Sohn vergöttert. Moore kann hier zwischen Exaltiertheit, Depressionen, Lust und Perversion alles zeigen - und macht das Ganze ohne over-acting oder nervige Aufgesetztheit.

Die Story allerdings ist recht wirr und mäandert vor sich hin. Die Konstellationen wechseln in diesem Ensemble wild hin und her zwischen Vater, Mutter, Hausfreund, Freundin, Kindern, Männern, Frauen: Der Vater spannt dem homosexuellen Sohn die Freundin aus, Mutter und Sohn teilen sich einen Liebhaber und vor Inzest schreckt man auch nicht zurück. Alles ziemlich shocking, sicherlich, aber leider ohne wirklichen Spannungsbogen erzählt, zumindest ohne einen, den ich verstanden hätte. Handwerklich ist der Film sehr solide gemacht: Kameraführung, Beleuchtung, Ausstattung und schauspielerische Leistung sind auf hohem Niveau. Leider reicht das nicht, um eine fesselnde Geschichte zu ersetzen. Für Julianne Moore Fans dennoch sehenswert, seit langem hat man sie schon nicht mehr in einer so starken Rolle gesehen.

Savage Grace (Wilde Unschuld), USA, Spanien 2007 - deutscher Kinostart: 08.05.2008
4 Punkte


4 Kommentare »

  1. Sag mal, was guckst Du Dir in letzter Zeit eigentlich für Filme an? Nur Weiberkram und Zeug aus meiner Lieblingskategorie “So stellt sich Hollywood einen anspruchsvollen Film vor”…
    Du wirst alt.

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 6.05.2008 @ 18:00

  2. …und du klaust meinen Gravatar :)

    In die Kategorie “So stellt sich Hollywood Anspruch vor” würd ich Savage Grace nicht einordnen, das war nicht so ein Hausfrauen-Tiefsinn à la Club der toten Dichter, sondern schon etwas differenzierter. Aber halt leider langweilig.

    Aber keine Angst, der nächste Rambo oder Die Hard kommt bestimmt, und dann auch in diesem Blog :)

    Gravatar Image Comment von Enk — 6.05.2008 @ 19:44

  3. @SpielerZwei: Aber nicht dass das auf mich zurückfällt!! Ich hab gar nicht mitgeguckt! ;-)

    Gravatar Image Comment von Zeh — 7.05.2008 @ 7:32

  4. Oh. Jetzt bin ich allerdings noch viel schockierter!

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 9.05.2008 @ 19:02

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