Warning: This movie contains disturbing material
Das war er also, der Kurzfilm, der es in alle Hauptnachrichten der letzten Woche geschafft hat: Fitna (Zwietracht), der als große Anti-Islam-Aufklärung angekündigte Film des niederländischen Parlamentsabgeordneten Geert Wilders, ist in Wirklichkeit eher eine Heimproduktion nach der Anleitung “Mein erstes Demagogie-Video”. Der Provider, der das Filmchen ins Netz stellt, blendete schuldbewußt zu Beginn die Warnung ein “this movie contains disturbing material”.
Disturbing indeed, aber weniger wegen seiner Islamfeindlichkeit, sondern aufgrund der erschreckend schlichten Machart, sowohl technisch als inhaltlich. Ein Zusammenschnitt aus blutigen Koran-Versen, Mitschnitten islamischer Haßprediger, Bildern von Gewalt und Terroranschlägen islamischer Fundamentalisten und Zeitungsausschnitten, die die zunehmende Islamisierung der Niederlande demonstrieren sollen. Alles schön mit dramatischen Streichern unterlegt, wenn die Kamera auf die Leichen zeigt. Dagegen ist Michael Moore ein Ausbund an Glaubwürdigkeit und Differenzierung.
Man fragt sich, ob das wirklich so einfach sein kann, mit einem solchen mal eben zusammengestückelten Patchwork einen internationalen Skandal hervorzurufen. Aber der Islam ist ein dankbares Opfer für solche Provokationen, wann immer eine drittklassige Zeitung in irgendeinem fernen Land etwas tatsächlich oder vermeintlich islamfeindliches druckt, brennen auf der anderen Seite der Welt die Fahnen und erboste Mengen ereifern sich in Protestkundgebungen vor Botschaftsgebäuden.
Fünfzehn Minuten plumpe Propaganda, die es eigentlich nicht wert sind, sich damit zu beschäftigen. Aber, und da geht der perfide Plan von Populist Wilders auf, auch wenn das eine kalkulierte Provokation ist: Wer sich von dieser Viertelstunde zur Gewalt provozieren lässt, oder auch nur das Recht auf freie Meinungsäußerung in Frage stellt, hat schon verloren, weil er Wilders damit genau bestätigt. Zum Glück sind die Reaktionen aus der muslimischen Welt bislang überschaubar geblieben, es wäre aber auch wirklich selten dämlich, wenn man sich durch ein kleines Filmchen so einfach vorführen ließe.
Skandalös ist allerdings, dass die holländische Regierung es für nötig hält, sich vorab bei den Muslimen in der Welt zu entschuldigen, und dass Provider Liveleak das Video zunächst wieder offline nehmen muss, weil man Gefahr für Leib und Leben der Mitarbeiter fürchtet. Der einzig richtige Umgang mit dem Video wäre schlicht gewesen, es zu ignorieren. Dafür ist es leider zu spät, weil Wilders erreicht hat, was er wollte: Der Film ist ein Politikum geworden.








