Filmkritik: Liebesleben
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“What’s wrong with your life?”- “Nothing, except that it’s mine”
Was macht man als Cineast auf der Buchmesse? Filme schauen natürlich. X-Filme hat die Messe genutzt, um die Verfilmung des Romans “Liebesleben” der israelischen Autorin Zeruya Shalev vorzustellen. Liebesleben handelt von den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Müttern, Vätern und Töchtern, Verdrängung und Flucht und einer zerstörerischen Affäre zwischen einer jungen Frau und einem alten Mann. Das Buch ist ein in 23 Sprachen übersetzter Weltbestseller. Nachdem der deutsche Verlag vor einigen Jahren Schauspielerin Maria Schrader für eine Lesung verpflichtet hatte, hatte Frau Schrader sich in den Kopf gesetzt, das ganze zu verfilmen, und liefert nun mit diesem Stoff ihr Regiedebut ab.
Die internationale Produktion, auf englisch von einer deutschen Regisseurin in Israel gedreht, passt zum erklärten Anspruch von Zeruya Shalev, eine universelle Geschichte zu erzählen, die überall auf der Welt passieren könnte. Israel dient dabei nur als malerische Kulisse, einzig die panische Angst der Hauptdarstellerin, mit dem Bus zu fahren und Opfer eines Anschlags zu werden, ist durch den spezifischen Alltag Israels geprägt.
Die Studentin Jara (Netta Garti) trifft bei ihren Eltern auf den alten Freund der Famile Arié (Rade Serbedzija), der die letzten Jahrzehnte im Ausland gelebt hat. Jara, eigentlich glücklich verheiratet mit dem fürsorglichen Jona, fühlt sich schlagartig zu diesem mysteriösen Mann hingezogen und verfolgt ihn, drängt sich ihm geradezu auf. Arié hingegen, ein vom Leben angeödeter Zyniker, ist zu keiner normalen Beziehung fähig sondern braucht immer den letzten Kick, behandelt Jara wie ein Stück Dreck, benutzt sie, sperrt sie in ein Zimmer ein oder läßt beim Sex mit ihr einen schmierigen Freund zuschauen. Jara kann dennoch nicht von ihm loslassen, und durch die obsessive Affäre gerät ihre Ehe, ihr Studium und die Beziehung zu ihren Eltern immer mehr aus den Fugen. Schließlich stellt sich heraus, dass nicht nur Jara eine verhängnisvolle Beziehung mit Arié hat, sondern auch Jaras Eltern und Arié ein jahrzehntelang verdrängtes Geheimnis haben, das mit einem Mal wieder an die Oberfläche kommt.

Die Geschichte kommt sehr zäh in Fahrt und plätschert zunächst in loser szenischer Abfolge vor sich hin. Erst als das Geschehen nach einer guten Stunde eskaliert und die Protagonisten und ihre verdrängte Vergangenheit aufeinanderprallen kommt so etwas wie Spannung und Dramatik auf. Es bleibt aber bis zum Schluß unverständlich, warum die bildhübsche junge Jara dem etwas schmierigen und zynischen Arie so bedingungslos verfällt, ihr gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt und sich von dem alten Mann erniedrigen läßt bis hin zur Hörigkeit. An mangelnder Schauspielkunst liegt es nicht, allen voran Netta Garti als bildhübsche Jara macht ihre Sache hervorragend. Dennoch stimmt die die Chemie zwischen den Darstellern nicht, und die holprige Erzählweise in der ersten Filmhälfe tut ihr übriges.
Alles in allem durchaus noch sehenswert, aber nicht wirklich ein Kino-Pflichtprogramm. Da die Produktion von Arte mitfinanziert wurde, wird es auch wohl nicht lange dauern, bis Liebesleben im Fernsehen läuft.
Ach ja, was das ganze auf der Buchmesse sollte? Es gibt nicht nur den Film zum Buch, sondern auch das obligatorische Buch zum Film. Und das soll viel besser sein, als die üblichen Filmbücher, sagt der Chef von X-Filme. Und die Verlagschefin. Und Maria Schrader. Was Frau Shalev dazu meint, weiss man nicht, da sie kein deutsch spricht. Aber nett gelächelt hat sie.
Liebesleben, Deutschland 2007 - deutscher Kinostart: 08.11.2007









ein Film, der degustierend auf das Thema Liebe und Sex wirkt und eigentlich nur mit Kopfschütteln registriert werden kann