Filmkritik: Little Miss Sunshine
Warmherziger Road Movie über eine skurille Familie, die in einem alten VW-Bus auf dem Weg nach Kalifornien ist, damit die kleine Tochter am “Little Miss Sunshine” Schönheitswettbewerb teilnehmen kann. Der Vater ist ein erfolgloser Motivationstrainer, der Opa ist drogensüchtig, der Onkel lebensmüde, und der Sohn macht eine zornige Pubertätsphase durch. Einzig die Mutter und die etwas pummelige kleine Olive, deren größter Traum die Teilnahme am Miss-Wettbewerb ist, wirken in diesem Ensemble halbwegs normal.
Einige Skurrilitäten wirken ein wenig zu bemüht, z.B. das Schweigegelübte des rebellischen Sohnes, der sich nur noch mit Hilfe von Block und Kugelschreiber unterhalten will, und auch die Story ist an ein paar Stellen etwas arg konstruiert, um die für die Dramaturgie notwendige Konstellation zu erzwingen. Hat man sich mit dem Setting aber erst einmal arrangiert, macht es viel Spaß, dem bunten Haufen auf den Weg nach Kalifornien zuzuschauen.
Der Film zieht viel Witz aus der Gegenüberstellung von amerikanischer “Du kannst es schaffen”-Philosophie, die der Vater gewinnbringend verkaufen will, und dem realen Alltag, der sich leider nicht immer mit ein paar platten Motivationssprüchen (”Jeder kann ein Gewinner sein”) zurechtbiegen läßt. Das ist nicht sehr originell, aber trotzdem sehr unterhaltsam. Die ganze Szenerie des Films ist dabei erfrischend “normal”: Man wohnt nicht in den üblichen schicken Vorstadt-Häuschen und fährt einen großen Geländewagen, sondern bewegt sich mit einem abgewrackten Bus durch die amerikanische Highway-Tristesse, übernachtet in unglamourösen Motels am Straßenrand und das Ziel der Reise, die große “Miss Sunshine”-Wahl, findet in einem drittklassigen Hotel an der Autobahn statt.
Greg Kinnear als Möchtegern-Positiv-Denken-Guru, der sein eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommt, Toni Collette als halbwegs normale Mutter, aber auch Steve Carell als suizidgefährdeter Onkel sind großartig besetzt.
Die zugrundeliegende Botschaft von Little Miss Sunshine (”Sei du selbst, “Familie ist das wichtigste”) ist auch nicht viel origineller als die durch den Kakao gezogenen “Du kannst es Schaffen”-Philosphie, und auch die Kritik am oberflächlichen Schönheitsideal von Miss-Wahlen ist nicht gerade revolutionär. Aber der Film versteht es, diese Themen mit einem sehr symphatischen Erzählton und viel Witz rüberzubringen.
Little Miss Sunshine, USA 2006 - deutscher Kinostart: 30.11.2006










