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Filmkritik: World Trade Center

abgelegt unter: Film von Enk am 01.02.2008

“Don’t fall asleep, Sarge!”

Im Gegensatz zum halbdokumentarischen klaustrophobischen United 93 war World Trade Center die erste große Hollywood-Produktion über die Anschläge vom 11. September 2000, mit großem Budget, bekannten Stars und großen Emotionen.

Regisseur Oliver Stone beginnt mit ruhigen und unaufgeregten Szenen eines morgentlich aufwachendem New York. Menschen fahren zur Arbeit, die Sonne geht über den Hochhausschluchten auf, auf der Polizeistation werden die Schichten für den Tag eingeteilt. Diese Bilder entfalten ihre besondere Wirkung dadurch, dass jeder Zuschauer genau weiß, was kurze Zeit später passieren wird. Wie schon Michael Moore in Fahrenheit 9/11 verzichtet Oliver Stone darauf, die Bilder der einschlagenden Flugzeuge zu zeigen - durch die indirekte Inszenierung (man sieht nur den Schatten des ersten Flugzeuges vorbeihuschen) wirkt das Ganze umso eindringlicher.

Stone erzählt die Geschichte zweier Polizisten, die direkt nach dem ersten Anschlag zum Ort des Geschehens beordert werden. Noch bevor sie damit beginnen können, Menschen zu retten, stürzt der erste Turm ein begräbt ihre gesamte Truppe unter Trümmern. Über weite Strecken wird der Film ab diesem Punkt von Szenen unbeweglicher verschütteter Männer im Halbdunkel bestimmt. Dieses Szenario mag die tatsächlichen Ereignisse authentisch wiedergeben (die Handlung basiert auf einer wahren Geschichte), ist aber aus dramaturgischer Sicht eher anstrengend. Michael Peña und Nicholas Cage mögen da ihr bestes geben, aber unter diesen Voraussetzungen ist schauspielerisch nicht viel zu holen.

Überhaupt ist das Timing und die Erzählweise von Stone nicht wirklich mitreißend. Neben rußbedeckten Gesichtern im Dunkeln wechselt die Story immer wieder zu rührseligen Rückblenden oder zu den in Ungewissheit schwebenden Familien.

In seinen besten Momenten schafft es Oliver Stone, die Emotionen und die Dramatik des vom Anschlag paralysierten New York einzufangen und zu visualisieren, welche Dimension dieses Ereignis für die Stadt und ihre Bewohner hatte. In seinen schlechten Momenten (und dazu gehören vor allem die langatmigen Szenen “unter Tage”) langweilt er geradezu, oder wartet mit aufgesetztem Pathos auf (”Wir lassen euch nicht im Stich, wir sind Marines”). Der definitive Film zu 9/11 war dies sicher noch nicht.

World Trade Center, USA 2006 - deutscher Kinostart: 28.09.2006
5 Punkte


3 Kommentare »

  1. Oliver Stone ist ein Spinner. Einer, der ein paar gute Filme gemacht hat. Aber trotzdem ein Spinner.

    Wollte ich nur mal gesagt haben…

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 6.02.2008 @ 16:42

  2. Spinner hin oder her, zumindest war er früher dafür bekannt, eher kritische oder zumindest unangepasste Geschichten zu erzählen. Mit World Trade Center hat er dann aber ein ziemlich patriotisches Rührstück abgeliefert.

    Gravatar Image Comment von Enk — 7.02.2008 @ 0:39

  3. War aber nicht wirklich das erste Mal, dass er seichte Kost gemacht hat:
    Alexander, The Doors, Conan (Drehbuch) und Scarface (Drehbuch) sind ja auch keine Meilensteine des Kritischen Kinos…

    Gravatar Image Comment von SpielerZwei — 7.02.2008 @ 15:57

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