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Filmkritik: My Blueberry Nights

abgelegt unter: Film von Enk am 23.01.2008

“So what’s wrong with the blueberry pie?”

Die junge Elisabeth (Nora Jones) hat gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und verbringt die Abende im Café von Jeremy (Jude Law). Die beiden kommen sich näher, aber bevor es ernst werden könnte, flieht Elisabeth vor der Situation und macht sich auf einen Trip quer durch die USA, von New York über Memphis nach Las Vegas.

“Blueberry Nights” ist der erste in den USA gedrehte Film des chinesischen Regisseurs Wong Kar Wai, und er wirkt arg bemüht, den “Arthouse”-Anspruch seines Werkes zu unterstreichen. Die Kamera versucht ständig, vermeintlich ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen, filmt die Protagonisten minutenlang durchs Schaufenster, wird halb von Gegenständen verdeckt oder kreist in Super-Großaufnahme um die Hauptdarsteller. Und wenn eine Szene mal besonders dramatisch sein soll, greift Wong Kar Wai zur ruckeligen Slow Motion, damit es auch jeder merkt. Das ganze wirkt ein wenig nach “Mein Abschlußwerk an der Filmhochschule”. Vielleicht hat auch irgendjemand dem Regisseur gesagt, dass man nicht mehr in Arthouse-Kinos gezeigt wird, wenn mehr als zwei Einstellungen hintereinander ohne “kreativen” Einfall gedreht werden.

Dennoch hat der Film durchaus seine Momente. Wenn Wong Kar Wai seine Kameramätzchen mal etwas zügelt, schafft er es durchaus, die nächtliche Atmosphäre amerikanischer Bars, Diners, und Spielcasinos einzufangen und die melancholische Grundstimmung zu bebildern. Der Soundtrack von Ry Cooder passt gut zu den Bildern, auch wenn “Try a little Tenderness” als Untermalung der Memphis-Episode ein wenig platt ist. Ansonsten hört man Songs von Ms. Jones herself und von Cat Power, die auch einen Gastauftritt hat.

Elisabeth begegnet auf ihrem Selbstfindungstrip einsamen Figuren wie dem alkoholkranken Polizisten Arnie (David Strathairn) und seiner Ex-Frau Sue Lynne (Rachel Weisz), die eine selbstzerstörerische Beziehung verbindet, oder der Profi-Spielerin Leslie (Natalie Portman), die vor ihrem Vater flieht. Im Vergleich zu den eher ungewöhnlichen Episoden ihres USA-Trips wirkt die Rahmenhandlung zwischen Cafebesitzer Jeremy und Elisabeth erstaunlich banal und hätte auch Basis einer Standard romantic comedy sein können: Die beiden lernen sich kennen und tauschen launige Lebensweisheiten aus. Als Elisabeth verschwindet, läßt sich Jeremy alles möglich einfallen, um sie zu kontaktieren, er verschickt einen Stapel identischer Postkarten auf gut Glück, oder telefoniert alle Bars in Memphis ab. Und schließlich begegnen sich die beiden am Ende in New York wieder und… aber nein, auch wenn es so scheint, das ist hier nicht Sleepless in Seattle.

Nora Jones meistert ihre ersten Kinorolle erstaunlich gut und gefällt selbst neben Profis wie Jude Law oder Nathalie Portman. Wong Kar Wai weiß, seine Hauptdarstellerin in Szene zu setzen und hält gerne auch in Großaufnahme drauf.

Der Film hat ein sehr ruhiges melancholisches Erzähltempo, Wong Kar Wai nimmt sich viel Zeit für jede einzelne Szene. Was einerseits eine erfrischende Abkehr von hollywoodtypischen Sehgewohnheiten ist, ermüdet mit der Zeit jedoch ziemlich. Der Geschichte fehlt es über weite Strecken schlicht an Tempo, oder zumindest an einem Spannungsbogen, der die epische Erzählweise zusammenhält. Für Nora Jones Fans sicher ein optisches und akustisches Erlebnis, ansonsten aber ein eher zähes Vergnügen für geduldige Zuschauer.

My Blueberry Nights, USA 2007 - deutscher Kinostart: 24.01.2008
4 Punkte


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