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Filmkritik: Zusammen ist man weniger allein (Ensemble c’est tout)

abgelegt unter: Film von Enk am 17.10.2007


“Zusammen ist man weniger allein” erzählt von vier ganz unterschiedlichen Personen, die sich in der Anonymität der Großstadt zusammenfinden, um… tja… weniger allein zu sein. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Gavalda macht Audrey Tautou wieder das, wofür sie sie seit “Amélie” berühmt ist: eine verhärmte, leicht dem Leben entrückte Frau zu spielen, die die meiste Zeit mit großen Rehaugen in die Kamera schaut. War der überschätzte Amélie aber wenigstens noch unterhaltsam und hatte ein paar witzige Ideen, ist der neue Film mit Fräulein Tautou nur noch eine Ansammlung von hohlen Klischees, verbunden durch endloses Gerede.

Da hätten wir zunächst die Oma (Françoise Bertin), die nicht ins Heim will, und eigentlich nur in Ruhe in ihrem eigenen Haus ihren Frieden finden will. Dann die vom Leben enttäuschte Camille (Audrey Tautou), die sich nicht traut, eine richtige Beziehung einzugehen, sondern lieber unverbindlichen Sex hat. Den selbstzerstörerischen motorradfahrenden Macho Franck (Guillaume Canet), der sich mit Drogen, Alkohol und schnellen Affären betäubt, um sein leeres Leben zu füllen, dabei aber natürlich eigentlich nur die große Liebe sucht. Und schließlich den stotternden und menschenscheuen Sonderling Philibert (Laurent Stocker), der sich nur seinen Ängsten stellen muss, um vom Postkartenverkäufer zum umjubelten Theaterschauspieler zu werden.

Das alles wäre schon schlimm genug, aber Regisseur und Drehbuchautor Claude Berri traute sich wohl nicht, diese Aneinanderkettung sentimentaler Belanglosigkeiten bis zum Ende vor sich hin plätschern zu lassen, sondern setzt dem ganzen am Schluß ein dermaßen zuckersüßes und vor Kitsch triefendes Ende auf, dass man Zahnschmerzen bekommt. Die Trennungs-/ Versöhnungsszene auf dem Bahnhof hatte man vermutlich bei “Schlaflos in Seattle” rausgeschnitten, weil sie zu cheesy war, und Berri hat sie dankend wieder aus dem Mülleimer geholt. Naja, aber warum nicht, auch die Tatsache, dass man schon in den ersten fünf Minuten weiß, wer da am Ende wen bekommt (magersüchtige Frau trifft auf Koch, zwinker, zwinker), hat man sich aus den plattesten romantic comedies Hollywoods abgeschaut. Neenee, wenn schon romantisch, dann lieber gleich Hugh Grant & Co, das ist wenigstens ehrlich, und nicht so eine verlogene Pseudo-Arthouse Geschichte.

Über 90 Minuten vor sich hin plätscherndere Belanglosigkeit, die in rührseligem Kitsch endet und wohl nur für Hardcore-Frankophile oder Audrey-Tatou-Verliebte erträglich ist.

Zusammen ist man weniger allein (Ensemble c’est tout), Frankreich 2007 - deutscher Kinostart: 16.08.2007
3 Punkte


4 Kommentare »

  1. wer wird denn da gleich so verbittert sein? ;-)
    also ich fands schööööööööööööööööööööööön!

    Gravatar Image Comment von Zeh — 17.10.2007 @ 9:14

  2. Kann der Kritik nur zustimmen, der Film ist wirklich unerträglich. Es gibts sogar noch mehr “geht gar nicht”-Elemente: die kulleräugige Oma, die platte Psychologie hinter Philibert, und so weiter. Grässlich!

    Gravatar Image Comment von Peter — 17.10.2007 @ 10:20

  3. Na, dann bin ich ja doch nicht alleine mit meiner Einschätzung :) Scheint ein klassischer Frauenfilm zu sein…

    Gravatar Image Comment von Enk — 17.10.2007 @ 10:27

  4. vorallem!!! ich fand den film eigentlich sehenswert. nicht unbedingt der beste überhaupt, aber sehenswert. obwohl ich aus dem obigen kommentar schließen kann, dass lediglich der film geguckt wurde und nciht das buch gelesen. das ist schade, bei dem buch hat man nämlcih im gegensatz zum film eine ganze menge verpasst, wenn man es nicht gelesen hat!!!

    Gravatar Image Comment von Brenda — 4.12.2007 @ 16:44

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